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Grundlagen : Versteckte Dynamik Reserven durch Highlight Recovery herauskitzeln

von Do, 15.März 2018 | 4 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 Debayering-Strategien
 In der Praxis



Debayering-Strategien



Das Debayering kann nun auf mehrere Arten auf die geclippten Sensel reagieren. Die klassische Lehrbuch-Methode besteht darin, alle RGB-Werte auf 100 Prozent (z.b. 255 in 8 Bit) zu setzen, sobald ein beteiligtes Sensel clippt. So gibt es beim Clipping im Bild immer nur vollweiße Bereiche, die oft ohne sanften Übergang im Bild eine Überbelichtung deutlich signalisieren.

Bei “intelligenten” Methoden nutzt man dagegen den Rot- oder Blauwert für die Helligkeits-Bestimmung und schätzt für Grün aufgrund der ermittelten Helligkeit einen höheren Wert über seinem FullWell. Die Schätzung kann dabei auf unterschiedlichen Ideen basieren, die allesamt unter den Begriff Highlight Recovery Algorithmen fallen.



In der Praxis



Wem bei dieser Erklärung der Kopf raucht, dem sei einfach einmal der Einsatz in der Praxis demonstriert, denn hier wird so manches klarer. Wir haben hierfür unseren Testkasten mit einer URSA MIni 4,6K aufgezeichnet und dabei die Belichtungszeit so variiert, dass unser heller Puschel links oben im Bild bei manchen Aufnahmen schon klar in der Überbelichtung liegt. Dazu haben wir sowohl in ProRes als auch in RAW aufgezeichnet, um den Effekt schön demonstrieren zu können.

Die interne ProRES-Aufnahme der URSA Mini clippt an der Stelle, an der die grünen Sensel clippen. Hier saß auch das 100% Zebra der URSA Mini. Und ab hier wird der gesamte Bereich des Bildes als überstrahlendes Weiß aufgezeichnet:



Auch die normal debayerte RAW-Aufzeichnung liefert in Resolve dieses Bild.
Betrachtet man ohne Debayering jedoch das Bayer-Pattern des überstrahlten Bereichs so sieht man deutlich, dass die Blauen und teilweise auch die roten Sensel noch bei weitem nicht clippen:



Und tatsächlich kann man in diesem Bereich auch noch Details “sichtbar” machen, indem man in Resolve bei der Entwicklung der RAW Datei die Option “Highlight Recovery” auswählt.



So bekommt man noch mindestens eine Blendenstufe in den Lichtern geschenkt, die nur in der RAW-Aufzeichnung, aber nicht in der ProRES-Aufnahme vorliegt. Ganz einfach, weil das interne ProRES-Debayering in der Kamera keine Highlight Recovery vornimmt.



Bei einer standardisierten Dynamik-Messung (z.B, mit dem gängigen Xyla-Chart) sind diese zusätzlichen Blendenstufen klar zu messen und zu sehen.

Dies dürfte auch ein Teil der Erklärung sein, womit Blackmagic und Red ihre 15-16 Blendenstufen rechtfertigen. Eine solche Angabe dürfte demnach aber auch nur für RAW-Aufnahmen gelten. Oder die ProRES Aufzeichnung müsste mit Highlight Recovery erfolgen, was zumindest bei unserer URSA Mini 4,6K nicht der Fall ist. Auf jeden Fall ist die Highlight Recovery somit ein weiterer Pluspunkt für RAW gegenüber ProRES in den höchsten Qualitätsstufen.

Einleitung / Worum gehts?
Nur Vorteile durch Highlight Recovery?


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Einleitung / Worum gehts?
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Nur Vorteile durch Highlight Recovery?
  

[8 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
dienstag_01    17:46 am 17.3.2018
Ich denke aber auch, dass der Aufwand für das reverse engineering, was die Hersteller im Fotobereich für ihre RAW-Entwickler betreiben müssen, vermutlich deutlich geringer ist,...weiterlesen
mash_gh4    15:08 am 17.3.2018
ja -- prinzipiell ist highlight recovery in raw material eine ziemlich interessante sache, die ich hier ohnehin in der vergangenheit bereits mehrfach eingebracht habe. ich...weiterlesen
CandyNinjas    12:43 am 17.3.2018
Ha !!! Das kannte ich gar nicht - für mich ein Grund mehr, des öfteren RAW in Betracht zu ziehen... Vielen Dank ! Hier lernt man immer wieder was neues dazu ...weiterlesen
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