Test Platzhalter

Panasonic NV-GS400 Review

Nicht erst seit Sonys TRV900 sind handliche Dreichipper sehr begehrt. Auch Panasonic will in dieser Klasse wieder mitmischen und schickt den Nachfolger der MX-500 ins Rennen.

// 19:07 Di, 25. Jan 2005von

Nicht erst seit Sonys TRV900 sind handliche Dreichipper sehr begehrt. Auch Panasonic will in dieser Klasse wieder mitmischen und schickt den Nachfolger der MX-500 ins Rennen.



Dreichipper für „immer dabei“ müssen häufig alles abdecken. Einerseits sind sie so klein, dass auch dem Einsatz im Urlaub nichts entgegensteht. Andererseits soll die Bildqualität für alle Anforderungen ausreichen, schließlich leistet man sich in Größenordnungen von 2000 Euro nicht gleich zwei Geräte. Mittlerweile sind auch Fotos ein Argument, bei den Megapixel-CCDs im Einchip-Bereich will auch die Elite nicht zurückstehen. Panasonic hat mit der MX-Serie recht früh auf dieses Segment gesetzt und dabei durchaus gelungene Kombinationen hervorgebracht. Für viele war z.B. die MX350 der Familien-Camcorder schlechthin. Die MX500 dagegen vernachlässigte den Videobereich besonders im Lowlight und verärgerte damit einige Kunden. Mit der GS400 soll das wieder anders werden.



Panasonic NV-GS400
Panasonic NV-GS400





Angefasst

Die Seitenansicht der Kamera protzt geradezu mit Features, so dass die Grunddaten schnell genannt sind: Drei CCDs in 1/ 4.7“ Größe, optischer Bildstabilisator, 12xZoom, vier Megapixel im Fotobereich, manueller Fokus, Blende, Weißabgleich & Tonaussteuerung, 3,5“-Display, Zebra und Farbbalken dürften erstmal reichen. Zum Standard gehört in dieser Klasse natürlich auch der ausziehbare Sucher, der aber subjektiv etwas unschärfer als bei der Konkurrenz ausfällt. Viele wichtige Funktionen sind als Tasten direkt erreichbar, Panasonic-typisch muss vorher der Schalter von Automatik auf Manuell geschoben werden. Zumindest bei Aufnahmen aus der Hand klappt das nicht ruckfrei, denn er ist recht schwergängig. Da er auch die Feststellung der Blende, AELock, beherbergt, kann das schon mal stören. Im manuellen Modus tritt dafür ein echtes Novum im Konsumerbereich zu Tage: Der von Panasonic -schlicht benannte- „Multifunktionsring“. Eingeführt wurde er mit der AG-DVC30 aus der Broadcast-Region; dass er so schnell Einzug bei den Amateuren halten würde, war nicht abzusehen. Worum geht es? Je nach gewählter manueller Einstellung, also Fokus, Zoom oder Blende wird diese Funktion auf das früher als Fokusring bekannte Rad gelegt. Erstmals ist damit eine Blendeneinstellung wie bei großen Kameras möglich, auch wenn es sich natürlich weiterhin um eine Servosteuerung handelt. Gegenüber dem sonst üblichen Blenden-Rädchen ist das ein riesiger Ergonomiegewinn. Der Fokus bleibt natürlich auch weiterhin möglich, einzig beim Zoom ist das Handling über den Ring nur eingeschränkt zu empfehlen: Zu unpräzise und träge ist die Ansteuerung, meist ist der Zoomschieber die bessere Wahl. In langsamer Zoomgeschwindigkeit ruckelte aber dieser ebenfalls, so dass vom Stativ auch gut die mitgelieferte Remote-Fernbedienung zum Einsatz kommen kann. Sie bietet zwar weniger Geschwindigkeiten, die dafür aber recht ruckfrei. Auf ein extra Mikrofon muss dann allerdings verzichten werden, die Remote belegt den Mikroeingang. Außerdem ist die manuelle Tonaussteuerung nur unbequem zu benutzen, denn sie ist nur über das Menü einstellbar. Ansonsten gibt es vorrangig Gutes zu berichten. Das satte Gewicht sorgt bei den meisten Aufnahmen für eine ausreichende Ruhe, sonstige Wackler dämpft der optische Bildstabilisator, der auch im Fotomodus zur Verfügung steht. Das Kassettenfach geht nach oben auf, für Stativaufnahmen die einzig sinnvolle Alternative. Im Menü lässt sich per „Pic-Adjust“ das Bild dem persönlichen Geschmack anpassen, auch die Zebra- und Farbbalken-Aktivierung ist hier zu finden. Akkuraubend ist lediglich die Tatsache, dass zur Menübedienung das Display immer herausgeklappt sein muss. Die Menütasten sind nämlich wie die Laufwerkstasten in der Displayaussparung. Auch die von Frauen bevorzugte SoftSkin-Funktion ist nur hier per Taste erreichbar.



 Laufwerks- und Menütasten unter dem Display
Laufwerks- und Menütasten unter dem Display







Angeschaut

Bei normalen Aufnahmen in 4:3 liefert die GS400 das, was man von ihr erwartet. Die Lichtempfindlichkeit ist aufgrund der gewachsenen CCDs wieder in vernünftig brauchbaren Regionen, die Schärfe ist im Gegensatz zur kleinen Schwester GS120 O.K.



 Die GS400 bei 20Lux: Keine Probleme mehr mit Lowlight
Die GS400 bei 20Lux: Keine Probleme mehr mit Lowlight


Erkauft wird das bei Panasonic wie so oft mit einer recht hohen Kontur, die an Kontrastkanten gerne auch mal für weiße Ränder sorgt. Dabei scheint die vertikale Aufsteilung sogar noch höher als die Horizontale, was auch durchaus schon auf Konsumerfernsehern zu sehen ist. Zusätzlich sorgt die Aufsteilung in bewegten Flächen wie z.B. Bäumen oder Gräsern für eine gewisse Unruhe, was das Auge auch schnell als Rauschen empfindet.



Der Sweep: Passabel scharf, aber künstlich nachgeholfen
Der Sweep: Passabel scharf, aber künstlich nachgeholfen


Im Menü lässt sich die Kontur etwas reduzieren, ohne das das Bild gleich unscharf wird. Wo man gerade dabei ist, kann auch die Blende noch ein wenig herunter geregelt werden. Die Bildqualität von großen Modellen wie einer VX2100 wird mit der GS400 nicht erreicht, fairerweise sollte aber erwähnt werden, dass die direkte Konkurrenz, die TRV950, durchaus schlechter abschneidet. In der Einchipklasse gäbe es noch als eventuelle Konkurrenz die MVX3i von Canon, die aber in lichtschwachen Situationen nicht mit der GS400 mithalten kann. Insgesamt ein recht guter Kompromiss also, auch wenn technisch mehr möglich wäre.






Nochmal hingeschaut

Entsprach die GS400 im 4:3-Modus in etwa dem, was man so aus der Erfahrung mit der TRV950 und der MX-Serie erwartet hätte, änderte sich das im 16:9-Modus schlagartig. Hier wird in der Breite die komplette Chipfläche ausgenutzt, was erstens zu einem Weitwinkel von etwa 38mm führt und zweitens zu einem deutlich schärferem Bild. Anscheinend gelingt die Umrechnung auf das gestauchte Bild wesentlich einfacher, auch die TRV950 reagierte ähnlich. Bei der GS400 kommt noch hinzu, dass auf einem normalen 4:3-Fernseher die hohe vertikale Kontur durch die Stauchung fast komplett wegfällt und das gesamte Bild wirklich angenehm scharf wirkt. Wer also darüber nachdenkt, den Sohnemann zukunftstauglich gleich im Breitwandformat aufzunehmen, findet mit der GS400 einen durchaus adäquaten Partner. Einziges Problem ist die Wiedergabe im Display: Um den echten anamorphen 16:9-Modus vom ebenfalls möglichen Letterbox abzugrenzen, zeigt es das Bild so, wie es auf´s Band kommt. Leichte Eierköpfe sind die Folge, ganz so, als ob mit einem optischen Breitbildvorsatz gearbeitet würde.








Filmer aufgepasst

Wenn schon 16:9, dann auch richtig, dachten sich wohl die Entwickler und legten noch eins drauf. Zusätzlich zum breiten Bildformat gibt es auch noch einen so genannten CinemaFrame-Modus, ähnlich, wie ihn auch die AD-DVX100 bietet. Dabei wird quasi ein 25p-Signal inklusive angepasster Gamma-Kurve aufgezeichnet, nur die freie Wahl der Shutterfrequenz (50Hz, 25Hz) fehlt. Trotzdem haben die Aufnahmen durchaus einen eigenen Look, für erste Experimente reicht diese Funktion locker aus.






Multimedia

Fotos bringt die GS400 mit bis zu 2288x1728 auf eine SD- oder MMC-Karte. Das sind knapp vier Megapixel, für eine Videokamera einmalig. Erreicht wird das durch das Pixelshift-Verfahren, etwas versetzte CCDs sorgen für die nötigen Grundwerte. Wem es nicht gerade um Panoramalandschaften oder mehrfache Ausschnittsvergrößerung geht, kann die Fotoknippse also gerne zu Hause lassen. Allerdings ist vorher eine Zusatzinvestition fällig, in unserem Karton fand sich trotz langem Suchen nämlich keine Speicherkarte mehr. Auf die sonst üblichen 8MB-Karten würden auch nur 3 Bilder passen. Da hat sich Panasonic wohl gedacht, sie besser gleich wegzulassen.




Leica Optik für echtes 16:9 und 4 Megapixel
Leica Optik für echtes 16:9 und 4 Megapixel


Fotos fordern übrigens das Objektiv wesentlich mehr als das recht anspruchslose Videobild. In den Größenordnungen von vier Megapixeln sollte wie bei einer Digitalkamera darauf geachtet werden, sinnvolle Blenden zu wählen. Blende 16 reicht zwar in der Schärfe noch für Video, im Fotomodus schlägt jedoch die Physik zu und sorgt durch Beugungseffekte für unscharfe Bilder. Bei hellem Sonnlicht also lieber die Belichtungszeit verkürzen, denn einen ND-Filter bietet die GS400 leider nicht.






Fazit

„Ein guter Wurf“ würden Tierzüchter sagen. Die GS400 vereint passable Lichtempfindlichkeit, sehr gute 16:9-Funktion und eine einmalige Fotoqualität zu einem Allround-Camcorder. Bedient werden Familienväter und Freizeitfilmer gleichermaßen, für faire 2000 Euro gibt es eine Kamera, die vielen Ansprüchen gerecht wird. Alternativen gibt es kaum, die TRV950 bietet für mehr Geld weniger Kamera und die Konkurrenz aus dem Einchiplager muss in der Lichtempfindlichkeit passen. Die teuren Modelle á la XM2 oder VX2100 bieten im 4:3-Modus zwar mehr Bildqualität, sind aber erstens deutlich teurer und zweitens deutlich größer. Wer also nicht gerade eine TV-Produktion dreht, macht mit der GS400 keinen Fehler.


Ähnliche Artikel //
Umfrage
    Generative Video-KI: Hast du ein Abo?







    Ergebnis ansehen

slashCAM nutzt Cookies zur Optimierung des Angebots, auch Cookies Dritter. Die Speicherung von Cookies kann in den Browsereinstellungen unterbunden werden. Mehr Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung. Mehr Infos Verstanden!
RSS Suche YouTube Facebook Twitter slashCAM-Slash