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Frage von Hä?:


Hallo,

habe schon viel über Filmemachen gelesen. Technik, Abläufe etc.
Doch eines ist mir noch unklar geblieben:
Szenen werden ja meist mehrfach aus verschiedenen Perspektiven und Einstellungen (Totale, Halbtotale etc.) gedreht.
Im Film werden dann die Ansichten entsprechend gewechselt, so dass es aussieht, als ob man mit zig Kameras gleichzeitig gedreht hat.
Meine Frage ist, wie das mit dem Ton realisiert wird. Wenn der Schnitt mitten im Wort/O-Geräusch stattfindet ist es ja wohl kaum möglich das aneinander zu stückeln.
Eine Idee war zunächst, von einem Take den Ton komplett zu nehmen und die Bilder aus den verschiedenen Takes zu schneiden. Aber das bringt das Problem, dass nicht alle Aufnahmen exakt gleich sind. Mal wird etwas langsamer oder schneller gesprochen. Bei einem Take wird 3x dann wieder 4x an die Tür geklopft usw.

Wie wird das in der Praxis realisiert?

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Antwort von Markus:

Wie wird das in der Praxis realisiert? Achte mal genau darauf, wenn Du solche Szenenwechsel im Fernsehen siehst. Entweder ist die sprechende Person nur von hinten zu sehen, so dass eine mangelnde Lippensynchronität nicht auffällt, oder man sieht sogar ausschließlich die Reaktion des Gesprächspartners - ja oder die Szene wurde schlichtweg mit mehreren Kameras gedreht, so dass alle Einstellungen exakt zusammen passen.

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Antwort von Hä?:

O.K., heißt das, dass tatsächlich der Ton von einem Take genommen wird und entsprechend auf diesen Ton der Bildschnitt aufgebaut wird?

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Antwort von Hä?:

"wurde schlichtweg mit mehreren Kameras gedreht, so dass alle Einstellungen exakt zusammen passen"

bei Gesprächspartnern sicherlich häufiger verwendet. Mir ist das nur letztens aufgefallen, wo eine Person im Schuss, Gegenschuss, von oben und von schräg unten gefilmt wurde, also definitiv mit einer Kamera.

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Antwort von Markus:

O.K., heißt das, dass tatsächlich der Ton von einem Take genommen wird und entsprechend auf diesen Ton der Bildschnitt aufgebaut wird? Der Ton wird in solchen Fällen normalerweise nicht von einer der Kameras aufgenommen, sondern von einem separaten Audiorecorder.

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Antwort von Anonymous:

Hallo,
Es gibt auch noch die Möglichkeit die Kamera (falls der Ton über die Kamera aufgenommen wird) über den ganzen Zeitraum des Geschehens aufnehmen zu lassen und zwischendurch schnell die Perspektive zu wechseln. Diese Abschnitte, in denen man teilweise nichts erkennt, weil man sehr schnell geschwenkt hat um die Kamera auf eine andere Person zu richten, werden dann mit später aufgenommen Szenen überdeckt, auf denen nur einzelne Gegenstände, Zuschauer oder ähnliches zusehen sind. So ist meine Vorgehensweise, wenn ich zum Beispiel Karnevalsveranstaltungen mit einer Kamera filme. Zuerst wird der Sänger aufgenommen, schneller Schwenk auf Tänzer und Schwenk wird im Schnitt ersetzt durch mitschunkelndes Publikum, welches man zu einem anderen Zeitpunkt aufgenommen hat.
Da ist nichts gestellt, aber der "Betrug" der ersetzten Szenen fällt nicht auf.
Erfahrungsgemäß ist das viel Arbeit und Stress bei der Aufnahme, das Ergebnis ist aber zugleich die Belohnung.

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Antwort von beiti:

Mit dem Ton wird tatsächlich viel herumgebastelt, um die Übergänge der Takes zu kaschieren. Ein absoluter Standardtrick ist der versetzte Bild-Ton-Schnitt, also daß man z. B. den Gesprächspartner schon zwei Sekunden reden hört (noch im Gegenschuß) und erst dann mit der Bildspur auf sein Gesicht umschneidet. Also der Ton-Schnitt kommt in einer geeigneten Gesprächspause, aber der Bildschnitt etwas später oder früher; so bleibt der Tonschnitt weitgehend unbemerkt. Wenn Hintergrundgeräusche vorhanden sind, oder wenn sich die Spuren der verschiedenen Takes hörbar unterscheiden (etwa wenn bei der Totalen das Mikrofon weiter weg war), müssen die Tonleute etwas tiefer in die Trickkiste greifen und den Klang bestmöglich anpassen. Ganz gelingt dies aber nicht immer, und mit etwas Erfahrung hört man das auch raus.

Leider unterstützen nicht alle Schnittsoftwares den versetzten Bild-Ton-Schnitt direkt. Bei manchen muß man zunächst die Verbindung zwischen Bild- und Tonspur lösen - was natürlich die Gefahr von Asynchronität enthält, weil man Bild und Ton dann nicht mehr gemeinsam verschieben kann. Sehr gut gelöst ist es in Premiere: Da kann man durch Halten der AltGr-Taste die Tonspur unabhängig von der Bildspur verlängern/verkürzen, und zwar ohne Trennung der Verbindung.

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Antwort von Dr. Walter Gesierich:

Danke beiti, das mit der AltGr-Taste bei Premiere wußte ich noch nicht, hier kann man immer wieder was dazulernen.
Und an den Threadmaster Hä?: Wirklich ein uraltes Problem, immer haste zu wenig Ton durchgehend.
1. Wenn's geht, einen zweiten Kameramann mitnehmen, und der mit den besseren Tonmöglichkeiten hält voll drauf, ohne Pause.
2. Wir haben jetzt im Videoclub den Zoom H4-Digitalrecorder angeschafft (290,00 Euro). Den Ton komplett durchgehend haben ist ein sehr beruhigendes Gefühl. Denn fehlende Bilder kann man eher reinschummeln, wie einen fehlenden markanten Ton, vor allem wenn gesprochen wird. Aber selbst bei Athmo's hast Du kein Gestückle mehr, sondern einfach aus'm vollen Topf.
3. Witziger Nebeneffekt: Wenn Du erst mal gewöhnt bist, den Ton komplett zu haben, fängst Du an, beim Schneiden vom Ton auszugehen und dann die Bilder draufzusetzen. Die Filme werden schlagartig besser. Die Denke läuft "menschlicher", nämlich nach Gehör. Falsche Bildschnitte stören das Auge weniger, harte Tonschnitte schon. Wenn in der Musik-Band einer falsch spielt, stört das mächtig, wenn der Mann am Licht irgendwas Bescheuertes macht, fällt das fast nicht auf
4. Mit einem zweiten Kameramann arbeiten macht aber noch mehr Spaß, und selbst dann nehmen wir zusätzlich noch den Digitalrecorder mit.
Viel Spaß wünscht Dir der "Neue"

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Antwort von Axel:

Falsche Bildschnitte stören das Auge weniger, harte Tonschnitte schon. Wenn in der Musik-Band einer falsch spielt, stört das mächtig, wenn der Mann am Licht irgendwas Bescheuertes macht, fällt das fast nicht auf ... Naja. Abgesehen davon, dass ich zum Hören die Ohren verwende, könnte man das unterschreiben. Der Grund, warum ein schlechter Bildschnitt nicht weiter auffällt, ist erstens, dass wir mit guten Schnitten nicht verwöhnt sind (mit guten Bildern auch nicht), und zweitens, dass unser Sehen mehr mit Abwechslung befriedigt wird als mit Kontinuität.
Über den Beitrag des Filmtons zur Wirkung gibt es zahlreiche Untersuchungen. Fazit: Er wird oft unterschätzt. Bilder können in sehr starkem Maße stilisiert sein, bevor der Betrachter fremdelt und sich mental aus der Darbietung ausklinkt (Anime).

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Antwort von Wotan:

Audio separat aufnehmen... Nicht auf die Filmklappe vergessen; hilft beim syncen und schneiden;-)

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Antwort von beiti:

Die separate Aufnahme verhindert nicht, daß beim Zusammenschnitt mehrerer Takes einzelne Tonelemente nicht zusammenpassen. Die synchrone Aufnahme mit mehreren Kameras geht bei Schuß-Gegenschuß mit subjektiven Perspektiven oft gar nicht (weil sonst die jeweils andere Kamera im Bild wäre) - und selbst wenn, kommt noch ein anderer Aspekt hinzu: Im szenischen Film hat man nicht nur verschiedene Einstellungen/Perspektiven, sondern von jeder Einstellung noch mehrere Takes, die man auch manchmal mischt (z. B. weil der Schauspieler den Anfang der Szene in Take 4 besser gespielt hat, den Schluß jedoch in Take 7). Kein Regisseur wäre einverstanden, aus rein tontechnischen Gründen Szenen nur noch am Stück zu verwenden.
Also es läuft immer auf ein Ton-Basteln im Schneideraum hinaus.

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