Frage von Leppert:Wenn ich einen Dialog filmen möchte und nur mit einer Kamera filme, wie genau mache ich das dann mit der Audioaufnahme?
Angenommen 2 Personen sitzen sich gegenüber. Während sie reden switche ich von einem Closeup in eine Totale. Nun müssten die Schauspieler das gleiche ja noch mal vor der Kamera sagen damit es mit den Lippenbewegungen stimmt... nehme ich dann den Dialog erst mal im Closeup auf und lasse es dann während der anderen Einstellung laut ablaufen damit sie es nachsprechen können (damit es mit den Lippenbewegungen sitmmt) und den Ton nehme ich dann beim Schnitt nur von der Closeup aufnahme oder wie ist das die normale Herangehensweise?
Antwort von WoWu:
Tu Dir das nicht an.
Nimm gleich zwei Kameras.
Ansonsten nimmst Du immer den Ton, der zum Bild gehört.
Wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht gehen sollte, lass ihn beim zweiten Durchgang den gesamten Take durchsprechen.
Kurze eingeschobene Sätze funktionieren nicht, weil ganz anders geatmet und betont wird.
Aber, ganz im Ernst, .. nimm 2 Kameras.
Du wirst "glücklicher" mit dem Ergebnis.
Antwort von beiti:
Zwei Kameras kann man nehmen, aber es ist bei weitem kein Allheilmittel. Viele große Filme wurden mit nur einer Kamera gedreht. Das Filmen mit mehreren Kameras ist üblich z. B. für aufwendige Action-Szenen und Stunts; für Dialogszenen braucht man es nicht unbedingt.
Zunächst mal solltest Du, zumindest als Anfänger, den Ton möglichst in beiden Einstellungen gleich aufnehmen (gleicher Mikrofon-Mund-Abstand), damit der Klang sich nicht groß unterscheidet. Das kann bedeuten, auch in der engeren Einstellung das Mikrofon so weit weg zu platzieren wie vorher in der Totalen. Das ist zwar qualitativ nicht optimal (normalerweise sagt man: Mikrofon so nah ran wie möglich), aber es spart Dir hinterher eine aufwendige Klang-Anpassung während der Mischung.
Beim Schnitt ist das immer ein bisschen Probieren und Tüfteln. Natürlich darf der Tonschnitt nie mitten im Redefluss liegen, sondern in einer Sprechpause. Allerdings musst Du Bild und Ton nicht gleichzeitig schneiden, sondern kannst die Schnitte auch gegeneinander versetzen. Das bedeutet, dass auch mal für einen halben Satz der Ton, den man hört, aus einer anderen Einstellung als der im Bild gezeigten stammt.
Als Faustregel muss der Ton in der nahen Einstellung synchroner sein als in der Totalen; also Du kannst den Ton auch mal von der Nahen verwenden, während das Bild schon die Totale zeigt; umgekehrt klappt manchmal auch, aber nicht so oft.
Wenn die Schauspieler ihren Text einigermaßen reproduzierbar aufsagen und die Kamera nicht zu nah dran ist, kann man manchmal sogar den Ton aus einer völlig anderen Einstellung "hinbasteln" und auf diese Weise eine sonst nötige Nachsynchronisation vermeiden. Also wenn es z. B. eine Einstellung gibt, die mit Drohne oder motorisiertem Dolly gedreht wurde, so dass der O-Ton nicht verwendbar ist, holt man sich einfach den Ton aus einer oder mehreren anderen Einstellungen, die ohne Tonstörung gedreht werden konnten.
Man kann, wenn es nicht auf Anhieb passt, die Sätze etwas enger zusammenschieben - oder sie auseinanderziehen und die Lücken mit Atmo füllen. Atmo kann man auch zumischen, wenn der Ton "weiter weg" klingen soll.
O-Ton-Bearbeitung ist viel Bastelarbeit. Ist aber heute am Computer keine so große Sache mehr.