Der chinesische Kamerazubehörhersteller Benro startet in wenigen Tagen eine Indiegogo-Kampagne für einen universalen elektronischen ND-Frontfilter, der einen Bereich von ND3 bis ND64 (1,5–6 Blenden) abdeckt und auf alle Objektive mit einem Gewinde von 67 mm bis 82 mm passen soll. Er kann sowohl mittels integrierter Tasten als auch über eine mitgelieferte Bluetooth-Fernbedienung gesteuert werden und wird ausgeliefert mit einer zusätzlichen, eigenen Halterung, an der weitere Vorsatzfilter befestigt werden können.

Elektronische ND-Filter gibt es zwar schon seit Jahren, allerdings fast ausschließlich integriert in professionellen Cine-Kameras wie bei Kameras aus der Sony Cinema Line oder Canon Cinema EOS Serie, als eher teure Speziallösungen im PL-Mount- und Mattebox-Umfeld oder teilweise integriert in Objektivadapter. Neu an Benros Lösung ist die Möglichkeit, einen elektronischen VND-Filter in Form eines externen Schraubfilters universell für klassische Foto- und Videoobjektive nutzbar zu machen.
Technisch setzt Benro nicht auf das bekannte Prinzip klassischer variabler ND-Filter, die aus zwei gegeneinander verdrehten Polfiltern bestehen, sondern auf sogenannte Dye-Liquid-Crystal-Technologie, eine Schicht, die je nach anliegender Spannung mehr oder weniger Licht absorbiert. Anders als bei herkömmlichen VNDs (zwei CPL-Scheiben) wird diese Filterung des Lichts ohne mechanische Rotation und ohne Polarisationsinterferenz erzeugt und soll so übliche X-Pattern klassischer VNDs – insbesondere bei Weitwinkel und hohen ND-Werten – vermeiden.

Bedienung: Tasten am Filter & Bluetooth-Remote
Die Wahl der ND-Stufe erfolgt per physischer Tasten am Filter. Zusätzlich gibt es den NC1-Bluetooth-Controller mit LCD-Anzeige, anwählbaren Presets sowie einem Auto-ND-Modus, in welchem das Umgebungslicht gemessen und die Abdunklung automatisch angepasst wird, was besonders praktisch ist für Timelapseaufnahmen, Run-&-Gun Shoots oder Kameras in schwer erreichbaren Positionen.
Die Verstellung der ND-Filterstufen erfolgt allerdings nicht kontinuierlich, sondern in 0,5-Blenden-Schritten, d.h. stufenlose ND-Fahrten sind so nicht möglich, bei einer Änderung während der Aufnahme sind Belichtungssprünge möglich.

Der NE1 blockiert zwar UV, lässt aber sichtbares und IR-Licht passieren. Für Motive/Sensoren, die zu IR-Verschmutzung neigen (etwa bei langen Belichtungszeiten), kann ein separater IR-Cut Filter weiterhin sinnvoll sein.
Material
Als Material des NE1 wird robustes Corning-Glas verwendet, das beidseitig mit AR- und Nano-Beschichtungen (u. a. gegen Reflexe, Wasser/Öl, Kratzer) ausgestattet ist. Der mechanische Rahmen besitzt Lichtfallen (erhöhte Kante, Stufennuten) zur Streulichtunterdrückung.
Das Schnellwechselsystem des NE1 deckt Objektive mit 67–82 mm Frontdurchmesser ab; 86 mm werden nicht unterstützt. Die Filterhalterung besteht aus Aluminium und nutzt V-förmige Schienen für schnelles Ein-/Aus- und Stacking.
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Merkmale im Überblick
- Elektronischer VND ND3/4/6/8/12/16/24/32/64 (1,5–6 EV)
- Dye-LC-Technologie, kein X-Pattern, keine Rotationsmechanik
- Tastenbedienung, 0,5-EV-Schritte
- NC1-Bluetooth-Controller mit LCD und Auto-ND
- CRI ≥ 90, Haze < 1 %, ms-Reaktion, < 12 V
- Haze < 1 % für konstante Klarheit
- Reaktionszeit im Millisekundenbereich
- Betriebsspannung < 12 V
- Corning-Glassubstrat, AR/Nano-Coatings
- Schnellhalter für 67–82 mm, Stacking-Schienen
- Erweiterbar mit ND16, Black Mist 1/4, Star Burst 6, Streak B
- Gewicht: 68.5g
- Filter: 10h Laufzeit (200 mAh Akku), Laden per USB-C
- NC1 Fernbedienung: 21.6g, 10h Laufzeit (200 mAh Akku), Laden per USB-C
- Filterhalterung für 67-82mm Objektive: 50.4g


Auslieferung, Preis und ein Caveat
Die Crowdfunding-Kampagne für den Benro NE1 startet am 2. Februar, direkt zum Launch gibt es einen Frühbucherpreis von 228 Dollar; regulär soll das Produkt dann 380 Dollar kosten. Die Produktion soll noch während der Kampagne beginnen, die Auslieferung ab 15. April erfolgen. Allerdings muss neben dem üblichen Hinweis vor den Risiken einer Crowdfundingkampagne noch eine besondere Warnung ausgesprochen werden: Benro hat zwar jahrzehntelange Erfahrung im Filter- und Zubehörbereich, gleichzeitig aber eine problematische Historie bei Crowdfunding-Projekten, insbesondere bei Lieferzeiten, Kommunikation und Software-Nachpflege.
So gab es bei der Kampagne des selbstnivellierenden Benro Theta Stativs massive Verzögerungen samt schlechter Krisenkommunikation seitens Benro - manche Backer warten noch heute auf eine Rückerstattung. Deswegen kann es eine gute Strategie sein, den NE1 erst nach erfolgter Auslieferung und positiven Tests zu kaufen, um sein Geld nicht unnötig aufs Spiel zu setzen - allerdings dann zum höhreren, regulären Preis. (Danke an M. Kexel für die Meldung!)

















