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Aktuelles : Nikon Z8 RAW Grading-Wettbewerb - der Gewinnerbeitrag und wie das Grading umgesetzt wurde

von Mo, 16.Oktober 2023 | 3 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 Nikon Z 8 NLOG/RAW Grading-Workflow von Daniel Hoffmann



Nikon Z 8 NLOG/RAW Grading-Workflow von Daniel Hoffmann



Daniel Hoffmann (Webseite) ist selbstständiger Kameramann und Color Grader aus Berlin. Er ist seit 2014 vor allem im Bereich Live-Produktion, Werbung und Fernsehen tätig.

"Durch die Teilnahme am Nikon Z 8 NLOG/RAW Grading Wettbewerb von slashCAM konnte ich zum ersten Mal mit Footage der Nikon Z8 arbeiten und war sehr gespannt, welche Charakteristika das Material in Punkto Dynamic Range, Look und generelle Handhabe mit sich bringt. Im folgenden Text möchte ich gerne meinen Workflow und meine gewonnen Erfahrungen teilen.

Für das Color Grading der N-Log RAW-Clips habe ich mit der neuesten Version von DaVinci Resolve gearbeitet. Am Anfang stand das korrekte Anlegen des Projekts. Hierfür stellte ich die Auflösung der Timeline auf die angeforderte UHD Auflösung ein (3840 x 2160 Pixel) und als Framerate wählte ich 25p.
Aus persönlicher Vorliebe entschied ich mich bei diesem Projekt für ein Node-basiertes ColorManagement via Color Space Transformation. Diese kamen als Effekte an den Anfang und ans Ende meines Nodetrees.

Zu Beginn wandelte ich den Color Space von Rec.2020 zu DaVinci Wide Gamut und das Gamma von Nikon N-Log zu DaVinci Intermediate. Am Ende des Nodetrees musste dann für die korrekte Darstellung auf meinem Monitor zu Rec709 als Output transformiert werden.

Sobald ich alle Einstellungen korrekt vorgenommen hatte, konnte ich einen ersten Überblick darüber gewinnen, welche Herausforderungen die jeweiligen Clips mit sich brachten.
Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang der "High_Contrast"- und der "Lowlight"-Clip. Im "High_Contrast"-Clip befindet sich das Talent vor einem hellen Hintergrund (Himmel), der mehrere Blenden überbelichtet ist. Im "Lowlight"-Shot wurde das Talent lediglich mit einer Öllampe vor einem Berliner Nachtpanorama belichtet. Auch hier gibt es einen starken Kontrast zwischen der Flamme der Öllampe und dem im Hintergrund noch gerade wahrzunehmenden Fernsehturm.

Ich begann die Primäre Farbkorrektur im Camera Raw - Reiter von DaVinci Resolve und justierte die Belichtung, den Kontrast, die Sättigung und den Weißabgleich aller Clips. Zu meinem Erstaunen bot das N-Raw Material der Nikon Z8 hier große Spielräume und es war mir möglich, durch Einstellungen in Camera Raw sämtliche Bildinformation, die zuvor bei der Umwandlung zu Rec709 verloren gegangen waren, zurückzugewinnen.

Als Orientierung der Belichtung dienten die Waveform sowie eine False Color - Node. Letztere half insbesondere bei der korrekten Belichtung des Talents unter Berücksichtigung der Hauttöne (siehe Screenshot).

Als Nächstes stand der kreative Lookfindungsprozess an. Da es hierzu keine Vorgaben gab, nutzte ich die kreative Freiheit, um selbst zu eruieren, in welchem Setting ich die Bilder verordnen und inszenieren wollte. Für die Lookfindung konzentrierte ich mich vor allem auf die Aufnahmen im Regierungsviertel. Den dortigen Kontrast von grauem Beton zu den Hauttönen und Farbakzenten des Talents empfand ich am spannendsten. So entschied ich mich für die Inszenierung eines dystopischen Settings in einem Spielfilm.

Das bedeutete für mich, den Kontrast zwischen Umfeld und Talent weiter herauszuarbeiten sowie eine generell filmisch anmutende Farbgebung zu erzeugen. Für letzteres verwendete ich eine Filmprint LUT (Kodak 2383) als Ausgangspunkt. Allerdings kam hier nicht die in DaVinci Resolve Integrierte LUT, sondern eine vom Coloristen Cullen Kelly zum kostenlosen Download bereitgestellte LUT zum Einsatz. Denn anders als die integrierte Film-LUT arbeitet seine LUT ausschließlich im DaVinci Widegamut Farbraum und hat keine Rec709-Transformierung implementiert.

Dadurch war es möglich, die Intensität des Looks über den Key Output Gain zu regulieren. Nun stand die Korrektur der Hauttöne und die Hervorhebung der Farbakzente an. Um die jeweiligen Farbtöne separiert bearbeiten zu können, nutzte ich das Qualifier-Tool von DaVinci Resolve. Das funktionierte mit dem Material der Nikon Z8 erstaunlich präzise und ich musste kaum Masken ziehen und tracken. Die Hauttöne korrigierte ich mit den Color Wheels.

Als Orientierung diente hier das Vectorscope mit aktiviertem Skin Tone Indikator (s. Screenshot). Simultan dazu arbeitete ich an den Haarsträhnen, dem grünen Medaillon und den blauen Augen des Talents, um sie stärker hervorzuheben. Den Hintergrund bearbeitete ich mit Hilfe einer Outside-Node von meiner Skintone-Node. Hier verringerte ich die Sättigung und erzeugte darüber hinaus einen leichten orange-teal Kontrast zu den Hauttönen, indem ich die Farbgebung des Hintergrunds dezent in eine grün-blaue Richtung steuerte.

Für die drei "Beauty"-Shots kam zusätzlich das Face Refinement Tool von DaVinci Resolve zum Einsatz.

Dieses analysiert das Bild auf Gesichter und trackt sie automatisch, sodass man Korrekturen an den einzelnen Gesichtsmerkmalen, wie z.B. den Augen, der Haut oder den Lippen vornehmen kann. In meinem Fall verwendete ich das Tool überwiegend für die Retouche der Augenpartie.

Hier nahm ich eine leichte Schärfung und Auffhellung vor (s. Screenshot). Außerdem konnte ich ein dezentes Augenlicht simulieren und die untere Augenpartie weichzeichnen. Anschließend wurde die Intensität des Effekts über den Global Blend abgestimmt.

Abschließend wendete ich eine leichte Vignette auf die Bilder an, um ihnen mehr Dramatik zu verleihen und um den Fokus noch stärker auf das Talent zu lenken.
Einzig für den "Lowlight" Clip nahm ich eine Noise Reduction vor. Bei allen anderen Clips gefiel mir die vorhandene Körnung, welche meiner Meinung nach für ein digitales Bild eine angenehme Filmästhetik aufweist.

Fazit:

Das Color Grading des N-Log RAW Materials der Nikon Z8 war trotz mancher Herausforderungen im gefilmten Material unkompliziert und ging leicht von der Hand. Positiv überrascht war ich darüber, dass ich die Primäre Farbkorrektur fast ausschließlich im Camera Raw - Reiter von DaVinci Resolve vornehmen konnte und schon hier zu sehr guten Ergebnissen kam.

So konnte ich z.B. die Zeichnungen im überbelichteten Himmel herausarbeiten, ohne an anderer Stelle im Arbeitsprozess maskieren zu müssen. Auch im "Lowlight"-Shot kam die gute Dynamic Range der Kamera zum Tragen. Hier waren sowohl noch brauchbare Details in den Highlights der Lampe als auch in den Lowlight-Bereichen des Hintergrunds zu erkennen und relativ leicht herauszuarbeiten.
Als Fazit ist festzustellen, dass das RAW Material der Nikon Z8 einen sehr ästhetischen Look, eine gute Handhabe und eine hervorragende Dynamic Range hat."

Daniel, vielen Dank für diese tolle Einsicht in deinen Grading-Workflow und viel Spaß mit der Nikon Z8!

Euer slashCAM Team



Einleitung


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Nikon Z 8 NLOG/RAW Grading-Workflow von Daniel Hoffmann
  

[225 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Skeptiker    13:22 am 21.10.2023
Alles einleuchtend, aber ich bleibe dabei: Natürlich (das, was man dann im Kino dafür hält, nicht das, was man am Filmset sieht) kann auch eine Kategorie im (Kino-)Film sein....weiterlesen
Frank Glencairn    13:02 am 21.10.2023
Ich glaub es wird Zeit sich mal von ein paar Paradigmen zu verabschieden. 1. "Die Farben die ich am Set gesehen habe" Einen Scheißdreck hast du gesehen. Die "Autokorrektur" in...weiterlesen
Skeptiker    12:28 am 21.10.2023
Bei so einem Bild mit viel zu hartem Kontrast und zu hoher Farbsättigung würde wohl jede(r) seltsam aussehen - egal ob mit oder ohne Schminke. Und natürliche Farben im...weiterlesen
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update am 20.Februar 2024 - 15:02
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