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Erfahrungsberichte : Die Canon EOS R für Filmer - Erste Eindrücke // Photokina 2018

von Do, 6.September 2018 | 4 Seiten (Artikel auf einer Seite)


4K nur mit 1,74x Cropfaktor
Sucher und Display
Dual Pixel Fokus
Neue Bedienelemente
Eine Frage des Systems
Sonstiges
Fazit



Wir hatten gestern schon einmal die Möglichkeit kurz mit der neuen EOS R herumzuspielen und ein paar dringende Fragen für Filmer zu klären, die bei der gestrigen Vorstellung so noch nicht zur Sprache kamen.



4K nur mit 1,74x Cropfaktor



Das wichtigste vorweg: In 4K kann definitiv nur in einem 1,74x Crop gefilmt werden, also mit einem 16:9-Sensorfenster-Ausschnitt der ca. 20,6mm breit ist. Dabei ist es auch egal, ob mit interner Aufzeichnung oder mit externem Output gearbeitet wird. Zum Vergleich: Eine GH5s oder Blackmagic Pocket Cinema 4K bietet bei der 4K-Aufzeichnung eine Sensorbreite von ca. 19mm und damit einen Crop von ca. 1,89x.

In FullHD und 720p kann dagegen auch die gesamte Sensorfläche mit voller 36mm Breite genutzt werden. Dies alles laut Canon sogar bis 60p1080 bzw. 120p720.

Die Canon EOS R



Der Sensor ist zwar definitiv nicht beweglich gelagert, hat jedoch dennoch eine Überraschung für Filmer parat. Es gibt eine elektronische Bildstabilisierung, die auch beim Filmen in 4K funktioniert, indem sie die Randpixel um das Crop-Fenster zur Verschiebung des 4K-Fensters nutzen kann. In einem (sehr kurzen) Test fanden wir die Wirkung der elektronischen Stabilisation dabei durchaus überzeugend. Stabilisierte Optiken können zusätzlich mit dem elektronischen Stabilisator der Kamera zusammenarbeiten.



Sucher und Display



Der OLED-Sucher macht einen exzellenten Eindruck. Im Fotomodus ist er dank 60Hz Wiedergabe an einem optischen Sucher schon sehr nah dran, mit allen Vorzügen wie Suchervergrößerung oder Einblendung relevanter Parameter. Im 4K-Videomodus arbeitet er jedoch nur mit 30 fps. Laut Canon mit Absicht, um Ruckler von zu schnellen Kamerabewegungen bereits im Sucher erkennen zu können. In FullHD mit 60fps wird der Sucher denn auch mit vollen 60Hz betrieben.

Die Canon EOS R



Das ausklappbare, schwenkbare Touch-LC-Display mit 2,1 Millionen Bildpunkten war auch im Sonnenlicht noch gut nutzbar und dürfte nicht nur Vlogger erfreuen. Es macht die Bedienung der Kamera in vielen Fällen tatsächlich einfacher. So sind beispiesweise Schärfeverlagerungen durch das setzen von Touchpunkten sehr intuitiv möglich. Auch die Verschiebung des Fokuspunktes mit dem Daumen bei der Videoaufnahme über den Touchscreen im Sucherbetrieb gefiel uns sehr gut.



Dual Pixel Fokus



Der Autofokus reagierte dank DualPixel-Technolgie (auch im 4K-Videomodus!) sehr zuverlässig und ist in Geschwindigkeit und Trägheit justierbar. Der Fokus Guide wurde aus der Cinema EOS Linie übernommen und erleichtert das manuelle Schärfeziehen ebenfalls enorm. Zur Schärfebeurteilung wurde Peaking integriert, das in Stärke (High/Low) sowie Farbe (Rot, Gelb, Blau) definiert werden kann.

Als Belichtungshilfen stehen zwei Histogramm-Typen zur Verfügung: Luma- und RGB. Uns gefällt die selten anzutreffende RGB-Variante besonders gut, da man hiermit sehr zuverlässig einschätzen kann, ob ein Farbanteil im Signal vielleicht unbewusst in clippende Bereiche geraten ist.



Neue Bedienelemente



Neu an allen RF-Objektiven ist der frei belegbare, zusätzliche Ring. Mit diesem lässt sich unter anderem die Blende steuern, um einer klassischen, analogen Kamerabedienung wieder näher zu kommen. Dieser Ring ist bei Auslieferung immer mit Klickraster versehen, jedoch kann jedes Objektiv auch im Canon Service gegen Aufpreis "declickt" werden.

Uns gefällt dieser zusätzliche "Control Ring" recht gut, zudem wird es von Canon auch einen EF-Mount Adapter geben wird, der mit einem solchen Ring ausgestattet ist. Damit lassen sich dann auch herkömmliche EF-Objektive mit diesem zusätzlichen Ring an der EOS R nutzen.

Das neue RF-Objektiv mit zusätzlichem Control Ring



Gewöhnungsbedürftig empfinden wir dagegen die neue Touchbar. Hierbei handelt es sich um eine frei belegbare Touchleiste ohne Display, die keinerlei haptisches Feedback zurückgibt. Auf dieser kann der Nutzer verschiedene Funktionen ablegen und via Wischgeste steuern. Ein frei belegbares Clickwheel an dieser Stelle hätte uns persönlich besser gefallen, aber vielleicht sind wir an dieser Stelle einfach zu konservativ. Es wird sich zeigen, ob andere Anwender (oder wir nach längerer Gewöhnungszeit) die Touchbar noch in unser Herz schließen werden.



Eine Frage des Systems



Der EOS R Body ist leichter und kleiner als vergleichbare DSLR-Geschwister, aber die außergewöhnlichen, neuen RF L-Objektive wie das 50mmF1.2 oder das 28-70mmF2 sind im Gegenzug vergleichsweise groß und schwer geraten. Canon sagt, dass erst die neue Mount mit ihrem geringen Auflagemaß und großem Durchmesser eine Konstruktion solcher Optiken möglich macht.

Canon RF-Optik 24-105 an der EOS R



Und tatsächlich handelt es sich bei diesen neuen Objektiven um Ausnahme-Optiken. Uns wurden Vergleichsbilder gezeigt, in denen das 28-70mmF2 bei Offenblende noch schärfer war, als ein vergleichbares EF 24-70mm 2.8 II L bei Blende 2.8. Wir schätzen dass es gerade solche Ausnahme-Objektive sein werden, die letztlich viele professionelle Fotografen zum Wechsel auf die EOS R bewegen können. Zumal der Body Preis für Canon-Verhältnisse eher günstig einzuordnen ist. Die neuen RF L-Objektive tragen dagegen auch entsprechend außergewöhnliche Preisschilder.



Sonstiges



Den Rolling Shutter bei 4K-Videoaufnahmen würden wir nach ersten Testaufnahmen zwischen 25ms und 30 ms einordnen, also ungefähr auf dem Niveau der Canon 5D Mk4. Er ist damit definitiv stärker wahrzunehmen als bei aktuellen Cine-Kameras, jedoch nicht so extrem wie bei Sonys Alpha 6300.

Und eine "große Kleinigkeit" sei auch nicht unerwähnt: Im Gegensatz zu anderen spiegellosen Kameras wird der Sensor automatisch durch den Shutter geschützt, wenn das Objektiv entfernt wird. Dies ist so eine einfache, wie geniale Idee, bei der man sich fragt, warum bis heute noch niemand anderes darauf gekommen ist.



Fazit



Uns fällt eine Einordnung der neuen EOS R für Filmer nicht leicht. Klappbildschirm, 10 Bit-Out inklusive C-Log und eine 4K-Aufzeichnung mit maximal 30p sind für viele Canon DSLR-Filmer sicherlich begehrliche Funktionen, der Crop Faktor von 1,74 und der Rolling-Shutter sind dagegen für szenische Filmer auch starke Gegenargumente.



Mit der anerkannt beliebten Color Science, einem fantastischen Dual Pixel Autofokus, einem guten elektronischen 4K-Stabilisator, sowie mit einer Auswahl interessanter Optiken und Adapter, u.a. mit einschiebbarem ND-Filter wird die neue EOS R sicherlich in vielen Hybriden Foto-/Filmprojekten oder VLogger-Sessions ihre Freunde finden. Vor allem wenn ein problemloses Bewegtbild ohne viel Postproduktion gefragt ist.

Wer dagegen echtes Fullframe 4K mit vollem Sensor Readout, einen beweglichen Sensor und FHD Slow-Motion mit 120p sucht, findet dies in dieser Preisklasse aktuell nur bei Sony oder Nikon.



Canon EOS Rim Vergleich mit:

Listenpreis: 2495 €
Markteinführung: Oktober 2018
Sensorgrößen-Klasse:
Kleinbild-Vollformat, FX
Mount: RF-Mount

Platz 21 DSLR/DSLM Bestenliste
Nikon D850
Listenpreis: 3799 €
Sensorgrößen-Klasse: Kleinbild-Vollformat, FX
Panasonic GH5
Listenpreis: 1999 €
Micro Four Thirds

  

[15 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Chillkröte    09:45 am 23.9.2018
Das kann ich gut nachvollziehen. Ich habe mal einen Film nur mit nem 24-70er 2.8 und ner 5DM2 gedreht. Finde das mega angenehm so klein und reduziert zu arbeiten. Dann noch IS...weiterlesen
Drushba    21:31 am 22.9.2018
Fürs ernsthafte Filmen ist diese Kamera Schrott, zumindest im dokumentarischen Bereich (und im szenischen Bereich wird man 2018 wohl kaum mehr auf einer gehandicapten...weiterlesen
Shiranai    19:43 am 22.9.2018
Ist sie wahrscheinlich daher, dass viele mittlerweile auf Sony umgesprungen sind und jetzt natürlich Canon madig machen wollen. Aber mal ganz ehrlich, die Canon positioniert sich...weiterlesen
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update am 19.Oktober 2021 - 18:02
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