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Infoseite // "America First": Deutsche Streaming-Nutzer verschmähen lokale Inhalte



Frage von Frank Glencairn:


Das Ausmaß der Gefühlsregungen hätte kaum gegensätzlicher sein können, als Paramount Anfang des Jahres aus der lokalen Eigenproduktion in Deutschland und anderen Märkten ausstieg. Produzenten und Kreative beklagten verständlicherweise den Wegfall eines weiteren Abnehmers, während der US-Konzern bloß nüchtern darauf verwies, dass deren nicht-englischsprachige Werke weder die Nutzung noch die Neuabschlüsse der Streaming-Plattform Paramount+ nennenswert getrieben hätten.

Der nächste Schlag nach den Ganz- oder Teil-Rückzügen von Sky, Warner Bros. Discovery und Lionsgate markiert dabei nur die Spitze eines Eisbergs, unter dessen Oberfläche auch andere globale Player ihre lokalen Beauftragungen aus Effizienzgründen eher verringern als steigern. Während "Wednesday" oder "Die Ringe der Macht" nahezu überall funktionieren, bleibt ein "Liebes Kind" als weltweiter Streaming-Hit eben die Ausnahme.

Das Gros des Publikums scheint die Abschiede weitaus weniger zu bedauern, sondern bereitwillig der "America First"-Ansage aus Hollywood zu folgen. Zwei gerade veröffentlichte Studien der European Audiovisual Observatory (EAO) untersuchen die Nutzung von SVoD-Angeboten in der Europäischen Union und die Entwicklung der verfügbaren Streaming-Kataloge, beides jeweils für 2023. Die Straßburger Film- und TV-Beobachter – eine Institution des Europarats – kommen dabei zu dem Ergebnis, dass US-Content im Verhältnis zum Kataloganteil überdurchschnittlich, europäischer Content hingegen unterdurchschnittlich genutzt wird.

An der Spitze dieses Missverhältnisses steht: Deutschland. 65 Prozent der gesamten SVoD-Nutzungszeit hierzulande entfallen demnach auf amerikanische Serien und Filme, obwohl diese lediglich 41 Prozent des verfügbaren Angebots ausmachen. Im Durchschnitt von neun analysierten EU-Staaten liegt der Viewtime-Anteil für US-Content bei 61 Prozent, der Kataloganteil bei 45 Prozent. Umgekehrt sind die eigenen nationalen Programme nirgendwo so unbeliebt wie in Deutschland: Ganze acht Prozent der Viewtime stehen hier 18 Prozent Kataloganteil gegenüber. Im europäischen Durchschnitt sind Nutzung und Angebot ausgeglichen – bei jeweils zwölf Prozent.

Der radikale Gegenentwurf zur deutschen Streaming-Nutzung lässt sich bei unseren östlichen Nachbarn in Polen finden. Dort sind laut EAO nur sieben Prozent der SVoD-Kataloge polnischen Ursprungs, doch auf sie entfallen 14 Prozent der Nutzungszeit. Gleichzeitig ist Polen das Land mit dem niedrigsten Nutzungsanteil – relativ zum Angebot – von US-Inhalten. Weitere Länder, in denen sich lokale Produktionen stark überdurchschnittlicher Viewtime erfreuen, sind Spanien, Schweden und Dänemark. Neben Deutschland ist Frankreich das einzige Land, in dem die eigenen Programme ebenfalls untergewichtet werden – allerdings auf deutlich höherem Niveau: 13 Prozent der Nutzungszeit treffen auf 19 Prozent des Angebots. Europaweit verbringt das SVoD-Publikum laut EAO 85 Prozent seiner Nutzungszeit mit den drei größten Streamern: Netflix (53,4 Prozent), Amazon Prime Video (19,4 Prozent) und Disney+ (12,1 Prozent).

Die umfangreichen Zahlenwerke, die in Straßburg regelmäßig ermittelt werden, geben nicht nur Auskunft über die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen EU-Quoten für Streaming-Plattformen, sondern lassen auch Rückschlüsse auf die Wirkung von Anreizsystemen und Investitionsverpflichtungen zu. Nimmt man alle in der EU verfügbaren AVoD-, SVoD- und TVoD-Plattformen zusammen, so verzeichnet die EAO für Ende 2023 ein Gesamtangebot von 2,3 Millionen Filmen und Serienstaffeln. Davon stammen 50 Prozent aus den USA, 21 Prozent aus der EU, knapp zehn Prozent aus Großbritannien und 19 Prozent aus dem Rest der Welt.

Beim innereuropäischen Export auf SVoD-Plattformen liegt Frankreich vorn – mit 23 Prozent der in andere EU-Länder exportierten Filme und 22 Prozent der Serienstaffeln. Dahinter folgen bei den Filmen Deutschland und Spanien mit jeweils 13 Prozent, bei den Serienstaffeln Deutschland mit 20 und Spanien mit 19 Prozent. Die pure Verfügbarkeit bei den Nachbarn sagt freilich noch nichts über deren Gegenliebe aus. Sowohl deutsche als auch französische Serien werden in den anderen EU-Staaten im Verhältnis zu ihrem jeweiligen Kataloganteil unterdurchschnittlich genutzt.

Deutsche Serien stellen demnach zwölf Prozent des importierten Angebots in EU-Auslandskatalogen, aber nur zehn Prozent der Viewtime. Für französische Serien ist das Missverhältnis mit neun Prozent der Viewtime bei 26 Prozent Kataloganteil noch krasser. Spanien dagegen gelingt es, mit nur 13 Prozent Kataloganteil im EU-Ausland auf 31 Prozent der Nutzungszeit zu kommen. Und Polen fährt gar mit drei Prozent Kataloganteil zwölf Prozent der Viewtime ein. Stellt man in Rechnung, dass Deutschland im europäischen Vergleich laut EAO bereits den mit Abstand höchsten Anteil nationaler Serien (22 Prozent) in seinen SVoD-Katalogen vorhält, so dürfte ein quantitativer Ausbau des Angebots weder beim heimischen noch beim ausländischen Publikum verfangen – jedenfalls nicht ohne eine deutliche Steigerung der Attraktivität.

https://www.dwdl.de/magazin/97579/ameri ... e_inhalte/

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Antwort von cantsin:

Bezieht sich der Artikel oben nur auf Streaming-Inhalte, oder auf fiktionale Inhalte allgemein?

Bei letzterem ist es natürlich so, dass da durch den ÖR Fernsehserien und -filme en masse und dumm und dämlich produziert werden, aber eben nur wieder die tausendste Regional-Krimiserie, die niemanden interessiert, was das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage erklärt.

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Antwort von Frank Glencairn:

Der Artikel bezieht sich jedenfalls auf SVoD-Plattformen .

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Antwort von Frank Glencairn:

So macht man das:

Netflix will be given access to a $150-million pool of tax incentives, the New Jersey Economic Development Authority announced Wednesday. As long as Netflix keeps their Fort Monmouth production campus open for at least 10 years, they will be eligible for a 40-percent base tax credit for all future movie or TV shows they make in New Jersey.

This allows a film company to add additional above-the-line salaries and wages as part of its tax credits. From the state of New Jersey, here is exactly how it works:

For a studio partner that incurs $15 million but less than $50 million in qualified film production expenses, they can include up to $18 million in Above-the-line (ATL) wage and salary expenses on its taxes to the state.
For a studio partner that incurs $50 million or more in qualified film production expenses, they can include up to $72 million in Above-the-line (ATL) wage and salary expenses.
https://patch.com/new-jersey/redbank/s/ ... shrewsbury

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