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Essays : Blu-ray vs. HD-DVD - Es kann nur (k)einen Sieger geben

von Di, 8.Januar 2008


Glaubt man den Medienberichten, so ist der Todesstoß für die HD-DVD nun überraschend schnell gefallen, indem sich Warner exklusiv für Sony´s blaue Scheibenvariante stark gemacht hat. Auf jeden Fall ist das Kräftegleichgewicht jetzt empfindlich gestört, wenn man sich diese Grafik aus der Wikipedia ansieht und das rosa Warner-Kuchenstück blau denkt.

Anfangs etwas komisch klingt die Erklärung, dass Warner durch diesen Schachzug für den Konsumenten die HD-Adaption erleichtern will. Kurz: Man will nur, dass HD schnell ein Markt wird. Der Konsument soll nicht durch einen Formatkrieg vom Kauf abgehalten werden. Sind Oligopolisten nicht die wahren Menschenfreunde? Naja, nüchtern betrachtet scheint die HD-DVD eigentlich die bessere Wahl zu sein, um den Markt schnell zu entwickeln:
Günstigere Player, günstigerer Herstellungspreis, schon komplett (und klar) standardisiert. Doch solche Argumente interessiert scheinbar nicht, auch wenn sie doch im Sinne des Kunden wären. Vielmehr scheint für Warner offensichtlich nur zu zählen, wer mit weniger Aufwand zu einer kompletten und schnellen Aufgabe zu bewegen ist. Sony hätte auf jeden Fall schon wegen seiner Spielkonsole PS3 den Kampf um Blu-ray erbittert bis zum Ende geführt. Denn für Sonys Konsolengeschäft ist der Sieg von Blu-ray elementar wichtig. Würde HD-DVD das Rennen machen, würde dies auch die Verkaufszahlen der ohnehin schwach gestarteten PS3 zunichte machen, wenn nicht sogar deren Existenz gefährden. Für Sony der Worst Case, der mit aller Kraft verhindert werden müsste, koste es (fast), was es wolle. Somit wäre Sony wohl kein leichter Gegner für die Studios.

Dann lieber auf (das schwächere) HD-DVD Konsortium um Toshiba losgehen. Und zwar strategisch ohne vorherige Ankündigung bei der CES so richtig den Boden unter Füßen wegziehen. Und tatsächlich scheint die Festlegung von Warner tatsächlich das gesamte HD-DVD Konsortium im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen haben. Erstmal Pressekonferenz abgesagt, und nur noch wortloses Schweigen. Auf jeden Fall riecht es danach, dass eine totale und schnelle Kapitulation der HD-DVD nicht ausgeschlossen scheint. Denn nach diesem Affront spricht die ganze Welt nun unreflektiert davon, dass HD-DVD tot ist. Wenn selbst der Spiegel dies sofort wie eine Tatsache darstellt, dürfte es auch Papi zu Hause so so sehen und glauben. Da ist wohl nicht mehr dagegen schön Wetter zu machen. Nicht ganz faire Strategie, aber scheint aufzugehen.
Dass Warner hierbei wahrscheinlich einen deftigen Vertragsbruch in Kauf nimmt, ist nicht unwahrscheinlich. Aber vielleicht beteiligt sich ja Sony insgeheim an den vertraglichen Nichterfüllungs-Kosten.

Kleiner Exkurs-Gag am Rande: Manche Beobachter vermuteten Stark zur CES die Vorstellung einer XBOX mit integriertem HD-DVD-Laufwerk (Einfach mal nach XBOX Ultimate in den Google News suchen). Wie hätte die Sache mit Warner dann wohl ausgesehen? Lustig, aber nicht entscheidend. Viel entscheidender ist ein anderes Phänomen im Konsolen-Krieg: Nämlich dass weder Sony noch Microsoft sondern der von beiden für tot erklärte Dritte Nintendo nun überraschender Weise die Konsolen-Verkäufe anführt.

Und unter diesem Licht versteht man vielleicht Warners Wunsch nach einem schnelles Kriegsende sehr viel leichter. Denn es gibt auch hier einen unerwarteten Dritten: Der eigentliche Formatkrieg lautet nicht Blu-ray gegen HD-DVD sondern Blu-ray/HD-DVD gegen DSL-Downloads. Als Studio gibt es hier nämlich plötzlich wirklich was zu verlieren. Denn je länger die „Gefechte“ zwischen Blu-ray und HD-DVD andauern werden, desto mehr Benutzer werden sich von der Option Download überzeugen lassen (egal ob legal oder illegal). Denn beim Download muss sich der Konsument nicht zwischen den Film-Studios entscheiden. Hier kann einfach jeder seinen Film anbieten (bzw. wird jeder Film -egal, ob von Blu-ray oder HD-DVD gerippt- angeboten).


Die Parallelen zur Musikindustrie sind nicht zu übersehen: Die Audio-CD hat die Kassen der Plattenfirmen vollgespült, wie nie zuvor. Der Grund: Die Menschen haben viele LPs als CD nochmal gekauft . Genau das selbe passierte mit DVD und VHS. Die DVD-Verwertung brachte plötzlich oft mehr Geld als Kino.

Dann brach der illegale Download der Musikindustrie ein paar Rückenwirbel (das Genick wäre wohl übertrieben). Und wie die Geschichte lehrt, spielt Zeit hier eine gravierende Rolle. Hätte die Musikindustrie hier nicht den Trend total verschlafen und anschließend versucht ihre fetten Felle zu retten, wäre sie heute wahrscheinlich mächtiger denn je. Das Gegenteil ist bekanntlicherweise passiert. Das Schlimmste für die Industrie ist jedoch, dass die Konsumenten ihre Musik jetzt nicht mehr mehrmals bezahlen wollen. DRM-verschlüsselte Musik entwickelt sich zum Ladenhüter. Das Prinzip der Musikindustrie immer wieder die gleiche Musik in neuer Verpackung zu verkaufen geht nicht mehr auf. Und das tut richtig weh.
Schmerzen, die Warner und die anderen Studios auf jeden Fall verhindern wollen. Die Blu-ray-Disc soll die Leute dazu bringen, alte DVDs nochmal zu kaufen. Und zwar gut geschützte Discs. Auf keinen Fall will man seinen DRM-Hosen so runterlassen müssen, wie die Musikindustrie es jetzt gerade macht.

Der Plan lautet offensichtlich: Wenn die Blu-rays schnell in den Läden stehen und gekauft werden können, sind Downloads nicht so verlockend. Denn Downloads sind für die Studios viel schwerer zu kontrollieren. Und selber den Markt in die Hand nehmen, wie Apple es mit Itunes vorgemacht hat, schafft die Industrie wohl aus mangelnder Einheit und/oder gegenseitiger Missgunst nicht. Es deutet sich an, dass die Filmindustrie hier auch an an ihren Fellen zu fest hält und die selben Fehler macht, wie die Musikindustrie.

Wahrscheinlich wird durch den Download den Leuten schnell klar, dass man weder HD-DVD noch BluRay für HD-Spielfilme wirklich braucht. Schließlich kann man einen HD-Film mit etwas Kompressions-Können auch bequem auf einer DL-DVD unterbringen. Und wer einen Split auf zwei 5GB-DVDs erträgt, kann lange Warten bis die Blu-ray Disk ein ähnliches Preis/Leistungs-Verhältnis aufweist (ca. 5 Cent/GB DVD, 17 Cent /GB Festplatte, 28 Cent/GB Blu-ray). Solche Filme könnten auch mit einem günstigen DVD-Player, der MPEG4-HD-Decoding beherrscht bequem ohne PC im Wohnzimmer abgespielt werden. Oder gleich von einer Wechselfestplattenbox gestreamt. Oder per WLAN zum Fernseher gefunkt. Die Optionen sind schon heute viel zu üppig, um eine Blu-ray-Scheibe so gut aussehen zu lassen, wie die DVD vor zehn Jahren. Es geht heute um die Daten selbst, der Datenträger ist peripher. Und je länger sich keine der blauen Scheiben durchsetzt, desto mehr Anwender kapieren das. Spätestens wenn die externe 500 GB 3,5 Zoll-Festplatte mit HDMI-Output und MP4-HD-Logo in 12 Monaten bei Media-Markt für 100 Euro im Katalog steht, ist der Damm gebrochen. Genau wie mit der MP3-USB-Playern. Und davor muss Blu-ray ein Erfolg werden. Sonst wird’s für die Industrie erst richtig teuer. So teuer, dass die Entschädigungs-Zahlungen an Toshiba wahrscheinlich wie Peanuts aussehen.


    

[11 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
domain    13:38 am 11.1.2008
Gut, dass das Wort vielleicht dasteht. Als Langzeitspeichermedium wird sich BluRay auch nicht wesentlich von den katastrophalen Langzeiteigenschaften einer DVD unterscheiden....weiterlesen
weitwinkel    13:17 am 11.1.2008
...ist aber vielleicht als speichermedium interessant... gruß cj
Axel    12:36 am 11.1.2008
In meinem unmittelbaren Bekanntenkreis ist der Umstieg auf HD-TVs fast vollständig vollzogen. Sogar mein Technik abstinenter Bruder, der Zeit seines Lebens keinen...weiterlesen
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