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Berichterstattung : Günstige GPUs für die Videobearbeitung am Horizont...

von Mo, 19.Juni 2017


Die aktuelle Krypto-Mining-Goldgräberstimmung scheint auf den ersten Blick erst einmal schlecht für uns Videobearbeiter zu sein. AMD-Grafikkarten, welche vor ein paar Monaten das beste Preis-/Leistungs-Verhältnis für beschleunigte GPU-Effekte boten sind praktisch weltweit ausverkauft. Mit der Folge, dass man diese Karten aktuell nur gegen einen extremen Aufpreis erwerben kann. Egal ob gebraucht oder neu.

Angeblich sollen dadurch nun auch Nvidia-Karten bei Minern mehr nachgefragt werden, da sie im Vergleich zu den aktuell astronomisch hohen AMD-Preisen natürlich beim Mining Ertrag nun gar nicht mehr so schlecht dastehen. Allerdings sind praktisch alle Nvidia-Karten entgegen den Aussagen mancher Onlinemedien nach wie vor gut bis sehr gut verfügbar. Und es fällt vielen Minern schwer zu einer GTX 1070 für 400 Euro Listenpreis zu greifen, die kaum bessere Ergebnisse liefert, als eine AMD-Karte mit 200 Euro Listenpreis.



Doch es wird besser: Offensichtlich ist es Nvidia ein Dorn im Auge, dass der Konkurrent AMD praktisch ausverkauft ist und förmlich jeden seiner Polaris 10-Chips aus den Händen gerissen bekommt. Darum will Nvidia nun auch ein Stück vom Mining-Kuchen haben, jedoch ohne seine klassische Gaming-GPU Sparte zu kannibalisieren. Die Lösung? Es werden spezielle Mining-Karten auf den Markt kommen. Diese sollen nicht so extrem wie ihre Gaming-Schwestern getaktet sein und keine Display-Anschlüsse besitzen. Teilweise soll es sogar passiv gekühlte Lösungen geben. Und das beste: Sie werden bei ähnlicher Leistung deutlich günstiger sein als ihre vergleichbaren Gaming-Geschwister. Damit man sie nicht als zweite Karten fürs Gaming nutzen kann werden diese Modelle auch kein SLI oder ähnliches unterstützen.

Für Videobearbeiter sind dies jedoch alles keine Nachteile. Wer sich sowieso mehrere GPUs in den Rechner steckt, benötigt höchstens an einer Karte die Display-Anschlüsse. Daher dürften diese günstigen Mining-GPUs beispielsweise für Resolve-Anwender sehr spannend werden, die preiswerte Leistung in einer Multi-GPU-Lösung suchen.

Was heißt nun günstig? Laut ersten Informationen darf man P104-Karten, die ungefähr einer GTX1080 mit 8 GB entsprechen für ca. 350 Dollar erwarten. Die Preisempfehlung für eine "echte" GTX1080 mit Display-Anschlüssen liegt dagegen aktuell bei 499 Dollar. Ein "Set" aus 3 Mining-GPUs mit geschätzten 25 TFLOPS wird man somit für knapp 1000 Euro/Dollar erstehen können. Wer es noch günstiger sucht, bekommt Abkömmlinge der GTX1060 mit 6GB für rund 200 Dollar/Euro. Der Preisnachlass auf eine Mining-GPU wird sich also je nach Angebot und Akzeptanz zwischen 20 und 33 Prozent abspielen.



Doch es gibt noch weiterer schöne Nebenaspekte: Weil diese Karten nicht auf Leistung sondern auf Effizienz getrimmt sind, werden sie nicht so heiß und benötigen weniger Strom. Dazu werden sie auf 24/7-Dauerbetrieb ausgelegt sein, was man von Gamer-Karten nicht unbedingt erwarten darf. Auch wollen manche Miner schon erfahren haben, dass Nvidia mit speziellen BIOS Settings den Speicherzugriff noch etwas tunen will. Denn nur mit solchen Tricks bringt die Mining-Community gerade Nvidia Karten in der Hash-Leistung näher an AMD-Karten heran. Nach unserer Erfahrung nutzt auch unter Resolve ein schnellerer Speicherzugriff in der Regel weit mehr als eine erhöhte GPU-Frequenz. Auch dieser "Unterschied" dürfte Videobearbeitern also höchst willkommen sein.

Doch für andere Rechenaufgaben will Nvidia seine Miner-Karten dann wohl auch nicht zu attraktiv machen. Unter anderem munkelt man, dass diese speziellen Karten nur mit 3 Monaten Garantie auf den Markt kommen sollen. Dies dürfte allerdings bei der aktuellen Gesetzeslage in Europa gar nicht möglich sein.

Und AMD? Angeblich soll man auch dort über spezielle Miner-GPU-Versionen nachdenken. Jedoch dürften diese kaum günstiger werden als die aktuellen Listenpreise der schon jetzt nicht erhältlichen Gamer-GPUs. Übrigens erwartet man auch, dass sich AMDs kommende High-End GPU Vega wahrscheinlich ebenfalls gut fürs Mining eignen wird. Die Consumer-Versionen der kommenden Karte werden daher wahrscheinlich ebenfalls von Beginn an nur schwer erhältlich sein, wenn die Miner weiter GPU-Rechenleistung einheimsen wie bisher.



Doch daran, dass die Krypto-Blase auch irgendwann platzen muss zweifelt praktisch niemand. Nur wann bleibt die große Frage. Und wenn ein rapider Wertverfall der Alt-Coins einsetzt, kann das Schürfen von Kryptowährungen von einem Tag auf den anderen komplett unrentabel werden. Das gab es in der Bitcoin-Geschichte schon einmal. Mit dem Ergebnis, dass der Gebrauchtmarkt mit günstigen AMD-GPUs geflutet wurde. Gamer-Grafikkarten dürften in so einem Fall noch einen gewissen Wiederverkaufswert behalten. Spezielle Mining GPUs dürften sich gebraucht dagegen bei Unrentabilität praktisch gar nicht mehr verkaufen lassen. Und spätestens dann dürfte man sein persönliches Resolve-Power-Rig für einen extrem attraktiven Preis zusammenstellen können. Wer für diesen Tag X gerüstet sein will kann sich ja heute schon mal ein paar PCIe-Slots freihalten.


    

[7 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Frank Glencairn    15:13 am 13.7.2017
Bei deutschen Strompreisen dürfte das echt grenzwertig sein.
pfau    12:05 am 13.7.2017
Ich bin auch schon auf der Suche nach Informationen zum Thema gewesen... Und bedanke mich daher bei Rudi für den Link auf die Anleitung bei Heise.de. Klingt auch für den...weiterlesen
rudi    08:21 am 20.6.2017
Hier kannst du mal schauen, was sich für deine GPUs aktuell am meisten lohnt: https://www.nicehash.com/index.jsp?p=calc Mit Nicehash kann man unter Windows (auf jeden Fall mit...weiterlesen
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