Mit Tinderbox 3 von the foundry und Continuum vonBoris FX hat die Slashcam Redaktion zwei der derzeit angesagtesten Effekt-Plugin-Sets für After Effects unter die Lupe genommen. Was leisten die Plugins in der Praxis und für wen lohnt sich die Anschaffung ...
Bevor wir uns die einzelnen Plugs näher anschauen, sei hier mal ganz dumm die Frage gestellt, was eigentlich ein gutes Plugin auszeichnet. Spontan kommen da mindestens drei Kriterien zusammen:
1. Qualität:
Ein Effekt-Plugin darf die Qualität des Quellmaterials über den eigentlich Effekt hinaus nicht wesentlich verändern. Es muss auch in Kombination mit anderen Plugins möglichst sauber arbeiten und damit in seinem Effekt und in der Wechselwirkung kalkulierbar bleiben.
2. Schnelligkeit:
Was nützt mir der spektakulärste Effekt, wenn ich eine Woche auf sein Rendering warten muss? Gerade im professionnellen Umfeld kommt dem Faktor Geschwindigkeit eine wichtige Rolle zu.
3. Maximale Konfigurierbarkeit:
Je mehr Kontrolle mir an die Hand gegeben wird, einen Effekt zu verändern, desto präziser läßt sich mit ihm arbeiten. Dies hat einen direkten Einfluss auf die Qualität der Animation.
Soweit in Sachen Kriterien für gute Plugins. Dies soll im Folgenden unsere Richtschnur sein bei der Beurteilung beider Plugin-Sammlungen.
1. Continuum
Die Installation des Continuum-Pakets geht einfach und schnell von der Hand. Nach dem Serialisieren der Plugins in After Effects präsentieren sich sechs neue Oberkategorien im Effektmenue mit folgenden Bezeichnungen:
Color & Blurs 20 Effekte
Distortion & Perspective 18 Effekte
Effects 13 Effekte
Generators 09 Effekte
Keys & Matte 10 Effekte
Time 08 Effekte
Macht also insgesamt 78 neue Effekte, die dem geneigten Videodesigner zur Verfügung stehen und dies nicht nur in After Effects sondern ebenso in Final Cut Pro 3: Einfach die Plugins aus dem AE-Plugins-Ordner in den FCP-Plugins-Ordner kopieren und fertig. Alle Plugins stehen fortan ebenso dem Videoschnitter zur Verfügung.
Um einen Eindruck von der visuellen Qualität der Plugins zu erhalten, haben wir anbei eine Auswahl der Continuum Effekte als Screenshots bereit gestellt. Als Source diente uns eine Typo-Animation vor einem blauen Farbverlauf als Hintergrund. Voilà die Shots:
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Fast allen Continuum-Effekten gemein ist ihre gute Konfigurierbarkeit. Vor allem die Partikelsysteme warten traditionell mit einer Fülle an Einstellmöglichkeiten auf, die in diesem Fall nicht unübersichtlich wirken.
Besonders gut gefallen hat uns die Idee des sog. Pixelchooser, mit dem sich die meisten Effekte auf bestimmte Bildelemente begrenzen lassen. (Nichts, was man nicht auch mit Masken hinbekommen würde.) Trotzdem hilfreich, da sehr unkompliziert in der Anwendung und damit schnell.

Was Geschwindigkeit anbelangt schneiden nahezu alle Continuum Effekte gut ab. Die zur Verfügung stehenden Blurs beispielsweise sind allesamt schneller als die standardmäßig in After Effects mitgelieferten.
Wer ein wenig in die Geschichte von Plugins schaut, der weiss, dass Boris stets sehr stark im Bereich "Distortion und Perspective" gewesen ist. All jene Effekte die aus einer Fläche, eine Kugel, einen Quader etc. generieren, für den sich dann unterschiedlichste Lichtverhältnisse bestimmen lassen oder Drehungen definiert werden können, stellt die traditionelle Paradedisziplin von Boris dar. Auch das Continuum Set macht hierin keine Ausnahme. Neben den althergebrachten sind nun auch komplexere Effekte hinzugekommen, mit denen sich das Verhalten unterschiedlicher Layer im Raum zueinander bestimmen lassen. So ermöglicht Z Space III die einfach Staffelung im Raum mit korrekter Lichtführung bei unterschiedlichen Verformungen, sowie die Zusammenfassung mehrerer Layer in einem Container, auf den dann global Größe, Position etc. angewandt werden können.

After Effects-Profis werden sich dies auch selbst basteln können - für den Rest gibts Continuum.
Womit selbst Profis jedoch ihr liebe Mühe haben, sind definitiv Partikelgeneratoren, bzw. die auf diesen Generatoren aufbauenden sog. "Natural Effects", zu denen Feuer, Regen, Kometen etc. gehören. Während die bisher besprochenen Effekte zum guten Standard gehören, müssen die Partikelsysteme von Continuum zu den absoluten und neuen Highlights gezählt werden. Noch nie war es so einfach, Kometenschweife und loderndes Feuer zu "bauen".

Die Qualität ist durchweg überzeugend und die Partikel lassen sich bis in kleinste Nuancen (Spread, Delay, Velocity Variance etc. pp) feinjustieren. Großes Lob an dieser Stelle zu dem neu entwickelten Partikel System. Der Abstand zu High-End Partikel Systemen wie den Generatoren von Combustion ist kleiner geworden. Zwar sind Features wie selbst-definierbare Deflektoren oder Emitter-Shapes (s. Combustion Review) immer noch dem High-End-Bereich vorbehalten, doch wer auf die Schnelle mal ein Partikelsystem innerhalb von After Effects braucht, der wird sich über Continuum freuen.
Die Keying-Tools von Continuum sind eine wichtige Bereicherung vor allem für all jene After Effects User, die nicht mit dem Production Bundle arbeiten, in dem sich ja bereits recht brauchbare Keyes mit der Kombination "Color Key" (Standard) und "Matte verbessern" (Production Bundle) herstellen lassen. Nichtsdestotrotz sind die Continuum Keyes noch einen Tick besser, was vor allem an dem gut abgestimmten Keying-Gesamt-Paket von Continuum liegt. Bei unseren Tests mit Bluescreen-Interview-Material konnte die Kombination: "Linear-Color-Key", "Matte-Choker", "Matte-Cleanup" selbst hartnäckig zitternde "DV-Kanten" zur Ruhe bringen. Im Gegensatz zu früheren Releases bezahlt man eine entsprechende Kombination von Keyern und Chokern nicht mehr mit übermäßiger Renderzeit.
Fazit-Continuum:
Continuum stellt ein robustes und überaus umfangreiches Plugin-Paket dar, das in Sachen Qualität zu überzeugen weiss. Die Stärke des Continuum-Paketes sind weniger besonders trendige Effekte als vielmehr sauber arbeitende Standards. Zusammen mit der Möglichkeit die Plugins auch in anderen Programmen wie bsp. Final Cut Pro zu nutzen, stellt Continuum ein gutes bis sehr gutes Preis-Leistung Verhältnis dar und erweitert aüßerst sinnvoll die jeweilige Effektpalette.
Systemvoraussetzungen:
Windows 2000, Windows XP
Mac OS 9.2.2, Mac Os 10.2 (oder höher)
After Effects 5 (5.5)
Final Cut Pro 3
2. Tinderbox 3
Ebenfalls komplett für 16 bitige Farbräume ausgelegt kommt die 3er Version von the foundrys Tinderbox-Plugin-Set daher. The foundry hat sich vor allem im High-End Segment mit besonders hochwertigen Plugins für Discreet-Systeme einen Namen gemacht - doch auch die 1er und 2er Versionen von Tinderbox genießen einen geradezu legendären Ruf in After Effects Kreisen.
Tinderbox 3 präsentiert sich nach einer gewohnt reibungslosen Installation mit folgenden Ordnern im Effekt-Menue von After Effects:
Blurs 3 Effekte
Effects 11 Effekte
Generators 4 Effekte
Tools 3 Effekte
Auch hier haben wir euch eine Auswahl an Effekten zusammengestellt, die einen ersten Eindruck von der Qualität der Plugs vermitteln:
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Die insgesamt 21 Effekte bieten eine enorme Fülle an Einstellmöglichkeiten und empfehlen sich durch ihre komplexen Blending- oder Layer- Optionen vor allem dem professionellen Anwender. Konkret gesprochen stehen dem Tinderbox-Anwender folgende Blending-Optionen pro Effekt zur Verfügung: None, Mix, Luminance, Chroma, Hue, Saturation, Value, Colour, Darken, Lighten, Screen, Multiply, Add, Add Over, Add Under, Subtract Effect, Subtract Source, Difference, Overlay, HardLight. Damit finden sich so ziemlich alle möglichen und unmöglichen Alpha-Spielarten versammelt. Und dies wie gesagt auf den Effekt selbst anwendbar.
Hinzu kommen bei den meisten Effekten noch Crop-Commands, mit denen sich sowohl die Source als auch die Matte der einzelnen Effekte beschneiden lassen. Zusätzlich können unterschiedliche Kanten-Effekte mit folgenden Optionen gewählt werden: Colour, Repeat, Reflect, und Wrap. Also jede Menge und zudem auch sehr spezialisierte Feinjustierungen.
Häufig sind es nicht die spektakulären Effekte, an denen das Gelingen einer Animation hängt, sondern die kleinen, feinen, die man nicht gross beachtet, ohne die es jedoch nicht geht. In die Kategorie dieser Efekte gehören eindeutig alle möglichen Arten von Blurs. Tinderbox 3 stellt hierbei einen neuen Blur vor, der sich "Silk" nennt und der ideal für Interview-Shots einsetzbar ist, bei denen Hauttöne korrigiert werden sollen. Silk "zaubert" quasi eine glatte, seidige Haut.
Doch auch bei den "spektakuläreren" Effekten braucht sich Tinderbox nicht zu verstecken. Besonders hervorzuheben sind hier "Bad TV", "Old Film", sowie alle Partikelsysteme aus dem"Generator" Ordner, namentlich "Lightning", "Plasma", "Sparks" und "Starfield" (s. Screenshots oben). Alle liegen auf sehr hohem Niveau, arbeiten schneller als ihre Vorgänger und orientieren sich stlilistisch durchaus an modernem Motiondesign.
Fazit-Tinderbox:
Tinderbox liefert wieder einmal eine hoch-professionelle Plugin-Sammlung ab, die durch ihre vielfältigen Blending-Optionen vor allem in komplexen Kompositionen ihre Stärken zum Tragen bringt. Im Netto-Preis von 609,- Euro ist der gute Name leider recht großzügig eingepreist - aber so ist das nunmal - wer sich einen Namen gemacht hat, der will dafür bezahlt bekommen - hier nicht einmal zu Unrecht.




















































