iasi hat geschrieben: Do 25 Feb, 2021 20:43
Die Strahlendosis eines Jahres erhält man in Tschernobyl auch heute noch bei einem Aufenthalt von 10 bis 20 Tagen.
Wo hast Du denn diese Info her?
Also in Deutschland herrscht eine Hintergrundstrahlung von circa 0,24 Microsievert pro Stunde.
Lustigerweise ist die Hintergrundstrahlung in der Exclusion Zone an den meisten Spots deutlich niedriger, nämlich zwischen 0,11 und 0,15 Microsievert pro Stunde.
Nur an diversen Hotspots, die aber nur sehr punktuell sind, steigt die Strahlung dann auf bis zu 800 Microsievert (als absolutes Extrem) . Dort hält man sich aber dann gar nicht oder nur sehr kurz auf. Aber insgesamt kann man sich heutzutage bedenkenblos 365 Tage in der Zone aufhalten, wenn man eben die Hotspots (die durchaus alle bekannt sind) meidet.
Es gibt viele Orte auf der Welt, wo die natürliche Strahlung die in Prypjat um ein vielfaches übersteigt. Wenn eine leicht erhöhte Hintergrundstrahlung ein Indiz für erhöhte Sterblichkeit wäre dann müssten beispielsweise in NYC alle sterben.
iasi hat geschrieben: Do 25 Feb, 2021 20:43
Du trennst radioaktive Elemente, die der Körper aufnommen hat, von Strahlung. Aber das Problem sind genau diese Elemente, die im Körper weiterhin Strahlung freisetzen. Das alte Hausmittel Jod wirkt doch auch heute noch, weil es die Aufnahme bremst.
Und die Gefahr der Weitergabe dieser Partikel ist durchaus gegeben.
Und wenn jemand wirklich stark kontarminiert ist, dann geht zwar nicht von ihm, aber eben doch von den Partikeln Strahlung aus.
Ein Ackerboden selbst wird nicht radioaktiv, aber er nimmt radioaktive Partikel auf.
(....)
Und auch deine Zählung der Opfer greift zu kurz. Du rechnest nur die Opfer ein, die durch hohe Strahlendosen recht schnell verstarben.
Das ist alles ein überaus komplexes Thema. Natürlich ging von den Feuerwehrmännern die ins Krankenhaus gebracht wurden eine massive Gefahr aus. Denn sie hatten noch ihre Kleidung an, ihre Haare waren nicht gewaschen oder rasiert. Es gibt leider keine fundierten Kentnisse welche Krankenschwestern genau mit diesen Klamotten in Kontakt kamen. Jedenfalls sollten diese gesundheitliche Probleme bekommen haben. Die Patienten wurden aber bereits in Prypjat gewaschen und oberflächlich dekontaminiert. D.h. alle aufgenommenen Nuklide sind dann nur noch im Verdauungsapparat oder in der Lunge. Es gibt Beobachtungen dass die Nuklide in der Lunge sich dort entweder dauerhaft einnisten oder direkt wieder ausgeatmet werden. Dazwischen gibt es quasi nichts. D.h. der einzige, der sich eventuell darüber Gedanken machen muss, ob sein Kontakt mit den Patienten gefährlich ist oder nicht, ist der Typ der die Bettpfannen und die Urinflaschen geleert hat. Aber ich bin mir sicher dass man da sehr vorsichtig war. Aber was da bei HBO behauptet wurde ist so falsch. Auch die Szene mit dem Beton um die Särge ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht fundiert.
Es gab ähnliche Fälle wo im sovjetischen U-Boot K129 ein Reaktorschaden 5 Freiwillige veranlasste, dort hinter einem Schott diverse Ventile zu öffnen. Diese Freiwilligen wurden akut und tödlich verstrahlt. Die übrigen Matrosen wurden auch verstrahlt, aber nur über die Nuklide, die die verstrahlten Personen über die Kleidung und die Haare hinter das Schott gebracht haben. Aber nur unwesentlich und soweit ich das recherchieren konnte haben die Überlebenden davon keinen nachhaltigen Schaden getragen. Denn was viele nicht wissen. Die meisten Radionuklide scheidet der Körper unbeschadet wieder aus. Was nicht verharmlosen soll wie hoch das Restrisiko trotzdem ist.
Die Zählung der Opfer durch die Absorbtion durch Fallout habe ich bewusst weg gelassen, weil die Zahl reine Orakelei ist. Und sich bereits Atomkraftgegner sehr uneinig sind über die Zahlen. Interessant ist dass es relativ wenig Krebs gab (was ja der Laie immer denkt wenn er an Radioaktivität denkt). Eher banale Gesundheitsprobleme wie allgemeine Immunschwächen, Probleme mit den Zähnen etc. Aber natürlich gar es auch einen deutlichen Anstieg bei Schilddrüsenkrebs.
EDIT: Ich will damit aber nicht den Aufenthalt in der Exklusion Zone komplett verharmlosen. Man KANN sich dort mit gewissen Spielregeln 365 Tage im Jahr aufhalten. Aber es ist nach wie vor kein Lebensraum für ein alltägliches Leben, wo Kinder unbeaufsichtigt aufwachsen könnten. Und es natürlich ein deutlich erhöhtes Restrisiko gibt.
Aber grundsätzlich würde ich sagen dass das Thema nichts mehr mit der FX3 zu tun hat. Da müssten wir dann doch einen anderen Thread für Offtopic aufmachen.