Schon der CES-Auftritt der drei genannten Firmen deutete größere Veränderungen an. Denn auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas werden üblicherweise die kommenden Grafikkarten des nächsten Jahres das erste mal offiziell gezeigt bzw. angekündigt. Doch dieses Jahr hatten alle drei Hersteller in dieser Hinsicht nichts Neues zu zeigen. Nada, Null, wirklich kein einziges Wort zu neuen dedizierten GPUs. Das heißt, ein paar Worte gab es schon. Beispielsweise verlautbarte Nvidia, dass es wirklich der Wahrheit entspricht, dass man dieses Jahr erst einmal keine neuen GPUs vorstellen wird.
Hier gibt es nichts zu sehen
Womit der eigentlich fällige Super-Refresh für alle Nvidia Karten mindestens verschoben ist - sofern er nicht sogar ganz ausfällt. Beim sogenannten Super-Refresh stattet Nvidia typischerweise die Grafikkarten des Vorjahres mit mehr und/oder schnellerem Speicher aus, was dem GPU-Chip-Entwicklungszyklus von zwei Jahren geschuldet ist. So gab es bisher alle zwei Jahre Grafikkarten mit einer neuen Chip-Generation und in den Jahren dazwischen die etwas "gepimpten" Super-Modelle.
Doch dieser Zyklus gehört nun der Vergangenheit an, was mehrere Gründe hat. Der erste Grund ist (wie könnte es anders sein) natürlich "KI". Bei Nvidia spielt die Gaming- und Visualisierungs-Sparte trotz jährlichen Milliarden Umsätzen nur noch eine untergeordnete Rolle, weil das Geschäft mit KI-Data-Centern einfach viel größere Margen verspricht und signifikant größere Gewinne abwirft.
Die Margen selbst beherbergen noch ein weiteres Problem: Die Speicherpreise sind (ebenfalls wegen KI) in den letzten Monaten so stark gestiegen, dass die Margen bei Grafikkarten dadurch sehr stark fallen, sofern man die GPUs mit der gleichen Speicherausstattung wie letztes Jahr anbieten will. Für viele Super-Modelle müsste man sogar noch mehr Speicher verbauen, was die Endkundenpreise in noch nie dagewesene Sphären katapultieren würde.
Totgesagte leben länger
Als Resultat sollen die Hersteller wohl erst einmal die bestehenden Grafikkarten mit gleicher Ausstattung weiterverkaufen - bei zugleich stark steigenden Endkunden-Preisen. Dies führt zu der absurden Situation, dass Nvidia Gerüchten zufolge sogar wieder seine eigentlich veraltete RTX 3060 in die Regale bringen will, weil diese noch mit dem deutlich besser verfügbaren GDDR6-RAM gefertigt werden kann. Naja, alter Wein aus alten Schläuchen kann vielleicht auch lecker sein.
Und nun schießen sogar Gerüchte aus dem Boden, dass Nvidia auch noch alle aktuellen Grafikkarten mit besonders gutem Speicher-Leistungs-Verhältnis wie die RTX 5070 Ti weniger oder gar nicht mehr produzieren wird. Bei allen weiterhin verfügbaren Modellen sollte man sich auf stark steigende Preise einstellen. Und die Hoffnung auf neue Modelle ist mittlerweile komplett geschwunden (s.u.).
Die Konkurrenz machts nicht besser
Wer jetzt denkt, dass AMD nun seine Chance wittern könnte, hat den KI-Markt nicht vor Augen. Denn ironischerweise ist AMD in eine fast identische Situation geraten. Alle verfügbaren Entwicklungsressourcen werden aktuell in Richtung KI umgeleitet, und die paar Euro für den ursprünglich enorm wichtigen Gaming-Markt lassen sich in der aktuellen Situation wohl auch mit Grafikkarten aus dem letzten Jahr umsetzen. Fairerweise muss man sagen, dass AMD so nebenbei auch noch die GPUs für Sonys kommende Playstation entwickelt und alleine deswegen hier sicherlich auch weiterhin Neuigkeiten in der dedizierten GPU Pipeline zu erwarten sind. Allerdings halt auch irgendwann später.
Für uns als VideobearbeiterInnen werden zudem besonders leistungsfähige GPUs immer uninteressanter. Unter anderem, weil die reine Rechenleistung nicht mehr mit jeder Generation signifikant ansteigt. Immerhin dürfen wir uns noch auf neue RAM-Technologien freuen, die - dank(e) KI- aktuell tatsächlich noch immer schneller werden.
Mehr GPU, wofür?
Doch wofür brauchen wir überhaupt noch mehr Rechenleistung? Gerade stellt sich diese Frage vor allem für KI-Schaffende, weil es nun die ersten brauchbaren generativen KI-Videomodelle gibt, die man auf einer potenten GPU "offline" nutzen kann.
Doch die Sache hat einen großen Haken: Man kann jetzt zwar mit seiner RTX 5090 Grafikkarte für 3.000 Euro nach 3 Minuten Wartezeit vielleicht einen fast so guten Clip wie von Sora oder Veo bekommen. Doch in der Cloud erhält man für 60 Cent/Clip dann eben doch noch einen relevanten Tick mehr Qualität und das bei deutlich kürzerer Wartezeit - was letztlich erst ein effektives Arbeiten ermöglicht. Und nicht nur das. Die verfügbaren Modelle in der Cloud werden in den nächsten Monaten sicherlich weiter verbessert, während man mit seiner Grafikkarte zu Hause durch das VRAM beschränkt bleibt, bis man in eine neue größere Grafikkarte investiert. Und das kann dauern...

Ausblick
Was uns zu den GPU-Aussichten bringt, und die sind trüber als jemals zuvor. Die krass gestiegenen Speicherpreise sind bis dato noch nicht einmal voll zu den Herstellern durchgedrungen. Denn die Karten, welche aktuell im Handel sind, sowie wahrscheinlich auch ein Großteil der Karten, die sich gerade noch in der Produktion befinden, besitzen Speicher, der bereits vor der aktuellen Speicher-Krise bezahlt wurde. Die aktuellen RAM Preise dürften die Produktion mittelfristig noch drastisch verteuern, was sich auf den Endkunden-Preis ebenso deutlich auswirken wird. Es ist daher stark anzunehmen, dass GPUs noch weiterhin stark im Preis steigen werden.
Und nicht nur das: Auch der Start der nächsten Grafikkarten-Generation von Nvidia wurde jetzt deutlich hach hinten verschoben: So soll es nun frühestens Mitte 2027 neue Grafikkarten mit der kommenden Rubin GPU für Endverbraucher geben. Also erst in 18 Monaten, oder sogar noch später.
Für Medienschaffende, die gerade eine neue Hardware-Anschaffung planen, dürften somit bittere Zeiten ins Haus stehen. Eine neue Workstation mit viel Speicher und schneller GPU ist zum Budget von 2025 definitiv nicht mehr zu haben. Und der Ausblick auf frische Hardware hat sich nun ebenfalls deutlich eingetrübt. Glücklich schätzen dürfen sich dagegen alle, die eine aktuell schnelle Workstation besitzen. Und sollte ein Ausfall eine Neuanschaffung unumgänglich machen, ist vielleicht ein gebrauchter Mac Studio plötzlich eine unerwartet günstige Alternative. So verändert KI die Welt auch an vielen unerwarteten Ecken und Enden...
















