Endlich 4K?
Die neuen 4K-Funktionen wurden von zahlreichen 5D-Anwendern schon heiß ersehnt. Doch leider hat Canon bei der Implementierung nun eine zentrale Funktionalität gegenüber den Vorgängermodellen verändert: Wir meinen damit den Crop-Faktor bei der 4K-Aufnahme.
Da sich die Sensor-Auflösung mit jetzt 30 Megapixeln gegenüber den Vorgängermodellen deutlich erhöht hat, fanden sich Canons Entwickler nun offensichtlich in der Zwickmühle. Entweder hätte man einen (sehr rechenintensiven) vollen Sensorreadout liefern müssen, der dann die 30 Megapixel in Echtzeit herunterskaliert, oder man nutzt eben nur einen Ausschnitt des Sensors bei dem jeder Sensel einem Pixel in der Auflösung entspricht. Zweiteren Weg ist Canon nun gegangen, mit den entsprechenden Nachteilen: Einmal erhöht sich dadurch der Cropfaktor von vormals 1 auf nun ca. 1,7. (Ganz exakt beträgt der Cropfaktor in C4K-Auflösung mit 4096 Horizontalpixeln 1,64. Nutzt man das Bild jedoch für eine UHD-Ausspielung mit 3840 Pixeln, so beträgt der reale horizontale Crop sogar nur 1,75.)
Diese Crop-Werte liegen schon deutlich unter APS-C/Super35mm-Ausmaßen und rücken die neue 5D schon fast in die Nähe von Micro Four Thirds Kameras, die unter Canon-Filmern gerade wegen ihres Crop-Faktors von 2 oft als uncinematisch gelten. Da bei der 5D-Serie zwischen Optik und Sensor auch noch ein wegklappbarer Spiegel liegt, lässt sich dieses Crop-Problem auch nicht mehr mit einem Focal Reducer wie dem Speedbooster korrigieren.
Durch die hohe Auflösung sind die einzelnen Sensel des Sensors “nur” 5,36µm groß, was die Dynamik der Kamera im 4K Modus bezüglich des FullWells einschränkt (erklärt in unserem Grundlageartikel). Zum Vergleich: Der Vorgänger (5D Mark III) besitzt eine Sensel-Seitenlänge von 6,25µm, die aktuelle 1D Mark II kann hier sogar mit 6,56µm punkten. Folglich besitzt die alte 5D mark III hier rund 35 Prozent, die aktuelle 1D Mark II sogar fast 50 Prozent mehr Senselfläche als die aktuelle 5D. Da sich die Physik nicht so einfach austricksen lässt, muss der Verlust an Senselfläche mit irgendeiner (meist digitaler) Korrektur kompensiert werden.
Da Canon weiters kein genormtes C-Log Profil integriert hat, lässt sich mit den vorhandenen Bildprofilen auch die Sensor-Dynamik nicht pragmatisch auf die 8 Bit für die Postproduktion verteilen.
Und nicht zuletzt gelingt das Debayering in 4K durch den 1:1 Sensel-Readout nicht optimal. Für eine perfekte Abbildung nutzen viele Kameras der Konkurrenten mittlerweile das Downsampling von einer höheren Auflösung. All dies sorgt dafür, dass Canon in 4K nur ein durchschnittliches Bild für ihre Klasse abliefert, das in der Klarheit und Dynamik deutlich von einer Sony A7SII oder A7R2 im 35mm-Modus übertroffen wird.



















