Logo
///  >

News : Blade Runner 2049 -- wie der Film entstand (Schnitt, Effekte..)

von Do, 9.November 2017


Seit nun schon einigen Wochen läuft DAS Film-Ereignis des Jahres im Kino, und es scheinen sich die meisten einig zu sein: Denis Villeneuve hat es tatsächlich geschafft, mit "Blade Runner 2049" ein Sequel zu präsentieren, der es sogar mit dem Original aufnehmen kann -- viele Kritiken überschlagen sich gar in Lobeshymnen, nicht zuletzt was die visuelle Gestaltung des Films angeht, die ja auch zuweilen durchaus atemberaubend daherkommt.

Im Netz finden sich einige sehr interessante Interviews mit Hintergrundinformationen zur Produktion, etwa mit dem Cutter Joe Walker, mit dem DoP Roger Deakins, Dennis Gassner (Production Design), einem VFX-Supervisor und natürlich auch mit Regisseur Denis Villeneuve. Wer den Film spannend fand, findet hier eine Zusammenstellung ohne Rücksicht auf eventuelle Spoiler -- vieles erschließt sich aufgrund der zT. sehr konkreten Bezüge ohnehin nur denjenigen, die den Film bereits gesehen haben. Für alle anderen zum Einstieg nochmal der Trailer:

BLADE RUNNER 2049 – Trailer 2




Regie

Einen ersten Überblick gibt dieses Interview mit Regisseur Denis Villeneuve -- darin wird klar, daß bei der Gestaltung kaum etwas dem Zufall überlassen wurde. So arbeitete er von Anfang an eng mit Roger Deakins zusammen, um den gewünschten Look und die Stimmung zu definieren. Recht bald kam dabei auch Dennis Gassner vom Production Design hinzu. Schon während des Drehs wiederum war auch Sound Designer Theo Green an Bord des Projekts. Apropos Sound: Interessanterweise erzählt Villeneuve, daß sein Cutter Joe Walker zunächst als Composer arbeitete, und erst über den Umweg als Sound Editor zum Filmschnitt kam.

Denis Villeneuve am Set(© 2017 Warner Bros. Entertainment Inc.)



Schnitt

Blade Runner 2049 kommt mit Überlänge daher (166min) und läßt sich streckenweise auch beim Schnitttempo viel Zeit. Wie Joe Walker, der auch schon für Arrival und Sicario von Villeneuve engagiert wurde, in einem kürzeren Interview mit Indiewire sagt, sollte sich der Film wie ein Traum anfühlen, weshalb das spezielle, etwas ausgedehnte Pacing gewählt wurde. Am Schnitt der Holographie-Szene wurd anscheinend über fünf Monate gearbeitet.

Wer es noch genauer wissen möchte: In seiner Interview-Serie Art of the Cut, auf die wir ja schon öfters hingewiesen haben, hat Steven Hullfish ein wie immer sehr ausführliches Gespräch mit Joe Walker geführt. Darin geht es sehr viel um Zeit, beispielsweise darum, wie man eine erste vierstündige (!) Schnittfassung auf gut 2,5h trimmt, ohne daß der Film seine Seele verliert, und warum manche Szenen einfach Zeit brauchen, um sich zu entwickeln. Aber auch um die Rolle des Tons, und daß es manchmal effektvoller ist, ihn wegzulassen, sowie um die Enstehung einzelner Szenen und Ideen, die sich erst im Schnitt ergaben, u.v.m. Sehr lesenswert.


Kamera

Für seine Kameraarbeit war Roger Deakins bereits 13x für den Oscar nominiert -- mit diesem Film könnte er wohl endlich die fällige Auszeichnung erhalten. Ein richtig ausführliches Interview mit ihm konnten wir bislang leider nicht finden, jedoch erfährt man immerhin einiges etwa bei Variety. Obwohl natürlich viel VFX im Film zu sehen ist (su.), wurde soweit möglich auch mit In-Kamera Effekten gearbeitet. So wurde einiges unter erzwungener Perspektive gedreht, also mit Miniaturen, oder es wurde, damit die Umgebung für die Schauspieler einigermaßen real wirkte, mit Stand-ins oder temporärer Ausstattung gearbeitet, die dann später in der Post gegen CGI ausgetauscht wurde.

Beispielsweise waren auch Elvis Lookalikes am Set für die Las Vegas Holo-Szene, und für die Szene mit der riesenhafte Joi wurde eine große LED-Wall installiert, auf welcher eine vorab aufgenommene Joi während des Drehs zu sehen war. So stimmten dann später auch die farblichen Lichtreflexionen im Bild. Gedreht wurde übrigens mit Arri Alexa (inkl. Mini), wie man bei Indiewire liest.

Blade Runner (© 2017 Warner Bros. Entertainment Inc.)



Blade Runner (© 2017 Warner Bros. Entertainment Inc.)




Produktionsdesign

Dennis Gassner, für das Production Design von Blade Runner 2049 verantwortlich (und seit Quantum of Solace nebenbei bemerkt auch für den Look der aktuellen Bondfilme), hat dem American Cinematographer etwas über seine Herangehensweise bei der Gestaltung erzählt. Er bat Villeneuve, den entstehenden Film mit einem Wort zu charakterisieren -- "brutality" --, um ausgehend davon eine Formsprache zu entwickeln.


Licht

Für das Licht zeichnet natürlich auch Deakins verantwortlich -- im Forum seiner eigenen Webseite erzählt er kurz, wie zwei Lichtsituationen enstanden (Wasserreflexe sowie ein Portraitlicht)

Auch das Rigging war natürlich anspruchsvoll, wie Gaffer Bill O’Lear in einem kleinen PR-Interview mit Arri erzählt. Zwei Licht-Setups werden kurz erläutert, die Szene in der Bibliothek mit 100 SkyPanels sowie die Sonne/Schatten-Simulation in Niander Wallaces Zimmer, für welche 256 Scheinwerfer im Kreis montiert wurden (gleiche Szene wie oben mit den Wasserreflexen).


VFX

Natürlich ist vieles von dem, was in Blade Runner 2049 zu sehen ist, im Computer entstanden. Doch wie Paul Lambert, VFX Supervisor bei Double Negative (eine der beteiligten CGI-Firmen), betont, war es Villeneuve und Deakins immer wichtig, daß die Bilder möglichst nicht nach CGI aussehen sollten. So kamen für manche Totalen auch ursprünglich gefilmte und dann digital nachbearbeitete und ergänzte Hintergrundaufnahmen zum Einsatz. In diesem recht ausführlichen Interview mit ihm erfährt man außerdem etwas darüber wie der Spinner entstand und die halbdurchsichtige Joi. Noch mehr über die Szene, in welcher Joi mit dem Körper von Mariette verschmilzt, kann man bei FXguide nachlesen.

Blade Runner (© 2017 Warner Bros. Entertainment Inc.)




Sound

Last but not least: das Thema Sound. Wie die Ambient-lastigen Soundscapes entstanden und wie der erste Blade Runner als Inspiration herhielt, erfährt man in diesem ca. 15 min SoundWorks Collection Video:




  

[9 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Cinemator    09:20 am 21.11.2017
Für mich ist der Film wirkliches High End Kino. Ich habe die OF auf der phantastischen Leinwand im Hamburger Savoy gesehen. Fühlte mich wie in einem gewaltigen Traum, jeglicher...weiterlesen
nachtaktiv    01:25 am 13.11.2017
valerian war eher so mittelgut. diese länglichen gutherzigen aliens waren avatar in bleich. und der rest war halt das fünfte element im 2017er gewand. diesmal gings nicht um ein...weiterlesen
migebonn    21:34 am 9.11.2017
Nachdem ich einen Trailer des Filmes gesehen hatte, war ich von der Musik erstmal begeistert - also Grund genug deswegen ins Kino zu gehen. Ok, der Film selbst "ging so", einen...weiterlesen
[ Alle Kommentare ganz lesen]

Weitere Artikel:


News: Unsere Empfehlungen für die 70. Berlinale: Filme und Veranstaltungen Fr, 21.Februar 2020
Das 70-jährige Jubiläum der Berlinale ist ein stürmisches: Das Filmfestival ist im Umbruch und dürfte gerade deshalb auch inhaltlich spannend wie selten zuvor werden. Und dann gibt es ja auch noch die Top-besetzten Berlinale Talents 2020. Hier unsere Film- und Veranstaltungs-Empfehlungen (inkl. Trailer!):
News: DeOldify: Schwarz-Weiß Photos und Videos per KI kolorieren Do, 23.Januar 2020
Ein interessantes Einsatzgebiet für moderne KI/Deep Learning Anwendungen ist die nachträgliche Kolorierung von Schwarz-Weiß Photos. Mussten früher noch mühsam Einzelbilder von Hand koloriert werden, kann heutzutage ein neuronales Netzwerk das relativ zuverlässig erledigen. Das noch junge Open Source Projekt DeOldify macht genau das, in erstaunlich guter Qualität.
News: Black Friday, Cyber Monday und andere Rabatt-Angebote für Filmer 2019 Fr, 22.November 2019
Der "Black Friday" ist inzwischen Anlass für zahlreiche Rabattaktionen und damit ein guter Zeitpunkt für einen Neukauf zum Sonderpreis für alle diejenigen, die auf der Suche nach einer neuen Kamera, Zubehör, Notebook oder Software sind. Wir geben hier deshalb eine Übersicht über die vielen aktuellen Cashbacks und Black Friday Deals, die für die Filmer relevant sind.
News: Orbiter: ARRI´s bestes LED-Licht - ultraheller LED-Scheinwerfer mit Wechseloptiken uvm. // IBC 2019 Mi, 11.September 2019
Nach der erfolgreichen Einführung der Skypanel Flächenleuchten hat ARRI jetzt einen gerichteten, hellen LED-Scheinwerfer namens Orbiter vorgestellt der Dank neuem Quick Lighting Mount im Verbund mit Projektionsoptiken/Lichtformern und diversen Vorsätzen sehr unterschiedliche Lichtformungen zulässt. Und dies mit der besten Licht- und Farbqualität aller bisheriger ARRI Lichtengines …
News: Die Panasonic Lumix S1H - Erste 6K-FullFrame Kamera unter 4.000 Euro Di, 27.August 2019
News: Hands-On Manfrotto: Mobiles, lichtstarkes Lykos 2.0 LED Panel + Nitrotech Fluidköpfe 608/6012 // NAB 2019 Di, 16.April 2019
News: Berlinale 2019 Tips: Horror auf St. Pauli, PJ Harvey in Afghanistan, Filmer-Workshops uvm. Mi, 6.Februar 2019
News: Kommentierte Gerüchte zu Panasonics S1(R) und weiterer L-Mount Kamera Di, 11.Dezember 2018
News: Panasonic GH5s - Die Unterschiede zur GH5 am Vorserienmodell näher betrachtet Mo, 8.Januar 2018
News: Videos automatisch per AI transkribieren: SpeedScriber und Transcriptive Fr, 13.Oktober 2017
News: 15. Berlinale Talents: Veranstaltungen für Filmemacher, jetzt auch im Netz Fr, 10.Februar 2017
News: Neue Funktionen: Adobe Premiere Pro, After Effects und Character Animator // IBC 2016 Di, 6.September 2016


[nach oben]


[nach oben]
















passende Forenbeiträge zum Thema
Schnittsysteme:
Weitere Updates von Edelkrone: SliderONE v2, Slide Module v2, HeadONE
Versetzt Kamerastative in Bewegung -- Edelkrone DollyPLUS (PRO)
Edelkrone - welches Stativ für Slider X Long + Head
mehr Beiträge zum Thema Schnittsysteme




update am 29.März 2020 - 16:03
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*