Mit der Forderung nach 0.5% aller Einnahmen von HEVC/H.265 kodiertem Video von Videoeignern und Videoportalen könnte es der neue HEVC Advance Patentpool übertrieben haben: der Streaming Spezialist Dan Rayburn ruft im Branchenmagazin Streamingmedia zum Boykott der Lizenzforderungen von HEVC Advance auf.
Er äußert mehrere Zweifel: nicht klar ist, welche Firmen HEVC Advance überhaupt vertritt - bisher hat HEVC Advance nur verkündet, dass "voraussichtlich" GE, Technicolor, Dolby, Philips und Mitsubishi Electric Mitglieder im Pool sein werden; zudem ist unklar welche Patente (und wie wichtig diese für die Nutzung von HEVC wären) überhaupt betroffen sind - aber trotz dieser Unklarheiten will HEVC Advance ab dem 1.Oktober erste Lizenzvereinbarungen schließen.
Dass ein Lizenzgebühren-Boykott Erfolg haben kann, zeigt die Geschichte: schon mit MPEG-4 Part 2 wurde erfolglos versucht, Lizenzgebühren bei Contenteignern einzutreiben - mit dem Ergebnis, dass die Lizenzbedingungen für H.264/AVC weitaus zahmer ausfielen. Und auch der vom Patenpool Via Licensing, dem Dolby, Philips und Technicolor angehörten, angestrebte Versuch Lizenzgebühren für DVB-MHP einzutreiben, führte zur Entwicklung des lizenzfreien HbbTV Standards.
Rayburn glaubt, dass eine Weigerung durch große Firmen, Lizenzvereinbarungen mit HEVC Advance abzuschließen, eine Vorbildfunktion haben könnte, und auch eine abschreckende Wirkung, denn dann müssten die Lizenzhalter einzeln in jahrelangen Verfahren jeden einzelnen Verstoß gerichtlich verfolgen - mit ungewissem Ausgang und unter großen Kosten. Oder eben diese Forderungen herunterschrauben oder sogar ganz aufgeben.
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Der Boykott ist wohl auch als Abschreckung gedacht, denn ein dritter HEVC-Lizenzpool ist schon am entstehen, der sich durch einen Erfolg von HEVC Advance ermuntert sehen könnte, zusätzliche Lizenz-Forderungen zu stellen. Eine Gefahr, die bei einem komplexen Projekt wie dem HEVC/H.265 Codec besteht, solange sich nicht alle der mehreren hundert Entwickler (die mehrere tausend relevante Patente angemeldet haben) in einem einzigen Patenpool zusammenfinden. Denn es reichen womöglich schon einige Inhaber wichtiger Patente aus, um noch zusätzliche Lizenz-Forderungen zu stellen, sollte sich das als lukrative Einnahmequelle herausstellen.
Rayburn geht auch auf die zwiespältige Rolle von Dolby ein, die ja auch noch für die Zukunftstechnologie HDR demnächst Lizenzgebühren einfordern werden, und die von Hollywood wegen des Engagements bei HEVC Advance kritisch beäugt werden - was sich negativ auf die Zukunft von Dolby Vision auswirken könnte.
Positiv wirken sich die Lizenzforderungen zumindest für die Entwicklung lizenzfreier Alternativen aus: Neben Googles VP9/VP10 und Mozillas Daala entwickelt jetzt auch Cisco einen Cdec, der HEVC ersetzen soll. Womöglich fliessen all diese Entwicklngen unter dem Dach der IETF auch zu einem neuen Video-Codec der nächsten Generation zusammen.