Frage von JakobAG:Liebe slashcam-Forum-UserInnen!
Ich sehe mir gerne Filme mit besonders ausgefallener Kameraführung an. Schöne, richtige, korrekte fast schon objektiv perfekte Kameraführung hat ihren Wert - schließlich ist diese ja oft genug gefragt (gerade bei TV-Shows, Serien, etc.) aber gestalterisch lernen kann man doch von denen, die etwas vom konventionellen Weg abweichen, am Besten.
Deswegen die Frage bzw. Anregung an Euch: könnt Ihr mir ganz unverbindlich und ohne viel Aufhebens einfach die eine oder andere Empfehlung unten drunter schreiben, von Filmen mit eben so einer "ausgefallenen" Kameraführung bzw. einer, die sich bei Euch besonders eingeprägt hat..
Das CSI besonders gut ausgeleuchtet ist, weiß ich, aber das fällt für mich nicht unter "ausgefallen" sondern vielmehr unter konventionelle Bild- und Farbgestaltung mit modernen, actionfördernden Ansätzen im Schnitt.
Mich interessiert jedoch eher das Gegenteil: Filme/Serien mit weniger hohem Bekanntheitsgrad, wo die Kameraführung auch nicht unbedingt die perfekteste sein muss - denn, wie gesagt, diese inspirieren gestaltungstechnisch am meisten! Ich vertrau jedoch darauf, dass Euch jetzt klar ist, welche Art von Kameraführung ich hier unbeholfen versuche zu beschreiben.
Ziel: von Filmen/Serien Kamera- und Gestaltungstechnisch möglichst viel lernen/inspiriert werden!
Vielen Dank schon im Voraus!
LG JakobAG
Ps.: sollte Euch spontan nichts einfallen lasst Euch bitte Eure Zeit nicht nehmen indem Ihr Antworten schreibt, die vielleicht nicht unmittelbar hilfreich sind... :)
Antwort von Mantas:
pixelschatten
http://www.vimeo.com/21530036
auf jeden fall ausgefallen :)
im mai bei zdf zu sehen.
Antwort von Axel:
Der Kinofilm "Children Of Men" hat mich verblüfft, indem er jedesmal, wenn etwas Aufregendes passiert, nicht mehr schneidet, also genau anders, als man es normalerweise machen würde. Die Kameraführung ist "unmöglich", das Making of auf der DVD erklärt dann auch, dass es eigentlich doch mehrere Takes sind, die in der Post zusammengemorpht sind.
Der Film "Enter The Void" ist aus dem POV eines Toten, dessen Seele natürlich nicht mehr an die Schwerkraft gebunden ist. Dasselbe Prinzip: Unmögliche Kamerabewegungen- und Positionen, durch massig CGI unterstützt. Der Film ist ein Kinofilm, der auch zuhause nur exklusiv, unter Ausschluss sämtlicher weltlicher Ablenkungen, zu würdigen ist (es gibt wenige Filme, bei denen man das betonen muss, dieser gehört dazu).
Sehr interessant für manche Sujets könnte die Ballerspiel-Ästhetik sein, aufgrund ihrer ungewöhnlichen Merkmale: Absolute Schärfentiefe, quasi absolute Bewegungsauflösung, statt Schnitten abrupte Positions- und Brennweitenwechsel (bzw. "unmögliche" Weitwinkel, YouTube-Suche "Left4Dead").
Antwort von JakobAG:
Vielen Dank für die Antworten!
Werde mich gleich morgen Samstag bei einem gemütlichen Kaffee morgens hinsetzen und mir Eure Empfehlungen zu Gemüte führen!
Freue mich auch auf weitere Posts!
Danke und liebe Grüße!
JakobAG
Antwort von jogol:
"Irreversibel" von Gaspar Noe. Der hat auch den von Axel empfohlenen "enter the void" gedreht. Der Film beginnt mit dem rückwärtslaufenden Abspann und endet mit dem Anfang. Ist sehr verstörend.
"Sans Soleil" von Chris Marker. Ein Film, der die Montage den philosophischen Texten unterwirft.
"Verschwörung der Frauen" von Peter Greenaway. Einfach mal anschauen...
"Step across the border" von Nicolas Humbert und Werner Penzel als Beleg, wie filmisch und gut getimed ein Musikerportrait sein kann.
Antwort von sachs:
Fallen (von Gregory Hoblit, mit Denzel Washington, Donald Sutherland und John Goodman). Lief vor Jahren mal in der Glotze und ich hatte mitten in der Nacht reingezappt. Wegen der Kamera blieb ich hängen.
Newton Thomas Sigel war der Kameramann, wie
wikipedia später verriet.
Antwort von Axel:
Als ich Anfang der Neunziger zufällig nachts in einem dritten Programm auf "Zeugenaussage" zappte, blieb ich gebannt davor sitzen, wegen der Kamera, wegen der Musik, wegen der Montage (z.B. von echtem, historischem Material mit dem überwiegenden, expressionistischen SW, aber auch der Sound- und Musikmontage, wenn z.B. das Stampfen von Maschinenmotoren immer wieder in die Musik eingeschlichen wird), wegen der Sets, wegen der drängenden, verzweifelten Erzählerstimme. Zuletzt, erschlagen von soviel Wegen, wegen des genialen Konzepts.
Oft fährt eine Steadicam - Weitwinkelkamera sehr schnell rückwärts, vor Schostakowitsch her, und alle möglichen bürokratischen, technischen, architektonischen Alpträume fließen von den Rändern her ins Bild.
Der Film ist als ein Nachruf auf sich selbst konzipiert, Kingsleys shakespeare-geschulte Stimme ("I
am dead: How else should I be smiling?") verliest Schostakowitschs Tagebuch, in dem er nicht darüber hinwegkommt, dass das Monster Stalin nicht nur die Menschen terrorisiert, sondern sogar die Musik.
Auf Amazon wurde ich fündig und kaufte die englische DVD. Das zeigte mir, dass der Film im Original verschollen ist, denn die DVD ist kaum besser als die YouTube-Version von
Testimony, es ist nämlich offenkundig ein VHS-Rip.
Antwort von cantsin:
Grosse Empfehlung: Die DVD "Visions Of Light: The Art Of Cinematography" des British Film Institute (BFI),
http://ftvdb.bfi.org.uk/sift/title/472723, bei Amazon und einschlägigen Händlern erhaeltlich. Ein Dokumentarfilm ueber die Geschichte der Kameraführung und -ästhetik vom Stummfilm bis heute, der epochemachende DOPs vorstellt, z.T. auch in Interviews, und stilbildende Filme in Ausschnitten zeigt. Faszinierend und lehrreich.
Antwort von DWUA:
...Sehr interessant für manche Sujets könnte die Ballerspiel-Ästhetik sein, aufgrund ihrer ungewöhnlichen Merkmale...
Gilt auch für folgendes Musikvideo von ~00:20 bis ~03:10
(BitteTon ausschalten!):
;))
Antwort von Axel:
...Sehr interessant für manche Sujets könnte die Ballerspiel-Ästhetik sein, aufgrund ihrer ungewöhnlichen Merkmale...
Gilt auch für folgendes Musikvideo von ~00:20 bis ~03:10
(BitteTon ausschalten!):
Danke, der zweite Teil (gezeichnet) war deutlich besser. Und noch besser: In
Vorschläge auf der rechten Seite ein toller
Parkour. Bewegung ist der beste Rausch, den man haben kann. Wenigstens laufen sollte man, alles andere ist nur "den Leichnam Gassi führen".
Antwort von DWUA:
Der Clip wurde deshalb nicht zitiert, weil der folgende
im Gegesatz zu den unzählig vielen anderen in Erinnerung geblieben ist:
www.spike.com/video-clips/uul208/dvinsk ... an-parkour
Warum nur?
(Lara Croft wird neidisch!)
;))
EDIT:
Gerade nachgeschaut:
Zuerst kommt der
Weltgesundheitstag (7. April).
Dann der
Palmsonntag am 17.
"
Grün"-Donnerstag am 21.
Der
Karfreitag ist am 22. und am 24./25. sind sonntags und montags
Osterfeiertage.
Am Sonntag, dem ersten Mai ist
Maifeiertag und am 8.
Muttertag.
Vom 11.- 14. Mai kommen
Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius
und dann endlich eine Frau:
Die
kalte Sophie am 15.
Nach
Christi Himmelfahrt am 2. Juni kommt der
Tag des Umweltschutzes (5.6.).
Eine Woche später ist
Pfingsten, am 12. Mai.
Auch montags noch.
Und nun kommt der Tag endlich:
Am 23. Juni ist
Fro(h)nleichna(h)m ...
Axel,
hast es ja bereits gemerkt ;))
Aber meintest du mit "...
Gassi führen..." irgendwas aus
WOW?
Antwort von Axel:
Und nun kommt der Tag endlich:
Am 23. Juni ist
Fro(h)nleichna(h)m ...
Axel,
hast es ja bereits gemerkt ;))
Aber meintest du mit "...
Gassi führen..." irgendwas aus
WOW
World Of Warcraft?
Ehrlich gesagt kenne ich die Ballerspiele gar nicht vom Selberspielen. Interessant finde ich, dass, je "fotorealistischer" sie werden, sie eher hyper- oder surrealer aussehen. Wenn "alles aus dem Rechner" kommt, kommt es zuletzt aus einer utopischen Gegenwelt, in die der Spieler flüchtet. Ungewohnte Perspektiven und eine POV-Allmacht des Auges, wie in diesem Gemälde aus dem
16. Jahrhundert:
zum Bild
Gassi führen? Ist das etwa rheinische Mundart? Es meint, einen Hund spazieren führen, damit er sein Geschäft machen kann (etwa auch Mundart? Urinieren und, ähh, wie heißt das?
Exkrementieren?
*). Im übertragenen Sinne, dass unser Geist unseren Körper manchmal wie einen Hund behandelt, dem gerade noch Grundbedürfnisse zugestanden werden.
Oder: Für einen Spielsüchtigen, Internetsüchtigen, für jeden Süchtigen, aber auch schon für eine Leseratte oder einen Filmfreak besteht die große Gefahr, dass
seinen Leichnam Gassi führen zum Synonym für
leben wird. Die Seele lebt nicht in den jeweiligen Ersatzhandlungen, sie lebt im Körper.
(*EDIT defäkieren, koten)
Antwort von DWUA:
Hallo Axel,
"Seelenhunde" bzw. "Kackleichen":
Alles im hiesigen
OT erhältlich unter dem Stichwort
"leichnam gassi..."!
Wäre hier doch zu sehr außerhalb des Themas.
;)
Antwort von Alan Smithee:
Musikvideo von The Prodigy: "Smack My Bitch Up" gedreht von Jonas Åkerlund
Antwort von High_Tension:
Ich würde da noch "Requiem for a Dream" von Darren Aronofsky empfehlen oder "Stay" von Marc Forster (wenn ich mich recht erinnere hatte der einige wirklich coole dramaturgisch eingesetzte Achsensprünge).
Was ich bildgestalterisch auch richtig gut fand ist "Suspiria" von Dario Argento (ein bisschen alt vielleicht....aber hat irgendwie was).