Im zweiten Teil unseres MacBook Pro 17" Review wollen wir noch ein Paar weitere Rendertests im Vergleich zu unserem Referenz-System Quad G5 2.5 GHz betrachten und die Frage beantworten, für wen Apples-Flagschiff-Notebook die richtige Wahl ist und wer ebenfalls mit einer Nummer kleiner auskommt. Außerdem wollen wir noch nach der Traumausstattung eines speziell auf HD-Videoproduktion ausgelegten Notebooks schauen - der Trend scheint ja eindeutig in Richtung Spezialisierung zu gehen, was das MacBook Pro bereits mit der optional erhältlichen Auflösung von 1900x1200 Bildpunkten anschaulich demonstriert.

Das Hardware-Setup
Um die Vergleichbarkeit der beiden Testsysteme zu erleichtern vorweg nochmal die Hardware-Voraussetzungen der "Kontrahenten" im Einzelnen. Wichtig sind hier vor allem Festplatte, bzw. deren Geschwindigkeit, die Prozessor-Taktung sowie Größe des zur Verfügung stehenden Arbeitsspeichers. Gerade die Renderleistung eines Programms wie Motion, das viel auf den Grafik-Chip auslagert, ist von der Leistung der verbauten Grafikkarte in besonderer Weise abhängig. Beide Systeme sind in Sachen Grafikkarte nicht gerade bescheiden unterwegs. Im MacBook Pro werkelt ein GeForce 8600M GT Chipsatz, der maximale Clock-Speeds von 520 MHz, respektive 650 MHz erreicht. Im G5 ist eine NVIDIA GeForce 7800GT verbaut, die mit 400, respektive 500 Mhz arbeitet.


Beide verfügen über Festplatten, die mit 7.200 U/Min zur flotteren Sorte gehören und mit einem SATA-Anschluss auch mit maximaler Bandbreite an das System angeschlossen sind:


Die Prozessoren hatten wir ja bereits im ersten Teil vorgestellt, hier nochmal kurz der Vollständigkeit halber. Intel Core 2 Duo mit 2.4 GHz im MacBook Pro und Quad G5 2.5 GHz im G5. Am System-Bus sorgt beim MacBook Pro eine Taktung von 800 MHz für den entsprechenden Durchsatz - am G5 sind es 1.3 GHz. An L2 Cache stehen beim G5 1 MB pro CPU zur Verfügung, wohingegen der Core-Duo auf einen gemeinsamen L2 Cache von 4 MB zurückgreift. Bei letzterem sind also leichte Vorteile für das Core 2 Duo System erkennbar , die durchaus auch für die Praxis relevant sein dürften.
Rendertest Motion
Nachdem wir nun die Kandidaten vorgestellt haben, hier nun die weiteren Rendertests - zunächst unsere Motion-Animation, die, wie bereits erwähnt, neben dem Prozessor vor allem die Grafikkarte fordern dürfte.

Wir haben hier den Schwerpunkt auf Partikel- bzw. Emittersysteme gelegt. Ähnlich wie in unserem After-Effects Rendertest (der sich am Ende der Rendertests nochmal angefügt findet), verschafft sich das MacBook Pro einen komfortablen Vorteil von ca. 24 % Geschwindigkeitsgewinn. In Sekunden ausgedrückt bedeutet dies:
32 Sekunden MacBook Pro 17" 2,4 GHz
42 Sekunden Quad G5 2.5 GHz
Hier dürfte die modernere Grafikkarte des MacBooks Pro dafür sorgen, dass es vorne liegt.
Rendertest Final Cut Pro 6
Unser Rendertest unter Final Cut Pro 6 zeigt hingegen ein anderes Bild. Hier schafft es der Quad G5 noch einmal, gegen den moderneren Chipsatz des MacBook Pro zu bestehen.

Unser Final Cut Pro 6 Rendertest berücksichtigt hierfür folgende Szenarien: DVCPRO-HD 1080 I Material auf einer ebensolchen Timeline kopierte, parallele Videospur, die auf 50% Transparenz gesetzt wurde, Farbkorrektur, Überblendungen. Im Großen und Ganzen die Standard-Verfahren im Videoediting. Der gesamte Clip muss dabei komplett neu gerendert werden. Und so sieht das Ergebnis in Zahlen aus:
5 Min 13 Sekunden MacBook Pro 17" 2,4 GHz
3 Min 50 Sekunden Quad G5 2.5 GHz
In Sachen FInal Cut Pro schafft es also noch das alte System, dem neueren Laptop Paroli zu bieten. Beruhigende Nachricht für alle Videocutter, die noch auf einem entsprechenden G5-System unterwegs sind und bei denen DVCPRO HD zum Standard-Codec gehört. Letztlich ist der professionelle Videoschnitt auch ein Gebiet, auf dem man nicht jedes Jahr sein System updatet, weil es etwas mehr Renderpower gibt, sondern wo man mit einem optimal konfiguriertem System - das bedeutet vor allem Stabilität, Stabilität, Stabilität - viele Jahre sein Material bearbeitet. Aber Vorsicht ! DVCPRO HD gehört nicht unbedingt zu den Codecs, die enorme Anforderungen an die CPU stellen. Bei HDV dürfte die Sache schon wieder ganz anders aussehen und da kann das MacBook Pro durchaus auch vorne liegen. Ausführliche HDV-Rendertests auch zwischen Final Cut Pro und Premiere wird es jedoch aus Zeitmangel ein anderes Mal geben. Wir merken uns hier erstmal, dass Codecs, die weniger heftig komprimieren, ein Segen für ältere Systeme sein können und die Karten für HDV nochmal anders gemischt werden (Ja, AVCHD gehört auch zu den heftig komprimierenden Codecs).
Rendertest Formatkonvertierung
Zum Schluss haben wir noch einen richtig langen Rendertest gefahren für ein ebenfalls recht typisches Szenario: Das Umkonvertieren einer DVD in ein kleineres Web oder iPod-fähiges Video-File.

In diesem Fall haben wir uns für 90 minütiges MPEG2 Material von DVD nach MPEG 4 auf Festplatte entschieden. Zum Einsatz kam Handbrake in der aktuellen Version. Auch hier lag der Core 2 Duo Chipsatz des MacBook Pro eindeutig vorne. Das MacBook Pro brauchte 134 Minuten, während sich die 4-Prozessor-Maschine 181 Minuten gönnte:
134 Minuten MacBook Pro 17" 2,4 GHz
181 Minuten Quad G5 2.5 GHz
Rendertest After Effects
Den After Effects Rendertest hatten wir ja bereits beim ersten Teil des Artikels vorgestellt - hier also nur der Vollständigkeit halber nochmal die Zahlen, die wir im ersten Teil ermittelt hatten:
11 Minuten MacBook Pro 17" 2,4 GHz
13 Minuten Quad G5 2.5 GHz
Exkurs: Traumausstattung HD-ProductionBook
Das MacBook Pro in der HD-Auflösung kommt der Traumausstattung eines perfekten HD-ProductionBooks schon sehr nahe, mehr dazu dann im abschließenden Fazit. Das heisst jedoch nicht, dass da nicht noch Platz für Träume wäre. Lassen wir uns also kurz mal dazu hinreissen. Welche Funktionalität müsste also ein virtuelles HD-ProductionBook mitbringen ?
Zunächst mal sollte es nicht nur für den Videoschnitt sondern auch für die Produktion vor Ort einsetzbar sein - und dies bedeudet als vollwertiger Ersatz für einen Kontrollmonitor vor Ort. Sicher gibt es bereits Firewire basierte Lösungen die dann auf Software aufsetzten wie Scopebox oder FlipFlop aber was ist mit den Kameras die kein Firewire Signal permanent anliegen haben? Standard-Outs sind in den meisten Fällen analoge komponenten Signale über BNC. Das HD-ProductionBook bräuchte also eine Möglichkeit ein YUV-Signal via BNC darzustellen. Damit zusammen fällt dann eine hardwarebasierte Kallibrierung, also eine Art eingebaute Spyder-Funktion und fertig ist der Kontrollmonitor-Ersatz. Via AppleRemote liessen sich die dort eingespeisten Signale auch aufzeichnen, so dass neben Kontrollmonitor-Funktion auch gleich ein Backup per Capture-To-Disk angefertigt werden kann. Sollte sich ein digitaler Eingang einfacher realisieren lassen, was durchaus zu vermuten steht, wären die meisten sicherlich auch mit einem SDI-In zufrieden :-).
Ein eingebauter HD-DVD-fähiger Brenner, der am besten beide HD-DVD-Formate unterstützt, erscheint gar nicht mehr so irreal auf der Wunschliste. Hier dürfte sich bald etwas tun.
Ein Festplattenraid, dass nicht über Kabel in eine Raid-Box geleitet werden muss, sondern als zusätzlich klippbarer Boden eingeklingt wird, wüsste sicherlich auch zu begeistern. Flash-basiert und trotzdem mit Aufzeichnungsgeschwindigkeiten, die eine Echtzeit-Konvertierung nach ProRes 422 ermöglichen wären, nun ja, ein Traum.
Auch Audio sollte nicht zu kurz kommen und ein XLR-Stecker liesse sich sicherlich auch noch irgendwo einbauen. Nimmt man dies alles zusammen, würde dabei wohl ein ziemliches Monstrum herauskommen, das so klobig und unhandlich wäre, dass damit der sichere Untergang Apples eingeleitet wäre - also vielleicht lieber den Traum Traum sein lassen :-) ... kehren wir in die Realität zurück und die hat in Sachen MacBook Pro 17" eigentlich ausreichende Traum-Qualitäten.
Fazit
Das MacBook Pro 17" mit optionaler HD-Auflösung ist eine echte Profimaschine auf sehr hohem Verarbeitungsniveau und mit mächtiger Renderpower. Die von uns getestete, erweiterte Ausbaustufe mit 4GB RAM sowie der höheren Auflösung konfiguriert sich im Apple-Store auf 3.609 Euro inkl. MwSt... Wer sich dafür entscheidet, sollte in erster Linie und wirklich mit hochauflösenden Bildern zu tun haben - für Prestige-Käufer ist es einfach zu sehr auf professionelle Anwendungen abgestimmt. Der HD-Video Bereich ist sicherlich eine wichtige Anwendergruppe für das MacBook Pro 17" aber es sollten auch nicht andere professionelle Anwender vergessen werden - solche die mit noch größeren Bildern als HD hantieren: Grafiker, Fotografen und Designer profitieren von den 1900x1200 Pixeln (mindestens) genausoviel wie der professionelle Videograph. Das MacBook Pro 17" stellt mit seiner konsequenten Ausrichtung auf professionelles Arbeiten zusammen mit seiner großen Flexibilität in Sachen Betriebssystemwahl (Mac OS X, Linux, Windows) derzeit die Referenzklasse in Sachen HD-fähiger Laptop dar.
Rob