Darth Schneider hat geschrieben: Do 25 Feb, 2021 17:22
Oder nach Tschernobyl dort Filmen wo der Reaktor war.
Dann kannst du die grosse metallene ARRI gleich dort lassen...
Eine kleine Kamera könnte man ev noch schützen...Kleinere Angriffsfläche ;)
Gruss Boris
Auch wenn das schon in den Bereich des OFFTOPICS geht:
Das ist zwar das was man denkt wenn man sich nicht so sehr mit Strahlung beschäftigt hat, aber tatsächlich ist "Strahlung" dort das geringste Problem. Erst recht für die Kameras.
Ich würde bedenkenlos auch eine teure Kamera mit in den Kontrollraum von Reaktor 4 nehmen. Dort herrscht keine Alpha-Strahlung mehr, die solche Geräte "zerschießen" kann. Oder die früher diese Lichtblitze in den S16-Film belichtet hat. Die Alpha-Strahlung lag nur vor weil damals bei der Havarie wirklich Brennstäbe (Pu-239) und Moderationsgraphit im Freien herum lagen. Es sind nachweislich auch nur die Feuerwehrleute, ein paar Reaktorfahrer und soweit ich weiss ein paar Helictoperpiloten bzw Insassen an der direkten Strahlung gestorben. Der langfristige Impact an strahlenbedingten Erkrankungen ist gemessen an der Havarie und denm freigesetzten Isotopen vergleichsweise gering ausgefallen, was andere, sehr spezielle Gründe hatte.
Zudem ist Strontium 90 nach 28 zerfallen und damit seit circa 5 Jahren nicht mehr vorhanden. Heute ist da nur noch Gamma-Strahlung. Und die ist in vielerlei Hinsicht relativ unbedenklich und nur über einen langen Zeitraum gesundheitsschädlich.
Auch die HBO-Serie hat sehr viel Nonsens hervorgebracht. So etwa waren die verstrahlten Reaktorfahrer und Feuerwehrmänner selbst NICHT strahlend, auch wenn das dort so behauptet wird. Deren Zellen wurden eben direkt durch sehr starke Alpha-Strahlung zerstört. Der Vorhang im Krankenhaus sollte nicht etwa Angehörige oder Klinikpersonal vor der Strahlung schützen, sondern die Patienten vor den Keimen. Es dauert tatsächlich recht lange bis Gegenstände selbst soviel Strahlung aufnehmen, dass sie selbst strahlen. Aber dann nur durch direkte, unmittelbare Alpha-Strahlung, aber nie durch Gamma-Strahlung. Soweit zumindest ist mein Wissen. Und ich hab mich recht ausgiebig mit Atomphysikern darüber unterhalten. Es gibt auch immer ein Mißverständnis zwischen Strahlung und der Gefahr von Radionukliden, die als Staub in den Körper gelangen können. Das sind 2 verschiedene paar Stiefel.
Das allergefährlichste in Tschernobyl ist aktuell tatsächlich Tollwut. In den letzten Jahren wurden wiederholt Leute dort von Füchsen attackiert und es gab tatsächlich einige Todesfälle unter Waldarbeitern deswegen. Und natürlich sollte man nicht ohne entsprechenden Schutz in diverse Keller oder Bunker gehen, die nicht dekontaminiert wurden. Im Hospital 126 lagern im Keller die Uniformen und Stiefel der Feuerwehrleute, die den Brand beim Reaktor gelöscht haben. An der Kleidung und speziell den Stiefelsohlen haften bis heute noch sehr viele Alphastrahler, also Radionuklide direkt aus dem havarierten Reaktorkern. Die schweben dort auch unkontrolliert herum und könnten eingeatmet werden. Das wäre dann in der Tat sehr ungesund und kann im schlimmsten Fall tödlich sein. Wenn man in diesen Keller geht muss man eine Vollvisiermaske mit militärischen Filtern tragen, einen Komplettanzug der nochmal an den Übergängen abgetapet ist. Und beim Rausgehen sollte man bevor man Anzug und Maske auszieht kurz abgeduscht werden, damit eventuell anhaftende Radionuklide weggespült werden und nicht aufgewirbelt und inhaliert werden. Aber ansonsten ist die Zone zu 99,9% frei von solchen Alphastrahlern.
Das Problem mit einer Alexa 65 in Tschernobyl ist eher das, dass man mit der nur offiziell auftreten kann. Und dann kriegt man halt auch nur das zu sehen was die wollen was man sieht. Und sich dort kaum bewegen kann. Die interessanten Motive muss man oft ein wenig erklettern oder sind zumindest mit weiten Fußmärschen verbunden. Ich würde dort nur mit Kameras wie Pocket 6k und A7siii produzieren wollen. Oder auch meiner Fuji X-T3 die ich bei der letzten Mission dabei hatte. Die hat sich gut geschlagen. Mit den ganzen anderen Kameras macht man sich vielleicht wichtig, aber auch nur das. Beim ersten Besuch hatte ich eine aufgeriggte FS5 mit Atomos für Interviews dabei. Was für ein unnötiger Ballast das war.
Die bisherige Pocket 6k wäre wegen der unprofessionellen Stromversorgung (ohne extra Geraffel) aus dem Raster gefallen. Die neue mit NP-Akkus betrieben muss ich mir mal holen zum Testen. Das und der ND-Filter ist ein guter Schritt vorwärts.