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Einführungen : Die Top-6 Anfänger-Fehler beim Videofilmen

von Fr, 16.März 2007


Wer die neu gekaufte Videokamera nicht nur als Gedächtnisstütze einsetzen will, sondern seine Videoaufnahmen gelegentlich auch jemandem vorführen möchte, sieht sich anfangs durchaus vor eine Herausforderung gestellt. Zwar sind alle Kameramodelle heute mit Automatik ausgestattet, doch das verleitet leider auch dazu, einfach nur draufzuhalten. Denn der Camcorder, der sich automatisch auch das passende Bildmotiv und den geeigneten Bildausschnitt sucht, der läßt auf sich warten. Bis dahin wird noch so manches Erstlingswerk verwirrt und verwirrend wirken, nicht enden wollen und oftmals ungenießbar sein.

Muß das so sein? Wir finden nicht, und präsentieren hier eine kleine Giftliste, die Top-6 der Video-Anfängerfehler. Die Rangordnung fiel uns durchaus schwer zu bestimmen und kann sicherlich diskutiert werden. Und daß uns jetzt niemand kommt von wegen Regeln-sind-zum-brechen-da... Als Negativ-Beispiel sei dieses Video auf youtube gelinkt, das sämtliche hier gelisteten Fehler aufweist, bis auf Nummer 5 (was aber nur daran liegen dürfte, dass jener Tag ein bewölkter war).

Kleiner Trost: (fast) alle machen hin und wieder Fehler bei der Aufnahme, keine Frage. Aber glücklicherweise gibt es ja den Videoschnitt. Alles was nichts taugt, wird hier weggeschnitten, und der Rest sinnvoll aneinandergereiht. Sofern etwas übrig bleibt. In diesem Sinne:




1) Du sollst nicht verwackeln

Nein, es gibt keine Entschuldigung.
Natürlich kann man sein Stativ nicht immer dabei haben. Erst recht nicht, wenn man gar keines besitzt. Aber selbst aus der Hand sind einigermaßen ruhige Aufnahmen möglich -- nämlich, wenn man beide Hände benützt und sich stabil und entspannt hinstellt. Ebenfalls zu empfehlen: Anlehnen oder Aufstützen, entweder sich oder die Kamera. Das sieht dann zwar immer noch nicht aus wie vom Stativ, aber auch nicht wie Sturmstärke 7.
Vollkommen indiskutabel sind übrigens Aufnahmen, die ohne Hilfsmittel im Gehen gemacht wurden...


2) Du sollst nicht zoomen

Der Zoom an Videokameras ist ein scheinbar leicht zu bedienendes Feature, tatsächlich aber handelt es sich dabei um das am wenigsten verstandene Bedienelement überhaupt. Der Zoom ist eigentlich nur dazu da, die Brennweite zu verändern, etwa von Weitwinkel zu Tele, damit eine andere Bildeinstellung gemacht werden kann. Und zwar zwischen den Aufnahmen. Genau wie bei Fotokameras. Er ist nur in Ausnahmefällen dazu da, den Bildauschnitt während der Aufnahme zu ändern. Dabei sieht man in vielen Hobby-Aufnahmen genau das: Zoom rein, Zoom raus. Zoom rein, Zoom raus, gerne auch in Kombination mit Nr. 1 und 3. Das wirkt willkürlich und schaukelig, und sollte tunlichst vermieden werden.
Dabei wäre Abhilfe so einfach : Wir möchten an dieser Stelle dafür plädieren, bei Einsteiger-Modellen ab Werk die Zoomtaste für Betätigung während laufender Aufnahme zu sperren.




3) Du sollst nicht umherirren

Ein ebenfalls beliebtes "Stilmittel" in Newbie-Filmchen ist das ziellose Wandern des Bildausschnittes bei laufender Aufnahme. Mit Kameraführung hat das leider nichts zu tun. Wer den Bildausschnitt ändern möchte (und es gibt gute Gründe dies zu tun, s.u.), sollte das zwischen den Aufnahmen tun. Alles andere ist Verschwendung von Bandmaterial (oder Speicherplatz), denn um eine gute Bildkomposition zu finden, muß man schließlich etwas rumprobieren, vor allem wenn man keine Erfahrung hat. Ja, ganz recht: Bildkomposition. Schon mal was davon gehört?


4) Du sollst nicht quatschen

Wer seinen schlechten Aufnahmen den endgültigen Todesstoß verpassen möchte, kommentiert sie gleich bei laufender Kamera. Oder lacht. Oder gibt sonstige Laute von sich. Mal ganz davon abgesehen, daß diese spontanen Äußerungen meist wenig bereichernd sind, dafür aber das Schneiden des Materials erschweren, so stören sie die Illusion, auf der die Wirkung eines (Video-)Films beruht. Die Kamera nimmt den Platz des späteren Betrachters ein, ist also im Normalfall nicht Teil des Geschehens. Um so irritierender, wenn sie plötzlich anfängt zu sprechen..
Wer seine Bilder kommentieren möchte, tut das später nach fertiggestelltem Schnitt.




5) Du sollst nicht in Gegenlicht drehen

Scherenschnitte in allen Ehren, aber wär es nicht toll, wenn die Person im Bild zu erkennen wäre? Große Lichtunterschiede im Bild sind selbst für Profis nur mit Tricks bzw. großen Scheinwerfern zu meistern, sollten also vermieden werden. Am einfachsten geht das, wenn man darauf achtet, sich mit dem Rücken oder der Seite zur Sonne zu plazieren.
Genauso ungünstig ist es, bei schlechten Lichtverhältnissen zu drehen, also abends. Die Kamera hellt das Bild zwar digital auf, aber das Resultat ist alles andere als berauschend, nämlich voller Bildrauschen.


6) Du sollst nicht zu lange Einstellungen zeigen

Ok, dieser Punkt gehört eigentlich in die Liste über Schnittfehler. Aber in Anbetracht der Tatsache, daß viele Anfängerfilme eben nicht geschnitten werden, sondern aus einem einzigen unendlichem Take bestehen, passt er auch hier ganz gut rein. Ja, er ist sogar eine Folge von den obigen Fehlern, denn wer immer zoomt und die Kamera bewegt, bekommt automatisch zu lange Einstellungen. Besser ist es, viele verschiedene Einstellungen (Bildsequenzen) aufzunehmen, und diese nachher im Schnitt zu einem abwechslungsreichen Film zusammenzustellen.


  

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