Schon seit vielen Monaten rankten sich die Gerüchte um sie, jetzt ist DJIs erste 360°-Drohne endlich offiziell vorgestellt: Avata 360 heisst sie passenderweise, denn sie repräsentiert zum einen die neueste Generation von DJIs FPV-Drohnenserie Avata und zum anderen erweitert sie deren Fähigkeiten um eine immersive 360°-Sicht. Wie die Gerüchte treffend vorausgesagt hatten, kostet sie tatsächlich nur 459 Euro - allerdings ohne Motion Controller, RC Fernsteuerung oder Goggles, mit denen das immersive 360°- oder FPV-Fliegen erst so richtig Sinn macht.

DJI im harten Konkurrenzkampf mit Insta360
Um einsatzfähig zu sein muss man grundsätzlich mehr Geld hinlegen, nämlich 939 Euro für die Avata samt RC 2 oder DJI RC Motion 3 Controller plus Goggles. Wer dieses Zubehör allerdings schon durch eine andere DJI-Drohne besitzt, kann so billig upgraden, denn die Avata 360 kann mit vorhandenen Controllern wie dem RC 2, RC-N2 oder RC-N3 gesteuert werden.
DJI unterbietet - wie erwartet - den Konkurrenten Insta360 deutlich, denn dessen Antigravity A1 360°-Drohne kostet aktuell mitsamt Brille und Motion Controller 1.189 Euro. DJI greift den Konkurrenten Insta360 damit zusätzlich zur juristischen Ebene via Patentklage auch direkt über einen Preiskrieg an, um trotz des späteren Starts seiner 360°-Drohne den neuen Markt zu erobern und den - einzigen ernsthaften - Konkurrenten in Schach zu halten.

Was kann die DJI Avata 360?
Die große Neuerung der Avata 360 ist die Rundum-360°-Sicht mittels zweier 1" äquivalenter Bildsensoren samt Linsen, die nach oben und unten gerichtet sind und so eine vollkommene Panoramasicht ermöglichen. Das Besondere: der Pilot kann live in 1080p per O4+ Videoübertragungssystem mittels der Goggles während dem Flug unabhängig von der Flugrichtung in alle Richtungen blicken - dank Computational Imaging werden auch die eigentlich im Sichtfeld liegenden Rotoren dabei automatisch ausblendet. Neue Freiheiten bietet die Aufnahme von 8K/60fps HDR 360°-Video aber auch in der Postproduktion: im Nachhinein kann jede beliebige Sicht als klassisches 4K/60fps Video (oder auch Foto) exportiert werden.

Dualer Modus: 360° und FPV-Drohne
Das Interessante an DJIs Implementierung des 360° Modus: dank eines integrierten Gimbals kann das Kameramodul um 90° gedreht werden und so vom 360° Modus (ein Sensor nach oben, der andere nach unten) in den FPV-Modus (ein Sensor frontal) gewechselt werden. Bei letzterem liefert sie dann 4K/60fps Bilder wie eine klassische FPV-Drohne - allerdings in etwas schlechterer Bildqualität als die Avata 2 - siehe unseren Test.
Zu diesem Zweck ist das Objektiv austauschbar, d.h. das für den 360°-Modus notwendige 180°-Fischaugenobjektiv kann gegen ein "normales" für den FPV-Flug ausgetauscht werden. Das hat nebenbei noch den Vorteil, dass Objektive - anders als bisher - zum Beispiel auch bei Beschädigung getrennt vom Kameramodul gewechselt werden können. Die Liveübertragung des 1080p/60fps Videos per O4+ Videoübertragungssystem soll bis zu einer Entfernung von 20km funktionieren.

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Speicherdowngrade
Ein kleines Downgrade hat - vermutlich wegen der aktuellen Speicherkrise - der interne Speicherplatz erfahren, er beträgt nur noch 42 GB statt vorher 46 GB. Er reicht für die Aufzeichnung von 30 Minuten 360°-Video in 8K ohne microSD-Karte. Per WLAN-6 kann 1 GB Videomaterial in nur 10 Sekunden mit bis zu 100 MB/s zur DJI Fly App übertragen werden. Wie sch der Vorgänger liegt auch die Avata 2 über der C0-Gewichtsgrenze und kann so nur mit Drohnenführerschein geflogen werden.

Omnidirektionale Hinderniserkennung plus LiDAR
Ein Upgrade hat das Hinderniserkennungssystem der Avata 360 bekommen - wie schon bei den letzten DJI-Drohnen funtioniert es dank mehrerer Sensoren und LiDAR auch bei schlechten Lichtverhältnissen (im Flug nach vorne) und erkennt Hindernisse in allen Richtungen. Anders als der Vorgänger Avata 2 nutzt die Avata 360 Rotoren mit 4 Blättern (statt der bisher drei der Avata 2), ähnelt dieser aber sonst im Design inklusive des Cinewhoop-artigen Propellerschutzes, der Verletzungen verhindern soll.

Funktionen der DJI Avata 360
- Spotlight Free Tracking: verfolgt ein sich bewegendes Motiv (wie auch ein Gesicht) und unterstützt dabei komplexe Kamerabewegung z.B. per "Kreisen" oder "Dronie" Modi
- ActiveTrack 360° wählt automatisch den optimalen Tracking-Modus für ein bestimmtes Motiv aus
- FPV-Modus kann in der Postproduktion angewendet werden, um schon durchgeführten Aufnahmen nachträglich einen dynamischen Roll-Effekt hinzuzufügen
- Intelligentes Tracking ermöglicht das Verfolgen (auch bei 360°-Aufnahmen) von Personen, Fahrzeugen, Haustieren und mehr
- Virtueller Gimbal1: nutzt die 360°-Ansicht, um unbegrenzte Dreh- und Neigebewegungen für dynamische Kamerafahrten. Auch beim Flug in einer Richtung können dank der 360°-Daten Horizonte gedreht und Perspektiven verschoben werden, um zurückzublicken oder einen Flip auszuführen.
- Austauschbares vorderes Linsenelement – Das vordere Linsenelement verfügt über ein austauschbares Design. Mit dem Kauf eines Ersatzlinsen-Kits inklusive Werkzeugen1 ist das alte Objektiv ganz einfach selbst austauschbar – eine Einsendung zur Reparatur ist nicht erforderlich.

Mehr im slashCam-Test der Avata 360
In unserem Test der Avata 360 schauen wir uns u.a. das neue 360-Grad-Flugerlebnis und die Nachbearbeitung der 360°-Videos in DJI Studio an und tragen die Pros und Cons zur Avata 360 zusammen.


















