Jalue hat geschrieben: Do 30 Nov, 2023 10:35
In gewisser Hinsicht wird sich die Produktion von Filmen dadurch demokratisieren, worauf ich mich freue. Im Gegenzug werden bestimmte Geschäftsmodelle und Berufsbilder verschwinden oder sich wandeln, z.B. in der Werbung und beim Animationsfilm.
Ich hoffe es. Aber selbst das Beispiel mit Stift und Schreiben zeigt, dass Demokratisierung nicht unbedingt dazu geführt hat, dass mehr Menschen trotz niederschwelligstem Zugang (Denken, Schreiben, vorhandene Materialien) etwas aus ihrer Kreativität machen.
Und weil Du Berufsbilder ansprichst: Autoren verdienen jetzt schon sehr wenig (mit sehr wenigen Ausnahmen), ähnlich zu den meisten Filmemachern (Prekariats-Thread gab's hier vor einiger Zeit). Ich kann das nicht belegen, aber offensichtlich führt Demokratisierung gleichzeitig zu Massenangebot und räumt ganze Branchen auf. Selbst die Werbeagenturen jammern mittlerweile (die, die davor schon keine Auftragsfotos mehr machen ließen, sondern Stock gekauft haben), dass sie mittlerweile nicht mal mehr dazu gebraucht werden und Copy + Bild irgendwer in der Marketingabteilung AI-gestützt macht.
Das kann man jetzt ja gut oder schlecht finden. Aber folgt man der Spur des Geldes landet man letztendlich bei Großkonzernen und Oligopolen (ich vermeide mal Monopol, aber wir sind oft eher da als beim Polypol), welche die Ai anbieten (klar heißt das Open Ai, im Endeffekt fallen in der Praxis immer Adobe, Google und Microsoft, welche sich die Startups halt einverleiben, wenn die mal Geld brauchen) und wenig bei "demokratischen" Kleinunternehmern, welche sich den vereinfachten Zugang zunutze machen.
Oder glaubst Du wirklich Hinz oder Kunz AIed sich den nächsten Blockbuster, der Barbie 4 auf einmal die Zuschauerzahlen abgräbt und der Kampf Studio vs. Hinz One-Man-AI-Productions geht an letzteren? Ich glaube nicht, dass das mit Pessimismus zu tun hat, machmal wäre ein bisschen Realismus bei aller Romantisierung von niederschwelligem Zugang gut.