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Festanstellung Assi EB: Wie flexibel muss man sein?




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Frage von crazy-spy:


Grüß Euch,

benötige mal nen wenig neutrale Meinungen von Euch....
Ich arbeite als festangestellter Assistent im EB Bereich für einen Kameramann.

Zunächst einmal: Was sind da die besten, klassischen Vertragsmodelle? Festgehalt zzgl. Spesen und Überstunden, egal wieviele Drehtage im Monat? Basisgehalt zzgl. Spesen und Überstunden zzgl. bestimmten Tarif pro Drehtag? Könnt ihr da etwas drüber sagen, vielleicht auch eine Info über eine faire Entlohnung, was so üblich ist bei Festanstellungen.

Wir arbeiten nicht im News-, sondern eher im Magazinbereich. Also eigentlich nicht Tagesaktuell.
Aufträge kommen aber vermehrt sehr spontan rein, z.B. Abends um 22 Uhr mit der Info, am nächsten Morgen um 7h Treffpunkt in einer anderen Stadt, oftmals auch mehrtägig mit Übernachtung. (;Btw: Ab wann dürfte ich das Telefon ausschalten bzw. nicht mehr rangehen? Denn ich möchte mein Leben nicht in Bereitschaftsdients 24/7@365 verbringen). Wenn man dann nun Termine hat, kann man die jedes Mal über den Haufen werfen. Das ist jedes Mal so, auf Termine und Planungen meinerseits wird keinerlei Rücksicht genommen, egal wie wichtig diese auch sind. Als Festangestellter bin ich leider der Schwache und muss ziehen. Gibt es irgendwie vertragliche Regelungen, die soetwas regeln? Es sind zum Teil wichtige Termine, die auch mit dem Chef abgesprochen sind im Vorraus, dann aber aus finanzieller Sicht dann gecancelt werden müssen. So kann es schlecht gehen. Ich kann nichts mehr planen, arbeite ohnehin zuviel, jedes Wochenende durch....
Mir ist klar, dass mein Chef seine Vorteile aufs Äusserste ausreizt und Kohle machen will, aber ich denke, dass dem Grenzen gesetzt werden müssen.

Generell: Wie ist das in der Branche mit Nacht- und Feiertagszuschlägen (;gesetzlich) geregelt? Sowas bekomme ich nämlich nicht und bin der Meinung, dass dies nicht so ganz rechtens ist.


Könnt ihr vielleich Stellung dazu nehmen und paar Tipps aus Eurer Praxis geben? Vielleich sehe ich das ganze zu eng und es ist scheinbar normal und ich muss lernen, mit so hartem Alltag auszukommen. Oder aber ich empfinde richtig und es muss sich etwas ändern....

Wäre super von Euch,
schönes Wochenende,




Antwort von Axel:

Wenn du keinen Tarifvertrag hast, ist alles, was du tun kannst, direkt mit deinem Arbeitgeber zu verhandeln, vor allem Spesen muss natürlich er aufbringen. Meine Zeit als EB-Assi sind lange vorbei, aber bei mir war"s genauso. Ich entnehme dem, was du schreibst, dass du bei einem freien Team bist, das aber hauptsächlich für einen Sender arbeitet. Dann lass dir gesagt sein, dass dein Chef nur die Tritte weitergibt, die er selbst einstecken muss. Es war damals üblich, dass ein Team für eine Tagespauschale gemietet wurde, ungeachtet der tatsächlichen Arbeitszeit. Sieh es als Ausbildung, als Praktikum, dafür ist das Geld dann gut, bleib nicht da hängen.



Antwort von crazy-spy:

Genau, freies Team für einen primären Auftraggeber.
Wäre es bei meiner Situation denn möglich, mit dem Arbeitgeber einen Tarifvertrag zu schliessen oder ist das nur Sendern etc. vorbehalten?



Antwort von Maik:

Bist Du in der Gewerkschaft?
Verdi?

Die haben einen super Service für freie und ähnliche Lohnsklaven,
da einfach mal in der telefonischen Beratung anrufen und nachfragen wie
das eigentlich aussieht.
Mit den Informationen im Rücken müsstest Du dann mit Deinem Kollegen
verhandeln...

M.



Antwort von KrischanDO:

"crazy-spy" wrote:
... Als Festangestellter bin ich leider der Schwache und muss ziehen. ...


Als Chef, sprich Freirufler ginge Dir das nicht anders. Du musst schon sehr gut bei einem Kunden drin sein, um mehr als einen Termin nicht anzunehmen und weiter drin zu bleiben.
Das dürfte in der Videobranche nicht anders sein als bei den Fotografen.

Wenn ich als Assi das Gefühl hätte, ausgebeutet zu werden, würde ich mir mein augenblickliches Gehalt anschauen, mir überlegen, was ich eigentlich angemessen fände, Argumente sammeln, warum das so ist und warum der Boss mehr zahlen sollte. Und dann mal nett und locker darüber sprechen.

Wenn einer meiner Assistenten mir früher mit dem Spruch gekommen wäre, er habe sich bei der Gewerkschaft beraten lassen, würde ich ihn fragen, ob er nicht mehr auf dem Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit sei und was er dann bitteschön bei der Gewerkschaft wolle!?!

Wer geregelte Arbeitszeiten haben will, suche sich ein Portrait-Studio (;das keine Hochzeiten am Wochendende macht), oder eine Uni (;da gab es gelernte Fotografen, die jahrelang nur die Lithfilme fürs Platinenbelichten kopierten) oder als Filmer einen öffentlich-rechtlichen Sender, tendenziell in der Abteilung "Sendungen für die Golden Agers".

Ansonsten: Durchhalten, selbständig machen und es anders machen.

Grüße
Christian



Antwort von newsart:

Hallo,

da bin ich aber völlig anderer Ansicht, als die Vorhergehenden. Wenn Du in Festanstellung arbeitest, sollte der Anstellungsvertrag sehr wohl Arbeitsumfang, Freizeit, Wochenendtätigkeit, Nachtarbeit, Auslandseinsätze, Reaktionszeiten usw. vernünftig und zur beiderseitigen Zufriedenheit regeln. Nur dann ist sicher gestellt, dass dies ein längerfristiges miteinander Arbeiten wird.

Schwierig ist es natürlich, einen unzureichenden Vertrag nachzubessern. Dass kann nur im vertrauensvollen Gespräch geschehen. Allerdings mit dem Hinweis, wie derartige Dinge andernorts geregelt werden. Auch Deinem Chef sollte schliesslich viel daran gelegen sein, dass Du Dich - in geregelter und planbarer Freizeit - so vom Job erholst, dass Du dann bei den Einsätzen 100% Leistung zeigen kannst.

Ausnahmen, wo besonderes Engagement gefordert ist, gibt es natürlich. Aber diese sollten nicht die Regel sein. Bei uns hat ein Drehtag auch nach wie vor 8 Stunden und nicht die mittlerweile inflationär üblichen 10. Das gilt für die Mitarbeiter wie Kunden gleichermaßen.

Mitarbeit bedeutet nicht Ausbeutung. Und wenn der Chef den Druck seines Senders an seine Angestellten weitergibt, dann hätte er nicht Chef werden sollen. Das ist eine wenig professionelle Personalführung.

Es ist auch völliger Quatsch, dass man bei Beachtung ordentlicher Arbeitszeiten, Verträge, Sozialleistungen, Arbeitszeiten, Entlohnung usw. nicht mehr konkurrenzfähig mit Dumpingpreisen und Ausbeutern ist. Sicher sind es nicht die selben Kunden. Aber unsere Kunden schätzen das gute Betriebsklima und die Super-Laune der Teams und buchen gerade deswegen bei uns.

Ich bin als Geschäftsführer und Chefredakteur einer kleinen Produktionsfirma (;in der Regel 11 Leute) ein verfechtert sehr klarer und über dem Branchenduchschnitt liegender Leistungen für Mitarbeiter und übrigens auch unsere Volontäre und Praktikanten. Diese bekommen alle Auslandsaufenthalte, außerbetriebliche Aus- und Weiterbildung und haben selbstverständlich eine Wochenstundenzeit und die Beschränkung auf maximal 2 Wochenenden Dienst im Monat und in Folge in den Verträgen stehen.

Ich glaube die geringe Personalfluktuation und der Erfolg bei den Kunden gibt mir hier recht. Bei einer Umfrage zum Firmenjubiläum haben unsere Kunden den Punkt "Weil es so viel Spaß macht mit Euch zusammen zu arbeiten", noch vor "Kreative Umsetzung der Produktionen", "Besonders preiswerte Dienstleistungen" und "Moderne technische Ausstattung"... als Grund für die Zusammenarbeit mit uns angegeben.

Grüße, Carsten



Antwort von Maik:

[quote="KrischanDO"]
"crazy-spy" wrote:

Wenn einer meiner Assistenten mir früher mit dem Spruch gekommen wäre, er habe sich bei der Gewerkschaft beraten lassen, würde ich ihn fragen, ob er nicht mehr auf dem Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit sei und was er dann bitteschön bei der Gewerkschaft wolle!?!


...dann ist Dein Bild von der Gewerkschaft aber leider etwas veraltet.
Die machen einiges für Freiberufler.
Siehe http://connexav.de/
Ich bin auch selbstständig, die haben mir schon 2 Mal richtig gut geholfen.

M.



Antwort von crazy-spy:

Vielen Dank für die bisherigen Postings, die ja doch recht durchmischt sind...

Eine Sache kommt da ja noch hinzu: Ich arbeite bereits seit 2 Monaten für den Arbeitgeber - trotz ständiger Errinerungen und Aufforderungen, endlich mal die Papiere fertig zu machen - und habe noch immer keinen Vertrag! Ich sollte einfach mal zu Hause bleiben und ihn auflaufen lassen, damit würde ich mir aber selbst Schaden zuführen... Es ist einfach ein Unding und diese interne Unprofesionalität bringt mich schier zum Wahnsinn....

Was ist denn für einen Assistent, der schon eigene Projekte verwirklicht, ein angemessener Lohn in Festanstellung? Ich kann mit dem gesamten EB Equipment umgehen (;Beta, XD, 302/442, SQN) und es zuverlässig bedienen.

Man hört in der Branche einfach zig Zahlen, daher würd ich gern mal mehr Meinungen hierzu hören!

@ newsart: Wo befindet sich Euer Firmensitz / Hauptarbeitsort? Sucht ihr noch fähige Leute? ;-)



Antwort von Axel:

Sehr lustig, zwei Monate sind zwar keine lange Zeit, aber sollten reichen, einen Vertrag fertig zu machen. Nun umso besser, dass das noch aussteht, da ist noch Zeit, etwas auszuhandeln, nun, da du weißt, wie belastend der Job im Alltag ist. Du kannst versuchen, mehr als 2000 € Brutto rauszuschlagen, aber ich schätze, dann wirst du erleben, wie sich deinem Chef sukzessive das Zahnfleisch zurückzieht und anschließend die Zähne ausfallen. Vielleicht weiß jemand mehr über aktuell gezahlte Löhne, aber sollte die genannte Hausnummer mittlerweile der Standard sein, hat sich in den letzten Jahren einiges zum Besseren geändert.

Wenn ich einen Freund von mir sehe, der selbständig Veranstaltungstechnik organisiert und Imagevideos dreht und schneidet (;und nicht nebenbei, sondern ausschließlich) kommt er nach Abzug seiner Auslagen, Steuern und privater Versicherungen, etc. pp auf keinen wesentlichen höheren privaten Nettoverdienst, und das heißt, die Branche ist keine Goldgrube.




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