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Test : Canon EF35mm f/2 IS USM - Der Ausnahmekompromiss

von Mo, 22.April 2013 | 4 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Seltenheitswert – Weitwinkelige Festbrennweiten mit Bildstabilisator
Untadelige B(u)ild-Qualität
In der Praxis
Alternative Einsatzgebiete
Für Jedermann?



Sieht man sich als nach geeigneten Filmer-Optiken um, so hat man meistens die grundsätzliche Wahl zwischen relativ lichtschwachen Optiken, mit aktuellen Features wie Autofokus oder Bildstabilisator oder typischen "schnellen" Festbrennweiten, die zudem meist vollanalog funktionieren, sprich nur manuelle Blende und manuellen Fokus bieten. Letztere sind bei vielen Filmern gar nicht unbeliebt, weil diese Optiken im Verhalten den typischen Cine-Linsen an einer echten Filmkamera recht nahe kommen. Dazu sind solche Linsen auch als “Altglas” von alten analogen Spiegelreflexsystemen gebraucht zu erwerben. Und auch Dritthersteller wie Samyang/Walimex bauen oft keine eigene Steuerelektronik in die aktuellen Festbrennweiten-Objektive, die dafür oft weitaus günstiger sind, als die Autofokus-Linsen des jeweiligen Herstellers. Grundsätzliches zum Thema “lichtstarke Objektive” könnt Ihr übrigens kurz hier nachlesen.



Seltenheitswert – Weitwinkelige Festbrennweiten mit Bildstabilisator



Wer jedoch -aus welchen Gründen auch immer- ohne Stativ arbeiten will, findet momentan bei praktisch keinem Anbieter eine weitwinkelige, lichtstarke Festbrennweite mit Bildstabilisator. Erst ab Blende F2.8 werden bei den meisten Herstellern einige Zoom-Objektive oder sehr selten auch Festbrennweiten mit einem Bildstabilisator ausgestattet, wodurch jedoch weitwinkelige Aufnahmen mit geringer Schärfentiefe nur schwer zu erzielen sind.

Der Grund ist offensichtlich: Fotografen können bei lichtstarken Objektiven mit sehr kurzen Verschlusszeiten arbeiten und benötigen darum in der Regel kaum einen Bildstabilisator. Ganz anders sehen das jedoch die Videofilmer, die mit ihrer Belichtungszeit in der Regel nicht über 1/50s hinausgehen können. Dazu führen Wackler und Zitterer natürlich bei einer kontinuierlichen Bildabfolge auch zu einem unruhigen Bildeindruck. Aufgrund der Jello-Effekte und anderer Rolling Shutter Artefakte sehen verwackelte Aufnahmen einer DSLR dazu meistens wirklich unansehnlich aus. Videofilmer können einen Bildstabilisator an einer lichtstarken Festbrennweite also durchaus gebrauchen, weil ein Filmen ohne Stativ hier in 95 Prozent der Fälle keine wirklich brauchbaren Ergebnisse bringt.

Doch bis zu den Herstellern scheint diese Erkenntnis noch nicht durchgedrungen zu sein. Wir haben bis heute nur zwei Ausnahmen für weitwinkelige, relativ schnelle Festbrennweiten (unter F2.8) mit Bildstabilisator bei allen rennomierten Herstellern finden können: Eine Sony E-Mount-Festbrennweite 35mm/f1.8 sowie die Canon 35mm/f2.0. Erstere scheint nur für APS-C Bildkreis gerechnet zu sein, letztere kann auch an Canon Vollformat-Kameras eingesetzt werden.



Untadelige B(u)ild-Qualität



Wir haben nun einmal in dieser Hinsicht einen kurzen Blick auf das relativ neue Canon EF35mm f/2 IS USM geworfen, das zeitgleich mit einer Canon C100 in unserer Redaktion war.



An Full-Frame Kameras neigt das Objektiv in den Ecken bei Offenblende zu (sehr leichten) Bildfehlern. So sind neben marginaler Vignettierung bei Offenblende auch leichte Unschärfen am Rand in einzelnen Fotos zu bemerken (was in dieser Klasse jedoch meistens die Regel ist).

An APS-C ist die Abbildungsleitung noch mal besser. Da die Ränder des Bildkreises hier beschnitten werden, bietet das Objektiv z.B. an der C100 eine durchgängige Schärfe, wenig Coma-Wolken bei Offenblende, kaum Vignettierung und praktisch gar keine Verzeichnung.

Die Verarbeitung des Objektives ist ebenfalls sehr ordentlich. Es vermittelt nicht die billige Plastik-Spielzeug-Anmutung des hauseigenen 50mm/1.8, kommt aber auch nicht ganz an eine solide Metalloptik alá Zeiss heran. Der Fokussierweg ist mit geschätzten 170 Grad weit genug, um manuell sicher zu liegen. Doch dies alles könnte man noch mit einem Samyang/Walimex Objektiv deutlich günstiger bekommen.



In der Praxis



An einer C100 konnte das Objektiv jedoch dann durch seinen Fokusmotor besonders punkten: Der One-Shot Autofocus Knopf reagiert zwar nicht so schnell wie ein schneller Foto-Autofocus, trifft aber bei genügend Licht zuverlässig und blockiert anschließend nicht eine manuelle Ringnachstellung.

Das beste ist jedoch das Alleinstellungsmerkmal BIldstabilsator: Auch wenn man aus dem Bereich der Camcorder mittlerweile ganz anderes gewohnt ist, stellt diese Kombination aus C100 und 35mm/f2 doch eine ziemliche Besonderheit dar. So gelangen uns tatsächlich deutlich verbesserte Aufnahmen aus der Hand. Genau genommen bekommt erst mit diesem Objektiv der Handgriff der C100 einen echten Sinn. Auch das Klappdisplay und der ND-Filter der C100 machen unter diesem Aspekt die Kamera sehr rund. Denn mit diesen Features spielt die Kamera erst ihre ergonomische Stärken beim Filmen aus der Hand mit Offenblende aus. Hier ein ganz kurzes Videobeispiel aus der Hand. Der Bildstabilisator wurde ca. ab Sekunde 7 zugeschaltet.




Dabei sollte man natürlich auch keine Wunder erwarten, wie bei Sonys Balanced Optical Steady Shot. Hält man jedoch die Kamera konzentriert still, so verhindert die Linse zuverlässig genau jene kleine Handruckler und Zuckler, die viele Aufnahmen schnell Amateurhaft wirken lassen. Dennoch ist natürlich weiterhin Konzentration bei der Aufnahme gefragt. Aufnahmen im Gehen kann der Stabilisator beispielsweise kaum verbessern.

Wermutstropfen bleibt natürlich, dass 35mm an APS-C nur ungefähr einer Normalbrennweite von 50mm an Kleinbild entsprechen. Aber mehr gibt der Markt momentan einfach nicht her. An einer Canon Vollformat-Kamera, wie der Canon EOS 5D MK3 wird das Bild dagegen angenehm weitwinkelig, aber hier ist man schon wieder auf einen externen ND-Filter angewiesen. Und auch die Ergonomie der Kamera lädt nicht zu Handaufnahmen ein, wie bei der C100, was wir in einem kurzem Vergleich wieder einmal schmerzlich feststellen mussten.



Alternative Einsatzgebiete



Am Metabones NEX-Speed Booster soll der Bildstabilisator übrigens auch funktionieren, wodurch sich die Optik an einer E-Mount wie ein 35mm-Vollformat-Objektiv mit Blende 1,4 verhält. Nur leider gibt es aktuell auch kaum Sony NEX-Kameras, die moiréfrei von dieser Optik profitieren könnten. Nur die NEX100 und NEX700 können ein wirklich brauchbares Videobild liefern, doch gerade bei diesen Kameras steht deren Brotkasten-Ergonomie einem ruhigen Filmen aus der Hand etwas entgegen.



Für Jedermann?



Mit seinen 335g und seinen relativ kompakten Ausmaßen von 77.9x62.6mm ist das Objektiv bei weitem kompakter und deutlich leichter als viele manuelle Cine-Optiken. Deshalb können wir diesem Objektiv auch attestieren, eigentlich DAS Rebel-Objektiv für alle kleineren Canon Video-DSLRs zu sein, auch wenn der Listenpreis von 849 Euro für eine 35mm/f2 Optik auf den ersten Blick schmerzhaft erscheint. Für das perfekte Rebelfilmer-Glück müsste Canon nur noch seinen APS-C Fotoapparaten das Moiré-freie Filmen beibringen. Doch vielleicht passiert dies ja in absehbarer Zeit, nachdem Nikon dieses Jahr mit der D5200/7100 hier deutliche Zeichen gesetzt hat. Bis dato kann das Canon EF35mm f/2 IS USM aber auf jeden Fall an der C100/300/500 als DAS Objektiv für Handaufnahmen gefallen.


  

[1 Leserkommentar] [Kommentar schreiben]   Letzter Kommentar:
Zizi    10:11 am 15.5.2013
Das neue Tamron 24-70 hat zwar keine 2.0 aber 2.8 und geht von 24-70mm - STABILISIERT ! sollte man auch mal testen ;-)
[Kommentar ganz lesen]

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update am 8.Mai 2021 - 20:39
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