Einen 35mm Adapter nur wegen des Looks einzusetzen, ist für viele - und anscheinend auch für TMaekler - naheliegend , aber es ist tatsächlich ein Missverständnis. Ein kleiner DOF erweitert lediglich die Möglichkeiten, das Motiv herauszustellen. Gleichzeitig
zwingt er dir einen bestimmten Look auf, nämlich eine Weichzeichnung, die es problematisch macht, Aufnahmen ohne Adapter dazwischenzuschneiden. Also
zwingt er dir auch eine Arbeitsweise auf, die sehr viel mehr Geduld und Sorgfalt verlangt als gewohnt.
Für das Ziel, das Motiv herauszustellen, gibt es Alternativen. Beim Film ist der kleine DOF gratis, dennoch beherzigen Filmleute die meisten dieser Möglichkeiten (und es sind lange nicht alle "Regeln der Kunst", die zu besseren Bildern beitragen). Ich zitiere mich aus einem anderen Thread:
- Den Hintergrund schwächer ausleuchten als das Motiv.
- Den Hintergrund heller ausleuchten als das Motiv.
- Ein Spitzlicht setzen (helle Kontur durch Licht schräg von hinten)
- In der Postpro eine leicht unscharfe Vignette um das Motiv legen.
- Vordergr. und Hintergr. mit unterschiedlicher Farbtemperatur (Rossini)
- Allgemein Abheben durch kontrastierende Farben
- In der Bildkomposition das Motiv prominent herausstellen
- Das Motiv mit der Kamera verfolgen. Der Hintergrund wird dabei durch Bewegungsunschärfe geblurrt.
- Offene Blende, Tele und großer Abstand von Motiv und Hintergrund
- Mit einer Nebelmaschine den Raum ordentlich einnebeln
- Ein Darsteller, der intensiv rüberkommt, macht die profane Zimmereinrichtung von alleine zur Nebensache (Al Pacino kann auch zwischen Yuccapalme und Billy Regal punkten, mit einem Einchipper gefilmt, während Onkel Jörg auf dem tiefenunscharfen Set von Der Pate uns nichts sagen wird ...)
Einer der Punkte, in denen Video sich von Film unterscheidet, ist der geringere Kontrastumfang von Video. Unterhalb und oberhalb einer bestimmten Spannung bei der elektronischen Abtastung werden Unterschiede glatt gebügelt, die Bereiche bleiben ohne Zeichnung. Tiefes Schwarz (0/0/0) und reines Weiß (256/256/256) werden überdies an beiden Enden des Spektrums um etwa 15 Nuancen beschnitten (16-235, glaube ich), weil sie im PAL-Farbraum nicht richtig dargestellt werden. Der Trick, eine Zeichnung in allen Bereichen zu erhalten, ist die Skalierung des Blendenumfangs auf den Bereich, den Video darstellen kann. Das kann man sehr aufwändig mit Graukarte und Belichtungsmesser (bei szenischer Arbeit gehe diesen Weg) und etwas einfacher durch Beachten des Zebra.
Nichts ist so krass "Videolook" wie übersteuerte Höhen.
Na und? Im Fernsehen wird ja auch alles wiederholt ...