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Einführungen : Beleuchtung

von Sa, 17.März 2001 | 3 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Innenaufnahmen
  Der richtige Lichtaufbau
  Außenaufnahmen

Einer der Hauptunterschiede zwischen einem professionellen und einem Amateurvideo liegt oft in der Beleuchtung. Um eine Szene perfekt auszuleuchten, können schon mal ein paar hundert Mark für geliehene Scheinwerfer zusammenkommen, was bei einer Low-Budget Produktion oft den Etat sprengen würde. Aber --wie immer-- lassen sich mit etwas Improvisation und einem soliden Grundwissen über Licht auch mit gegebenen Mitteln ansehnliche Ergebnisse erzielen.



Innenaufnahmen



Für Innenaufnahmen kann man als Amateur nie genug Licht haben. Natürlich werben alle Camcoder-Hersteller damit, daß ihre Kameras schon bei wenigen Lux Bilder aufzeichnen können, jedoch werden diese Bilder dann durch Rauschen überlagert. Dieses Rauschen führt in Folge zu unschärferen Bildern und auch zu mehr Kompressionsartefakten, da die spätere, digitale Komprimierung die Rauschteile als feine Bilddetails interpretiert und oft sogar verstärkt wiedergibt. Profis leuchten daher oft mit 10000 W und mehr ihre Szenen aus. Ein ambitionierter Heimfilmer scheitert meist schon daran, daß seine Steckdosen eine solche elektronische Last nicht verkraften. Daher als erstes eine einfache Formel, wieviel Licht man überhaupt einsetzen kann. Werfen Sie einen Blick in Ihren Sicherungskasten und schauen Sie auf die Sicherung des Stromkreises, den Sie benutzen wollen. Die Sicherungsleistung wird fast immer in Ampere (A) angegeben. Fragen Sie im Zweifelsfall einen Fachmann oder den Hausbesitzer. Diese Zahl multiplizieren Sie mit der aktuellen Stromspannung (in Deutschland sollte dies überall 230V sein). Das Ergebnis entspricht der maximalen Last. Ist Ihr Stromkreis zum Beispiel mit 16 A abgesichert, so können Sie maximal 16 x 230 = 3680 Watt benutzen. Bedenken Sie dabei aber, daß eventuell von dieser Leistung auch noch andere Geräte versorgt werden müssen, die am selben Stromkreis angeschlossen sind (Camcoder, Fernseher oder Kühlschrank). Falls Sie deren Leistungsverbrauch nicht bestimmen können, planen Sie eine großzügige Reserve für diese Geräte ein. Da in einem Haus meist mehrere Stromkreise existieren, kann man mittels einer Verlängerung auch aus anderen Räumen zusätzliche Leistung beschaffen, sofern man überhaupt so viele Lichtquellen besitzt.

Kommen Sie auch nicht in Versuchung Tageslicht mit Kunstlicht zu mischen. Filmen Sie einmal eine Person, die von der einen Seite durch ein Fenster beleuchtet wird und von einer weiteren künstlichen Lichtquelle bestrahlt wird. Sie werden (auch bei manuellem Weißabgleich) immer einen extremen Farbstich erhalten, je nachdem welche Lichtquelle die Person stärker beleuchtet. Sie können diesen Effekt zwar abmildern indem Sie vor die Kunstlichtquelle einen Blaufilter spannen (blaue Folie oder ähnliches), jedoch ist es in jedem Fall besser für die Ausleuchtung der Szene den Raum komplett abzudunkeln und einheitliche Lichtquellen zu verwenden.

Wie kommt man nun zu billigem Licht? Amateure setzen oft die beliebten (weil billigen) Halogen-Baustellenscheinwerfer ein. Diese bekommt man schon ab 20,- DM mit 500W Lichtleistung steckdosenfertig im Baumärkten. Ich habe jedoch eher schlechte Erfahrungen damit gemacht:

  • Diese Scheinwerfer werden sehr schnell sehr heiß. Infolge dessen heizen sie den Raum unangenehm auf und können nur mit Handschuhen repositioniert werden. Außerdem fällt schon mal ein Scheinwerfer um, und verschmort dann (im besten Fall) den Teppich. Daher sind diese Scheinwerfer auch nur für die Beleuchtung außerhalb von Wohnräumen zugelassen. Solche Scheinwerfer sollte man daher auch nie unbeaufsichtigt angeschaltet lassen.

  • Da sie kein sehr diffuses Licht erzeugen, blenden diese Scheinwerfer die Personen bei direkter Bestrahlung. In so einem Fall empfiehlt es sich Butterbrotpapier vor den Scheinwerfer zu spannen (Achtung, wenn dies zu nah an der Lichtquelle angebracht wird, kann es anfangen zu brennen).

  • Sie verbrauchen extrem viel Strom (500 W). Bei 4 Scheinwerfern sind die in Altbauwohnungen üblichen 6 Amperesicherungen schon deutlich überlastet.

    Ich bin daher auf Leuchtstoffröhren umgestiegen, da sie eine sehr gute Lichtausbeute bei geringer Leistungsaufnahme besitzen (die stärksten Leuchten verbrauchen gerade mal 58 Watt !!). Außerdem erzeugen Sie sehr diffuses Licht, welches nicht blendet und mit dem sich Räume (aber auch Gesichter !!) relativ problemlos gut ausleuchten lassen. Dabei werden diese Röhren lange nicht so heiß wie Halogenstrahler.

    Man bekommt oft komplette Halterungen mit Leuchtmittel (das ist die Leuchtstoffröhre), Starter und Trafo ab 15,- DM in Baumärkten (Vergleichen lohnt sich hier, Sonderangebote abwarten). Jedoch muß man meist selber die Stromkabel an diese Halterungen anschrauben, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Eigentlich dürfen solche Leuchten auch nur von Elektrikern installiert werden, um die Einhaltung der VDE-Norm zu garantieren (also immer auch die Schutz-Erdungsleitung anschließen). Fragen Sie im Zweifelsfall immer einen Elektriker. Auch ist die Befestigung der Leuchten oft ein Problem. Ich habe mir für jede Lampe ein "Stativ" gebaut (Tips dazu gibts mal später) und ein paar auch fest installiert.

    Man kann die Lichtausbeute noch erhöhen, indem man parallel zur Lampe zwei lange und ca 15 cm breite Spiegel mit Klappscharnieren anbringt. Dadurch hat man die Möglichkeit einerseits zusätzliches Licht in Richtung Objekt umzulenken und man kann zusätzlich durch den klappbaren Winkel auch den Abstrahlwinkel begrenzen. Da solche Spiegel in der Regel von einem Glaser zugeschnitten werden müssen kann man sich auch mit einem harten Karton behelfen, auf den man Alufolie klebt. Dadurch wird das Licht noch etwas diffuser, was ja oft erwünscht ist.

    Grundsätzlich gilt: Je länger die Röhre, desto heller das produzierte Licht. Ich empfehle grundsätzlich nur Röhren mit 1,20 m (36 W) oder 1,50 m (58 W) Länge. Die kürzeren Modelle sind meist zu dunkel. Sie sollten auch darauf achten, daß alle Fassungen mit Röhren des selben Typs (möglichst auch vom selben Hersteller) bestückt sind. Die Typen unterscheiden sich in der Farbtemperatur. Die Farbtemperatur beschreibt einfach gesagt, welches Farbspektrum die Lampe abgibt. Hier gibt es Bezeichnungen wie Tageslicht, Hellweiss oder Warmton. Mischt man Lampen verschiedener Typen, so kommt es zu dem oben angesprochenen Mischlicht-Problem. Daher sollte man sich schon beim Kauf ein großes Ersatzlampenlager des selben Typs zulegen oder gleich alle Lampen mit spezieller Markenware, die jederzeit wiederbeschafft werden kann, bestücken. Für welchen Typ man sich entscheidet ist eine Geschmacks- und Preisfrage. Einige Lichtanbieter verkaufen für teures Geld spezielle Film- und Video-Leuchtstoffröhren, jedoch bekommt man meiner Erfahrung nach genau so gute Ergebnisse mit No-Name Röhren, wenn diese alle vom selben Hersteller stammen. Vorausgesetzt die Kamera besitzt einen manuellen Weissabgleich.

    Der richtige Lichtaufbau


    3 Seiten:
    Einleitung / Innenaufnahmen
    Der richtige Lichtaufbau
    Außenaufnahmen
      


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