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Test : Sony PXW-FS7 II Teil 2: Formate, Bildqualität und Fazit

von Fr, 4.August 2017 | 4 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Quo Vadis XQD?
10 Bit statt RAW
Schärfe und Sensor-Readout
1200 und 12 LUX
Fazit



Nachdem die Unterschiede zur ersten FS7 in einigen Details zu finden waren, gibt es bei bei der Bildqualität kaum Überraschendes zu entdecken. Doch ein spannendes Thema ist natürlich die HDR-Fähigkeit...



Moderne BT.2020 aber (noch?) kein HDR



Im Gegensatz zu noch größeren Sony-Pro-Kameras gibt es für die FS7 (II) keinen offizielle Firmware Roadmap mit zukünftigen Funktionen. Gegenüber der ersten FS7 verfügt die neue Mark2 nun auch über hinterlegte BT.2020 Presets. Damit kann nun auch direkt im ITU-R BT.2020 Farbraum aufgenommen werden, der unter anderem in der HDR-Produktion eine größere Rolle spielt. Spezielle HDR-Profile (wie HDR-10 oder HLG) bringt jedoch auch die neue FS7 nicht mit.
Sieht man sich jedoch die Farbraumabdeckung der REC2020 genauer an, so ist klar zu erkennen, dass die vorhandene S-Gamut3 (nicht Cine!) den REC2020-Farbraum vollumfänglich umschließt:



Mit S-Gamut3/S-Log3 aufgezeichnetes Material kann somit in der Postproduktion leicht in HLG/PQ umgewandelt werden, ohne dass Verluste gegenüber REC2020 zu erwarten sind. S-Gamut3/S-Log3 kann jedoch auch schon die erste FS7 aufzeichnen, die übrigens auch weiterhin im Programm bleibt.

Da mittlerweile Sony selbst bestätigt hat, dass beide Modelle den gleichen Sensor besitzen, ist die Bildqualität praktisch identisch und auch der PMW-F5 sehr ähnlich, von der dieses Sensor Design ursprünglich stammt.



Quo Vadis XQD?



Die FS7 II zeichnet nach wie vor auf XQD-Karten auf. Dieses Speicherkarten-Format ist in der Leistungsfähigkeit ungefähr mit CFast zu vergleichen, basiert auf PCI-Express und wurde ursprünglich federführend von SanDisk, Sony und Nikon als offener CompactFlash Nachfolger entwickelt. Einzig Nikon brachte jedoch bis heute neben Sony auch (vereinzelte) XQD-Kameras auf den Markt und der neben Sony einzige weitere Hersteller von XQD-Karten (Lexar) ist gerade dabei den Speicherkarten Markt zu verlassen.
Nachdem SanDisk sich mittlerweile deutlich zur CFast-Alternative bekennt ist Sony nun der einzige XQD-Karten Hersteller und das Format somit -wenn auch unabsichtlich- quasi-proprietär einzustufen.

Mit Internet-Preisen ab 1,25 Euro pro GB sind die günstigsten XQD-Karten aktuell ca. 30 Prozent teurer als die günstigsten CFast-Karten mit 90 Cent pro GB. Zum Vergleich: Deutlich schnellere SATA-SSDs sind aktuell (Sommer 2017) ab ca. 24 Cent/GB erhältlich, vergleichbar schnelle USB-Sticks (die fast ebenso kompakt und praktisch wären) gibt es ab ca. 37 Cent/GB.

In unseren Augen sollte Sony seine Preise an CFast-Preisen orientieren, dann dürfte das mittlerweile etwas etwas exotisch anmutende XQD-Format in den Augen der Käufer nicht als Nachteil wahrgenommen werden.



10 Bit statt RAW



Sony ermöglicht bei der FS7 II weiterhin die RAW-Aufzeichnung nur per externem Recorder. Greift man hierfür zum andockbaren AXS-Memory Recorder, so kostet dieser mit 5.500 Euro Netto-Listenpreis schon alleine mehr als eine URSA Mini Pro, die 10 Bit Log und RAW aufzeichnen kann. Klarer Fall: Die FS7 macht eigentlich nur Sinn, wenn man die interne 10 Bit XAVC-Aufzeichnung nutzt. Diese stellt in der besten Qualität in unseren Augen einen guten Kompromiss zwischen Datenrate (480Mbits) und Bildqualität dar. Ein 10 Bit (S)log File bietet schon gehörig Spielraum in der Farbkorrektur. Gegenüber RAW Aufnahmen fällt bei XAVC480 in der Regel vor allem das “komprimierte Rauschen” ins Auge. Allerdings ist dies schon gehobene Pixel Peeping Liga. Gegenüber Uncompressed Raw kommt man ungefähr mit einem sechstel der Datenrate aus, was in Projekten mit hohem Drehverhältnis ein entscheidender Vorteil gegenüber RAW bleibt. Vergleicht man es allerdings mit Compressed RAW-Dialekten und die dazu gehobenen XQD-Speicherpreise so kann sich die Rechnung auch schnell wieder relativieren. Canon RAW Lite der C200 benötigt beispielsweise nur ca. die 1,5fach Datenrate von XAVC480 und kann diese auf die günstigeren CFast Speicherkarten wegschreiben.

Wahrscheinlich könnte die FS7 auch RAW intern aufzeichnen, wenn die Marketingabteilung hierzu grünes Licht geben würde. Die XQD-Spezifikation würde eine 1:1 Sensor RAW-Aufzeichnung in der Kamera jedenfalls hergeben. Und DAS wäre natürlich der Knaller, wenn Sony dies mit Erscheinen der C200 auch überraschend per Firmware nachreichen würde. Jedoch glauben wir Sony so gut zu kennen, dass dies niemals passieren wird.



Schärfe und Sensor-Readout



Schon beim ersten Sicht-Eindruck der Testbilder wird offensichtlich, dass Sony bei der neuen FS7 II in der Bildqualität keine Änderungen vorgenommen hat. Dies bedeutet leider auch, dass die Kamera weiterhin “nur” einen 1:1 Sensor-Readout bietet, der schon der ersten Version für sichtbare Debayering-Artefakte sorgte. Dabei bleibt das Ausleseverhalten des Sensors bis 60p konstant. In den Standard-Profilen kommen dabei schon leichte Zipper und Falschmuster in feinen Details zum Vorschein:



Noch deutlicher treten diese in den CineEI-Einstellungen mit Slog3 zu Tage:



Hier bleiben Kameras wie die Blackmagic URSA 4,6K oder eine GH5 im Vorteil, die durch Oversampling fast keine Artefakte beim Debayering produzieren. Auch die Samsung NX1 oder eine Sony Alpha 6300/6500 schlagen in dieser Disziplin den 1:1 Sensor-Readout der FS7. Es ist zu erwarten, dass Canons C200 hier kaum besser abschneidet, während Panasonics AU-EVA1 wahrscheinlich durch ihr Oversampling besser aussehen wird.



1200 und 12 LUX



Bei genügend Licht (1200 Lux) knallen die Farben der FS7 II Sony-typisch bunt, was auch klar für ihren universellen Einsatzzweck spricht. Wer hiermit fürs Fernsehen mit 60 fps in Rec709 produzieren will, bekommt hier gleich aus der Kamera ein sattes Bild mit hohem Kontrast und relativ wenig Dynamik geliefert.



Soll es dann doch das große Kino sein, so lässt sich mittels S-LOG3 auch der große Sensor-Dynamikumfang bei der Aufzeichnung nutzen, was bei unserem Testbild ohne LUT-Korrektur dann so aussah:



Bei wenig Licht kam uns das Kit-Objektiv etwas in die Quere, das mit seiner Anfangsblende 4 nicht wirklich den Sensor glänzen lassen kann. Wir haben dem etwas Rechnung getragen, indem wir mit der Belichtungszeit auf 1/25 gegangen sind. Hier einmal eine kurze Low-Light-Bildstrecke hierzu:

Die Sony FS7 II bei 12LUX mit F4, 1/25s und 0dB in S-Log3



Die Sony FS7 II bei 12LUX mit F4, 1/25s und 6dB in S-Log3



Die Sony FS7 II bei 12LUX mit F4, 1/25s und 12dB in S-Log3




Das Low-Light-Verhalten erscheint uns dabei ein weiteres mal sehr gut, wobei andere Kameras in der 4K/S35 Sensoren Klasse durchwegs ähnliche Ergebnisse abliefern. Sehr groß sind die Sensorunterschiede zwischen den Herstellern bei wenig Licht nicht mehr und wenn eine S35-Kamera heute besonders wenig rauscht, so ist dies in der Regel nicht der Sensor, sonder eine integrierte Rauschunterdrückung.



Fazit



Die 3000 Euro Preisunterschied gegenüber dem Vorgängermodell, die Sony bei der Vorstellung verkündete sind mittlerweile im Markt zu ca. 1500 Euro netto geschrumpft und dies scheint uns in Anbetracht der gebotenen Neuigkeiten auch ein fairer und reeller Aufpreis zur ersten Version. Die Neuerungen halten sich dabei in eher engen Grenzen, weshalb sie wohl nur wenige FS7-Nutzer zum Umstieg bewegen dürften, was ja auch eine gute Neuigkeit für Bestandskunden ist. Die stabile Mount oder der stufenlose ND-Filter sind dabei keineswegs zu verachten, jedoch demonstriert Sony damit nicht mehr die aggressive Innovationsfreude der letzten Jahre. Die kleinen, aber in unseren Augen nicht irrelevanten Schwächen der ersten FS7 wie der 1:1 Sensor-Readout, die unpräzise 4K-Display-Vorschau oder die quasi-proprietären XQD-Medien wurden dagegen beibehalten.

Und während Sony vor drei Jahren mit der FS7 in diesem Preisbereich noch alleine wildern und begeistern durfte, tummeln sich um die 10.000 Euro mittlerweile eine URSA Mini Pro, eine Canon C300 Mk2 sowie bald noch eine Canon C200 und eine Panasonic AU-EVA1, die teilweise auch die zweite Version der FS7 in nicht unwichtigen Details wie 4K-Sensor-Oversampling, interner RAW-Aufnahme, günstige Speicherpreise, Dual Pixel Autofokus, Touchscreen oder agilere Gehäuseformen herausfordern. Fast alle diese Features beherrscht Sony ebenfalls, wie sich an anderen Kameras und Geräten aus dem Hause Sony zeigt.

Dabei könnte Sony sogar noch einzigartige Features wie einen bewegten S35-Sensor in die Waagschale werfen. Dazu neben RAW dann auch noch XAVC 12 Bit mit hoher Datenrate und schon hätte Sony wieder alle Trümpfe in einer neuen Killer-Kamera (wie wärs mit einer FS9?) vereint. Aber das dauert sicher noch 1-2 Generationen. Bis dahin bleibt auch die neue FS7 II ein universell einsetzbares Arbeitstier mit wenigen Schwächen, das sich jedoch nicht mehr durch seinen attraktiven Preis von der mittlerweile großen Konkurrenz abhebt.


Sony PXW-FS7im Vergleich mit:

Listenpreis: 9409 €
Markteinführung: Dezember 2014
Sensorgrößen-Klasse:
Super35 / APS-C
Mount: E-Mount

Platz 14 Wechseloptik-Camcorder / Cinema Kamera Bestenliste
Blackmagic Design URSA 4K
Listenpreis: 5659 €
Sensorgrößen-Klasse: Super35 / APS-C
Blackmagic Design Production Camera 4K
Listenpreis: 2999 €
Super35 / APS-C

  

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update am 19.August 2022 - 15:02
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