Logo Logo
Themen schraeg
Wissen
Codecs· Einführungen· Lexika
Hardware
Camcorder· Computer· DVD· Zubehör
Software
3D· Compositing· Download· DVD· Effekte· Farbkorrektur· Player· Tools· Videoschnitt
Filmpraxis
Beleuchtung· Drehbuch· Filmen· Filmlook· Keying· Montage· Regie· Sound· Tips
DV-Film
Festivals· Filme
Sonstiges
Hersteller· Reviews· Technik
/// Interviews : Filmen

Interviews : Hajo Schomerus
von heidi So, 24.August 2003    


Gleich mit zwei MiniDV-Produktionen war der Kameramann Hajo Schomerus auf der Berlinale 2003 vertreten: Für das hervorragend fotografierte, dokumentarische Roadmovie „Golden Lemons“ begleitete er zusammen mit dem Regisseur Jörg Siepmann die Punkband „Die Goldenen Zitronen“ auf einer Tournee durch Amerika. Der Spielfilm „Narren“ von Tom Schreiber entstand in der Reihe „radikal digital“, und wurde mit dem P+S Technik Mini 35 Digital Adapter gedreht. Wir wollten näheres dazu erfahren.

Sprechen wir ersteinmal über den Dokumentarfilm „Golden Lemons“. Wie sah das Bildkonzept aus? Es finden sich ja sehr teilweise sehr poetische Bilder darin.

Der Film baut auf einem sehr subjektivem Bildkonzept. Ich fotografiere auch Spielfilme, also inszenierte Filme, wo man sich die Bilder vorher konstruiert, und das hilft mir auch bei der dokumentarischen Arbeit. Ich benütze hier eine ähnliche Herangehensweise. Ich betrachte den Raum und überlege, wie kann ich diesen Film erzählen, wie würde ich in einem Spielfilm erzählen, wenn ich alle Zeit der Welt hätte. Was macht den Raum aus, was macht die Situation aus? Uns war auch klar, dass es keine fahrige Handkamera geben sollte, das ist auch nicht mein Stil.



Ihre Kameraführung besticht durch ein sehr sicheres Framing.

Das Framing ist durch einen langen Lernprozeß entstanden. Meine ersten Filme waren auch ganz anders, sehr viel fahriger und unentschiedener. Ich habe gelernt, Situationen vorauszuahnen, zu antizipieren, und vor allem, eine Art Ruhe und Vertrauen auf das Bild zu haben. Wenn man ein Bild gefunden hat, von dem man denkt, das ist gut, dann muß man einfach dabei bleiben. Man muß schon wach und aufmerksam auch nach rechts und links gucken, was passiert, aber es hat wenig Sinn, unsicher rumzusuchen. Doch das ist Erfahrung und Routine, die man haben muß.

Es wurde ja in teilweise sehr engen Räumen gedreht, zum Beispiel im Tourbus. Welche Optiken kamen hier zum Einsatz? Bei manchen Bildern ist auch eine VignetteVignette im Glossar erklärt zu erkennen, wie kommt es dazu?

Wir haben mit einer kleinen Sony 3-Chip-Kamera gedreht, mit der TRV 900. Ich mag die Kamera einfach gerne und kann sie gut bedienen -- bei DV braucht man ja immer eine Knopf- und Schalterroutine. So oft es ging, habe ich nur mit der nackten Kamera gedreht, aber ich bemühe mich auch, viel zu filtern, viel ND-FilterND-Filter im Glossar erklärt oder Polfilter davorzuschrauben, um die BlendeBlende im Glossar erklärt aufzumachen. Teilweise habe ich auch einen handelsüblichen Sony-Weitwinkelvorsatz zum Aufschrauben benützt, einen 08-er, also kein extremes Fischauge. Ich war damit sehr unzufrieden, es ist optisch sehr schlecht -- mittlerweile habe ich ein Besseres gefunden.
Die VignetteVignette im Glossar erklärt kam so zustande, dass ich, wenn es mal sehr schnell gehen mußte, und ich den Polfilter davor hatte, den Weitwinkelvorsatz schnell auf den Polfilter geschraubt habe -- dann vignettiert es natürlich.

Wie haben Sie in Sachen Ton gearbeitet?

Wir waren zu zweit unterwegs. Der Regisseur hat auch den separaten Ton auf DAT aufgenommen, wobei ich auf der Kamera noch ein gerichtetes Mikrofon befestigt hatte, mit einem kleinen separaten Mischer dabei. Ich habe tatsächlich auch viele Sachen allein gedreht, wo ich nur den Kameraton benützt habe, weil Jörg etwas organisieren oder mir etwas zu essen besorgen mußte. Die Konzerte haben wir versucht, immer separat auf DAT aufzunehmen, weil es ja ein Musikfilm ist, und wir natürlich auch die Musik wiedergeben wollten. Viele Konzerte sind aber nur mit dem eingebauten Kameramikrofon aufgenommen, weil diese Clubs so laut waren, dass es keinen Unterschied machte, mit welchen Mikro und Aufnahmegerät man es aufgenommen hat, weil am Ende nur Lautstärke wiederzugeben war.

Worauf muß man beim Drehen auf DV achten?

Ich habe das Gefühl, daß man mit DV sehr viel genauer Arbeiten muß, als man es mit irgendeinem anderen Material machen muß. So doof sich das vielleicht anhört, für mich war es fast schwieriger, DV belichten zu lernen, als Film, weil Film einfach viel gnädiger ist. Da ist immer noch was drauf, und es ist immer irgendwie zu retten, egal ob es unter- oder überbelichtet ist. Bei DV muß man sehr präzise und genau belichten, weil vieles als Bildinformation sonst weg ist. Ich habe mich meistens auf das Kamera-Zebra verlassen, und bemühe mich, Überbelichtung zu vermeiden. Ich habe auch Erfahrungswerte, wo ich weiß, das geht, das geht nicht. Aber für mich war DV kennen und verstehen zu lernen, schwieriger als Film.

War von anfang an ein FAZ geplant, also die Übertragung des Videos auf 35mm Film?

Nein, wir haben den Film nicht von anfang an so geplant. Das war natürlich auch eine finanzielle Sache. Dass es das Faz gibt, ist der Berlinale zu verdanken: als wir erfahren haben, dass der Film hier läuft, ist die Filmstiftung Nordrhein-Westfahlen eingesprungen und hat das Faz bezahlt.

Wie sah der Workflow aus beim Fazen?

Bei diesem Film war es so, dass wir auf MiniDV gedreht haben, das Rohmaterial dann komplett in den Rechner eingespielt, und auf Final Cut Pro geschnitten haben. Der fertige Schnitt wurde dann wieder auf ein MiniDV-Band ausgespielt und dann auf DigibetaDigibeta im Glossar erklärt umkopiert. Damit hat der Regisseur nochmal am Avid die Blenden neu gerechnet, Untertitel gesetzt und ähnliches. Mit diesem Digibeta-Master haben wir dann einen halben Tag von Tape zu Tape die FarbkorrekturFarbkorrektur im Glossar erklärt gemacht. Wir haben da hauptsächlich Farben angeglichen, Farbstiche korrigiert und den Kontrast etwas angehoben, aber sonst speziell für das FazenFazen im Glossar erklärt keine besonderen Einstellungen vorgenommen. Dann haben wir das Band zu Cinepix geschickt, zum Ausbelichten, wo es noch teilweise deinterlaced wurde -- vieles hatten wir schon in Vollbildern gedreht.

Kommen wir nun zu dem Film „Narren“. Wie haben sich da die Dreharbeiten gestaltet?

Wir waren zwei Kameraleute bei diesem Film, Olaf Hirschberg und ich. Wir haben mit dem P+S Technik Mini 35 Digital Adapter gedreht, und zwar haben wir uns damals für die Variante mit der Sony VX-2000-Kamera, entschieden, ein Prototyp, denn bis dahin gab es den Adapter ja nur für die Canon XL-1 mit den Wechseloptiken. Gerade beim Spielfilm, und gerade wenn man mit der Schärfe spielt, mit Unschärfen arbeitet und mit der geringen Tiefenschärfe, die der Adapter erzeugt, ist es absolut unerläßlich, dass jemand vorm Monitor sitzt beim Drehen, sonst muß man nachher immer nochmal zurückspulen und die Schärfe kontrollieren, weil sie tatsächlich auf dem DV-Sucher nicht zu beurteilen ist.

Wie genau funktioniert der Mini 35 Adapter?

Der P+S Adapter ist ein Vorsatz, den man vor die eigentliche Videokamera baut, um die Tiefenschärfe von Video zu verändern. Vor dem eigentlichen Videochip der Kamera wird eine Mattscheibe angebracht wird, auf der das Bild durch eine Optik davor projiziert wird. Dieses Bild wird von dem Videochip aufgenommen. Der Effekt, der entsteht, ist ein ganz anderer Raum mit ganz anderer Tiefenschärfe, weil man ein größeres Bild erzeugt, als der Chip aufnehmen könnte. Das erkauft man sich durch viele Nachteile, erstmal entsteht das Bild, das man abfilmt, tatsächlich auf einer Mattscheibe, die an sich körnig und unscharf ist, und in unserem Fall war es nochmal doppelt kompliziert, weil man zusätzlich zu der schon schlechten Optik der VX-2000 nochmal eine Nahlinse braucht, um diese Mattscheibe abzufilmen. Man hat also drei vier Glasbausteine zusätzlich dazu, die sonst nicht dabei wären, und die das Bild eigentlich objektiv verschlechtern. Subjektiv habe ich aber das Gefühl, daß es doch schärfer oder gefälliger aussieht, weil es einfach größere Unterschiede in der Schärfe zwischen Vorder- und Hintergründen gibt.

Wie arbeitet es sich mit dem Adapter?

Die Kamera wird insgesamt größer, ungefähr wie eine 16mm-Kamera. In unserem Fall mit der VX2000 war es noch unangenehmer. Man hat ein ewig langes, großes, schweres Ding vor sich, mit einem ganz ungünstigen Schwerpunkt auf der Kamera, wo man auch noch hinten reingucken muß -- was physiologisch fast unmöglich ist. Das ist schon schlecht zu bedienen.

Warum hatten Sie sich denn für die VX-2000 entschieden?

Ich persönlich mag die XL-1 überhaupt nicht und finde auch die Bedienung unangenehm. Außerdem hatten wir vorher einige Tests gemacht und beschlossen, dass uns das Bild der 2000er besser gefiel, vor allem in der Farbwiedergabe. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Nachteil der XL-1 ist der fehlende Ausklappmonitor, mit dem ich sehr viel arbeite, vor allem, weil die schlechten DV-Sucher eigentlich unerträglich sind und ich auch mit der eingeschränkten Bewegungsfreiheit am Sucher nicht so gut klarkomme. Es war eine, wenn auch bewußt gefällte, Bauchentscheidung für die 2000er. Im Nachhinein bedaure ich sie. Der riesige Nachteil bei der 2000er mit Adapter ist der fast nicht in den Griff zu bekommende Schärfeverlust, da gibt es bei der Canon-Variante 3 oder 4 Fehlerquellen weniger - wir haben einfach Lehrgeld bezahlen müssen, besonders, weil noch keine richtigen Adapter-Erfahrungswerte vorlagen und auch P+S Technik ihr eigenes Zeug sehr schlecht im Griff hatte.



Welches sind die Vor- und Nachteile von DV?

DV ist günstig, kompakt, und unauffällig. „Golden Lemons“ konnte nur auf diesem FormatFormat im Glossar erklärt gedreht werden -- sowohl finanziell als auch im Handling wäre nichts anders möglich gewesen. Leider ist es aber nach wie vor enttäuschend im Weitwinkel, und aufgrund der fehlenden Bildtiefe. Die Bedienung ist nervig, besonders bei den Consumerkameras (Schärfe, Bedienknöpfe, Menüführung) -- regelmäßig kommt da der Punkt, wo ich das Ding an die Wand schmeißen will.


Robert Lößl
Heidi Enzian

Website zu Golden Lemons mit Trailer


   



[nach oben]

Weitere Artikel:

Test: Manfrotto 585 ModoSteady 3in1 Stativ Do, 29.Oktober 2009
Es liegt schon eine ganze Weile zurück, dass wir uns näher mit einzelnen Schwebestativen beschäftigt haben. Grundsätzlich ist es auch sehr schwer, hierüber objektive Aussagen zu treffen. Das Manfrotto Modosteady war uns dann aber doch ein Artikel wert, denn es unterscheidet sich in mehreren Details von den üblichen Verdächtigen...
Einführungen: Tipps für einen besseren Urlaubsfilm Sa, 8.August 2009
Sommer. Ferienzeit. Abertausende Camcorder, die die meiste Zeit des Jahres geduldig in Kisten und Schränken warten, freuen sich, bekommen sie doch endlich wieder etwas Auslauf und was vor die Linse. Damit sich aus den Erinnerungsaufnahmen auch tatsächlich ein sehenswerter, kleiner Film zusammenschneiden läßt, haben wir einige Tipps für Anfänger zusammengestellt.
Buchkritiken: Data Beckers große Videoschule Fr, 20.März 2009
Dieses Buch war eine harte Nuß für uns, denn überraschende Selbstzweifel stellten sich bei der Lektüre ein. Was darf man eigentlich von einem Fachbuch erwarten? Sind wir zu streng? Kann es sein, daß wir an der Zielgruppe vorbeikritisieren? Wenn ja, wäre das schlimm? Oder sollte man nicht lieber nett sein? Haben uns für letzteres entschieden (aber fragen uns immer noch, warum).
Test: Panasonic Lumix DMC-TZ5EG-S Mo, 28.April 2008
Einführungen: Die Top-6 Anfänger-Fehler beim Videofilmen Fr, 16.März 2007
Einführungen: Digitales Video für Einsteiger – Teil 1: Ausrüstung und Aufnahme Mo, 12.Juni 2006
Buchkritiken: Developing Digital Short Films So, 29.August 2004
Berichterstattung: The Rhythm of the Image: Coppolas Cutter Walter Murch auf der Berlinale 2004 Do, 19.Februar 2004
Erfahrungsberichte: "Hey!" – Das Finale Mi, 5.November 2003
Erfahrungsberichte: "Hey!" - Der erste Test Di, 23.September 2003
Grundlagen: Drehen für den Schnitt Di, 16.September 2003
Erfahrungsberichte: "Hey!" – Die meiste Arbeit fängt erst an Sa, 30.August 2003


[nach oben]















Artikel-Übersicht


Artikel-Kategorien:
Einführungen
Test
Grundlagen
Tips
Tutorials
Erfahrungsberichte
Workshop
Ratgeber
Buchkritiken
Scoop
Problemlösungen
Ausprobiert
Basiswissen Videoproduktion
Interviews
Kurztest
News
Essays
Editorials
Berichterstattung
Home Media
Aktionen
Werbung
Filmkritiken
Glosse

passende Forenbeiträge zum Thema
Spezialeffekte:
Timelapse & VFX Showreel 2012
Making-of eines VFX-Shots
SAE ja oder nein - Digital Film & VFX Diploma?
10 interessante VFX-Werbespots 2011
Frontline (;VFX-Short)
Die Rolle der Filmbelichtung bei Special Effects
Neuer Schnitt und VFX Computer bis ca. 1400€
mehr Beiträge zum Thema Spezialeffekte




update am 22.Mai 2012 - 08:40
slashCAM ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*
ClipKanalschraeg

Aktuelles Video:
And introducing....
Specialsschraeg
21-25. Mai / Ingolstadt
20 MIN|MAX
25-27. Mai / Mannheim
7. Low & No Budget Kurzfilmfestival ClipAward
25-26. Mai / Innsbruck
A Los Gurkos Short Film Festival
26. Mai - 3. Juni / Zürich
VIDEOEX
weitere Veranstaltungen