2009 war das Jahr der videofähigen digitalen Spiegelreflex-Kameras. Für Einsteiger und Interessierte haben wir eine Übersicht zum Thema Video-DSLRs zusammengestellt: Vorteile, Nachteile, welche Optiken, welche Codes, worauf es zu achten gilt, wohin die Entwicklung gehen könnte, u.v.m.
Shooting-Star 2009 - Video DSLRs
Das Positive kurzgesagt Video-DSLRs haben den Camcorder-Markt gehörig durcheinander gewirbelt. Sie bieten einen Filmlook, der bislang entweder nur sehr viel teureren Kameras vorbehalten war oder recht aufwendig mit 35mm-Adaptern zusammengebastelt werden musste und zudem auch noch Licht-Einbußen mit sich brachte. Mit videofähigen DSLRs ändert sich dies alles schlagartig. Es stehen eine enorme Fülle an Wechseloptiken zur Verfügung, so dass je nach spezieller Aufnahmesituation das richtige „Glas“ gewählt werden kann. Zum Filmlook gehört u.a. die gestaffelte Schärfe im Raum (Schärfentiefe), die auf Grund der im Vergleich zu HD-Videocams sehr großen DSLR-Sensoren ein Höchstmaß an kreativem Potential zulässt. Hinzu kommt eine sehr gute Low-Light-Fähigkeit, die ebenfalls auf die Kombination Sensor-Größe und lichtstarke Optiken zurückgeführt werden kann. Wer sich kreativ mit den kniffeligen Seiten des Video-Filmens mit digitalen Spiegelreflex-Kameras auseinandersetzt, die wir im nächsten Absatz beschreiben, wird mit einer filmischen Bildqualität belohnt, die in dieser Preisklasse von keiner HD-Videokamera geleistet werden kann.
Das Negative kurzgesagt So beeindruckend der Filmlook von videofähigen DSLRs auch ist, ohne genaue Kenntnisse der Nachteile von Video-DSLRs gegenüber gewöhnlichen Camcordern kann sich beim Einsteiger schnell Frust einstellen – deshalb hier einmal kurz die wichtigsten Nachteile zusammengefasst, bevor wir uns etwas ausführlicher mit einzelnen Aspekten des DSLRs-Filmens befassen.
Kein brauchbarer Autofokus während der Aufnahme. Was traditionelle Filmer nicht stört, weil es beim Film auch keinen Autofokus gibt (sondern wenn nötig den Autofokus-Puller), empfinden viele Video-Filmer als ungewohnt oder sogar K.O-Argument. Zwar bieten viele videofähige DSLRs kontrast-gesteuerten Autofokus im Live-View-Modus, aber dieser ruckelt mehrere Sekunden, bevor er sitzt und ist für bewegte Objekte völlig unbrauchbar. Wer also ohne Autofokus während der Aufnahme nicht auskommt und auch nicht gewillt ist dies zu lernen, bzw. seinen Aufnahme-Workflow entsprechend umzustellen, für den sind Video-DSLRs zumindest derzeit keine Alternative zur traditionellen Videocam.
Auch in Sachen Ton gilt es um die Problemlage zu wissen: Zunächst einmal zeichnen diverse Video-DSLRs in diversen Tonformaten auf. Dies kann Mono oder Stereo sein, und auch das Ton-Sampling und die Qualität unterscheiden sich von Kamera zu Kamera mitunter sehr. Die eingebauten Mikrofone liefern eigentlich in allen Modellen unzureichende Tonqualität. Externe Mikros schaffen Abhilfe - noch besser ist eine komplett externe Tonaufzeichnung – doch dann müssen in der Postpro Bild und Ton gesyncht werden, und dies will bereits bei der Aufnahme (Timecode, Klappe) mit bedacht werden.
Fehlende Ausstattung – etwa Stichwort Timecode: Video-DSLRs bieten keinerlei brauchbare Timecode-Funktionen. Der Timecode kommt erst in der Postpro ins Spiel. Die Aufnahmedauer reicht je nach derzeitigem Kameramodell von 5 Min bis ca. 20 Min in HD-Qualität, wer mehr am Stück filmen muss, ist außen vor. Zebra-Anzeige für Überbelichtung, Title- und Action-Safe Rahmen fehlen ebenso wie live-Audio-Aussteurung während der Aufnahme. Auch lassen sich Video-DSLRs sehr viel schlechter ohne zusätzliche Ausrüstung halten, als Videokameras. Das meist fehlende schwenkbare Display erschwert das Filmen. Auch Peaking oder speziell zuweisbare Video-Funktionstasten sind nicht vorhanden.
Nicht zuletzt sollte man „HD-Auflösung“ bei Video-DSLRs eher mit Vorsicht geniessen: Was an HD-Formaten bei den DSLR-Cams herauskommt sind stark herunterskalierte Bilder des Foto-Sensors (Pixel-Binning = gut für die Signal/Noise-Ratio, Lichtempfindlichkeit, schlecht für die Auflösung). Das Resultat sind Aliasing-Artefakte und ein teilweise im Vergleich zu HD-Camcordern vermindertes Auflösungsvermögen. Diverse Testcharts-Aufnahmen künden von verringerter Auflösung und Aliasing- (z.B. Moiree) Artefakten, die in Real-Live-Aufnahmen häufig akzeptiert oder einfach übersehen werden, weil der Kontrast von scharfen zu unscharfen Bildelementen (bei offener Blende) den (falschen) Eindruck von hoher Auflösung hinterlässt.
Betrachtet man diese im Vergleich eher längere Negativ-Shortlist, könnte man die Frage stellen, weshalb also überhaupt mit Video-DSLR drehen?
Nun, wir meinen, dass die Mühen im Vergleich zum gebotenen Filmlook durchaus lohnen – doch letztlich muss dies jeder für sich und sein Anwendungsgebiet entscheiden.
Im Folgenden ein etwas genauerer Blick auf einzelne, wichtige Aspekte bei der Arbeit mit Video-DSLRs.
Handling
Solange man vom Stativ arbeitet, ist die Welt in Ordnung. Auch die Bestimmung der Schärfe zeitigt mit etwas Übung durchaus verlässliche Ergebnisse. All dies sieht jedoch anders aus, sobald man aus der Hand filmen möchte/muss. Die Kameras liegen suboptimal in der Hand, der Live-View-Monitor ist zu mittig platziert für längeres, ermüdungsfreies Halten und der Ton lässt sich nur schwer oder gar nicht kontrollieren (vor allem wenn man als One-Man-Show unterwegs ist). Unsere Empfehlung lautet daher: So viel wie möglich vom Stativ arbeiten und den Ton entweder extern aufzeichnen oder mit einem Soundtrack arbeiten, der nicht auf O-Töne angewiesen ist. Nicht von ungefähr haben fast alle gelungenen Video-DSLR-Clips, die man im Netz bestaunen kann, irgendeinen Soundtrack hinterlegt aber so gut wie keine O-Töne. In Sachen Handling schlägt hier die große Stunde der Zubehör-Hersteller.
Video DSLR mit Kompendium, Schärfezieheinrichtung und Monitor
Mittlerweile gibt es eine breite Palette an Zuliefer-Firmen, die alle nur denkbaren Zubehörteile für ein brauchbares Handling der Video-DSLRs beisteuern. Angefangen von der Schärfezieheinrichtung über hochauflösende, mobile TFTs, Schulterstützen, montierbare Filterkompendien bis hin zu XLR-Interface-Boxen für höherwertige Audio-Verkabelungen ist alles da, was das Filmer-Herz begehrt – allerdings meist zu recht saftigen Preisen. Die endgültigen Kosten für eine gut handhabbare Video-DSLR stellen sich also erst nach dem Stöbern der Zubehörliste heraus: also aufgepasst.
Doch dies soll nicht als Abschreckung verstanden werden. Grundsätzlich gilt: Es gibt fast immer einen Workaround, um mit einer Video-DSLR der jeweiligen Aufnahmesituation gerecht zu werden. Aber es bedarf eines höheren Grades an sorgfältiger Hantierung, ggf auch vorausschauender Planung, um zu einer befriedigenden Aufnahme zu gelangen. Als Snapshot oder schnelle Grab&Run-Kamera sind DSLRs denkbar schlecht geeignet. „Szenisches Arbeiten“ lautet hier die Zauberformel, die sich durch fast alle Aspekt der Video-DSLR-Handhabung zieht. Häufig gilt: Je genauer die Planung und Ausführung desto filmischer das Ergebnis.
Fokus
Wir haben es bereits gesagt. Mit entsprechender Sorgfalt und etwas Übung lässt sich die Schärfe bei Video-DSLRs ausreichend genau setzen. Dies ist vor allem dann von entscheidender Bedeutung, wenn man mit komplett geöffneter Blende lichtstarker Objektive arbeitet, um das Motiv freizustellen. Hierbei kann der nutzbare Schärfebereich nur wenige Zentimenter betragen, entsprechend genaue Fokussierung ist also von Nöten. Beim Kauf einer Video-DSLR sollte man auf die Möglichkeit einer Live-View-Vergrösserung achten, die stark genug ausfällt, um exakte manuelle (!) Fokussierung zu ermöglichen. Eine andere Möglichkeit mit einem möglichst kontrollierten Fokus zu arbeiten, ist das Fokussieren vor der LiveView-Schaltung mit dem normalen Autofokus-Fotosystem durch den Sucher. Wurde die Schärfe nach Wunsch eingerichtet, kann in Live-View geschaltet und gefilmt werden. Allerdings muss die Prozedur bei einer Verlagerung der Schärfe wiederholt werden und kann nicht während der Aufnahme erfolgen. Wer eine kontrolliert geführte Schärfe während der Aufnahme benötigt, kommt um eine Schärfezieheinrichtung nicht herum, weil, wie gesagt, DER AUTOFOKUS BEI VIDEO-DSLRS WÄHREND DER VIDEOAUFNAHME EINFACH KOMPLETT UNBRAUCHBAR IST.
Video DSLR mit Schärfezieheinrichtung & Zoom-Hebel
Mit einer Schärfezieheinrichtung sind wir wieder mal beim szenischen Arbeiten angelangt. Video-DSLR und geführte Schärfe = Back to Filmbasics. Komfortabler wird das Ganze in Kombination mit einem externen Monitor. Das Umschalten in die Live-View-Vergrösserung kann hier häufiger entfallen. Allerdings erhalten die via Mini-HDMI verbundenen Monitore nicht das Kamera-Bild 1:1 – eine Schärfebeurteilung ist trotzdem gut möglich. Einige externe LCD-Monitore bieten sogar farbige Peaking-Funktionen zur Beurteilung der Schärfe an. Letztlich kann der Umgang mit der manuellen Schärfe auch eine Aufgabe an das kreative Arbeiten mit Unschärfe sein. Wer seinen handgehaltenen Dreh so plant, dass das Motiv gerne auch Mal in die Unschärfe rutschen darf, verkehrt einen Nachteil in ein Stilmittel. Nur übertreiben sollte man es damit bitte nicht: Gefahr von schnell genervtem Publikum.
Optiken
Wer sich zum Filmen mit einer Video-DSLR entschließt, sollte dies bewußt tun und das bedeutet in den meisten Fällen, dass man auf der Suche nach einem möglichst filmischen Look ist. Dies hat direkte Folgen auf die Wahl der Optiken. Es macht wenig Sinn, hier mit Optiken zu operieren, deren maximale Blendenöffnung bei f4 liegt. F1,4 oder maximale 2,8 gilt es bei Bedarf als maximale Blende zur Verfügung zu haben. Entsprechende Objektive sind teuerer als weniger lichtstarke Optiken – aber es gibt auch hier ein paar Workarounds, um an „günstiges Filmglas“ heranzukommen.
Wer seine Video-DSLR in erster Linie zum szenischen Filmen gebraucht und damit keine Verwendung für ein Autofokus-Objektiv hat, wird bei älteren, manuell fokussierenden Optiken und ggf. einem entsprechenden Bajonet-Adapter fündig. Ältere Nikkore oder Leica oder Carl Zeiss Optiken sind hier recht beliebt und ein günstigerer Weg an lichtstarke, filmtaugliche Optiken heranzukommen. Manuelle Optiken bringen zudem auch noch Vorteile im Handling.
Für manuelles Fokussieren die bessere Wahl – MF Optiken
Sie sind, wie der Name schon sagt, für das manuelle Fokussieren ausgelegt. Das bedeutet, dass sie eine angenehme Dämpfung von Hause aus mitbringen, die ideal für exaktes manuelles Fokussieren ist. Wer einmal den Unterschied zwischen den auf Leichtigkeit ausgelegten und im manuellen Betrieb gefühllosen Autofokus-Objektiven und den butterweichen Schneckengängen einer manuellen Optik kennengelernt hat, wird die manuelle Optik nicht mehr missen wollen. Hinzu kommen bei der manuellen Optik zwei definierte Anfangs- und End-Fokus-Positionen mit einem mechanischen Stop, der im manuellen Betrieb ebenfalls von Vorteil ist.
Entscheidend bei der Gestaltung des Preises aber auch des Bildausschnitts ist die Frage nach Full-Frame- oder Crop-Faktor-Optiken. Die großen DSLR-Hersteller bieten meistens zwei Optik-Produkt-Linien an: Eine für DSLRs mit einem Crop-Faktor / APS (1,5x und1,6x sind gebräuchliche Crop-Faktoren) und eine für DSLRs mit einem Full-Frame-Sensor (oder 1,3x Crop-Faktor). Optiken für Fullframe sind in der Regel bedeutend teurer, da sie optisch aufwendiger konstruiert werden müssen und häufig auch robuster gearbeitet sind. Für den Filmlook reicht jedoch ein APS-C Sensor (also mit einem Crop-Faktor von 1,5 oder 1,6) völlig aus (s. Sensor-Größen-Vergleich). Wer jedoch manuelle Optiken für sich ins Auge fasst, wird es stets mit Full-Frame-Optiken zu tun haben. Hier gilt es also die Brennweite mit dem entsprechenden Verlängerungsfaktor zu multiplizieren, bevor man seine Auswahl trifft. Will man sich also eine lichtstarke 50mm Normal-Optik für eine APS-C DSLR anschaffen, sucht man eigentlich eine 28mm oder 35mm Full-Frame-Optik.
Bildstabilisator
Beim Thema Bildstabilisation gilt es Folgendes zu beachten: Einige moderne AF-Objektive werden mit integriertem Bildstabilisator-System angeboten, der unserer Erfahrung nach meist völlig problemlos auch im Video-Modus funktioniert. Wer also weiss, dass er viel aus der Hand filmen wird, ist mit einer entsprechenden Optik „stabiler“ unterwegs. Für die Nutzung am Stativ sollte man den Bildstabilisator stets ausschalten. Letztlich lohnen sich solche Optiken nur, wenn man tatsächlich viel aus der Hand filmen möchte, was wir, wie hier bereits öfter gesagt, aus unterschiedlichen Gründen nicht wirklich empfehlen. Wer jedoch aus der Hand filmen muss, aus welchen Gründen auch immer, der findet hier eine sinnvolle Hilfe – allerdings nur an modernsten Optiken und hier auch nicht für alle Brennweiten verfügbar.
Objektiv mit VR Vibration Reduction
Der letzte Trend in Sachen Bildstabilisierung bei DSLR packt den Bildstabilisator nicht ins Objektiv, sondern in die Kamera, so dass alle Optiken auch stabilisiert genutzt werden können.
Codecs
Derzeit sind es vor allem zwei Codecs, die in Video-DSLRs gebraucht werden: MJPEG (Motion-JPEG) und MPEG4 (h264) - in Point &Shoots auch AVCHD-Varianten, die ebenfalls auf MPEG 4 beruhen. Der vom Hersteller implementierte Videocodec ist von zentraler Bedeutung für die Qualität des Videos. Die unterschiedlichen Codecs bringen hierbei unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich. Die derzeit beste Bildqualität bieten die h264-Implementierungen. Die finale Bildqualität setzt sich in Sachen Codec vor allem aus der Datenrate und der Effizienz der Komprimierung zusammen. Für MJPEG hingegen sprechen vor allem zwei Eigenschaften: Jedes Bild wird einzeln codiert und ist damit auf schwächeren Computer-Systemen leichter abspielbar und in gewissem Maße auch etwas schnittfreundlicher. Außerdem wird mit 4:2:2 Farbsampling kodiert gegenüber 4:2:0 bei den h264-Varianten. Allerdings sind die Datenraten bei den uns bekannten MJPEG Implementierungen viel zu niedrig, um an die Qualität von h264-Video-DSLR-Varianten heranzukommen. Um h264-Material bestmöglich im Schnitt nutzen zu können, sollte das Videomaterial zuvor in einen schnittfreundlichen, möglichst verlustarmen oder gar -freien Codec umgewandelt werden. Am Mac unter Final Cut Pro empfehlen wir einen der ProRes-Codecs - am PC hängt es ein wenig vom genutzten Schnittprogramm ab. Während Premiere den Anspruch hat, entsprechende Codecs direkt auf der Timeline bearbeiten zu können, haben sich unter Vegas der neue Cineform-Codec und unter Edius Canopus HD bewährt. Alle Codecs liefern bei den Video-DSLRs progressives Videomaterial ab, interlaced findet sich überhaupt nicht. Wer interlaced benötigt, kann dies jedoch nachträglich in der Postproduktion relativ unaufwendig bewerkstelligen.
In Sachen Bildraten kochen derzeit die großen Hersteller jeder ihr eigenes Süppchen – allerdings ist da momentan Einiges in Bewegung. Von 24 Bilder/s, über 25 B/s bis hin zu 30 B/s für 1080er Formate und 50 bzw. 60 B/s für 720er Formate finden sich alle möglich Varianten – hier gilt es genau aufzupassen, welche Bildrate man für welches Zielmedium/Anwendung tatsächlich benötigt.
Rolling Shutter
Video-DSLRs arbeiten alle mit CMOS-Sensoren und dies bedeutet (wie bei allen CMOS-basierten HD-Cams), dass sie auch anfällig für die Rolling Shutter Problematik sind. Und dies in besonderem Maße, da ihre Signalverarbeitung nicht für Videostreams ausgelegt ist. Allerdings unterscheidet sich die Anfälligkeit von Modell zu Modell teilweise erheblich. In der Praxis lässt sich jedoch die Rolling Shutter Problematik gut umschiffen, indem man auf zu schnelle Schwenks oder den Einsatz extremer Tele-Brennweiten verzichtet. Wir raten vor dem Kauf kurz zu testen, ob die Roling-Shutter-Problematik für die eigenen Ansprüche noch akzeptabel ist oder nicht.
Manuelle Kontrolle
Für die meisten Video-DSLR-Filmer stellt manuelle Kontrolle eines der zentralen Features für den Videobetrieb dar. Genauer gesagt die manuelle Kontrolle über Verschlußzeiten, ISO und Blende. Für Fotografen und Videofilmer eigentlich eine Selbstverständlichkeit, für Video-DSLRs leider noch nicht. Derzeit tun sich hier vor allem die Canon DSLRs mit voller manueller Kontrolle hervor, Nikon hingegen bot bis vor kurzem bei den aktuellsten videofähigen DSLRs (z.B. D300s) nur eine manuelle Blende an – allerdings wurde beim Entwurf dieses Textes soeben bestätigt, dass Nikons Profi-DSLR D3s nun komplette manuelle Videokontrolle mitbringt (bei max. 720p Video). Um größtmöglichen kreativen Spielraum zu erhalten, sind manuelle Kontrolle von ISO, Blende und Verschlußzeit unabdingbare Voraussetzung. Wir empfehlen beim Kauf einer Video-DSLR auf jeden Fall hierauf zu achten, wenn man ernsthafter mit der Videofunktion arbeiten möchte.
HD-Varianten
Die für Video-DSLRs interessantesten HD-Formate dürften 720p und 1080p sein. Einige Kameras bieten beide Formate an, andere lediglich eines von beiden. Qualitativ am überzeugendsten sind derzeit die 1080p h264 Formate. Die Frameraten reichen, wie bereits geschrieben, von 24 bis 60 Bilder pro Sekunde, je nach Kameramodell verschieden und auch unterschiedlich kombiniert. Wer seine Videos nur ins Netz stellen möchte, für den kann die Bildrate ziemlich egal sein, solange sich Bewegungen gut auflösen lassen. Wer auf DVD oder ins Fernsehen oder gar in Kinos mit seinen Video-DSLR-Aufnahmen möchte, dürfte eher zu 24 oder 25p tendieren. Vorsicht ist jedoch bei der realen Auflösung geboten. Häufig liegt die reale Auflösung trotz HD-Videogröße unterhalb derer von HD-Camcordern.
Sensorgrößen
Bei den Sensorgrößen gilt es vor allem zwischen APS-C und Vollformat zu unterscheiden. Ein Blick auf unsere Sensorgrößen Vergleichsgrafik zeigt, dass bereits APS-C sehr nahe am Super35mm Filmframe ist, womit für einen entsprechenden Filmlook ein APS-C-Sensor völlig ausreicht.
Sensor/Filmgrößen im Vergleich
Allerdings muss man hier den Verlängerungsfaktor in die Brennweite des Objektivs miteinrechnen. Eine 50mm Optik verwandelt sich bei einem Verlängerungsfaktor von 1,5 in eine leichte Tele-Optik von 75mm. Außerdem ist das Angebot an lichtstarken APS-Optiken eher begrenzt (s. Optik-Abschnitt). In Video-DSLR kommen vor allem CMOS-Sensoren zum Einsatz, mit all ihren Vor- und Nachteilen. (s. Rolling Shutter).
Aliasing
Bei jeder Art von Sampling treten Aliasing-Artefakte auf. Diese können zeitlicher oder räumlicher Natur sein. Bei HD-Cams werden sie durch spezielle Videofilter minimiert. Video-DSLRs sind vor allem für das Fotografieren optimiert, deshalb können je nach Motiv im Vergleich zu Videocams mehr Moiree-Artefakte, Treppchen-Artefakte, etc. auftauchen. Manche DSLRs korrigieren diese besser, andere schlechter. Zum Einen ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks, wie sehr man sich daran stört und zum Anderen eine Frage der genauen Planung des Drehs, um entsprechende Motive (Fischgrät, feine Strukturen etc.) entweder von vorne herein auszuschließen oder mit bewußter Schärfeführung minimal zu halten.
Audio
Die Bandbreite an Audio-Samplings bei Video-DSLRs ist genauso groß wie bei den Video-Formaten. Von 11,025 kHz Mono-Sound bis hin zu 44,1 kHz Stereo-Sound reicht die Spannbreite. Allerdings kann die Soundqualität bei keinem eingebauten Mikrofon als gut bezeichnet werden. Von daher ist stets ein externes Mikro angeraten. Wer bestmögliche Audio-Qualität benötigt, entkoppelt die Tonaufzeichnung komplett von der Kamera und synct den Ton klassisch per Klappe. Wer nicht ganz so hohe Ansprüche hat, fährt mit einem externen Aufsteck-Mikro am kompaktesten. Zubehörhersteller können mittlerweile auch XLR-Schnittstellen für Video-DSLR bieten, ansonsten gilt hier Mini-Klinke. In Sachen Audio-Aussteuerung bieten die Video-DSLRs bislang nur sehr begrenzte Eingriffmöglichkeiten - im besten Fall lassen sich 2-3 Mikrofon-Empfindlichkeiten vorab auswählen. Auch hier gilt: Extern per Hand ausgesteuert bietet die größtmögliche Kontrolle.
Speichermedien
Bei Compact-Flash oder SD-Cards für Videoanwendungen gilt grundsätzlich je schneller desto besser – allerdings auch je teurer. Einige Hersteller empfehlen bei maximaler Auslastung (Foto-Aufnahme während des Filmens) UDMA Flash-Karten mit Geschwindigkeiten gleich oder schneller 8MB/s (sofern die Video-DSLR hierfür ausgelegt ist). Es müssen jedoch nicht immer die schnellsten und teuersten sein. Hier kann es von DSLR-Hersteller zu Hersteller Varianzen in der Mindestgeschwindigkeit geben – letztlich auch von der jeweiligen Videodatenrate abhängig. Die Videodatenraten bewegen sich je nach Video-DSLR zwischen ca. 12 und 40 Mbit/s. Entweder vor dem Kauf vor Ort testen, welche Karten (noch) funktionieren und welche nicht oder im Forum bei anderen Usern Rat holen, die bereits mit entsprechenden Karten-Typen Erfahrung mit ihrer Video-DSLR gemacht haben.
Im Hinterkopf sollte man beim Kartenkauf auf jeden Fall die maximale Video-Dateigröße der jeweiligen Video-DSLR haben. Diese variiert ebenfalls von Hersteller zu Hersteller und liegt für gewöhnlich entweder bei 2 oder 4GB. Wer also Videoclips am Stück aufnehmen möchte, sollte beim Kartenkauf über der maximalen Videogröße liegen. Wenn auch noch RAW-Fotos auf der Karten Platz finden sollen, ist man schnell bei 8 oder 16 GB. Die größte Karte ist hierbei jedoch nicht immer die beste. Eine defekte Karte kann alle bis dahin gesammelten Aufnahmen ruinieren. Wir empfehlen: Lieber mehrere Karten in mittlerer Größe (4-8GB)
Zubehör
Manchmal scheint es, als wären Video-DSLRs nur dazu da, den Zubehör-Markt in Schwung zu halten. Es gibt mittlerweile von einer ganzen Reihe von Drittanbietern eine ungeheure Fülle an mehr oder weniger nützlichem Zubehör.
Zubehör für die Video DSLR – ein weites Feld
Hier eine kleine, völlig subjektive Liste, was der fortgeschrittene Video-DSLR Filmer eventuell noch brauchen könnte:
- Zweit- oder Dritt-Akku - mehr Speicherkarten - mobile Storage für Speicherkarten - für Schwenks gut gedämpfter Stativkopf / (Stativ) - externes Mikrofon - (manuelle) Festbrennweiten (für den Anfang: 35mm, 50mm und 85mm mit f 1.4 oder f1.8) - Schärfezieheinrichtung - Kompendium - ND-Filter - externer LCD-Monitor - Schulterstütze - Glide-Tracker oder Steadicam
Soweit erstmal unsere Vorschläge – sagt Bescheid, wenn wir was Wichtiges übersehen haben ...
Kleine Auswahl DSLR-Clips
Hier eine kleine Auswahl an vieldiskutierten DSLR-Clips, die einen ersten Einblick geben, was derzeit mit Video-DSLRs möglich ist. Hier gilt es mit wachen Augen zu schauen, um u.a. herauszufinden, wie mit den zuvor beschriebenen Schwächen von Video-DSLRs umgegangen wurde, um trotzdem beeindruckende Filmclips herzustellen:
Spannend bleibt der Blick in die Zukunft. Leider haben auch wir gerade keine verlässliche Kristallkugel parat – aber mit ein paar Entwicklungen rechnen wir quasi in nächster Zukunft: Der Druck auf traditionelle Camcorder(hersteller) wächst, größere Sensorflächen zur Verfügung zu stellen.
Weshalb nicht eine Spiegelreflex-Kamera in ein Camcorder-Gehäuse giessen – Wechseloptiken aus dem SLR-Bereich würden daraus eine günstige RED-Alternative machen? Apropos RED: Hier kommt (eventuell) (irgendwann) (vielleicht) die 2/3“ Scarlet, die ebenfalls noch einmal Druck machen könnte. Immer wieder tauchen Gerüchte nach einem 10.000 Euro Full-Frame (Foto) HD-Camcorder auf. Sicher scheint derzeit, dass dieser Camcorder nicht von den etablierten Camcorder Herstellern kommen wird, sondern eher von einem Flügelspieler wie RED, (Canon) oder vielleicht sogar Nikon ... nichts genaues weiss man nicht.
Die Videofunktionen der DSLRs dürften mit der Zeit immer leistungsfähiger werden. Rolling-Shutter und Aliasing wird man immer besser in den Griff bekommen, schwenkbare Displays werden das Handling vereinfachen. Peaking- und bessere Audio-Funktionen sollten ebenfalls nicht allzu schwer zu implementieren sein. Mit steigender Prozessor-Power, höherer Speicherkarten-Geschwindigkeiten und immer effizienteren Kompressionsalgorithmen für Video wird die Videoqualität schnell große Sprünge machen. Und selbst wenn dies nicht so schnell geschehen sollte, dürfte ein HDMI-Out mit unkomprimiertem Videosignal in erreichbarer Nähe liegen - externe Flash-Recorder besorgen den Rest. Wechsel-Objektive, die über eine für Video brauchbare Autofokus-Funktion verfügen, sind ebenfalls denkbar und wurden bereits für Micro-Four-Thirds Fotoapparate mit Videofunktion vorgestellt. Die Roadmap für höherwertigere Videofunktionen lässt sich mittlerweile jedenfalls klar skizzieren... .
Aber auch mit den derzeitigen Angeboten im Video-DSLR-Segment lassen sich zumindest theoretisch schon bemerkenswerte Filmprojekte realisieren – bleibt eigentlich nur noch die Frage, wo die tollen Video-DSLR-Filme bleiben – also Tech-Geek-Modus abschalten und einfach anfangen, Filme zu machen – noch nie waren die Hürden für Filmlook so niedrig wie heute ... wir freuen uns schon auf Eure Filme.
Dann von mir auch mal ein Tip diesbezüglich. http://www.videobewerken.nl/categories/DSLR-Rigs/Redrockmicro/?gclid=COCJ8rX0jq4CFQpV7Aod4DG4iQ
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B.DeKid 18:14 08.02.
Phottix = kann ich nur was zu BG ( Batterie Grip) und Flash Funk Lösungen beisteuern - sorry.
Grundlagen: Übersichtstabelle: Digitale Videoformate HD/SD Mi, 8.Juli 2009 Die slashCAM Redaktion freut sich, Euch hier nun eine HD- und SD-Format Tabelle präsentieren zu können. Wir haben versucht, möglichst viel sinnvolle Informationen über das jeweilige Video-Format zusammenzutragen. Die Tabellen haben derzeit noch Beta-Status - sollte sich ein grober Fehler eingeschlichen haben, dann zögert nicht, uns anzuschreiben.
Grundlagen: Sensorgrößen von verschiedenen Kameras (Camcorde, DSLRs, Film) im Vergleich So, 18.Januar 2009 Wir haben uns bemüht, in diesem Sensorgrößen-Vergleichschart die richtigen Abmessungen von sowohl Film- als auch Video- und Fotokameras zusammenzuführen. Nehmt den Chart als Orientierung - nicht als letztes Wort in Sachen Film- und Sensorgrößen.
Grundlagen: So testet slashCAM Camcorder Fr, 9.Mai 2008 Um die verschiedenen HD-Camcorder-Modelle möglichst vergleichbar zu machen, haben wir unser Testverfahren weiter vereinheitlicht. Damit Ihr nachvollziehen könnt, wie die Testwerte zustande kommen, wollen wir die neuen Messverfahren an dieser Stelle einmal detailliert vorstellen. Sozusagen ein Blick hinter die Kulissen der slashCAM-Labs...