iasi hat geschrieben: Sa 13 Jun, 2026 09:11
Die Mission 1 Pro hat für mich eine zentrale Schwachstelle:
Das Objektiv ist noch weitwinkliger, als das der Hero 13. Hinzu kommt der größere Sensor, der die Schärfentiefe verringert.
Das ergibt dann in Kombination, dass alles entweder klein und weit entfernt oder unscharf ist.
Ich muss sehr nah heran, um z.B. auch nur eine Nahe zu bekommen - selbst im L-Crop. Dann aber trotz kamerainterner Korrektur gerade zu den Seiten hin, die Verzerrung enorm, und sehr schnell ist man dann außerhalb des Schärfentiefenbereichs.
Das Objektiv schränkt also die Gestaltungsmöglichkeiten erheblich ein.
Die ILS-Version wird das Problem zwar beheben, aber die GoPro dann ihrer Robustheit und Wasserfestigkeit berauben. Etwas größer und schwerer wird sie dadurch auch.
Genervt hat mich, dass man sehr genau darauf achten muss, welche Einstellungen sich die GoPro bei den Profilen dann auch "merkt". Ich hatte zuvor in den Profilen auf log2 gestellt - auch mit "auf alle anwenden" - und doch bekam ich dann keine GP-log2-Aufnahmen auf die Karte geschrieben, als ich auf ein Profil mit 4k/200fps wechselte.
Die 1080/960fps bekommt man nur in 8bit und nicht in log.
10bit/log gibt´s nur bei maximal 1080/480fps.
Mal abwarten, welche Einschränkungen die ILS z.B. beim wirklich guten GoPro-Stabi mit sich bringen wird.
Mit einem 10mm/f3.5-Objektiv hätte man dann eine kleine Kamera mit (hoffentlich stabilisierten) ca.30mm-KB, 20cm Naheinstellgrenze und immerhin bis zu 4k/240fps/10bit/log.
Die Mission 1 Pro ist für mich in ihren Einsatzmöglichkeiten ebenso beschränkt, wie die Hero13.
Mit der Linse kann sie ihren Auflösungs- und Sensorgrößenvorteil nicht so recht ausspielen.
Um hier mal wieder kurz medientechnische Fachkompetenz einzubringen möchte ich dir noch einmal erklären, wieso dir die ILS auch nicht wirklich weiter helfen wird. Und ich mir fast schon sicher bin, dass du nach deinen jetzt schon wieder schlechten Erfahrungen mit der Mission Pro von einem Kauf absehen wirst.
Merkst du eigentlich noch selbst, in was für eine absolute medientechnische Sackgasse du dich da hineinmanövrierst?
Da schwärmst du wochenlang von der kommenden ILS-Version der GoPro Mission 1 Pro und merkst vor lauter Elfenbeinturm-Theorie gar nicht, dass dein ganzer Plan von der großen Kino-Revolution gerade spektakulär an der Physik zerschellt.
Nativ liefert der 1-Zoll-Sensor der normalen Mission 1 Pro in Kombination mit der fest verbauten, per EDV optimierten f/2.8 Linse einen ordentlichen Dynamikumfang von rund 11 bis 12 Blendenstufen.
Jetzt willst du eine günstige, rein mechanische 7Artisans- oder Meike-Linse für bis zu 800 Euro davorflanschen.
Damit dieses Billig-Glas an den Bildrändern nicht komplett matschig absackt und das Bild durch inneres Streulicht nicht völlig flau wird, musst du die Linse auf mindestens f/5.6 abblenden. Erst dort liegt der optische „Sweet Spot“ dieser Spar-Linsen.
Weiter abblenden darfst du wegen der einsetzenden Lichtbeugung bei der hohen Pixeldichte des kleinen Sensors eh nicht. Durch dieses Abblenden nimmst du dem Sensor massiv Licht weg, was deine ISO-Werte um den Faktor 4 nach oben treibt.
Das hast du ja selbst schon emsig eruiert.
Es kommt aber noch viel dicker für dein theoretisches Wunsch-Rig, denn du hast die Funktionsweise des elektronischen Bildstabilisators überhaupt nicht auf dem Schirm.
Damit HyperSmooth fehlerfrei arbeiten kann, benötigt das System knackig scharfe Einzelbilder ohne Bewegungsunschärfe. Rutscht die Belichtungszeit unter Werte von 1/200 oder 1/240 Sekunde, kollabiert die softwarebasierte Stabilisierung und liefert dir einen unbrauchbaren, mikro-ruckelnden „Jitter-Look“. Um dieses Fiasko zu verhindern, darfst du also nicht mit der klassischen, filmischen 1/50 Sekunde drehen, sondern musst die Verschlusszeit manuell auf mindestens 1/200 Sekunde festtackern.
Das Entziehen dieser Zeit schluckt noch einmal zwei volle Blendenstufen an Licht. Zusammen mit dem Abblenden deiner mechanischen Linse summiert sich dieser Lichtverlust auf astronomische vier bis fünf Blendenstufen.
Deine Basis-ISO schießt im Automodus schnurstracks hoch auf ISO 1600 oder ISO 3200.
Bei ISO 3200 bricht der Dynamikumfang des 1-Zoll-Sensors komplett ein. Dir bleiben netto vielleicht noch jämmerliche 6 bis 7 Blendenstufen an realer Dynamik übrig.
Der Rest versinkt in einem kochenden Meer aus digitalem Rauschen. Wer in so einem Szenario noch ein flaches 10-Bit Log-Profil auf die Karte schreibt, betreibt medientechnische Leichenfledderung.
Du codierst mit vollen 10 Bit schlichtweg die maximale Farbtiefe deines Sensor-Rauschens. Jedes stinknormale Smartphone liefert dir im Automodus ein saubereres Bild.
Die integrierte Optik der normalen Mission 1 Pro umgeht dieses Dilemma elegant, weil sie bei vollem Lichteinfall auf f/2.8 bleibt, die optischen Fehler digital auf Chiplevel rausrechnet und die ISO im rauscharmen Keller hält.
Mit deiner geplanten 800-Euro-Zusatzinvestition für eine manuelle Linse an der ILS-Version kaufst du dir also für teures Geld die physikalische Garantie für ein verrauschtes, dynamikbefreites und trotz HyperSmooth komplett verwackeltes Bild.
Aber hey, Hauptsache du hast im Forum wieder monatelang über Wechsel-Mounts philosophiert, während wir am Set einfach die funktionierende Standard-Kiste einschalten und abliefern. Merkste selber, oder? ;)