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Ratgeber : Digitale Trapez-Korrektur kostenlos

von Di, 9.August 2011


Wer sich nicht gerade ein dezidiertes Homecinema einrichtet, sondern lieber im Wohnzimmer unauffällig seinen Beamer verstecken will, würde diesen oft am liebsten in einer Zimmerecke verschwinden lassen. Projiziert man jedoch nicht frontal auf eine Leinwand, so erscheint die Abbildung verzerrt. Teure Beamer bieten hierfür eine so genannte Lens-Shift-Funktion, günstigere Modelle haben manchmal noch eine digitale, horizontale Trapezkorrektur. Sehr günstige Modelle bieten dagegen überhaupt keine Korrektur, wodurch man bei der Platzierung des Beamers immer stark eingeschränkt ist.

Als Lösung bietet sich an, den Zuspieler eine solche Korrektur übernehmen zu lassen, was mit teurer Spezialsoftware auch funktioniert. Jedoch dürften die wenigsten Käufer eines Billig-Beamers bereit sein, 150 Euro oder mehr für eine entsprechende Lösung auszugeben. Zumal es auch eine kostenlose Alternative gibt, solange man einen Windows-PC als Zuspieler nutzt:

Die Lösung hierfür heißt ffdshow. Das kostenlose Codec-Pack, das auch noch diverse Filtermechanismen mit sich bringt, erlaubt mit einem integrierten Filter tatsächlich eine frei definierbare Verzerrung des decodierten Videos.

Hierfür muss man seinem Media Center einfach den Filter als primären CodecCodec im Glossar erklärt zur Decodierung von Videoströmen unterjubeln. Dies ist von Anwendung zu Anwendung unterschiedlich, weshalb wir an dieser Stelle nicht auf alle Fälle eingehen können. Bei uns funktionierte das ganze aber mit jeder Applikation, die auf Microsofts DirectShow zur Wiedergabe setzt. (u.a. auch Terratec Home Cinema, das wir noch für andere Zwecke missbrauchen).

Die Einstellungen von ffdshow erreicht man ganz leicht über das Windows Startmenü unter "Videodekoder-Konfiguration". Dort kann man unter Punkt "perspektive correction" die Verzerrung des Bildes sogar bei laufendem Video "live" einstellen.



Bequemer geht es wohl kaum. Mittels eines Bitmap-Overlays, ließe sich hier sogar noch der Untergrund der Projektion in groben Zügen anpassen, wenn dieser aus aus unterschiedlichen Farbtönen bestünde. Aber das ist wirklich eher etwas für Profis mit viel Geduld und besonders vom Anwendungsfall abhängig.

Eine vielleicht nicht unerhebliche Einschränkung sei auch nicht unerwähnt. Die Oberfläche der Bedienung des Media-Players wird natürlich weiterhin unverzerrt dargestellt (was bei den uns bekannten kommerziellen Software-Korrektur-Lösungen auch nicht anders ist). Am besten setzt man den Filter daher entweder bei einem Zuspieler ein, der über einen zweiten Monitorausgang den Beamer zur Videoausgabe ansteuert und der über den ersten Bildschrim gesteuert wird (also vorzugsweise ein Laptop). Oder man richtet sein Mediacenter so ein, dass man es sowieso "blind" über eine externe Fernsteuerung (Infrarot oder Smartphone) bedienen kann und keine Menüs über den Beamer benötigt (hierzu in einem anderen Artikel mehr).

Uns hat ffdshow jedenfalls schon öfters bei diversen "Schieflagen" geholfen. Auch die Decoding-Performance von ffdshow ist in der Regel nicht schlechter als von kommerziellen Lösungen, da hier ffmpeg mit allen optimierten Finessen unter der Haube werkelt. Dazu erlaubt ffdshow noch zahlreiche zusätzliche Filtermechanismen, um Videostreams mit diversen Filtern (z.B. diversen Deinterlacern) aufzupeppen.

Ach ja, bevor jetzt wieder Anmerkungen im Forum kommen, dass eine digitale Trapezkorrektur die Qualität deutlich herabsetzt, wollen wir an dieser Stelle noch einmal auf eine Prämisse hinweisen, die für diese Artikelserie besonders gilt: Wenn etwas klein ist und/oder elegant aussieht oder sehr günstig sowie praktisch im Aufbau ist, darf gerne das letzte Quäntchen Qualität darunter leiden. Coolness rulez Function ;). Dabei gelingt nach unserer Erfahrung eine schräge Projektion immer noch ziemlich sehenswert, solange der Einfallwinkel nicht zu extrem gewählt wird. Dieser Tradeoff für ein schönes Beamerversteck ist in unseren Augen dabei mehr als verschmerzbar.


    

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