von Michael Ballhaus, Tom Tykwer (Mitarbeiter) Das fliegende Auge. Berlin Verlag Gebundene Ausgabe - 261 Seiten ISBN: 3827004608 22,00 Euro
Michael Ballhaus, ein wirklich legendärer deutscher Kameramann, macht seit über 40 Jahren Filme. Klar, daß das nicht nur in der Filmografie Spuren hinterläßt (die umfaßt mittlerweile 17 Seiten), sondern da sammelt sich vor allem eine beachtliche Menge an Erfahrung und Wissen an. Nun hat Tom Tykwer (Regisseur von u.a. "Lola rennt") Ballhaus im übertragenen Sinne an die Hand genommen und ihn durch die Erinnerungen an sein Filmschaffen geführt. So ist neben Memoiren in Dialogform (ähnlich wie bei "Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht?") gleichzeitig auch eine faszinierende Erzählung über das Filmgeschäft im Wandel der Zeit entstanden.
Ballhaus, der jahrelang Fassbinders erste Wahl war, um anschließend nach Hollywood zu wechseln, wo er nach wie vor mit Regiegrößen wie Francis Ford Coppola, Wolfgang Petersen und Scorsese zusammenarbeitet, hat zu fast jedem Film mindestens eine Anekdote auf Lager. Dabei geht es meistens nicht nur um Schauspielerallüren, sondern wirklich darum, wie und unter welchen Bedingungen man als Kameramann mit Regisseuren und Schauspielern zusammenarbeitet.
Sehr interessant wird es natürlich, wenn er auf die Drehtechniken selbst zu sprechen kommt, und auf die Probleme, mit denen er sich bei diesem oder jenem Film konfrontiert sah, wenn mal wieder nicht genügend Licht zur Hand war, oder kein Platz für eine Kamerakreisfahrt, die ja mittlerweile zu seinem Markenzeichen geworden sind. Hier erfährt man z.B., daß es durchaus möglich ist, ein Auto mit Christbaumkerzen auszuleuchten. Und obwohl die Low-Budget-Zeiten bei Ballhaus passé zu sein scheinen, so greift er immer noch gerne auf gute alte Tricks zurück, die zT. noch aus der Stummfilmzeit stammen - und das mit beeindruckenden Resultaten.
Eigentlich wäre das tollste gewesen, wenn dieses Buch (wenn auch mit schönem Einband und vielen Bildern) nicht ein Buch, sondern eine DVD wäre, mit den entsprechenden Filmausschnitten dabei, damit man immer gleich sieht, von welchen Kamerabewegungen die Rede ist. Aber man kann ja nicht alles haben, und so begnügen wir uns mit diesem unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen in Textform.
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