Logo Logo
///  >

Tips : Praxis-Tipps für den Film-Dreh

von Do, 24.März 2016 | 5 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Vorbereitung vor dem Dreh – die Planung
Beim Location-Scouting
Das Equipment für den Dreh
Drehtag: Am Set
Umgang mit dem Team
Während der Aufnahme
Sonstige
CHECKLISTE DREH



Aus einer Frage in unserem Forum hat sich neulich unter Mitwirkung vieler User eine tolle, aus vielen Erfahrungen heraus geborene Sammlung von Praxis-Tipps für den Dreh und dessen Vorbereitung entwickelt. Bevor sie in den Untiefen des Forumarchivs versinken, stellen wir sie hier noch einmal thematisch sortiert zur besseren Lesbarkeit zur Verfügung.

Je nach Art und Umfang eines Drehs treffen manche Tipps natürlich mal mehr, mal weniger zu. Wenn Ihr noch weitere Tipps habt, nur her damit, wir werden gerne neue Anregungen auch noch in diese Tipp-Sammlung mitaufnehmen.

Danke an unsere Forenmitglieder Borke, cuttingedge, DV_Chris, Jott, j.t.jefferson, klusterdegenerierung, Peppermintpost, rush, Sanftmut, Sebastian, Schleichmichel,TonBild und Wurzelkaries.




Vorbereitung vor dem Dreh – die Planung




  • Das A und O ist die gute Vorbereitung: Je nach Projekt ist es ratsam, ein Drehbuch, Drehplan, Exposé, Storyboard und/oder eine Shotlist anzufertigen – eine konkrete Checkliste für den Dreh ist immer praktisch


  • Beim Erstellen des Drehplans zu beachten: Pausen einplanen und sich nicht zu viel vornehmen –wenn für jede Einstellung genügend Zeit eingeplant ist, läßt sich viel unnötiger Stress vermeiden

  • Anhand der geplanten Shots eine Liste von dafür benötigtem Equipment wie Licht, Ton oder Requisiten sowie Schauspieler und Team erstellen.

  • Welche Teammitglieder werden wann und bei welchen Locations gebraucht, durchgehend oder nur bei manchen Aufnahmen? Dies bei der Planung zu berücksichtigen kann Geld sparen.

  • Muss Equipment geliehen werden, ist es ratsam, sich frühzeitig bei potentiellen Verleihfirmen über Verfügbarkeiten zu informieren.

  • Nicht vergessen, auch Helfer / Runner einzuplanen (für Besorgungen, Parkuhr nachlegen, tragen helfen, auf teure Ausrüstung aufpassen etc.)

  • Rechteabtretungserklärung aller Darsteller nicht vergessen

  • Kreativer Input von allen am Filmbeteiligten ist ok, wie z.B. Szenen mit dem Kameramann besprechen, aber nicht am Set, sondern im Vorfeld beim Besprechen der Szenen - solche Diskussionen mit einzeln Departments ( Schauspieler!, Kamera, Licht, Maske, ...) sollten aber besser getrennt geführt werden

  • Diskussionen wie z.B. die Auflösung einer Szene oder deren Beleuchtung anhand von Bildern/Puppen/Storyboard/Referenzbildern führen, damit sich nicht jeder etwas anderes vorstellt






Beim Location-Scouting



  • Schon beim Location Scouting sollte auf mehreren Sachen geachtet werden:
    -- Muss da mal aufgeräumt werden oder brummt evtl. die Klimaanlage ?
    -- Wo gibt es Strom?
    -- Kann man in der Nähe parken, gibt es einen Aufzug?
    -- Wie sieht es mit Verkehrslärm aus?
    -- Und wie ist die Lichtsituation zu verschiedenen Zeiten? Photos und ausführliche Notizen helfen später sich an alle Besonderheiten des Orts zu erinnern.


  • Passt der Ort, dann sollte sichergestellt werden, dass er auch zum Drehtermin zugänglich ist und keine anderen Events dort stattfinden

  • Beim Einschätzen der Lichtsituation zu verschiedenen Zeiten kann eine Sonnenstands-App sehr hilfreich sein. Es gibt z.B. (Sun Seeker – für Android - Sun surveyor – für iOS und PhotoPills, welche alle um die 10 Euro kosten.

    So eine App zeigt als VR-Overlay den Sonnenstand zu jeder Tageszeit an, für jeden beliebigen Tag auch in der Zukunft (den geplanten Drehtag zum Beispiel). Man sieht "live", wann die Sonne wo stehen wird, wann sie in ein Fenster scheinen wird (drohender Lichtwechsel z.B. bei Interviews), wann sie hinter Bäumen verschwindet, wann sie perfekt steht für einen goldenen Gegenlichtschuss - unerlässlich für sinnvolle Dreh - und Lichtplanung.

  • Wenn es der erste Dreh ist: vorher Üben – einmal die Woche eine unterschiedliche Situation durchspielen um Sachen wie Lichtsetzung, Weißabgleich oder auch verschiedene Perspektiven/Positionen zu verinnerlichen...







Das Equipment für den Dreh



  • Mietausrüstung rechtzeitig bestellen und auf Vollständigkeit prüfen

  • Versicherung abschließen.

  • Werden Geräte mit Akkus benutzt, diese auf jeden Fall alle voll aufladen, außerdem ist es ratsam, ausreichend Ersatzakkus mitzunehmen, und auch die müssen nochmal aufgeladen werden. Im Zweifel wird der Akku immer leer sein – daher alles zuvor durchchecken.

  • Ebenso sollten immer genügend frische Batterien aller eingesetzten Arten mit dabei sein

  • Wichtige Kabel (z.B. Audiokabel vom Mic zum Recorder) testen und im Idealfall Ersatz dabei haben

  • Genug Verlängerungskabel und Verteiler mitnehmen

  • Klebeband darf nie fehlen

  • Licht: Leuchtmittel testen und Ersatz mitführen und immer ausreichend/doppelt so viele Lichtstative mitnehmen

  • Eh möglichst alles doppelt dabei haben... wenn was nicht klappt: Gaffa oder Kabelbinder :D

  • Mattepuder und Pinsel (besonders wenn die Protagonisten im heißen Licht oder Sonne stehen und es keine Visagistin am Set gibt)

  • Traubenzucker, wenn es mal wieder kein Mittag gibt, weil die Wolken wieder näher rücken.

  • Ggf. Lesebrille, falls es mal beim Schärfe ziehen Probleme gibt

  • Alles einen Tag vorher packen. Wenn möglich auch Auto und in die Garage packen.






Drehtag: Am Set



  • Ordnung halten am Set

  • NICHTS gegen Wände stellen

  • Koffer mit Technik IMMER schließen

  • Keine Getränke auf geschlossene Koffer stellen

  • Wenn Gaffa nicht hilft: mehr Gaffa nehmen

  • Grünes Gafferband mitnehmen, wenn VFX Shots (vor Greenscreen) gedreht werden

  • Praktisch sind Walkie-Talkies zur Kommunikation am Set. Es gibt echt schon günstige, die die schnelle und direkte Kommunikation mit 2/4 oder mehr Leuten am Set erlauben... (Natürlich Vorsicht vor eventuellen akustischen Störung/Funkstörungen!)

  • mmer ein "Allzweck-Werkzeug" am Gürtel






Umgang mit dem Team



  • Namen bei großem Team aufschreiben und merken.

  • Loben

  • Nicht diskutieren.

  • Schauspieler oder andere Personen nicht warten lassen oder stören.

  • Und immer ruhig bleiben. Lerne zu delegieren. Du kannst nicht alles alleine machen.

  • Immer genügend gutes Essen bereitstellen – sehr hilfreich für eine gute Grundstimmung am Set



Wichtig: Entspannt bleiben.... auch wenn mal was nicht so läuft, versuchen nach Außen hin nicht alle am "Set" zu verunsichern, sondern das Problem versuchen irgendwie anders zu lösen. Es gibt meist mehr als nur einen Weg und bevor der Gesprächspartner nervös wird, auch mal bereit sein, kurzfristig etwas verwerfen zu können und nicht strikt nach Plan zu arbeiten… Das ist sowieso oft eines der Irrtümer... daß sich Leute im Vorfeld zu genau überlegen was ansteht, die Location oder die Person jedoch nicht das wiedergeben, was man sich evtl. im Kopf vorgestellt hat. Die Kunst ist es, darauf reagieren zu können.




Während der Aufnahme



  • Bei externer Tonaufnahme: In-Camera-Sound trotzdem aufnehmen!

  • Tonmäßig unbedingt mit Kopfhörern während oder spätestens unmittelbar nach der Aufnahme mal ins Material hören... bei Funk noch wichtiger!

  • Bei Nutzung sensibler Mikrophone in geschlossenen Räumen Handys ausschalten (es könnte sonst zu irreparablen Störgeräuschen kommen)

  • Sonst zumindest dafür sorgen, dass während dem Dreh alle Handys stumm geschaltet sind sind





Sonstige



  • Geh durch, ob du die jeweiligen Szenen auch im Schnitt entsprechend in jeweils wiederum 2-3 verschiedenen Einstellungsgrößen auflösen kannst, um flexibel zu bleiben.

  • Genug Schnittbilder drehen (va. bei Dokus, Reportagen uä.)

  • Das gedrehte Material schnell backupen, auf Laptop oä.


  • ...mir hat irgendwann zum ruhiger schlafen geholfen, mir die Tonaufnahmen des Tages (mit Limiter - der Dynamik wegen!!!) beim einschlafen auf den Kopfhörer zu geben. Damit beschäftigst Du Dich quasi passiv kontemplativ mit dem Projekt und hast weniger Gedankenkarussell, was vor einem ruhigen erholsamen Schlaf abhält. Klar, gute Schlafhygiene ist zwar was anderes. Aber es ist besser, als sich hundert mal zu wälzen und zu überlegen, wie man nun seine Anliegen mit schwierigen Personen möglichst effektiv anbringt - was eh nichts bringt ;) 
    Außerdem kommt man manchmal dadurch auf kluge Ideen, wenn man NUR die Tonspur hört.





CHECKLISTE DREH



1: Idee
Du hast eine Idee. Daraus resultiert das Drehbuch, das Exposé, das Storyboard.

2. Scouting
Du hast Dir eine Drehort ausgesucht. Den hast Du besucht, zu unterschiedlichen Tageszeiten. Du hast Dir Notizen gemacht über Verkehr, Geräusche, Parkplätze, Aufzug, Strom, etc. Du hast Fotos gemacht.

3. Equipment & TeaM
Du hast eine Vorstellung vom Equipment, Licht, Ton, Requisiten, Schauspieler, Team. Falls Equipment geliehen werden muss, hast Du Dich vorab schon mal bei Verleihfirmen informiert, Was, Wann, Wo und für Wie lange erhältlich ist.

4. Team
Du hast ein Team zusammengestellt. Regie, Regieassistenz, Ton, Tonassistenz, Licht, Lichtassistenz, Schauspieler, Statisten, Runner, Catering, Kostüme, Maske etc.

5. Vorbesprechung
Du hast Dein Drehbuch dem Team vorgestellt. Jeder hat eine Fassung des Drehbuchs im Vorfeld erhalten und gelesen.
Du hast danach Veränderungsvorschläge zur Kenntnis genommen und evtl. in Dein Drehbuch einfließen lassen.
Jeder hat ein geändertes Drehbuch bekommen.
Du hast mit den Schauspielern über ihre Rollen und geredet, sie ihnen erläutert und Fragen dazu beantwortet.

8. Drehplan
Nachdem die endgültige Fassung des Drehbuchs feststeht, hast Du einen Drehplan gemacht. Reihenfolge der Takes, Einstellungen, Tageszeiten, Uhrzeiten, Personen, Helfer, Catering, benötigtes Equipment für jede Szene. Du hast auch einen Lichtplan. Du hast Verantwortlichkeiten verteilt.

9. Nochmalige Besprechung vor Ort
Mit Regie und Ton und Licht, wird der Drehort nochmals besucht, der Drehplan und der Lichtplan nochmals besprochen.
Du hast nochmals abgeklärt, dass zur Zeit des Drehtermines, der Drehort zugänglich ist, und dort nicht ein anderes Event gleichzeitig stattfindet oder der Drehort geschlossen ist. 

10. Team ist informiert
Jedes Mitglied des Teams hat den fertigen Drehplan bekommen und eine Wegbeschreibung wie man zum Drehort kommt. Parkplätze in der Nähe können für den Drehtag reserviert oder blockiert werden, damit das Equipment schnell ausgeladen und aufgebaut werden kann.

11. Geliehenes Equipment
Geliehenes Equipment wurde rechtzeitig bestellt

12. Ein bis zwei Tage vor Drehbeginn.
Du hast kontrolliert, oder hast Rückmeldung, dass das Equipment vollständig ist und funktioniert. Catering ist bereit.

13. Am Drehtag
Alle Verantwortlichen, Schauspieler, Maske, Helfer, Catering sind pünktlich am Drehort. Du bist telefonisch immer erreichbar.


(Danke für die Checkliste an wurzelkaries !)


  

[5 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
tom    18:37 am 6.4.2016
Ok, Danke - ist ebenfalls ergänzt :-) Thomas slashCAM
Peppermintpost    18:02 am 5.4.2016
ich glaube wir sprechen hier über hobby film bzw low/no budget film. einige tips sind bei professionellen filmaufnahem ja sowieso selbstverständlich, bzw einige dinge sind ein...weiterlesen
tom    16:54 am 5.4.2016
Danke - ist ergänzt! Thomas slashCAM
[ Alle Kommentare ganz lesen]

Weitere Artikel:


Tips: 5 Licht-Tricks für ein gelungenes Interview Mo, 17.August 2020
Obwohl moderne Kameras immer lichtempfindlicher werden, kann man sich das Thema Beleuchtung beim Filmen nicht sparen -- im Gegenteil, denn Licht gestaltet das Bild, modelliert und bringt Tiefe. DoP und Oberbeleuchter Tobias Lindner, der auch Workshops zum Thema Licht gibt, hat für uns fünf Tipps rund ums Thema Licht bei Interview-Situationen zusammengestellt.
Tips: Zeitrafferaufnahmen selbstgemacht Sa, 7.Juni 2003
Einige Tips zum Selbermachen von Zeitrafferaufnahmen.
Fokus Indie-Film: Cyberpunk 2077 Phoenix Program -- Actionkamera ist eine Kunst für sich Mo, 22.Februar 2021
40 Minuten Hongkong- und Hollywood-reife Action als non-profit Fanfilm? Wie so etwas möglich ist, wollten wir unbedingt wissen und haben uns mit Vi-Dan Tran und seinen Kollegen von T7production über die Herausforderungen, wirklich gute Action zu drehen ausgetauscht. (In Jackie Chans Stunt-Team zu sein, schadet schon mal nicht...)
Fokus Indie-Film: Horror/Mystery Kurzfilm Blinder Himmel -- (fast) alles aus einer Hand Mi, 13.Januar 2021
In unserer Behind-the-Scenes Reihe nehmen wir diesmal die Enstehung eines Low-Budget Horror/Mystery Kurzfilms unter die Lupe. Wie "Blinder Himmel" quasi im Alleingang entstand, welche Technik verwendet wurde, wie der Dreh mit der lokalen Feuerwehr ablief und vieles mehr erzählt Markus Baumeister.
Fokus Indie-Film: From North to South - Dreherfahrungen mit der Sony A7S II entlang eines Längengrades Di, 4.August 2020
Fokus Indie-Film: Märchen statt Realismus - Interview zur Entstehung von O Beautiful Night (Regie / Kamera) Di, 18.Juni 2019
Ratgeber: Können erweiterte Low-ISO Einstellungen einen ND-Filter ersetzen? Mi, 26.Dezember 2018
Test: FiLMiC Pro mit dem iPhone Xs - Perfekte Partner? Do, 8.November 2018
Kurztest: Apple iPhone Xs - Bildqualität beim Filmen in 4K Do, 11.Oktober 2018
Fokus Indie-Film: Sag dem Wind, dass ich bald komme -- Workflowstrategien und Kamera-Setup bei einer Langzeitdoku Mo, 6.August 2018
Fokus Indie-Film: Mystery-Thriller: INGENIUM -- Debüt von Steffen Hacker Di, 15.Mai 2018


[nach oben]


[nach oben]















Artikel-Übersicht



Artikel-Kategorien:



update am 5.März 2021 - 18:02
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*