Frage von Doc Brown:Hallo ins Forum,
Wer hat damit Erfahrung?
Wie gut ersetzt so eine Kameraposition auf der Schulter beim Filmen ein Stativ?
Ist der Kauf/Bau eines solchen Rigs auch für einen Camcorder (Panasonic HC-X909) sinnvoll möglich?
Hat das Rig einen Größen- und Gewichtsvorteil im Vergleich zu einem Stativ?
Welche guten Modelle/Bauvorschläge gibt es?
Man sieht bei Reportagen oft die Schulterkameras als Alternative zum Stativ und findet im Netz Beispiele zum Bau von Shoulder Rigs für DSLM etc.. Eine Kamera auf dem Stativ und eine Schulterkamera sollen so ausbalanciert sein, dass sie sich nicht bewegt, wenn man sie los lässt. Das ist doch der Grund, damit das Bild ruhig bleibt. Mit dem Griff wird nur dirigiert, aber nicht die Kamera fest gehalten. Die Rig Konstrukte sehen aber nicht danach aus, dass die Kamera mittig auf der Schulter sitzt, sondern dass das Konstrukt sogar herab fällt, sobald man die Griffe los lässt. Hat das einen Grund?
Schon Mal besten Dank für Eure Meinungen.
Doc Brown
Antwort von pillepalle:
Die Vorteile eines Schulterrigs liegen darin, daß man mit relativ großen und schweren Kameras lange und halbwegs ermüdungsfrei arbeiten kann. Außerdem ist man damit relativ flexibel, und z.B. schnell vom Stativ auf der Schulter, oder hat sich von A nach B bewegt. DSLMs haben als Schulterrig meist das Problem (wie du ja selber schon bemerkt hast) einen weit vorne sitzenden Schwerpunkt zu haben. Dadurch liegt das Gewicht auch nicht wirklich auf der Schulter, sondern zum Teil auf den Armen.
Die Panasonic die du hast ist doch relativ klein, wenn ich das richtig gesehen habe. Warum also mit dem Ding auf die Schulter?
VG
Antwort von Frank Glencairn:
"Doc Brown" hat geschrieben:
Die Rig Konstrukte sehen aber nicht danach aus, dass die Kamera mittig auf der Schulter sitzt, sondern dass das Konstrukt sogar herab fällt, sobald man die Griffe los lässt. Hat das einen Grund?
Ja - intensives Marketing in Verbindung mit mangelnder Erfahrung und völliger Ignoranz.
95% aller Rigs da draußen sind IMHO grobe Fehlkonstruktionen von Leuten die noch nie mit ernsthaft mit Schulterkameras gearbeitet haben, und werden von der selben Sorte von Leuten gekauft.
Wie du schon völlig richtig erkannt hast muß eine solche Kamera von alleine (ohne Hände) wie eine Katze auf der Schulter liegen - in Anlehnung an die berühmten gleichnamigen Aaton Schulterkatze.
Und ja, natürlich kann man sich so ein Rig bauen, macht aber kaum einer - meistens weil sie das Konzept nicht verstanden haben, und nicht hinterfragen was am Markt angeboten wird.
Antwort von Alex:
Ich habs aufgegeben, die kleinen Cams à la FX6 in ein balanciertes Schulter Rig zum bekommen, welches man auch als Solo-Shooter gut bedienen kann.
Bei mir endet das immer so:
a) Kamera ist viel zu weit hinten, dass man die Bedienknöpfe nicht mehr erreicht
b) Man massig Gewicht (überdimensionierte Akkus) hinten anbringen muss
Deshalb sind meine Rigs unbalanciert und werden mit EasyRig oder ENG-Rig supportet.
Aber wenns da besser Lösungen für gibt, gerne her damit.
Dazu kommt, dass die üblichen Shulter-Pads nicht asymmetrisch sind. Verstehe ich null. Wer hat denn schon eine horizontal gerade Schulter???
Neulich zum ersten Mal mit ner LDX 150 auf der Schulter gedreht und hatte gehofft, dass die gut balanciert ist, aber mit dem dicken Zoom vorne wurde es auch wieder zur Kraftprobe ohne Support.
Antwort von rkunstmann:
Also, ich habe in den Zeiten. als ich mit GH3 und GH4 unterwegs war fast immer mit einem Shoulderrig gedreht. Ganz einfach, weil die kein IBIS hatten und meine Objektive auch größtenteils umstabilisierte Primes waren/sind. Allerdings habe ich mein Rig auch so zusammen gestellt (aus unterschiedlichen Komponenten), dass es tatsächlich ausbalanciert auf der Schulter saß, also nach hinten ziemlich weit rausragte und da entsprechend Gegengewichte waren. Das war für diese Kameras super, aber seit ich auf G81, GH5 und jetzt GH6 bin, habe ich das Rig nicht mehr verwendet. Ist schlicht unsinnig. Ich bin viel kleiner und unauffälliger unterwegs und das IBIS macht das Rig überflüssig. Die 909 hat doch bestimmt auch eine gute Stabilisierung und einen Sucher, oder? Dann sehe ich keinen Grund für sowas.
Antwort von Frank Glencairn:
Alex hat geschrieben:
Ich habs aufgegeben, die kleinen Cams à la FX6 in ein balanciertes Schulter Rig zum bekommen, welches man auch als Solo-Shooter gut bedienen kann.
Bei mir endet das immer so:
a) Kamera ist viel zu weit hinten, dass man die Bedienknöpfe nicht mehr erreicht
b) Man massig Gewicht (überdimensionierte Akkus) hinten anbringen muss
Ich hab mich damals an dieser Seite aus der Aaton Broschüre orientiert:
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Der ganze Gag an Aaton's "Shouldecat" Prinzip ist nicht nur die Balance von vorne zu hinten, sondern vor allem ein Schwerpunkt der unter dem Kontaktpunkt zur Schulter liegt.
Darauf hin hab ich das hier gebaut.
Man kann tatsächlich die Hände los lassen (nicht daß ich das machen würde, zeigt aber wie perfekt balanciert das ganze ist), über Stunden extrem komfortabel und ermüdungsfrei zu tragen, super stabil und wackelfrei, extrem leicht, keine zusätzlichen Griffe nötig, und auch ansonsten hat sich mein "Lowrider System" bei vielen Einsätzen bestens bewährt.
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Das war der erste Test - ich hab den Akku dann auch noch nach unten gedreht, um den Schwerpunkt noch tiefer zu legen.
Antwort von stip:
"Doc Brown" hat geschrieben:
Ist der Kauf/Bau eines solchen Rigs auch für einen Camcorder (Panasonic HC-X909) sinnvoll möglich?
Für so einen kleinen Camcorder ist ein Schulterrig sogar sehr gut möglich und sinnvoll, weil es leichter ist, eine "schwerelose" Balance hinzubekommen. Ziel ist es, dass das Rig auf der Schulter balanciert, auch wenn du die Hände wegnimmst. Dazu brauchst du ein Gegengewicht hinter der Schulter, Gewicht / Abstand hängt von Gewicht / gewolltem Abstand zum Gesicht des Camcorders ab. Du brauchst dann auch eigentlich keine Griffe.
Antwort von Doc Brown:
pillepalle hat geschrieben:
Warum also mit dem Ding auf die Schulter?
Damit ich die Kamera bei langen Brennweiten lange ruhiger halten kann, wenn ich kein Stativ mitnehmen kann. Manchmal warte ich mit der Kamera im Anschlag eine gute Weile auf den entscheidenden Moment und muss nochmals schnell den Standort optimieren. Die Panasonic HC-X909 hat einen Stabilisator. Trotzdem werden die Arme auch mit relativ leichter Kamera müde und die Haltung unbequem. Zudem, bis ich ein Stativ optimal am Standort aufgestellt habe, ist das Motiv bereits weg. Ich filme Natur und Tiere auf Wanderungen in meiner Freizeit.
Einen sinnvollen Grund so ein Rig nicht aus zu balancieren, gibt es also nicht. Sie dienen vielleicht einem anderen Zweck: nur das bessere Halten der Kamera für den Nutzer, aber nicht eine ruhige Aufnahme, wie vom Stativ über lange Zeit. Für meinen Einsatz müsste ein Rig also anders konstruiert sein.
Nach oben möchte ich möglichst nichts im Wege haben (maximal Kopfhöhe), damit ich damit nicht irgendwo in den Ästen hängen bleibe. Das würde auch der Balance zu gute kommen, wie ich lese.
Für den Test sind diese Rohre zum Verschieben der Teile vermutlich praktisch bis alles passt. Im praktischen Einsatz ist das Rohr mit den dicken Klemmen, dann bei meinem Camcorder sicherlich zu schwer und man müsste es aus einfachen Teilen endgültig bauen. Zudem sind die Bedienelemente oben.