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Ausprobiert : O Tempora, O Moirés - Canon EOS 5D Mark III Schärfebemerkungen

von Mi, 9.Mai 2012


Die erste Ankündigung der Canon EOS 5D Mark III schuf große Hoffnungen: So sollte der neue DIGIC 5+ Prozessor 17 mal schneller sein und darum auf das berüchtigte Line Skipping beim Sensor-Auslesen verzichten können. Damit versprach Canon auch ein saubereres Signal. Das stimmt zwar in der Tat, weil Moires und andere Artefakte tatsächlich stark reduziert wurden. Dennoch ist die Mark III bei der Videoaufzeichung nicht schärfer als ihr Vorgängermodell. Das Bild sieht nach wie vor so aus, als würden die hohen Frequenzen glattgebügelt werden.

Alleine diese Erkenntnis sorgte erst einmal für Enttäuschung unter vielen potentiellen Käufern. So liest man denn vielerorts im Netz, dass Panasonics GH2 nach wie vor deutlich schärfer ist, als die Canon 5D Mark III. Doch ganz so drastisch ist es nicht und die Wahrheit liegt im wahrsten Sinne des Wortes "zwischen den Zeilen".

Wendet man auf das Material der 5D Mark III nachträglich einen Scharfzeichner an, werden die Aliasing-Artefakte natürlich nicht mehr verstärkt, weil sie in diesen Detailbereiche gar nicht mehr da sind. Allerdings kommen auch keine neuen Details zum Vorschein, die bei einer grundsätzlich schärferen Kamera vorhanden sind. Das klingt erst einmal nach Flickschusterei von Canon, jedoch ist Sensorschärfe in Wahrheit ein sehr subjektiver Begriff. Denn wenn man nicht gerade RAW filmt, trifft die Kamera immer eine eigene Entscheidung, wie viel sie vom Signal eigenmächtig nachschärft. Selbst die niedrigsten Schärfe-Einstellungen vieler System-Kameras schärfen immer noch einen guten Tick nach und gegen eine leichte Nachschärfung ist auch selten etwas zu sagen, besonders wenn man mit hoch komprimierenden Codecs arbeitet. Auch die GH2 macht davon sichtbar Gebrauch.

Wir haben daher einmal kurz eine Serie von Testbildern zur Gegenüberstellung vorbereitet:



Wie man sieht, liefert die 5D Mark II bei ähnlicher "Schärfe" deutliche Artefakte, die bei der Nachschärfung wirklich unappetitlich zu Tage treten. Ganz anders die 5D Mark III. Auch sie zeichnet definitiv kein Signal mit voller HD-Auflösung auf und wirkt nach wie vor sehr weich, jedoch sind die meisten Artefakte verschwunden. Schärft man diese Clips nach, so kommt man je nach Einstellung praktisch komplett an die Testbilder der GH2 heran. (Wir haben zum Vergleich auch noch den Kontrast und die Helligkeit der 5D Mark III angepasst).

Nach anfänglicher starker Skepsis müssen wir sagen, dass uns die Lösung bezüglich der Moires von Canon eigentlich ganz gut gefällt. Die grundsätzliche Weichheit der Kamera kommt der typischen Filmlook-Ästhetik sogar eher entgegen. Auch der Preispunkt der Kamera ist damit eigentlich cleverer, als es anfänglich den Anschein hatte. Denn man bekommt mit der 5D Mark III nun die weitaus günstigste Möglichkeit mit einem FullFrame-Sensor artefaktfrei zu filmen und dabei dank zahlreicher flacher Picture Profiles auch eine große Dynamik zu nutzen. Bisher empfanden wir die Moires der Canon-Modelle als Ausschlusskriterium für viele Projekte, was mit der 5D Mark III nun nicht mehr der Fall ist.

Gegenüber Blackmagics angekündigter Cinema-Kamera kann man dabei auch zahlreiche Objektive ohne limitierenden Crop-Faktor benutzen, was viele gestalterischen Möglichkeiten eröffnet, gerade auch mit günstigeren Objektiven. Und da die Artefakte nicht mehr mitkomprimiert werden müssen, dürfte auch der Codec in der Praxis noch etwas mehr Spielraum bieten, zumal es eine I-Frame-Möglichkeit gibt.

Sollte jetzt noch das neue, moirefreie Sampling in den Movie-Mode des kleineren Nachfolgemodells der 600D Einzug halten, dürfte dies vielleicht sogar manchen GH2-Filmer zum Umstieg bewegen. Denn die hohe Dynamik durch Picture Profiles bleibt wohl erst mal ein Canon Alleinstellungsmerkmal und ist beim Filmlook-Kuchenbacken eine der wichtigsten Zutaten. Doch Schärfe und Dynamik sind natürlich nicht alles, wie Ihr in unserem in kürze folgenden Canon 5D Mark III Test lesen dürft...


Canon EOS 5D Mark III
Plus Minus Derzeit niedrigster Preis (ohne Gewähr) :  2034 Euro Listenpreis: 3299 Euro (inklusive Mwst.)

MEHR INFO:
Alle technische Daten sowie Testbilder und Testergebnisse in unserer Datenbank
+ sehr gute Lowlighteigenschaften
+ umfassende Audiofunktionen
+ ALL-I (I-Frame only Codec)
+ Kopfhörereingang
+ Timcodefunktionen
+ Update: Cleaner HDMI-Out mit Firmware-Update
- kein Peaking
- mässiger Autofokus im Liveview

  

[11 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
le.sas    12:11 am 7.12.2012
Was für gerüchte meinst du denn?
kmw    09:40 am 7.12.2012
Danke für den ersten Bericht, das stellt doch einige Gerüchte wieder richtig. Ich bin schon auf den Rest gespannt...
hdpixl    15:18 am 6.12.2012
Was würdet ihr in Premiere max. beim Unscharf maskieren einstellen? Stärke, Radius, Schwellenwert? Komm von GH2 und musste nie nachschärfen.
[ Alle Kommentare ganz lesen]

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