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Grundlagen : Die Philosophie des Editings - Typische Schritte des Filmschnitts

von Do, 19.Juli 2018 | 4 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 Das Erinnern



Das Erinnern



Vielen Editoren wird ein bemerkenswertes Gedächtnis nachgesagt. Sie wissen scheinbar auswendig, wo die Szene mit dem zitternden Nasenflügel liegt und können diese in sekundenschnelle auf den Vorschaumonitor zaubern. Tatsächlich ist dies aber vielmehr ein sich fast automatisch einstellender Effekt, wenn man oft mit viel Material arbeitet und gelernt hat, instinktiv den Überblick zu behalten. Wer schon einen halben Tag an einer Szene gebastelt hat, kennt fast jedes Detail des verfügbaren Materials und ist entsprechend schnell beim Auffinden bestimmter Szenen, sobald sich der Regisseur dazu setzt.

Meist liegt dieses Wissen auch in einem sehr speziellen Kontext bei der Arbeit an einer Szene vor und geht natürlich genauso schnell wieder verloren, wenn man im Projekt weiter voranschreitet. Lernen kann man dieses Erinnern nicht, jedoch gilt es als hilfreich, bei einer Szene erst einmal planlos zu starten und spielerisch Kombinationen auszuprobieren. In der Regel entstehen durch dieses Herumspielen dann erste Ideen, welche Clip-Kombinationen funktionieren könnten. Hierbei lernt man fast automatisch das Material für eine Szene intensiv kennen. Und hat damit auch mögliche Optionen immer schnell parat.



Das führt uns zu einer grundsätzlichen Arbeitsweise, die viele Cutter unbewusst nutzen und die tatsächlich gegenüber der klassischen Schnitttheorie oft verwendung findet: "Einfach loslegen": So muss man nicht alle Clip-Versionen kennen, um eine Schnittkombination einer Szene auszuprobieren. Ein erstes Rohgerüst kann meist besser durch viele Modifikationen über die Zeit reifen. Und natürlich vielleicht auch nochmal komplett verworfen werden. Auf jeden Fall hört man öfter, dass in der Schnitt-Praxis das Sichten und das Lernen des Materials nicht vom eigentlichen Schneiden getrennt werden. Es sind oftmals nicht wie im Lehrbuch getrennte Vorgänge, die sukzessiv ausgeführt werden, sondern Schneiden und Sichten geht oftmals Hand in Hand. Besonders, weil Schnittprogramme ja mittlerweile zahlreiche Tools zur Organisation des Rohmaterials bereithalten. So kann man schon während der Sichtung immer mal schnell eine Schnittfolge ausprobieren.

Auch zu diesem Punkt bemerken selbstreflektivere Cutter, dass man das Rohmaterial noch einmal mit komplett anderen Augen betrachtet, sobald einmal der Rohschnitt einer Szene steht.


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[4 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Salcanon    16:48 am 29.7.2018
Auch hilfreich: Das Drehbuch vorm Schnitt lesen (klar) - und beim sichten und schneiden nie wieder anrühren. So behält man einen direkteren Zugang zum Material.....weiterlesen
Kamerafreund    06:57 am 21.7.2018
Ärgerlich, dass man mit keinem Schnittprogramm mehr während des Sichtens loggen kann, also Marker per Tastatur hinzufügen UND benennen. Adobe prelude könnte das, aber nur Clip...weiterlesen
Axel    08:57 am 20.7.2018
Ich hatte es mit Blick auf die "darlings" verstanden. Mit ein wenig zeitlichem Abstand ist der Film als Ganzes in der Erinnerung des Cutters bereits mit der bisherigen Arbeit...weiterlesen
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