Bildstabilisierung
Die Bildstabilisierung der Canon EOS R6 Mark III im Videobetrieb zeigt das bekannte Bild. Für Brennweiten ab 35 mm funktioniert sie auf angenehm hohem Niveau. Flatternde Bildkanten sind bei handgehaltener Kamera im Laufen wenig zu sehen und auch „warpende“ bildelement halten sich in Grenzen.

Wenn man zu dem auch noch im 2,35:1 Ausschnitt wie bei unseren Test-Shots produziert, erhält man qualitativ gute Bilder, die jedoch in unseren Augen nicht ganz an die etwas natürlichere Stabilisierung von anderen Systemen heranreichen. Doch dies ist sicherlich auch Geschmackssache.
Anders sieht es hingegen bei Stabilisierungen mit Bildausschnitten unterhalb von 35mm aus. Bei unseren Shots mit Caro haben wir auch Aufnahmen mit 24mm Brennweite gemacht.

Hier zeigt sich dann das bei Canon (leider) bekannte Flattern an den Kanten des Bildes. Dies lässt sich spürbar reduzieren, wenn man die elektronische Stabilisierung noch hinzuschaltet – allerdings verliert man hier dann etwas Auflösung – was bei dem relativ hoch auflösenden 33MP Sensor jedoch verschmerzbar ist.
Von daher lautet unsere Empfehlung: Wer mit Brennweiten ab 35mm mit der Kamera Run&Gun-mäßig arbeiten will, sollte gut mit der Standard-Stabilisierung auskommen.
Für Brennweiten unterhalb von 35mm würden wir entweder den EIS noch zusätzlich hinzuschalten oder – wenn die maximale Bildauflösung erhalten bleiben soll – einen Gimbal nehmen.
Hybridpraxis: Wildlife, Sport mit Canon RF 100-500 F4.5-7,1L IS USM
Wie bei unserem Sony A7V Test haben wir uns die Canon EOS R6 Mark III auch im Foto-Video Hybrid-Betrieb für Wildlife und Sport angeschaut. Zum Einsatz kam hier das Canon RF 100-500 f4.5-7.1L IS USM, das zwar weniger Reichweite als das bei unserem Sony-Test genutzte FE 400-800 F6.3-8 G OSS besitzt, aber dafür deutlich kompakter baut und mit 1,53 kg auch spürbar leichter daher kommt.

Seine kompakte Bauweise verdankt es seinem bis auf 500 mm extrudierendem Objektivtubus. Zusammengefahren misst es lediglich 207,6 mm. Zwar dürften innenzoomende Objektive etwas mehr Wetterschutz bieten, doch als hochwertige „L“-Serie sollte es über entsprechende Dichtungen verfügen. Das herausragende Merkmal des Canon RF 100-500 f4.5-7.1L IS USM stellt für uns vor allem seine hervorragende Transportfähigkeit bei guter optischer Qualität und schnellem AF dar.
Im Hybrid-Betrieb der Canon EOS R6 Mark III fällt der (wie bei der EOS R5 Mark II) auf der linken Gehäuseseite platzierte Foto-/Videoschalter auf. Um vom Foto in den Videobetrieb zu wechseln, muss man hier (leider) die Hand vom Objektiv nehmen.

Wenn man vom Stativ filmt und fotografiert fällt das weniger ins Gewicht. Aber im Freihand-Betrieb - gerade auch mit mobilen Objektiven wie dem hier genutzten RF 100-500 – hätten wir uns den Schalter auf der rechten Kameraseite gewünscht.
Out of the Box trennt die Canon EOS R6 Mark III beim Wechsel zwischen Foto und Videosetup die entsprechenden Einstellungen und Button-Belegungen, was uns gut gefällt. Wenn man also im Foto-Betrieb mit einem bestimmten Picture-Style aufnimmt und im Videobetrieb mit Canon Log 2 filmen möchte, werden die entsprechenden Einstellungen mit dem Wechsel von Foto- zu Videobetrieb ebenfalls gewechselt. Eine noch feinere Hybrid-Konfiguration wie bei der Sony A7V, wo man beispielsweise konfigurieren kann, dass der Weißabgleich zwischen Foto und Video übernommen werden soll, haben wir bei der EOS R6 Mark III nicht gefunden. Hier gilt es dann vor dem Hybrid-Betrieb, entsprechend organisiert zu sein und den Weißabgleich für beide Modi individuell vorab zu erstellen.
Ebenfalls ziemlich wichtige Features, die wir beim Thema Wildllife an einer Kamera nicht missen wollen, sind Pre-Capture sowie One Button Recall-Funktionen (auf Canon-deutsch: „Aufn.Funktion registr./aufrufen“.

Soweit wir wissen implementiert Canon ab der R6-Reihe und höher entsprechende Funktionen. Mit der Register/Recall Funktion lassen sich bestimmte Aufnahmeparameter auf einen anhaltend gedrückten Button legen, die in die vorherigen Einstellungen zurückwechseln, sobald man den Button loslässt. Höherwertigere Nikon und Sony DSLMs bieten diese auch als „Action oder Panic Belegung“ bekannte Funktion ebenfalls an.
Bei der Precapture Funktion punktet die EOS R6 Mark III in besonderem Maße, denn sie erlaubt das Pre-Capture nicht nur für alle Foto-Formate (inkl. Raw) sondern auch für die Videoaufnahme. Hierbei wird die Aufnahme für ein Paar Sekunden (bei Video bis zu 5 Sekunden) gestartet, bevor der Record-Button gedrückt wird.

So lässt sich gewährleisten, dass man keinen Moment verpasst – zudem kann dies auch merklich Speicherplatz sparen, wenn man ansonsten „auf gut Glück“ aufnimmt, um den entscheidenden Moment nicht zu verpassen. Aber Achtung! - Da bei Pre-Capture-Funktionen die Kamera Nonstop aufnimmt, reduziert sich die Akkulaufzeit merklich. Wir empfehlen Pre-Capture nur bei entsprechendem Bedarf zu nutzen und bei Nicht-Gebrauch abzuschalten.
Für uns gilt grundsätzlich für den Wildlife-Betrieb: Je mehr Megapixel desto besser. In kaum einem anderen Genre wird so viel gecroppt, weil das Motiv dann doch zu weit weg oder der Ausschnitt nicht ganz passend war. Von daher erhält die Canon EOS R6 Mark III – zusammen mit ihrem auch für Wildlife sehr unkompliziert arbeitenden Dual Pixel AF – unsere klare Empfehlung für alle Wildlife-Filmer und -Fotografen, die auf der Suche nach einer Vollformat-DSLM unterhalb von 3.000 Euro sind.
Aktuell bieten sich an höher auflösenden Mittelklasse-Kameras vor allem die hier getestete Canon EOS R6 Mark III sowie die Sony A7 V – mit ihren je unterschiedlichen Stärken und Schwächen an, (die wir demnächst auf slashCam auch nochmal genauer miteinander vergleichen wollen).




















