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Interviews : Licht hat seine eigene Logik / Teil 2: Arbeiten mit Licht

von Mi, 2.Mai 2007 | 5 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Das versendet sich...
  Film und Video – der Kontrast...
  Das gebeugte Licht

Im zweiten Teil unseres Gesprächs mit Götz Holborn geht es um die Beleuchtungspraxis: Welche Fragen muß man sich beim Ausleuchten einer Szene stellen – zum Beispiel: was schreibt die Logik des Lichts vor? Und ist es wirklich schwieriger, für Video zu leuchten, wie es manchmal behauptet wird? (Hier geht es zurück zum ersten Teil – Professionell am Set)




// Wie würdest du definieren, was gut gemachtes Licht bedeutet?

Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Letztendlich ist die Vorgabe das Drehbuch, was passiert da am Motiv, wie ist die Stimmung...

// Ok, anders gefragt: in der Praxis, wie geht man an das Lichtsetzen heran?

Sagen wir mal, man leuchtet eine Wohnung aus und will Licht-unabhängig sein, da behauptet man in der Regel eine Haupt-Lichtrichtung – das ist bei Tag vor allem die Sonne. Da nutzt man das Außenlicht, das durch die Fenster reinkommt, und stellt draußen noch Lampen hin in einem gewissen Winkel, um die Lichtrichtung zu definieren. Wenn es ein bewölkter Tag ist, dann stellt man noch Rahmen / Butterflys davor, die das Licht ganz weich machen.
Du orientierst dich in dem Fall an der Architektur, die ja die Lichtrichtung vorgibt, durch die Fenster. Dieses Grundlicht mußt du natürlich noch ein bißchen umformen. Wenn eine Person seitlich zu dem Fenster steht, bekommt sie das Hauptlicht von der einen Seite, während die andere dunkel bleibt. Das ist für das Auge nicht so ein Problem, aber Filmmaterial hat nicht so einen Dynamikumfang und kann das vom Kontrast nicht gut wiedergeben, sodaß man da mit einem anderen Licht aufhellen muß. Hier gilt es aber aufzupassen, denn es wäre merkwürdig, wenn das heller wäre als das Hauptlicht. Das würde sofort unnatürlich wirken, oder man müßte annehmen, daß hier ein Riesenfenster ist, wo ganz viel Licht reinkommt, was vom Zimmeraufbau unlogisch wäre.
Licht hat ja auch eine Logik, die davon abhängig ist, was man in den Bildern sieht. Wenn man Fenster sieht, sind die vorgegeben – wenn es dagegen ein geschlossener Raum ist, kann man natürlich alles behaupten. Man muß das dann aber im Kopf behalten, daß man irgendwann etwas behauptet hat als Hauptlichtrichtung, und sich daran orientieren.

// Man muß sich also an die interne Logik halten und für eine Szene so etwas wie ein Regelwerk aufsetzen.

Genau, mit dem behaupteten Hauptlicht mußt du dann immer arbeiten, was aber nicht ausschließt, daß man mit bestimmten Lampen trotzdem noch bestimmte Effekte macht, eine Aufhellung, oder ein Augenlicht. Außer, man will dramaturgisch ganz extreme Lichteffekte haben, daß die Helligkeit ganz extrem abfällt, das gibts natürlich auch, ist aber sehr speziell.

// Also muß man sich zwei Fragen stellen: was verlangt die Geschichte und was verlangt der Ort.

Außerdem muß man im Blick haben, daß man ja eine ganze Szene an einem Ort dreht, und die besteht aus ganz vielen Einstellungen in verschiedene Richtungen -- wie ist das denn lichttechnisch überhaupt zu bauen? Man sollte sich ja kein tolles Lichtkonzept ausdenken und dann nach 2/3 feststellen: Moment, wir können ja gar nicht in die Gegenrichtung gucken, weil da steht ein Stativ im Bild. Es müssen also alle Kamerablickrichtungen zu bedienen sein. Dafür ist es dann auch mal nötig, das Licht an die Decke zu hängen, anstatt auf ein Stativ zu geben. Man muß den ganzen Ablauf einer Szene im Blick haben.

// Kann man da nicht zwischen den Takes etwas umbaun?

Doch, aber manche Lampen oder Richtungen muß man ja halten. Du kannst ja nicht dein ganzes Licht umbaun, bloß weil die Kamera jetzt in eine bestimmte Richtung guckt. Die Hauptlichtrichtung kannst du dann eigentlich nicht verändern. An der mußt du dich orientieren.

Ich habe ja vor einem Jahr den Daniel Levy-Film gedreht, da gab es einen ganz großen Raum, Hitlers Büro, ein Saal mit riesigen Fenstern an der Seite. Da war klar, das Hauptlicht kommt von diesen Fenstern, und jedes Fenster bekommt zwei richtig große Lampen von außen, sodaß wir lichtunabhängig drehen konnten. Es war aber auch klar, daß die Kamera sich frei im Raum bewegen und auch teilweise rausschauen sollte. Da konnte man also kein Stativ hinstellen vor die Fenster, sondern es wurde ein riesiges Gerüst vor die Wand gebaut, um die Fenster herum, und die Lampen dann von oben vor die Fenster gehängt.



// Kam das Licht dann nicht zu stark von oben?

Nein, das hat gut funktioniert. Es gab immer zwei Lampen, eine, die in die Raumtiefe geleuchtet hat, und eine etwas kleinere aber immer noch sehr große, die in den Fensterbereich geleuchtet hat. So hatte man den Eindruck, daß es gleichmäßig war. Außerdem waren da auch noch Vorhänge, die das Licht schön diffundiert haben.

// Und die Kamera konnte sich so frei im Raum bewegen.

Ja, aber natürlich mußte man dann trotzdem auch Licht dagegensetzen, um bestimmte Gesichter oder Positionen aufzuhellen. Da nimmt man dann relative weiche Lampen, damit man nicht sieht, daß da eine Lampe steht. Große Softboxes etwa, die eine große abstrahlende Fläche haben, je größer, um so weicher die Schatten. Je nach Achse ist das fast schattenfrei.


Das versendet sich...


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Das gebeugte Licht
  

[2 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Anonymous    23:33 am 6.5.2007
Ja, wirklich ein ausgesprochen fundierter und sympathischer Artikel, hat Spaß gemacht, das zu lesen - obwohl oder weil ich mich selbst ganz gut auskenne. (Eine winzige...weiterlesen
Anonymous    20:57 am 5.5.2007
interessanter artikel, sehr angenehm auch, wie unprätentiös und gut verständlich götz holborn berichtet, eine seltenheit in unserem metier, vielen dank...weiterlesen
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update am 26.Mai 2020 - 16:51
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