| Test : Sony VX 2000 von rudi Fr, 16.März 2001
Äußerlich ist Sony dem Design der VX1000 treu geblieben. Insgesamt erschien mir die neue Kamera etwas länger und schlanker als der Vorgänger, wobei das neue Modell nun auch einen eingebauten, ausklappbaren Farb-LCD-Schirm mit 200.000 Pixeln besitzt. Dennoch ist das Gewicht dabei ungefähr gleich geblieben (ca. 1 Kg mit Akku). Dies ermöglicht im Vergleich zur XL-1 von Canon auch noch ein Filmen mit einem guten Schwebestativ. Der Schwerpunkt des Testmodells lag dabei etwas vor dem unterem Schraubgewinde, jedoch soll es optional einen Langzeit-Akku (NP-F960) geben, der 9 Stunden Camcoderbereitschaft ermöglicht. Da dieser Akku sicherlich mehr Gewicht auf die Waage bringt, könnte sich der Schwerpunkt hiermit weiter nach hinten verlagern.
Der Sucher ist leider weiterhin in Farbe ausgelegt, wodurch sich die Schärfe des Videos ohne zusätzlichen Kontrollbildschirm nicht immer zuverlässig einstellen läßt. Schade, denn gerade im Zusammenspiel mit dem externen Farbdisplay wäre ein s/w-Sucher eine optimale Kombination gewesen.
Die 3 CCD´s haben eine Auflösung von je 450.000 Pixeln wodurch sich rein rechnerisch volle 720 x 576 Pixel aufzeichnen lassen sollten. Sony gibt jedoch eine Auflösung von "nur" 520 Linien auf dem Datenblatt an. Die Bildqualität selbst entspricht dem was man von einem 3 Chip-Camcoder erwartet. Leider gab es auf der Messe keine Möglichkeit eine gut ausgeleuchtete Szene aufzuzeichnen, dafür zeigte sich schnell eine neue Stärke der VX2000 gegenüber dem Vorgänger: Die Kamera ist um einiges lichtempfindlicher geworden. Das schlechte Lowlight-Verhalten der VX1000 scheint mit dem neuen Modell endlich der Vergangenheit anzugehören.
Die CCD´s beherrschen nun ebenfalls einen Progressive Scan Mode, wodurch sich nun auch Vollbilder im laufenden Film aufzeichnen lassen. Dabei läßt sich sogar eine Belichtungszeit von 1/25sec einstellen. Hierfür mußte man sich jedoch nach wie vor eines alten Tricks bedienen, den nicht einmal die Sony-Leute auf dem Messe-Stand kannten: Wie bei der VX1000 lassen sich Belichtungszeiten unter 1/50sec nur einstellen, wenn man die Kamera kurz ausschaltet und dann als erste Aktion die Verschlusszeit aktiviert. Leider war das Ergebnis in dieser Hinsicht noch enttäuschend. Trotz eingeschalteter Progressive Scan Option und 1/25sec Belichtungszeit erschien die Videoausgabe ruckelnd wie mit 1/50sec. Bei dieser Einstellung sollten dagegen die Bilder mehr Motion-Blur beinhalten und ein weicheres Bild liefern, welches einer Aufnahme mit einer Filmkamera ähnelt. Außerdem sollte sich durch die längere Belichtung die Lichtempfindlichkeit der Aufnahmen erhöhen. Vielleicht war diese spezielle Funktion nur noch nicht im Vorserienmodell integriert, zumal sich Sony im aktuellen Datenblatt über mögliche Belichtungszeiten ausschweigt. Für mich wäre jedoch eine solche Funktionalität ein definitiver Kaufanreiz.
Vielleicht stellt die neue Memory Stick-Schnittstelle einen Anreiz für manch anderen Kunden dar. Hiermit lassen sich Standbilder, die mit der VX2000 fotografiert wurden auf den proprietären Speicherriegel von Sony übertragen und am PC schnell weiterverarbeiten. Da die Fotoauflösung des Camcoders mit 640 x 480 Pixeln sogar unter der möglichen Auflösung von DV-Material liegt, kann ich dieses Feature jedoch nur als Spielerei werten. Überhaupt finde ich Sony´s Versuch mit dem Memory Stick einen eigenen Standard für portable Flash-RAMs einzuführen nicht sehr kundenfreundlich. Da es mit SmartMedia/CompactFlash Karten schon bestehende Standards in der digitalen Fotografie (oder auch bei MP3-Playern) gibt, stellt dieser Versuch aufgrund der eigenen Marktmacht den Memory Stick durchzusetzen nur ein größeres Ärgernis für viele Kunden dar. Schließlich will man ja nicht für jedes Gerät einen eigenen Kartenleser an den PC hängen. Intel versuchte übrigens aus selbigen Motiven mit dem USB-Bus Firewire von den Mainboards fernzuhalten, da man mit letzterem ebenfalls keine Lizenzzahlungen einheimsen konnte. Hier schließt sich auch wieder der Kreis zur VX2000, die nun ebenfalls mit einem USB-Bus ausgestattet ist um digitale Fotodaten in den PC speisen zu können.
Aber keine Angst, natürlich besitzt der Camcoder auch eine Firewire-Schnittstelle, die sogar von Haus aus DV-In beherrscht. Wie andere aktuelle Sony-Modelle kann die Kamera nun auch analoge Signale (FBAS und Hoside) aufzeichnen.
Gegenüber dem Vorgänger wurde die Kamera auf den neuesten Stand der Technik gebracht: So unterstützt sie nun wahlweise 12/16 Bit Ton und besitzt eine LP (Long-Play)-Option. Der ND-Filter läßt sich jetzt in zwei Stufen (70% und 100%) hinzuschalten. Außerdem finden sich um das Objektiv zwei Drehräder mit welchen sich der 12-fach Zoom (digital 48fach) und die Schärfe manuell justieren lassen. Leider greifen diese Räder nicht direkt auf die Optik zu, sondern steuern nur weitere Motoren, welche die jeweilige Aufgabe übernehmen. Daher stellt sich auch hier nicht ein wirklich analoges Feeling wie bei einer Spiegelreflexkamera ein.
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