Newsmeldung von slashCAM:Nicht mehr zum lächeln? -- Intelligente Twitter-Camcorder von heidi - 1 Apr 2009 12:00:00
Nachdem ein automatischer Youtube-Upload mittlerweile bei Consumer-Camcordern beinahe obligatorisch ist, zeichnet sich die nächste Stufe der Vernetzung ab. So will ein amerikanisches Startup namens primeAPP, Inc. eine Kamera entwickelt haben, über die automatische Twitter-Einträge vorgenommen werden können. Möglich soll dies über einen gewaltigen Intelligenzsprung des internen Camcorderprozessors sein, wobei Intelligenz wie immer bei Geräten heißt: Daten generieren, auswerten, verknüpfen. So soll die Kamera in der Lage sein, eine Vielzahl an Informationen aus den Videodaten auszulesen, und diese dann in einfachen Sätzen zusammenzufassen:
1. Ortung per GPS -- "Stehe am Alexanderplatz". GPS ist in Camcodern noch nicht sehr weit verbreitet, aber an sich auch nicht wirklich revolutionär. Da die Satellitendaten aber nicht meter-genau sind, soll es außerdem als Ergänzung eine Texterkennung geben. Über einen Establishing-Shot kann dann exakt formuliert werden -- "Stehe vor dem U-Bahnhof am Alexanderplatz"
2. Gesichtserkennung -- "Stehe vor dem U-Bahnhof am Alexanderplatz mit Kassi"; über eine Verknüpfung mit Social Networking-Portalen wie Facebook uä. können auch Personen, die man nicht selbst getagged hat, erkannt werden. (Erst letzte Woche wurde mit
Photo Finder für Facebook ein Tool zur Gesichtserkennung vorgestellt, das erstaunlich exakte Ergebnisse liefern soll.) Auch sind auf diese Weise Zusätze wie ".. mit meiner Freundin Kassi" möglich, da auf alle Infos zu einer Person zugegriffen wird (Stichwort Verknüpfung, siehe unten). Passanten, die im Hintergrund durch das Bild gehen, sollen allerdings nicht erfasst werden.
Die Gesichtserkennung soll rudimentäre Gesichtsausdrücke interpretieren können, nebst dem mittlerweile selbstverständlichen lächeln etwa lachen, weinen, flirten, Zähne zusammenbeissen. (lachen = "Sie ist gut gelaunt.") Geplant ist als Premium-Erweiterung eine Verknüpfung mit einer Datenbank über Micro-Expressions. Diese Gesichtsausdrücke sollen vom Menschen nicht willentlich kontrollierbar sein, nur den Bruchteil einer Sekunde andauern, und im Gegensatz zu den normalen Mienen etwas über den tatsächlichen Gemütszustand einer Person verraten. ("Sie lacht, aber ist beunruhigt.")
3. Spracherkennung -- neben der Texterkennung soll auch Gesprochenes erkannt und transkribiert werden ("Sie sagt: ich gehe jetzt"). Ähnliches ist bereits von einigen Schnittapplikationen oder Online-Videodiensten bekannt. Auch (Hintergrund-)Musik kann über eine Verknüpfung mit mehreren Datenbanken im Internet identifiziert werden.
Neben dem Erkennen von Bildelementen ist der Zugriff auf Datenbanken (im Internet) essentiell, damit die identifizierten Inhalte sinnvolle zugeordnet, ergänzt und interpretiert werden können. Es soll prizipiell möglich sein, auf eine Vielzahl von Datenbanken und Diensten zuzugreifen (etwa auch, um Logos und Markenzeichen zu erkennen). Aber vor allem sollen Informationen über frühere Aufnahmen eines Users (oder besser einer Kamera) auf firmeneigenen Server abgelegt werden. So können dann Bezüge zu vergangenen Momenten hergestellt werden, je nach dem ob an der Stelle schon einmal gefilmt wurde, eventuell mit der gleichen Person im Bild -- dann tauchen die Worte "wieder", "wie immer", "ausnahmsweise" auf in den Zusammenfassungen auf. Diese Informationen im Useraccount können wohl auch öffentlich zugänglich gemacht werden ("letzte woche war sie ohne mich hier")
Soweit also die datenbasierte Intelligenz. Das wirklich Neue ist jedoch der Output in Form von Text. Über die Algorithmen, die sinnvolle Sätze generieren sollen, ist wenig konkretes bekannt, jedoch dürfte es sich günstig auswirken, daß Twittereinträge mit ihren max. 140 Zeichen meist im extrem verkürzten Telegrammstil verfasst werden -- syntaktische Schwächen lassen sich hier noch am ehesten kaschieren. Für den eigenen Gebrauch oder für Blogeinträge stehen ausführlichere Versionen zur Verfügung, hier müßte man vermutlich noch manuell nachbessern.
Der Camcorder, der selbstverständlich hochauflösend aufnehmen wird, kann sowohl über UMTS als auch WLAN mit der Außenwelt Kontakt aufnehmen, und die "Tweets" beinahe in Echtzeit schicken (jeweils eine pro fertigem Take). Weitere Spezifikationen sowie ungefähre Preisangaben stehen noch aus. Vorgestellt werden soll der Prototyp zwar nicht Rahmen der NAB (die sich ja an ein professionelles Publikum wendet), jedoch auf einem Event, der gleichzeitig stattfinden soll, und zwar ebenfalls in Las Vegas.
Eigentlich vereint diese Entwicklung zwei Trends, wovon der eine bedenklich, der andere gegenläufig ist, nämlich einerseits die zunehmende Überwachung, die eine Einschränkung der Privatsphäre zur Folge hat, und andererseits die Rückkehr des geschriebenen Wortes. Jedenfalls ein völlig neuer Sinn des alten Genres "Écriture automatique"...
Dies ist ein automatisch generierter Eintrag
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Antwort von rakzak:
Sehr schön, und am abend möchte ich dann dass der Camcorder mir die Aufnahmen des Tages als Gute-Nacht-Geschichte rekapitulativ vorliest :-)
Antwort von Chezus:
Willkommen im april?!
Antwort von Frank B.:
Wenigstens ist diese Nachricht nicht so plump gemacht, wie der Aufmacher in der Zeitung, die mir heute ins Haus flatterte.
Dort wird von einem Züchter berichtet, der Hühner gezüchtet hat, die bunte Eier legen.
Dabei gibts die ja schon lange, sonst hätten wir ja keine Ostereier!
Frank
Antwort von SixFo:
find ich ehrlich gesagt überhaupt nicht lustig...wir können froh sein, dass wir heutzutage noch keinen chip implantiert bekommen haben, damit man uns noch mehr verfolgen kann...also seid froh, dass das nur ein aprilscherz ist und nicht ne echte nachricht. bis jetzt. dauert nicht mehr lange bis das auch wirklich kommt...
Antwort von inferno_o:
och sixfo. nicht weinen!