POL-Filter Grundlagen
Licht ist das sichtbare Spektrum elektromagnetischer Strahlung und breitet sich in Form von Wellen aus, die in ganz unterschiedlichen Richtungen (und mit unterschiedlichen Frequenzen) schwingen (horizontal, vertikal und in vielen Abstufungen dazwischen). Lässt sich Licht nicht einer bestimmten Schwingungsebene zuordnen spricht man von unpolarisiertem Licht und meint damit meistens gewöhnliches Tageslicht. Polfilter machen sich die Schwingungseigenschaft von Licht zu Nutze, indem sie nur eine bestimmte Schwingungsrichtung (man denke sich ein paralleles Gitter) durchlassen und gleichzeitig die um 90 Grad gedrehten Schwingungen herausfiltern.
Pol-Filter gib es in zwei Ausführungen: Linear und Zirkular. Das Filterprinzip ist zunächst das gleiche. Es wird lediglich Licht einer Schwingungsebene durchgelassen = linearer Filter. Bei zirkularen Polfiltern wird jedoch mit Hilfe einer zusätzlichen um 45° gedrehten Verzögerungsschicht das zunächst linear polarisierte Licht in eine Rotation versetzt. Zirkulare Polarisation ist vor allem bei Kamerasystemen wichtig, deren Belichtungsmessung und AF-Funktion über Spiegel und Prismen (Strahlenteiler) realisiert werden.
Daher gilt grundsätzlich bei der Auswahl von Polfiltern: Soll der Polfilter im Verbund mit einer DSLR genutzt werden, sollte ein zirkularer Polfilter gewählt werden, um Fehlbelichtungen zu vermeiden – wird hingegen mit einem elektronischen Sucher gearbeitet (bei Systemkameras, Camcordern, Cine-Cams etc.) reicht ein linearer Polfilter aus. Entsprechend „funktionieren“ lineare Polfilter z.B. in einem Kompendium egal, wie herum sie eingesetzt werden - wohingegen zirkulare Polfiter nur eine effektive Filterrichtung haben. Beim Arbeiten mit einem Kompendium sollte darauf geachtet werden, dass sich der Filtertray mit dem Polfilter drehen lässt.
Polfilter minimieren Streulicht und Reflexion und werden im Bewegtbildbereich vornehmlich für die Kontrolle von Reflexionen auf Glas, Wasser etc. eingesetzt. (Beliebtestes Beispiel hierfür dürfte die Aufnahme durch die Frontscheibe eines Autos sein.) Voraussetzung für diese Wirkung ist jedoch, dass das reflektierende Medium das Licht bereits mit einer Polarisation versieht. Unterschiedliche Oberflächen polarisieren Licht unterschiedlich stark: Wasser und Glas polarisieren mehr, metallische Oberfläche so gut wie gar nicht. Daher lassen sich Spiegelungen, die durch Metalle entstehen auch kaum durch Polfilter unterdrücken.
Hier ein kurzes Beispielvideo zur Unterdrückung von Reflexionen auf Glas - in diesem Fall bei einer Autoscheibe:
Die Filterwirkung von Polfiltern beschränkt sich jedoch nicht nur auf Reflexe auf Glas und Wasser. Auch menschliche Haut, Blätter, Gras und die wohl größte uns umgebende Polarisation: Das Auftreffen von Licht auf die Erdatmosphäre lässt sich durch Polfilter für Fotografie und Filmzwecke modifizieren. Entscheidend bei der Filterwirkung ist hierbei der Winkel der Lichteinfallsrichtung. Bei 90° ist die Filterwirkung von Polfiltern am größten.
Das bedeutet für die Filmpraxis: Steht die Sonne im Süden sind Motive im Ost und Westen besonders empfänglich für Polfiltereffekte – Motive im Norden oder im Süden weniger. Beim Einsatz von Polfiltern mit bewegter Kamera in unkontrolliertem Außenlicht sollte auch darauf geachtet werden, wie sich Licht unterschiedlicher Polarisation darstellt. (Einfache lineare Polfilter gelten hier als leichter kontrollierbar.)
In Sachen Transmission sollte bei Pol-Filtern mit dem Verlust von ca. 2 f-stops gerechnet werden.
Die Wirkung von Polfiltern auf Landschaft – insbesondere auf Blattwerk und Gräser mit Reflexion ist eine starke Hervorhebung der Eigenfarbe und damit ein deutliche Kontraststeigerung. Auf menschlicher Haut kann das übermäßige Wegfiltern von Reflexionen auch zu einer puppenhaften, künstlichen Anmutung führen. Es gilt wie stets den entsprechenden Effekt bewußt einzusetzen.
Wer sich einen Vario-ND selbst basteln möchte, kann dies mit der Kombination von zwei Polarisationsfiltern bewerkstelligen. Die Verdrehung der Filter gegeneinander reduziert die einfallende Lichtmenge quasi stufenlos, wobei die Kreuzpolstellung der maximalen Lichtreduktion entspricht. (Will man das Ganze mit DSLRs nutzen, sollte der kameranahe Filter ein zirkularer und der motivnahe ein linearer sein.)
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Bewertungskriterien von Polfiltern lauten:
- neutrale Farbwiedergabe
- Auflösung
- Vignettierung im Weitwinkel-Bereich (Slim-Filter bei Schraubfiltern notwendig?)
- Transmission
- Auslöschungsgrad
- Vergütung
- Wertigkeit (Folienverarbeitung, Klebung von Schichten etc.)
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Tiffen Linear True-POL

In unserem Beispielvideo sehen wir die Filterwirkung eines linearen Polfilters in Bezug auf die Brechung von Licht in der Atmosphäre = Verstärkung des blauen Himmels / Kontrastverstärkung. Die Sonne steht relativ günstig in einem ca. 70-80 Grad-Winkel zur Aufnahme. Der Effekt ist sichtbar.

Die Gretchenfrage bei Filtern lautet meist, ob sich der Effekt auch in der Postproduktion - hier Farbkorrektur – bauen lässt.
Reflexe lassen sich gar nicht oder nur mit sehr großem FX-Aufwand nachträglich entfernen. Deutlich resourcenschonender geht da ein bei der Aufnahme eingesetzter POL-Filter zu Werke. Wer also bsp. Autos, Häuser (mit großen Fensterflächen), Wassermotive o.ä. in Szene zu setzen hat, erhält mit einem Polfilter beim Dreh eine beachtliches Mehr an kreativem Spielraum bei minimalem Aufwand.
Bei der Verstärkung von Kontrasten und der Hervorhebung von blauem Himmel ist es unserer Meinung nach nicht ganz so eindeutig. Sofern ohne Clipping belichtet wurde, lässt sich in der Farbkorrektur – zur Not mit getrackten Masken - recht viel in Richtung POL-Filter biegen. Hier würden wir eher dazu raten, die Farbtiefe des Materials im Auge zu behalten:
Hier der erste Teil unseres Filterworkshops zum Thema Diffusionsfilter (Glimmer Glas, Pro Mist, Diffusion FX u.a. im 4K-Vergleich
8-Bit Material gerät relativ schnell an seine Grenzen in der Postproduktion. Banding und Solarisationsartefakte können dann die unangenehme Folge sein. 10-Bit Material lässt sich hingegen spürbar weiter pushen. Die Notwendigkeit, Kontraste über entsprechende Filter beim Dreh zu bewerkstelligen, nimmt ab.
Dank an 25p für´s unkomplizierte Bereitstellen der Filter


















