Frage von KSProduction:Ich habe hier den Bericht gelesen, daß die Mbit-Zahl bei der Videoaufnahme dieser Fotocam nachträglich durch einen Hack gesteigert wurde. Mir ist die technische Seite hier nicht ganz klar, kann mir da jemand auf die Sprünge helfen? Ich meine, die Videofunktion ist da ja sowieso mit 1080/50p realisierbar. Was nützt es wenn der Mbit-Wert hier noch gesteigert wir? Deswegen wird das Ganze doch nicht besser da der Sensor doch gleich groß bleibt und die Linse so bleibt wie sie ist?!
Antwort von joey23:
Stark vereinfacht:
Der Sensor erzeugt eine gewisse Menge Daten. Diese wollen gespeichert werden. Die MBit-Zahl gibt an, wie viel Platz für diese Daten pro Sekunde zu Verfügung stehen. Je mehr Platz, desto mehr Daten können gespeichert werden. Je weniger Platz, desto stärker müssen die Daten komprimiert werden.
Antwort von WoWu:
Das ist einwenig zu stark vereinfacht.
Die Sensoren sind bereits durch Unterabtastung so weit reduziert, dass nur noch ein Teil der Sensorsignale überhaupt zur Verarbeitung steht.
Diese restlichen Daten werden dem Encoding zugeführt. Im Encoding werden nicht nur die redundanten Daten weggelassen, sondern auch Schätzungen vorgenommen, wie das nächste Bild aussehen wird. Dazu wird das Bild gespeichert und die Informationen aus den zurückliegenden Bildern, wie auch die Informationen aus den kommenden Bildern benutzt. Übertragen wird also nicht mehr das gesamte Bild, sondern lediglich noch die Differenz zwischen den Bildern. Der Decoder setzt diese Informationen aus der GoP wieder zu einem Gesamtbild zusammen.
Besteht also zwischen den Bildern, beispielsweise überhaupt kein Unterschied (Standbild) oder nur ein sehr marginaler, gibt es auch keine Daten, die zu übertragen sind. Es nutzt als nichts, die Datenrate zu erhöhen, weil keine abweichenden Informationen zu übertragen sind.
Die erforderliche Datenrate ist also immer nur so gross, wie die Differenz zwischen den einzelnen Bildern.
Insofern bring eine Erhöhung der abzuspeichernden Datenrate nur dann etwas, wenn die ursprüngliche Datenrate so gering bemessen ist, dass der Encoder nicht die gesamten Informationen damit abspeichern kann.
MPEG hat allerdings in seinen Vorgaben für die unterschiedlichen Anwendungen die Datenraten so hoch angesetzt, dass in der Regel selbst im worse case die volle Datenrate nicht ausgeschöpft wird. Zu erkenn ist das auch daran, dass bei einer variablen Datenrate die Spitzenwerte über weite Strecken gar nicht erreicht werden.
Erhöht man sie dennoch, wird trotzdem kein einziges Bilddetail zusätzlich übertragen. Eine solche Erhöhung hat lediglich im Multigenerationsverhalten im Bereich des Störabstands Auswirkungen, die der Normalanwender aber nicht wahrnehmen wird.
Antwort von Jan:
Also kann man es plump gesagt als Dünnschiss bezeichnen ?
Wie bei einer Internetleitung, bei der der Anbieter DSL 16000 angibt, die aber nur DSL 2000 in Wirklichkeit schafft. Dort bringt es auch nichts, nach der Telefondose komplizierte Aufbereitungsgeräte einzubauen um irgendwie wieder auf DSL 16000 zu kommen.....
VG
Jan
Antwort von WoWu:
Zumindest steht es in keinem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand, weil die 96 MBit/s ja auch irgendwo gespeichert werden müssen. Es kommt hinzu, dass solche Formate dann oft auch noch nicht einmal standardkonform sind und standardmässige Decoder sie nicht unbedingt decodieren können (müssen).
Es gibt ja auch so einen GH2 Hack und mir ist es bisher nicht gelungen, einen nachvollziehbaren Unterschied in der Bildqualität festzustellen und bisher habe ich auch noch keinen überzeugenden A/B vergleich gesehen.
Mein Tipp: Finger weg.