Darth Schneider hat geschrieben: ↑Mo 27 Apr, 2026 20:31
Aber Hauptsache der Putin wird hier ausgelacht wenn er nur das Wort „Entnazifizierung“ benutzt.
Obwohl man diesbezüglich den Hass durchaus verstehen könnte, angesichts all der russischen Opfer…
Und der was das betrifft, leider heute immer noch sehr schleimigen Politik.
Hier bei bei uns in Europa inklusive der Ukraine, natürlich vor allem in Amerika…
Zumindest diesbezüglich hat der machtgeile Kriegstreiber Vladimir eigentlich doch völlig recht.
Boris, bei Paperclip bin ich grundsätzlich bei dir. Von Braun war SS-Sturmbannführer, er hat die Bedingungen in Mittelbau-Dora persönlich gekannt und in Kauf genommen - geschätzt 20.000 Tote allein dort. Dass die USA das alles bewusst unter den Teppich gekehrt haben, weil ihnen die Raketentechnik wichtiger war als Gerechtigkeit, ist historisch völlig unstrittig und eine moralische Katastrophe. Soweit d'accord.
Aber dann machst du einen Sprung, der logisch nicht hält: Weil die Amerikaner 1945 Ex-Nazis rekrutiert haben, hat Putin 2022 mit "Entnazifizierung" recht? Das sind zwei völlig verschiedene Dinge, und genau diese Vermischung ist exakt das, was die russische Propaganda will.
Ein paar Punkte zum Nachdenken:
Erstens: Die Sowjetunion hat exakt dasselbe gemacht. Operation Osoaviakhim, Oktober 1946 - über 2.000 deutsche Wissenschaftler und Techniker zwangsrekrutiert, inklusive Raketentechniker, die direkt an der Basis für das sowjetische Raketenprogramm mitgebaut haben. Wenn Paperclip die USA moralisch disqualifiziert, dann gilt das für Russland genauso. Das Argument hebt sich also selbst auf.
Zweitens: Putins "Entnazifizierung" hat mit echten Nazis nichts zu tun. Es ist ein Propagandabegriff, um einen Angriffskrieg zu legitimieren. Die Ukraine hat 2019 einen jüdischen Präsidenten mit 73% gewählt. Ja, es gab das Asow-Bataillon mit rechtsextremen Wurzeln - das gibt es in jeder Armee auf dem Planeten, inklusive der russischen. Dmitri Utkin, Gründer der Wagner-Gruppe, hatte SS-Tattoos. Russlands eigene rechtsextreme Szene (RNE, etc.) ist massiv. Wenn Putin echte Nazis stören würden, könnte er vor der eigenen Haustür anfangen.
Drittens: Es geht Russland nicht um Nazis, es ging nie um Nazis. Es geht darum, dass die Ukraine sich Richtung EU und NATO orientiert hat und Russland das als Kontrollverlust über seinen "Einflussbereich" betrachtet. Putin hat das selbst oft genug gesagt - dass er den Zerfall der Sowjetunion als größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts sieht. DAS ist die Motivation, nicht irgendwelche Nazis.
Dass man Amerikas historische Doppelmoral bei Paperclip kritisiert, ist völlig berechtigt. Aber daraus abzuleiten, Putin hätte mit seiner "Entnazifizierung" recht, ist wie zu sagen: "Mein Nachbar hat mal was geklaut, also darf ich sein Haus anzünden." Das eine rechtfertigt das andere nicht.
Du sagst ja selbst "machtgeiler Kriegstreiber" - und genau der nutzt dieses Narrativ, damit Leute wie du und ich es nachplappern. Nicht böse gemeint, aber genau so funktioniert Propaganda: Man nimmt einen wahren Kern (Paperclip war ein Skandal) und baut drumherum eine Rechtfertigung für etwas völlig anderes.