Auto hui – Manuell Pfui
Während Automatiken wie der Autofokus oder Bildstabilisator für die vorgesehenen Einsatzgebiete sehr zuverlässig funktionieren, bleibt das größtes Problem der HF200 mal wieder der manuelle Fokus. Da kein Touchscreen vorhanden ist, muss man über den Joystick scharf stellen und das gelingt trotz automatisch vergrößertem Bildausschnitt nur mäßig.
Am bequemsten filmt es sich nach unseren Erfahrungen im Shutter Priority-Modus (= feste, frei bestimmbare Verschlusszeit), während man über den Joystick die Belichtung nachregelt. Letztere gibt jedoch keine Auskunft über Blendenöffnung oder Gain, sondern nennt nur Zahlen von -11 bis +11. Einen Trick gibt es jedoch, dennoch beim Filmen an diese Infos zu gelangen. Mann muss nur den gleichzeitigen Fotomodus aktivieren. Tippt man anschließend leicht auf den Fotoauslöser, so werden Blende und Belichtungszeit in das Display eingeblendet. Ein eventueller Gain wird jedoch weiterhin nicht dargestellt. Ärgerlich ist außerdem, dass Canon bei der HF200 weder Zebra noch Histogramm in der Firmware freigeschaltet hat. Dem Anwender fehlen daher viele wichtige Hinweise bei der manuellen Einstellung des Bildes. Warum fast Hersteller außer Panasonic hier mit solchen Informationen geizen, bleibt uns ein Rätsel.
Bildqualität
Bei der Bildqualität zeigte die neue Canon dann ein sehr zwiespältiges Bild. Man könnte zwar aus den Messergebnissen lesen, dass die Kamera noch schärfer als ihre Vorgänger. Jedoch ist dies real kaum möglich, da die Vorläufer bereits an der Systemgrenze arbeiteten.

Des Rätsels Lösung liegt in der digitalen Nachtschärfung, die der sowieso schon sehr guten, natürliche Schärfe noch eine künstliche Kantenaufsteilung verpasst. Dies wirkt bei manchen Motiven etwas unnatürlich. Ein Stück weit lässt sich diese Kantenaufsteilung jedoch noch durch die manuellen Einstellmöglichkeiten zurückfahren.
Weitaus unglücklicher wirken jedoch ein weiteres mal die Unschärfe-Inseln in unserem Testbild, die ziemlich sicher durch das Herunterskalieren der überschüssigen Sensorpixel entstehen dürften. Denn gerade in Moiré-kritischen Bereichen tendiert die Kamera dazu, Muster im Bild zu verfälschen oder stark weichzuzeichnen. Bei realen Aufnahmen dürfte dieser Effekt bei weitem nicht so stark auffallen wie in unserem ISO-Testbild, jedoch wirft dies nicht gerade ein gutes Licht auf die interne Signalverarbeitung.

Bei der Farbauflösung gibt es dagegen nicht zu bemängeln. Die Kamera differenziert schön und sauber Farbunterschiede bis an die AVCHD-Systemgrenze.

Nicht gerade gerade verlaufen die einzelnen Linien des Testbildes im maximalen Weitwinkel der HF200. Hier neigt das Objektiv zu einer leichten Tonnen-Verzerrung.

Bei der Farbwiedergabe sieht die Canon dagegen prächtig aus. Sehr klare Farben bei einer sehr neutralen Wiedergabe. In Maßen lässt sich die Kamera dazu noch an den eigenen Geschmack anpassen.

Bei Schwachlicht liefert die Kamera ein sehr dunkles Bild ab. Dabei haben wir noch etwas zu bemängeln, was sich erst einmal komisch anhören dürfte. Die Kamera rauscht unnatürlich. Bei wenig Licht erzeugt die Kamera auch einzelne sehr helle Pixel, die den natürlichen Gesamteindruck des Bildes deutlich stören. Ungefähr so wie ein defektes Pixel auf einem LC-Display, nur blitzen diese zu Pixel zu Hauf in dunklen Flächen wie feiner Nieselhagel zufällig verteilt auf. Andere Kameras rauschen schlichtweg „schöner“, bzw. unauffälliger. Im Gegenzug sind noch erstaunlich viel Bilddetails und Farben zu erkennen.

Und noch etwas sei zu Canons Gunsten erwähnt: Während fast alle anderen Hersteller mittlerweile bei wenig Licht auf eine Belichtungszeit von 1/25 Sekunde umstellen, verharrte die HF200 brav bei 1/50 Sekunde mit korrekter Halbbildzerlegung. Wenn mir manuell auf 1/25 Sekunde umstellten, gewinnt die HF200 noch einmal deutlich an Helligkeit, allerdings bleiben die weißen Rauschpixel erhalten.

Für alle, die sich das mit dem Rauschen nicht genau vorstellen können, hier mal ein pixelgenauer 1:1-Bildauschnitt der Kamera ohne Vergrößerung, wenn man das Objektiv abdeckt. Gegenüber anderen Kameras treten hier sehr helle Pixel störend ins Bild:


















