Newsmeldung von slashCAM:I want it to jump: Beller über Montage-Regeln von heidi - 30 Apr 2008 22:28:00
Kleiner Lektürehinweis: Hans Beller hat einschlägige Lehrbücher durchforstet und im Essay "Dos and Don"ts - frühe Montageregeln" einige interessante Beispiele für autoritäre Regelwerke zusammengestellt. Der unsichtbare Schnitts ist ja so etwas wie ein Dogma in der Montage, immer schön in die Bewegung schneiden und ja nichts akzentuieren. Aber es gibt noch weitere vermeintliche Vorschriften wie die Dreischrittsregel oder der nur in Ausnahmefällen "gestattete" Free Frame Cut. Der Jump Cut dagegen dürfte die beliebteste Regelwidrigkeit schlechthin sein -- obiges Zitat wird beispielsweise von Sternberg zugeschrieben... (Mehr Info bei schnitt.de, Link unten.)
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Antwort von Axel:
A Bout de Souffle ist von 1960, und Jump Cuts dieser Art werden heute, knapp 50 Jahre später, ohne weiteres von jedwedem Publikum akzeptiert. Wie alle Experimente, die zu ihrer Zeit auffielen, hat heute jede Folge von
CSI Miami (z.B.)] ihre 50, 60 Jump Cuts, und jeder sieht sie als "Stil". Auch surreale Montagen, wie sie Buñuel prominent anwandte, tauchen in profanen Serien wie
Ally McBeal (z.B.) auf, und keiner kratzt sich am Kopf.
Wäre der Artikel vor 20 Jahren erschienen ...
Die alte Schule, der behäbige
Continuity Schnitt, ist ein Stil unter vielen, so ähnlich wie der naturalistische Malstil, der einem irgendwann einfach zu albern vorkommt.
Geht es überhaupt noch weiter? Sind die Möglichkeiten alle beschrieben und somit die Chancen für kreativen Fortschritt abgeschnitten?
Um die Palette zu erweitern, müssen wir sie erst kennen. Ich glaube, das trifft für die meisten modernen, aufgeschlossenen Cutter zu (sogar für die meisten Konsumenten, auch wenn sie sich nie analytisch mit der Wirkung von Schnitten befassen). Das bisherige Spektrum muss als das Regelwerk gelten, von dem aus man fortschreitet. Es
bewusst anders machen, bei Kenntnis des Handwerks eine Herausforderung suchen. Dazu braucht man kreativen Spielraum, der Artikel sagt es. Vor allem braucht man die Unzufriedenheit mit professionellem Mittelmaß, das man überall vorfindet.
Großes Entwicklungspotential hat m.E. die Form des Geschichtenerzählens selbst, also nicht so sehr der einzelne Schnitt (kontinuierlicher Anschluss oder nicht usw.), sondern die Montage ganzer Erzählstränge. Wieder macht es das Fernsehen vor: Die Intros zu den neueren Folgen von
Criminal Intent lassen einen anfangs glauben, einen kurzen Rückblick auf "Folge 1" zu sehen (nach dem Motto
Was bisher geschah), aber alle Auslassungen darin (dramaturgische Jump Cuts quasi) sind in der Tat unnötig zum Verständnis der Situation. Auch das ist nur ein Beispiel.
Vor diesen Perspektiven wirkt die Frage, wie man das Trinken aus einem Glas am besten in drei Einstellungen auflöst, ähnlich relevant wie die Frage, wie man am besten einen Fuß so schnürt, dass er nicht weiter wächst.
Antwort von Axel:
Ärgerlich übrigens, dass man einen Kommentar zu einem Artikel, der von Editing handelt, nicht editieren kann. Ist da nichts zu machen?
Antwort von tom:
Ärgerlich übrigens, dass man einen Kommentar zu einem Artikel, der von Editing handelt, nicht editieren kann. Ist da nichts zu machen?
Das geht ab sofort.
Thomas
Antwort von Axel:
Ärgerlich übrigens, dass man einen Kommentar zu einem Artikel, der von Editing handelt, nicht editieren kann. Ist da nichts zu machen?
Das geht ab sofort.
Thomas
Vielen Dank.
Antwort von Anonymous:
Großes Entwicklungspotential hat m.E. die Form des Geschichtenerzählens selbst, also nicht so sehr der einzelne Schnitt (kontinuierlicher Anschluss oder nicht usw.), sondern die Montage ganzer Erzählstränge. Wieder macht es das Fernsehen vor: Die Intros zu den neueren Folgen von
Criminal Intent lassen einen anfangs glauben, einen kurzen Rückblick auf "Folge 1" zu sehen (nach dem Motto
Was bisher geschah), aber alle Auslassungen darin (dramaturgische Jump Cuts quasi) sind in der Tat unnötig zum Verständnis der Situation.
quote]
...kann mir nicht helfen, aber irgendwie kommt mir das auch wie eine Art An-Alphabetisierung oder mentale Kastration vor (Von diesem kulturimperialistischen Scheissdreck, den "unsere" TV-Leute meinen den Amis abkaufen zu muessen, mal abgesehen). Letztlich zuviel Reduktion und Steuerung durch die Montage; wo bleibt die POESIE dabei, die ich BRAUCHE um in einem Film (auch Serienkrimi) mitschwingen zu koennen?
Antwort von Axel:
... neueren Folgen von
Criminal Intent
...kann mir nicht helfen, aber irgendwie kommt mir das auch wie eine Art An-Alphabetisierung oder mentale Kastration vor (Von diesem kulturimperialistischen Scheissdreck, den "unsere" TV-Leute meinen den Amis abkaufen zu muessen, mal abgesehen). Letztlich zuviel Reduktion und Steuerung durch die Montage; wo bleibt die POESIE dabei, die ich BRAUCHE um in einem Film (auch Serienkrimi) mitschwingen zu koennen?
Kulturimperialsmus? Puh, weiß nicht, wie ich das kommentieren soll.
Ich halte nicht viel von Kriminalserien. Und fehlende Poesie kann man ihnen auch vorwerfen, lieber Gast. Und hier kommst du ins Spiel. Wenn du nicht reduzieren willst, wenn es dein persönlicher Stil ist, langsam zu "schwingen", dann drehe ein solches, poetisches Werk. Ich bin gespannt, ob es sehr viele unsichtbare Schnitte enthalten wird (Continuity) oder ob du die Rezeption
nicht durch Montage steuern wirst.
Nochmal im Klartext: Diese Unterthaltungsserien sind inhaltlich Müll. Im Mikrobereich (Schnitte) wird viel ausgereizt, was es an schicken, auch nicht mehr ganz neuen Regelbrüchen gibt (der Regelbruch ist, sicher auch durch den Digitalschnitt, zur Regel geworden). Im Makrobereich (Montage) wird auf alte Rezepte gesetzt. Egal, ob jemand die Langsamkeit wieder neu entdeckt oder die Konzentration der Inhalte weiter vorantreibt, ob neue Techniken wie 3D oder narrative Spiele (interaktive Spielfilme) das Medium aufmischen: Formal ist mal eine kleine Revolution fällig.
Antwort von Anonymous:
Wenn du nicht reduzieren willst, wenn es dein persönlicher Stil ist, langsam zu "schwingen", dann drehe ein solches, poetisches Werk. Ich bin gespannt, ob es sehr viele unsichtbare Schnitte enthalten wird (Continuity) oder ob du die Rezeption
nicht durch Montage steuern wirst.
Nochmal im Klartext: Diese Unterthaltungsserien sind inhaltlich Müll. Im Mikrobereich (Schnitte) wird viel ausgereizt, was es an schicken, auch nicht mehr ganz neuen Regelbrüchen gibt (der Regelbruch ist, sicher auch durch den Digitalschnitt, zur Regel geworden). Im Makrobereich (Montage) wird auf alte Rezepte gesetzt. Egal, ob jemand die Langsamkeit wieder neu entdeckt oder die Konzentration der Inhalte weiter vorantreibt, ob neue Techniken wie 3D oder narrative Spiele (interaktive Spielfilme) das Medium aufmischen: Formal ist mal eine kleine Revolution fällig.
"Schwingung" war wahrscheinlich nicht das richtig Wort, das klang nach LANGSAMKEIT, die ich jedoch nicht unbedingt meinte. (Nun gut, Dinge können auch schnell schwingen....)
"...kleine Revolution fällig.": ich bin nicht der Profi, sehe jedoch keine Chancen für ein sich entwickelndes Potential Richtung Revolution im Filmmedium.
Klingt ja auch bei Dir an: "Im Mikrobereich (Schnitte) wird viel ausgereizt, ...)
Sind auch Re-Mixe usw.
INTERAKTIVE SPIELFILME halte ich für Technik-Anwendungen, die fabriziert werden, weil es die Techniken GIBT, aber nicht, weil sie sinnvoll und schöpferisch wertvoll sind - eher eine einfallslose Art, Unterhaltungswert zu steigern.
Antithese zum erwähnten Müll und der ganzen TV-Mediokrität:
INHALT, intelligente, wirklich schöpferische und das Wesen der Dinge durchdringende DIALOGE und das Wesen der Dinge aufzeigende Bilder.
Klingt vielleicht etwas poetisch, aber meine altersbedingt zunehmende Weisheit bringt mich seit einiger Zeit dazu, wieder an DAS WAHRE, DAS GUTE + DAS SCHÖNE zu glauben; und das kann auch in jedem Krimi als spannende Struktur zum Ausdruck kommen.
Antwort von Axel:
Antithese zum erwähnten Müll und der ganzen TV-Mediokrität:
INHALT, intelligente, wirklich schöpferische und das Wesen der Dinge durchdringende DIALOGE und das Wesen der Dinge aufzeigende Bilder.
Dies wird jetzt langsam esoterisch. Inhalt. Nehmen wir doch mal einen über jeden Verdacht erhabenen Klassiker: Goethe. Ein kluger Mann, der sich in der Tat über das Wesen der Dinge ("was die Welt im Inneren zusammenhält") Gedanken gemacht hat. Wie hat er diesen sehr fülligen Inhalt zu vermitteln versucht? Durch
Form, durch Ringen um die richtige
Technik, die die bloße Natur/Wirklichkeit durchdringende
Sprache.
Genau darum geht es hier auch. Film ist eine Sprache. Anfang des 20. Jahrhunderts war es weitgehend noch eine
Fremdsprache. Heute ist das Vokabular sehr weit entwickelt. Hinz und Kunz machen Filme, und sie bedienen sich aus dem Repertoire von in über 100 Jahren angesammelter Versmaße. Das meiste ist Blabla - die von dir angesprochene Mediokrität. Nicht nur, weil nichts von Belang gesagt wird, auch, weil dieses Nichts noch mit fremden Worten gesagt wird. Selten gibt es ein Aha-Erlebnis. Wenn, dann ist die Form auch immer originell, d.h. nicht nach einem Schema.
ich bin nicht der Profi, sehe jedoch keine Chancen für ein sich entwickelndes Potential Richtung Revolution im Filmmedium.
Klingt ja auch bei Dir an: "Im Mikrobereich (Schnitte) wird viel ausgereizt, ...)
Sind auch Re-Mixe usw.
Das sehe ich anders. Ich beziehe aber neue Möglichkeiten (Spiele z.B.) in die Rechnung mit ein. Zu Anfang des Kinos (ein Jahrmarktvergnügen) galt unter Gebildeten: Filme werden produziert, weil es die Technik GIBT, aber nicht, weil sie sinnvoll und schöpferisch wertvoll sind - eher eine einfallslose Art, Unterhaltung ans einfache Volk zu bringen.
Antwort von mann25:
Mit Esoterik hab ich nichts am Hut.
Mit Goethe plädierst Du für die Form/en/Formensprache. Kann ich mitziehen; Film-/Formen-/Sprache hat sich seit dem Jahrmarktvergnügen entwickelt/ausentwickelt - soweit ok.
Neue Möglichkeiten: Spiele; interaktiver (sehr beschönigender Ausdruck) Kontext. Diese Möglichkeiten scheinen nicht gerade kulturrevolutionär. Egal.
"Formal ist mal eine kleine Revolution fällig."
Warum denn? Nur um der (kleinen) Revolution willen? Können/kann sich die mehr oder weniger immanenten Formen/Formensprache des immer noch in gleicher Art (bewegende Bilder) existierenden Mediums Film 'verbrauchen', abnutzen?
Wenn man eine dialektische Beziehung zwischen Form/Formensprache (Schnitt-/Montagetechnik) und Inhalt (Bild/Ton/Dialog) unterstellt, kann ein qualitativer Entwicklungssprung ("Revolution") durch Formen-Änderung "passieren"?
Nun gut, es ging ja nur um eine "fällige KLEINE Revolution". Soll es eine kleine modische Veränderung sein? Mal was Neues zum Konsumieren für die übersättigten Wahrnehmungsknospen? Neue Ästhetik-Regeln für die Diskutier-Zirkel?
Ich plädiere -wenn- dann für die Revolution im KERN der Dinge; das fängt beim DIALOG im Film an -das kann dann auch UNSER INNERER sein mit dem Filminhalt- und geht über die Bilder weiter zu den Formen.
Also: intelligentes Drehbuch, fürs Schauspiel geeignete Menschen, Leute die mit der Kamera was anzufangen wissen, Schneiden undsoweiter.
Aber nur mal ein paar neue Techniken hinschmeißen, baah... nein ich möchte ALLES NEU.
Antwort von Axel:
Ich plädiere -wenn- dann für die Revolution im KERN der Dinge; das fängt beim DIALOG im Film an -das kann dann auch UNSER INNERER sein mit dem Filminhalt- und geht über die Bilder weiter zu den Formen.
Also: intelligentes Drehbuch, fürs Schauspiel geeignete Menschen, Leute die mit der Kamera was anzufangen wissen, Schneiden undsoweiter.
Aber nur mal ein paar neue Techniken hinschmeißen, baah... nein ich möchte ALLES NEU.
Sehr gut. Kein Widerspruch, Missverständnisse beseitigt. Hoffe, man sieht mal was von dir.