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DUNE !



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Axel
Beiträge: 16293

Re: DUNE !

Beitrag von Axel »

Darth Schneider hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 10:28Natürlich mit guten und mit schlechten Absichten, einfach dafür zu sorgen das möglichst alle nach der gleichen Pfeife tanzen ?
Womöglich wollte der Herbert genau sowas aussagen…
Er hat eine Religion erfunden. Aus dem Hut gezaubert wie ein weißes Kaninchen. Historiker, die sich mit dem Entstehen von Religionen befassen, bestätigen, dass Religionen eben genau solche, oft in Jahren oder Jahrzehnten geschnitzten Pfeifen sind, und wenn man die Evangelien alleine untereinander vergleicht, gibt es mehr adaptationsbedingte Diskrepanzen als zwischen den Herbert-Büchern und den diversen Dune-Verfilmungen. Mal davon abgesehen, dass die zugrunde liegenden Ereignisse darin, äh, gehörig dramatisiert wurden. Religionen sind Einigkeit schaffende Narrative, mit denen die Mitglieder der Religion etwas erreichen. Leider sind sie auch Uneinigkeit/Streit/Krieg schaffende Narrative. Wir entkommen der Notwendigkeit nicht, uns über uns selbst zu belügen, weil das (wie im "Killer"-Thread schon mal erörtert) unser evolutionäres Alleinstellungsmerkmal ist. Wir überlassen nur zu oft anderen, für uns zu lügen, weil sich diese anderen so geschickt anbiedern.
Na und? Im Fernsehen wird ja auch alles wiederholt ...



Darth Schneider
Beiträge: 19500

Re: DUNE !

Beitrag von Darth Schneider »

Genau, sie hätten ja auch in Dune durchaus ne friedliche Lösung am Tisch gefunden, dann bräuchte es gar kein Krieg. Und auch keine Religion um die Massen von der eigenen Ideologie zu überzeugen…
Aber dann wäre die Geschichte wahrscheinlich langweilig…;)

Und die Menschen sind halt so.
Auch heute noch, lieber jahrelang brutalste Kriege führen als eine halbe Stunde miteinander zu reden und selber ein paar Kompromisse eingehen…
Pure Dummheit !

Das spiegelt die Dune Geschichte wieder.

Was ich gespannt bin wie der Film den Krieg, die Motivation herüberbringt.
Wenn das als heiliger Krieg dargestellt wird mit dem Messias der ihn gewinnt, wäre das eher sehr doof. Weil einfach Unsinn.
Kein Krieg ist heilig, alle sind furchtbar und unnötig. Und kein Einzelner kann einen Krieg gewinnen..
Alle Menschen sind dabei austauschbar..

Gruss Boris



markusG
Beiträge: 4482

Re: DUNE !

Beitrag von markusG »

Axel hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 10:01Was mir auch klar wurde: dass es sich bei den Filmen um eine Adaptation handelt. Ein Film kann nicht gleichzeitig so ausufern und vom Hölzchen auf's Stöckchen springen, er muss manches vereinfachen, zusammenfassen, abrunden, interpretieren, konkretisieren, betonen, verkürzen oder streichen, um als Film zu funktionieren.
Eben. Es gab ja vor Lynch bereits Überlegungen/Bestrebungen zu einer Verfilmung:

Drei Dune-Verfilmungen, die nicht kamen
https://www.golem.de/news/von-jodorowsk ... 81865.html
1976 erwarb der italienische Produzent Dino De Laurentiis (Flash Gordon) von dem Konsortium für zwei Millionen Dollar die Filmrechte – das war etwa die Summe, die in die Vorproduktion von Jodorowskys Film geflossen war.

De Laurentiis heuerte Frank Herbert an, damit dieser das Drehbuch schrieb. Der Roman sollte auf zwei Filme aufgeteilt werden, so, wie es später Denis Villeneuve tat.

Herbert verfasste ein Skript mit 176 Seiten, De Laurentiis mochte es aber nicht. Auch Herbert gab später zu, dass es nicht gut war. Es gelang ihm offenbar nicht, sich von seinem Buch zu lösen.



Darth Schneider
Beiträge: 19500

Re: DUNE !

Beitrag von Darth Schneider »

Ist auch schwierig sich von seinem Buch zu lösen wenn genau dieses verfilmt werden soll.
Wie schon mal geschrieben, die ganze Dune Geschichte ist nur als Serie zu verfilmen.
Mit zig Staffeln…Oder sicher nicht mit weniger als mit 10 Kinofilmen.
Sie hatten die Wahl…D
Gruss Boris



iasi
Beiträge: 24461

Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

Darth Schneider hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 09:06 @iasi
Wenn du schon mit einer negativen Einstellung zum Film ins Kino gehst, ist die Chance sehr gross das du den Film schlecht findest.
Oder, wenn du vor dem ersten Date schon denkst, die Dame ist nix für dich, wird es dann auch nach dem Date sehr wahrscheinlich so sein..
Wenn du denkst heute wird ein schlechter Tag, ja dann wird er womöglich für dich schlecht…

Ist doch alles schon auch Einstellungssache.

Und geht es dann bei Kunst, also auch Kunsthandwerk dir immer nur um finanziellen Erfolg ?
Wenn ja, wie langweilig…

Es gibt zig hervorragende Filme die an der Kinokasse ein Flop waren…
Gruss Boris
Oh nein - ich bin sogar mit zu großen Erwartungen in den Film gegangen.
Anfangs hatte ich auch noch das Gefühl, er erfüllt diese Erwartungen.

Dann aber musste ich feststellen, dass der Film eben kein Kunsthandwerk ist, sondern eigentlich nur auf große Bilder und großen Ton setzt.
Und eben dies führt dann nach einer gewissen Zeit zur Übersättigung.

Das Finale war dann wirklich enttäuschend, denn da werden wirklich nur noch Bilder zusammengeschnitten und es fehlt jegliche innere Dramaturgie bei der entscheidenden Schlacht.
Beim Duell bekommt man dann letztlich auch nur bekannte Kost geboten.
Der arme Christopher Walken hat z.B. leider auch nicht mehr zu tun, als seinen Namen zu geben.
Da hatte ja sogar José Ferrer in Lynchs weit kürzerem Dune mehr Zeit, um aus der Figur etwas zu machen.

Inhaltlich und dramaturgisch wird auch viel mehr behauptet, als dann letztlich gezeigt wird.
Für den inneren Konflikt von Paul findet V. nur einige plakative Bilder und lässt sie uns dann ständig von Paul erklären.

Da hatte V. doch mehr Zeit als Lynch, aber nutzt sie für Handlung und Dramaturgie in völlig unausgewogener Weise.
Um eine nebensächliche Figur einzuführen, wird z.B. eine weitere Actionsszene genutzt, die sich eigentlich wiederholt. Andererseits werden dann weitreichende Ereignisse und Entscheidungen mal eben in einigen Dialogzeilen abgehandelt.

*Achtung Spoiler*
Die Atomwaffen werden mal eben gefunden, um am Ende als Abschreckung für eine Bedrohung zu dienen, die eigentlich nur in 2 Dialogsätzen am Rande stattfindet.
Ach ja - und weil sie in den Büchern eingesetzt werden und V. sich mit einigen weiteren spektakulären Einstellungen vor einer spannenden Inszinierung einer finalen Schlacht drücken kann.

V. mag wohl lieber die kitschige Darstellung von Heldentum.
Da werden dann in Dialogen die gefürchteten Elitetruppen des Imperators auch nur behauptet, zu sehen bekommt man alberne Kämpfe und eher peinliches Herumgerenne. Die Zulu wurden im gleichnamigen Film seriöser und dramaturgisch weit effektiver dargestellt als die Soldaten in diesem SF, der uns doch eigentlich schon gezeigt hatte, dass es nicht nur Lanzen und Schwerter gibt. Selbst die Zulu nutzten übrigens erbeutete Gewehre. ;)

Dann diese anderen großen Häuser, die auftauchen - aber eben nur in einigen eher beiläufigen Dialogzeilen.
Alles nur um dies zu ermöglichen: Am Ende besteigt das einfache Wüstenvolk dann Raumschiffe und "reitet" ihnen entgegen. ;) :)

Ach ja - nicht zu vergessen den Messerkampf.
Da dachte sich V. wohl: Wie kann ich dieses Klischee dann doch irgendwie anders machen? ...
Vs Lösung ist dann schon recht dreist. Es muss eben genügen, wenn Paul danach ein wenig humpelt. ;)

Es ist eben wie bei Blade Runner 2049: Man erinnert sich irgendwann nur noch daran, dass die Bilder ziemlich bunt waren.



berlin123
Beiträge: 724

Re: DUNE !

Beitrag von berlin123 »

iasi hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 11:44
*Achtung Spoiler*
Die Atomwaffen werden mal eben gefunden, um am Ende als Abschreckung für eine Bedrohung zu dienen, die eigentlich nur in 2 Dialogsätzen am Rande stattfindet.
Ach ja - und weil sie in den Büchern eingesetzt werden und V. sich mit einigen weiteren spektakulären Einstellungen vor einer spannenden Inszinierung einer finalen Schlacht drücken kann.
So wie ich es verstanden habe wurden bei der Schlacht Atomwaffen eingesetzt um die Wälle rund um Arakeen zu sprengen, deshalb können die Sandwürmer überhaupt erst in die Stadt und die feindlichen Truppen angreifen.

Zum anderen wird gedroht die Atomwaffen einzusetzen um die Spice Vorkommen zu vernichten. Es wird aber klar, dass das Teil der Geschichte des nächsten Films wird, so wie die ganze Auseinandersetzung mit den anderen Häusern.



Darth Schneider
Beiträge: 19500

Re: DUNE !

Beitrag von Darth Schneider »

Funny:
Den Raum krümmen können sie, fast mit Lichtgeschwindigkeit fliegen können sie auch, haben SF High Tech ohne Ende und riesige Raumschiffe. Aber für ne gigantische Mauer nutzen sie Atombomben ?
Nicht mehr zeitgemässes Denken.
Wäre dasselbe wenn sie Heute noch mit Pfeil und Bogen im Krieg kämpfen würden…

Also Dune könnte in etwa einer Zyp 3 Zivilsation liegen.. Die entspräche etwa der im Buch gezeigten Technik.
Hier das da unten ist nur Typ 2:


(Atom Waffen sind dann sowas von out…;))
Gruss Boris
Zuletzt geändert von Darth Schneider am So 03 Mär, 2024 13:47, insgesamt 2-mal geändert.



7River
Beiträge: 3742

Re: DUNE !

Beitrag von 7River »

iasi hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 11:44
Oh nein - ich bin sogar mit zu großen Erwartungen in den Film gegangen.
Verzeih mir, wenn ich Dir das nicht so wirklich abkaufe ;-)
„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“



iasi
Beiträge: 24461

Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

7River hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 13:38
iasi hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 11:44
Oh nein - ich bin sogar mit zu großen Erwartungen in den Film gegangen.
Verzeih mir, wenn ich Dir das nicht so wirklich abkaufe ;-)
Nun - das ändert nichts an den Kritikpunkten.

Zudem war ich zunächst sehr angetan vom Film - nur können mich beeindruckender Bombast nicht fast 3 Stunden lang überzeugen, wenn die Dramaturgie nicht stimmig ist und die Inszinierung des Finales derart schwach ist.

*Spoiler*

Plötzlich kommt also der Imperator daher und setzt mal eben die Harkonen ab.
Dann erklärt Paul die Taktik.
Bum.
Die Helden kämpfen mit Messern die Elitesoldaten nieder, wobei eigentlich nur umher gerannt wird.
Dann ist´s auch schon vorbei und ein paar Soldaten stellen sich mit Schwertern in einer Reihe auf, um den großen Imperator zu schützen - den Herrscher über das bekannte Universum.
Wenn das "World Building" sein soll ...
Eigentlich hätte man sich die finale Schlacht ganz schenken können, denn da war keine innere Handlung.
Ganz so, wie V. es dann mit den "Großen Häusern" gemacht hat:
"Sie sind mit ihrer Flotte da!"
"Oh. Sag ihnen, wir machen das Spice kaputt, wenn sie angreifen."
Später dann noch: "Sie wollen dich nicht als Imperator."
Dann steigen die Wüstenkrieger in Raumschiffe und fliegen ihnen entgegen.
Das hat etwas von Kindergarten-World-Building.

Ach ja - der obligatorische Messerkampf - er steht schließlich in den Büchern. Da gewinnt Paul also, weil er sich stechen lässt. Wie originell.
Zuvor hatten wir noch gezeigt bekommen, wie Elitesoldaten in voller Rüstung mal eben niedergepikst werden - im Dutzend.
Eine Atombombenexplosion hatten sie zwar überstanden, aber wenn unsere Helden zustechen, bleiben sie liegen.

Dann dieser dramaturgische Handlungsbogen, der vor allem durch Abwesenheit glänzt:
Die Fremen kämpfen zwar ständig und befinden sich schon im Krieg, aber wenn Paul nach Süden geht, soll es ganz schlimm werden - das sollen uns ein paar rote Bilder von Gestalten am Boden sagen. Vor allem bekommen wir es von Paul ständig gesagt.
Währenddessen greifen die Fremen mal die Harkonen an, dann greifen die Harkonen die Fremen an. Zwischendrin taucht dann bei einem Angriff ein alter Freund auf - während solch einem Angriff. Schließlich kommt der Imperator ...
Ach ja - ein Atomwaffendepot wird auch mal eben gefunden.

Der Imperator ist zudem das beste Beispiel für misslungenes Worldbuilding:
Ein alter Mann im Garten.

Dann diese bösen Harkonen-Jungs: Die schneiden mal eben anderen die Hälse durch oder kloppen die Köpfe ihrer Untergebenen gegen Tischkanten. Wie subtil.
Ein bischen römisches Kolosseum in besonders groß im Riefenstahl-Stil, schon hat man ein Volk und einen Planeten gezeigt.
Ich hatte es oben schon gesagt: Weil´s der Kameramann schick findet, leben die Harkonen zwar auf einem Planeten mit einer Sonne, die ein anderes Lichtspektrum hat, aber dennoch mögen sie ein anderes Licht, ganz so, als ob es keine Evolution gibt.
World Building beginnt und endet bei plausiblen Details und nicht schicken Bildern.

Dabei hatte es zu Beginn des Films eigentlich recht gut geklappt:
Die Fremen, die sich auf die Wüste eingestellt haben.
Die Harkonen, die sich mit ihrer Technik den Gegebenheiten anzupassen versuchen.
Aber dies verliert sich leider viel zu schnell.



iasi
Beiträge: 24461

Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

Darth Schneider hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 13:13 Funny:
Den Raum krümmen können sie, fast mit Lichtgeschwindigkeit fliegen können sie auch, haben SF High Tech ohne Ende und riesige Raumschiffe. Aber für ne gigantische Mauer nutzen sie Atombomben ?
Nicht mehr zeitgemässes Denken.
Wäre dasselbe wenn sie Heute noch mit Pfeil und Bogen im Krieg kämpfen würden…

Also Dune könnte in etwa einer Zyp 3 Zivilsation liegen.. Die entspräche etwa der im Buch gezeigten Technik.
Hier das da unten ist nur Typ 2:


(Atom Waffen sind dann sowas von out…;))
Gruss Boris
Wenn man der Fantasie nur freien Lauf lässt, kann die Menschheit natürlich alles. :)
Da sind wir gerade mal seit 7 Jahrzehnten so richtig im Anthropozän und schon wollen wir das Sonnensystem umbauen. :)
Wir kommen ja nur mit größter Mühe von unserem Planten herunter, aber wollen die physikalischen Gesetze kontrollieren.

Aber gut - wenn wir schon die SF so weit treiben wollen, dann aber doch bitte wirklich zumindest mit innerer Plausibilität.
Die 3 Bücher, auf denen diese Serie basiert, treiben das schon extrem weit:



berlin123
Beiträge: 724

Re: DUNE !

Beitrag von berlin123 »

Die Mehrzahl der Kritiken sind sehr positiv, er ist etwas vorsichtiger



iasi
Beiträge: 24461

Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

berlin123 hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 18:48 Die Mehrzahl der Kritiken sind sehr positiv, er ist etwas vorsichtiger

Ich schau mir gerade American Fiction an ... ;)

Zu dessen Thematik passt auch Dune ein wenig. :)

Aber ernsthaft:
Dune 2 ist durchaus einen Kinobesuch wert. Man bekommt etwas für Augen und Ohren geboten.



Darth Schneider
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Re: DUNE !

Beitrag von Darth Schneider »

Hatte ich auch schon verlinkt.
Gruss Boris



iasi
Beiträge: 24461

Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

Legendary Entertainment CEO says “Dune: Part Three” could happen “if Denis [Villeneuve] gets the script right and he feels that he can deliver another experience on par with what we’ve just completed.”
Da waren die Einspielergebnisse wohl sehr hilfreich:
178,5 Mio.$ am ersten Wochenende.
IMAX ‘ran out of seats’ for ‘Dune: Part Two’
https://www.cnbc.com/2024/03/03/dune-pa ... three.html

Fans können also erfreut aufatmen. :)

(Mal sehen ob IMAX- und Warner-Aktionäre das morgen auch können.) :):)



Frank Glencairn
Beiträge: 23124

Re: DUNE !

Beitrag von Frank Glencairn »

Darth Schneider hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 13:13

Also Dune könnte in etwa einer Zyp 3 Zivilsation liegen.. Die entspräche etwa der im Buch gezeigten Technik.
Hier das da unten ist nur Typ 2:
Da wir momentan nicht mal mehr in der Lage sind, unbemannte Sonden sicher auf dem Mond zu landen, sehe ich das nicht wirklich kommen.
Sapere aude - de omnibus dubitandum



Darth Schneider
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Re: DUNE !

Beitrag von Darth Schneider »

@Frank
Uff, falls wir überhaupt so lange überleben, ginge das mindestens tausende von Jahren….
Spannend finde ich es dennoch.
Gruss Boris



Axel
Beiträge: 16293

Re: DUNE !

Beitrag von Axel »

berlin123 hat geschrieben: So 03 Mär, 2024 18:48 Die Mehrzahl der Kritiken sind sehr positiv, er ist etwas vorsichtiger

Das stimmt. Dune 2 ist dramaturgisch sozusagen schwach. Der erste Teil war es auch. Es gibt mE mehrere, mit etwas Abstand betrachtet leicht nachvollziehbare Gründe dafür. Einmal, die obige Kritik erwähnt es, ist die Vorlage so episch, dass sie rein zeitlich nicht gut in eine 5-Stunden-Timeline passt. Der "abendfüllende Film", 90-120 Minuten in der Regel - befolgte früh und noch ohne theoretischen Unterbau eine dem griechischen Drama entsprechende Erzählstruktur, die zuerst als 3-Akter, später als 5-Akter und noch später als 12-Akter (die Stationen der Campbell'schen Heldenreise) verwirklicht wurde. Es ist sehr schwer, nicht in dieser Struktur zu erzählen, wenn man erzählerische Ökonomie anstrebt. Andererseits sind viele großartige Romane und Filme, wenn man sie ehrlich und unvoreingenommen reflektiert, gar nicht so strukturiert, auch, wenn dann immer von den Dogmatikern behauptet wird, es handele sich nur um bewusste Regelbrüche, die die Gültigkeit der Doktrin nur weiter bestätigte (z.B. Citizen Kane). Aber, wie gesagt, es handelt sich ohnehin gar nicht um ein Drama, sondern um ein Epos.

Ich stelle mir die vielen Handlungsfäden, mit denen Villeneuve konfrontiert war, als eine endlose To-Do-Liste vor, auf die er aus einem ganz bestimmten Grund keinen Bock hatte: er ist gar kein klassischer Erzähler. Er möchte, wie in seinen anderen Filmen abzulesen ist, ein großes Bild malen, ein Konzept skizzieren, eine Vision teilen und darin (vermute ich) Herberts Vision treu bleiben. Anstatt endlos zerfaserter kleiner Handlungs- und Motivationsfragmente möchte er quasi einen ausgedehnten Trailer drehen. Dabei und dadurch kommt es zu dramaturgischen Unausgegorenheiten, zu vielen bereits ähnlich gesehenen Bildern, Leere und "Sand". Es ist auch, wie Feinwoll-Kritiker Schmitt (Stelle getimet) hervorhebt, eine philosophische Sicht:

Dinge passieren nicht kontinuierlich, nachvollziehbar, sondern plötzlich?

Die Bene Gesserit verfolgen einen Generationen überspannenden Plan. Sie selbst haben verstanden, was die moderne Psychologie, Verhaltens- und Hirnforschung langsam zu verstehen beginnt und was nebenbei gesagt das Selbstwertgefühl des Menschen ähnlich erschüttern wird wie die Evolutionstheorie oder die Entdeckung des Unterbewusstseins: dass Menschen keinen freien Willen haben. Das Narrativ vom freien Willen ist Grundlage für die Akzeptanz von Religion. Ich kann mich "frei" entscheiden, einer höheren Macht zu folgen, eine klare Lüge. Der Plan selbst wird zum determinierenden Faktor, und die Prophezeiungen erfüllen sich nicht zufällig oder durch wundersame Fügung, sondern weil die Gläubigen sie akzeptieren und ihre Erfüllung erwarten.
Die character arcs im klassischen Drama sind keine Metamorphosen, keine Heldenreise. Niemand "wächst über sich hinaus", alle erfüllen nur ihre Funktion im Getriebe. Marvel-Filme und Konsorten (Trailer vor Dune 2) sind insofern alle affirmativ und manichäisch, als sie das Narrativ lediglich erfüllen, illustrieren, mir fällt dazu der Threadtitel "Grading bis zum Abwinken" ein.

Glaube ich, dass Villeneuve das alles überhaupt im Hinterkopf hatte? Absolut. Er ist in Interviews so intellektuell, dass ich genau das glaube. Sein Problem ist die Erwartungshaltung des zahlenden Publikums, nicht zuletzt natürlich der Herbert-Fans. Wenn etwas (Schmitt) "von langer Hand" geplant war wie ein Blockbuster, dann möchte ich freilich mit einem schlüssigen Schluss entlassen werden, nicht nur mit einem sinnlich überwältigenden (Zimmer-)-Musikvideo. Der Vorhang zu, und alle Fragen offen.
Na und? Im Fernsehen wird ja auch alles wiederholt ...



Axel
Beiträge: 16293

Re: DUNE !

Beitrag von Axel »

Hier viel BTS, aber auch Villeneuves Aussage, er „hasse“ Dialoge und wolle eigentlich nur Bilder machen:

Merke: er sagt nicht Geschichten erzählen
Na und? Im Fernsehen wird ja auch alles wiederholt ...



iasi
Beiträge: 24461

Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

Axel hat geschrieben: Mo 04 Mär, 2024 11:28 Hier viel BTS, aber auch Villeneuves Aussage, er „hasse“ Dialoge und wolle eigentlich nur Bilder machen:

Merke: er sagt nicht Geschichten erzählen
Dann soll er aber auch mit den Bildern etwas erzählen und sich nicht nur in Bombast verlieren.

Wenn schon Citizen Kane erwähnt wurde:
Den Verlauf einer Ehe in wenigen Minuten - erzählt mit filmsprachlichen Mitteln.

In 2001 wird durch einen Schnitt mal eben die menschliche Evolutionsgeschichte erzählt.

Wenn natürlich ein weiterer Fremen-Überfall insziniert wird, um die Rückkehr einer Figur aus Teil 1 abzuhaken, dann bleibt natürlich keine Zeit für andere Handlungselemente.

Und:
Warum zeigt V. denn nicht die Raumschiffe, von denen er in Dialogen erzählen lässt? Ist ihm das Geld ausgegangen?
Dabei hätte es eine dramatische Parallelhandlung zum Duell sein können.



Axel
Beiträge: 16293

Re: DUNE !

Beitrag von Axel »

iasi hat geschrieben: Mo 04 Mär, 2024 15:56
Axel hat geschrieben: Mo 04 Mär, 2024 11:28 Hier viel BTS, aber auch Villeneuves Aussage, er „hasse“ Dialoge und wolle eigentlich nur Bilder machen:
Dann soll er aber auch mit den Bildern etwas erzählen und sich nicht nur in Bombast verlieren.
In dem muss ich dir Recht geben: die filmsprachlichen Mittel der Montage, so, wie sie uns anno Dingenskirchen beigebracht wurden, verwendet Villeneuve in Dune 1 & 2 kaum, allenfalls in als Visionen gekennzeichneten Szenen, in einem Maß, das wirklich verblüfft. Vor allem weil, wie das Video erklärt, Villeneuve wie Hitchcock ein überzeugter Storyboarder ist. Gestern sah ich nach Jahren noch mal Prisoners und anschließend Arrival. Zwischen diesen Filmen muss irgendwas passiert sein. So, als habe sich Villeneuve zu einem filmsprachlichen Schweigegelübde entschlossen oder besser gesagt zu einer Abstinenz gegenüber naheliegender Rhetorik. Es wäre mal spannend, sich zu einzelnen Szenen eine Emmerich-Schnittfassung vorzustellen. Da wären dann die Raumschiffe, da würden die Harkonnen besser immanent erklärt, da wären die Scharmützel nachvollziehbar aufgelöst.

Weil u.a. Prisoners ein handwerklich so solider Film ist, der hitchcock‘sche Spannung (es wird uns regelmäßig nicht gezeigt, was wir befürchten und was auf den Nägeln brennt) und effektives Framing (Roger Deakins lenkt in schmutzigen „Suchbildern“ den Blick immer auf das handlungswichtige Detail, das z.B. ein ganz kleines Loch in der Wand sein kann) benutzt, glaube ich ernsthaft, dass sowohl das Nichtanwenden traditioneller Handwerkszeuge als auch die dramaturgische Umwucht beabsichtigt sind und dass Emmerich, Scott oder Spielberg einen glatteren, wiewohl weniger tollen Film gemacht hätten.
Na und? Im Fernsehen wird ja auch alles wiederholt ...



Alex
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Re: DUNE !

Beitrag von Alex »

Der Dokumentarfilm blickt hinter die Kulissen eines nie zustande gekommenen Projekts: Die geplante Verfilmung von Frank Herberts kultigem Science-Fiction-Roman "Dune" ("Der Wüstenplanet") durch den chilenischen Regisseur Alejandro Jodorowsky in den 1970er Jahren. Das aufgegebene Filmprojekt ist auch heute noch eine echte Referenz für zahlreiche Autoren und Regisseure.



Frank Herberts Science-Fiction-Zyklus „Dune“ („Der Wüstenplanet“) aus dem Jahr 1965 gilt als einer der größten Klassiker des Genres, auf einer Stufe mit den Werken von Asimov. In Herberts Romanuniversum kann nur der Wüstenplanet die Galaxie mit einer geheimnisvollen Droge namens Melange (dt. Mischung) oder Spice (dt. Gewürz) versorgen; der gesamte Kosmos sucht danach. Der Roman beschreibt die Kräfte und Fähigkeiten, welche die Droge einem jungen Mann verleiht. 1975 beschloss Alejandro Jodorowsky, der sich bereits mit ersten metaphysischen Spielfilmen einen Namen gemacht hatte (insbesondere „El Topo“ und „Montana Sacra - Der heilige Berg“), ein ambitioniertes Vorhaben: die Verfilmung von Frank Herberts Romanzyklus „Dune“. Als Darsteller schwebten ihm Orson Welles, David Carradine, Mick Jagger und Salvador Dalí vor, die Ausstattung sollte von Moebius (alias Jean Giraud) und H. R. Giger stammen, untermalt mit einer Filmmusik von Pink Floyd und Magma. Sein Sohn Brontis Jodorowsky, noch ein Teenager, sollte ebenfalls eine tragende Rolle bekommen. Leider wurde aus dem Projekt nichts, weil sich die Geldgeber zurückzogen. Das bedeutete das Aus für ein zweijähriges, enormes Engagement inklusive Drehbuch, Kostümherstellung und über 3.000 fertigen Storyboards. Für Regisseur Frank Pavich war der nicht zustande gekommene Film kein Misserfolg: Er beschloss, in Zusammenarbeit mit Jodorowsky zu zeigen, welchen Einfluss das Projekt auf eine ganze Epoche hatte. In einer Interviewreihe zeichnet er die Entstehungsgeschichte von „Dune“ und damit die potenzielle Verwirklichung eines Traums nach. Zu Wort kommen Zeitzeugen von Chris Foss über Gary Kurtz bis hin zu Jodorowsky und seinem Sohn. Nur der 2012 verstorbene Moebius, mit dem der chilenische Filmemacher insbesondere an dem Comicbuch „L'Incal" zusammengearbeitet hatte, fehlt. Dafür ist Nicolas Winding Refn („Drive“) als eiserner Fan Jodorowskys umso präsenter, da er an der virtuellen Rekonstruktion des unsichtbaren Meisterwerks beteiligt wurde. Schließlich schrieb Frank Herbert in „Die Augen Heisenbergs", dass Veränderung ein Naturgesetz sei. Das Projekt konnte und musste sich also mit der Zeit weiterentwickeln, um am Ende die Form dieses Dokumentarfilms anzunehmen, der eines der größten Filmabenteuer unserer Zeit nachzeichnet.



Dokumentarfilm von Frank Pavich (F/USA 2013, 87 Min)



Alex
Beiträge: 1342

Re: DUNE !

Beitrag von Alex »

Kameramann Greg Fraser über die Schwarzweißszene

Es ist eine starke Sequenz, die technisch faszinierend umgesetzt wurde: der Blick auf die schwarzweiße Welt der Harkonnen.
https://www.golem.de/news/dune-teil-2-k ... 82854.html



iasi
Beiträge: 24461

Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

Axel hat geschrieben: Di 05 Mär, 2024 08:33
... glaube ich ernsthaft, dass sowohl das Nichtanwenden traditioneller Handwerkszeuge als auch die dramaturgische Umwucht beabsichtigt sind und dass Emmerich, Scott oder Spielberg einen glatteren, wiewohl weniger tollen Film gemacht hätten.
Das klingt mir aber sehr nach einem Widerspruch.

Emmerich würde ich zudem nicht als jemanden sehen, der ein Goethe der Filmsprache wäre.

Vielleicht hätte aber auch Emmerich während des Finales mit Zwischenschnitten die Ankunft der Schiffe der anderen Häuser gezeigt und parallel zum Messerkampf eine bedrohliche Formierung gezeigt.
Selbst das wäre filmischer Gewesen, als den "Funker" nur davon berichten zu lassen. Schon das Wort "berichten" sollte deutlich machen, dass hier dramaturgische Elemente verschenkt wurden.

Was Bilder aussagen und welche Wirkung sie erzielen können, zeigt z.B. auch ein Blick zu den Meistern:

Bild


Dune 2 ist großes Kino mit großem audio-visuellem Erlebnis.
Der Film ist natürlich auch besser als vieles, was wir in den letzten Monaten geboten bekamen.
Aber ...



iasi
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Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

Alex hat geschrieben: Di 05 Mär, 2024 10:43
Der Dokumentarfilm blickt hinter die Kulissen eines nie zustande gekommenen Projekts: Die geplante Verfilmung von Frank Herberts kultigem Science-Fiction-Roman "Dune" ("Der Wüstenplanet") durch den chilenischen Regisseur Alejandro Jodorowsky in den 1970er Jahren. Das aufgegebene Filmprojekt ist auch heute noch eine echte Referenz für zahlreiche Autoren und Regisseure.



Frank Herberts Science-Fiction-Zyklus „Dune“ („Der Wüstenplanet“) aus dem Jahr 1965 gilt als einer der größten Klassiker des Genres, auf einer Stufe mit den Werken von Asimov. In Herberts Romanuniversum kann nur der Wüstenplanet die Galaxie mit einer geheimnisvollen Droge namens Melange (dt. Mischung) oder Spice (dt. Gewürz) versorgen; der gesamte Kosmos sucht danach. Der Roman beschreibt die Kräfte und Fähigkeiten, welche die Droge einem jungen Mann verleiht. 1975 beschloss Alejandro Jodorowsky, der sich bereits mit ersten metaphysischen Spielfilmen einen Namen gemacht hatte (insbesondere „El Topo“ und „Montana Sacra - Der heilige Berg“), ein ambitioniertes Vorhaben: die Verfilmung von Frank Herberts Romanzyklus „Dune“. Als Darsteller schwebten ihm Orson Welles, David Carradine, Mick Jagger und Salvador Dalí vor, die Ausstattung sollte von Moebius (alias Jean Giraud) und H. R. Giger stammen, untermalt mit einer Filmmusik von Pink Floyd und Magma. Sein Sohn Brontis Jodorowsky, noch ein Teenager, sollte ebenfalls eine tragende Rolle bekommen. Leider wurde aus dem Projekt nichts, weil sich die Geldgeber zurückzogen. Das bedeutete das Aus für ein zweijähriges, enormes Engagement inklusive Drehbuch, Kostümherstellung und über 3.000 fertigen Storyboards. Für Regisseur Frank Pavich war der nicht zustande gekommene Film kein Misserfolg: Er beschloss, in Zusammenarbeit mit Jodorowsky zu zeigen, welchen Einfluss das Projekt auf eine ganze Epoche hatte. In einer Interviewreihe zeichnet er die Entstehungsgeschichte von „Dune“ und damit die potenzielle Verwirklichung eines Traums nach. Zu Wort kommen Zeitzeugen von Chris Foss über Gary Kurtz bis hin zu Jodorowsky und seinem Sohn. Nur der 2012 verstorbene Moebius, mit dem der chilenische Filmemacher insbesondere an dem Comicbuch „L'Incal" zusammengearbeitet hatte, fehlt. Dafür ist Nicolas Winding Refn („Drive“) als eiserner Fan Jodorowskys umso präsenter, da er an der virtuellen Rekonstruktion des unsichtbaren Meisterwerks beteiligt wurde. Schließlich schrieb Frank Herbert in „Die Augen Heisenbergs", dass Veränderung ein Naturgesetz sei. Das Projekt konnte und musste sich also mit der Zeit weiterentwickeln, um am Ende die Form dieses Dokumentarfilms anzunehmen, der eines der größten Filmabenteuer unserer Zeit nachzeichnet.



Dokumentarfilm von Frank Pavich (F/USA 2013, 87 Min)
In der jetzigen Zeit hätte er vielleicht bei einem Streaminganbieter damit ankommen können.

Zumal die Umsetzung heute keine technischen Hürden verhindert hätten.


Übrigens:
Was Bilder können haben auch andere schon gezeigt:




Und welche Wirkung mit Filmsprache erzielt werden kann:



Frank Glencairn
Beiträge: 23124

Re: DUNE !

Beitrag von Frank Glencairn »

IronGlass hat extra ein "Dune" Set gemacht.
We are thrilled to finally confirm that IronGlass x VLFV MKII lenses were used on the phenomenal DUNE: Part Two!
It's the most exciting secret we had to keep for too long, but thankfully, it was finally revealed in the Arri Rental article, where Greig Fraser ACS, ASC mentioned that he used rehoused IronGlass lenses alongside Moviecam lenses provided by Arri Rental . "They helped create the texture I wanted, and the Soviet glass was especially well suited to what we were doing; we used them all in harmony, effectively" said Greig.
We are honoured & grateful to Greig Fraiser for choosing these lenses from the 100s of options available on the market!

We are also grateful to all of you who made this project happen. It's a win for all of us!
This achievement is a testament to our team's hard work and dedication, who continue to push boundaries and deliver world-class products. We are also immensely proud of our MKII lenses, which were carefully selected & crafted to contribute to the visual splendour of this iconic film.

We are grateful for the opportunity to showcase Ukrainian products on such a grand stage and look forward to continuing our journey in the world of cinematography.
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Sapere aude - de omnibus dubitandum
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Alex
Beiträge: 1342

Re: DUNE !

Beitrag von Alex »

Greig Fraser ACS, ASC on "Dune: Part Two"

ALEXA 65, ALEXA Mini LF, and lenses including exclusive ARRI Rental optics chosen by cinematographer Greig Fraser for the second part of director Denis Villeneuve's epic sci-fi adaptation.
https://www.arrirental.com/en/about/ove ... er-acs-asc



iasi
Beiträge: 24461

Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

Übrigens finde ich diese Stelle besonders interessant, denn sie macht deutlich, dass Künstler gern den Realitäten ausweichen:



Axel
Beiträge: 16293

Re: DUNE !

Beitrag von Axel »

iasi hat geschrieben: Di 05 Mär, 2024 16:40
Axel hat geschrieben: Di 05 Mär, 2024 08:33
... glaube ich ernsthaft, dass sowohl das Nichtanwenden traditioneller Handwerkszeuge als auch die dramaturgische Umwucht beabsichtigt sind und dass Emmerich, Scott oder Spielberg einen glatteren, wiewohl weniger tollen Film gemacht hätten.
(...)

Vielleicht hätte aber auch Emmerich während des Finales mit Zwischenschnitten die Ankunft der Schiffe der anderen Häuser gezeigt und parallel zum Messerkampf eine bedrohliche Formierung gezeigt.
Selbst das wäre filmischer Gewesen, als den "Funker" nur davon berichten zu lassen. Schon das Wort "berichten" sollte deutlich machen, dass hier dramaturgische Elemente verschenkt wurden.
A propos "Elemente verschenkt" (ab hier echte SPOILER, da ich auf die von mir vermutete Wirkungsabsicht eingehe):

Bei Jacksons Pitch zu Herr der Ringe sagte Weinstein von Miramar bekanntlich, okay, wir machen's, aber nur, wenn du's auf drei Teile auswalzt. Das war gewiss nicht nur eine Entscheidung des Gewissens, die sicherstellen sollte, dass der Buchvorlage Gerechtigkeit widerfährt. Es war eine Wette auf ein monetär ergiebiges Franchise, eine wie wir wissen gewonnene Wette. Nun war LOTR vor allem eine Erzählung, episch zwar, aber mit allen Merkmalen der modernen Heldenreise. Es ist sogar belegt, dass der wenn nicht Erfinder dann zumindest Namensgeber des Konzepts, Joseph Campbell, George Lucas für Star Wars beraten hatte, ausdrücklich mit LOTR im Sinn (und man kann glaube ich davon ausgehen, dass es ohne Star Wars als Blaupause auch kein grünes Licht für LOTR gegeben hätte). Das Missverständnis Hollywoods in Bezug auf Dune war/ist, dass es eine Heldenerzählung im klassischen Sinn ist, bzw. sich zu einer solchen zurechtbiegen lässt. Dabei ist Herberts eigene Aussage, dass es eine cautionary tale darüber ist, wie charismatische Persönlichkeiten aufgebaut werden. Villeneuve zitiert ein Interview mit Herbert, in dem dieser Paul Artreides mit John F. Kennedy und Richard Nixon mit Feyd Rautha vergleicht. Nixon sei ganz klar erkennbar ein korrupter Politiker, JFK dagegen eine charismatische Persönlichkeit, um ein Vielfaches gefährlicher.

Kritik: die Harkonnenwelt, die sowohl visuell wie in ihrer erzählerischen Funktion als Antagonist des Helden sehr viel Potential hat, wird als dramaturgisches Element verschenkt. Zu kurze Screentime, zu kurzer Bogen, zu sehr schematisiert.

Im Schachspiel um die Macht (wessen Macht? Wer ist der König?) wird Feyd, schon bevor wir die Gladiatorenszene zu sehen kriegen, im Dialog zwischen dem Imperator und Prinzessin Irulan als Spielfigur und Zug-Alternative zu Paul eingeführt. Wir erfahren bereits, dass er ein reiner Psychopath ist (vgl. "korrupter Politiker"}, aber mehr ist dazu nicht zu sagen. Die normale Optik dieser rein informativen und wenig begeisternden Szene (weiterer Kritikpunkt: der Imperator ist so langweilig wie ein Konrektor in der Schule!) fungiert mit dem Schnitt zum spektakulären Infrarot und der beeindruckenden Präsenz von Austin Butler als Makro-Montage. Zwischen dem schwachen Imperator und dem (Sexszene verschenkt) Schnitt auf den schwangeren Bauch der Prinzessin wird die Harkonnen-Sequenz zu einem in einer Klammer neutralisierten Nachgedanken.

Mehr als das gewagte Schwarzweiß mag den Produzenten dieser Verschleiß eines vielversprechenden Gladiatoren im Kampf um das goldscheißende Franchise missfallen haben. Und mir kann keiner erzählen, dass Villeneuve es aus Versehen so gemacht hat. Die Harkonnen sind wie das Krokodil, das Kinder im Kaspertheater ebenso lieben wie fürchten. Es muss vorgezeigt werden, und es darf richtig schön gefährlich aussehen, aber hier geht"s darum, dass Kasper das Krokodil frisst, bzw dessen Mana (nach C.G.Jung, die Kraft und die Eigenschaften des besiegten Feindes gehen auf den Sieger über). Anstatt also in dem finalen Messerkampf alle Register zu ziehen und künstlich für jeden zeitgenössischen Zuschauer leicht durchschaubare Spannung herbeizuschneiden, verzichtet Villeneuve auf die Kür und begnügt sich mit der Pflicht. Der Sieg Pauls ist gewiss. Entscheidend ist, was er bedeutet.

Mir selbst wollte es in diesen letzten Szenen nicht recht gelingen, die Macht (Star-Wars-Sprech) Pauls zu spüren. Der Schauspieler strahlt das gar nicht aus. So empfinde ich. Ich bin freilich auch ein Boomer, und obwohl ich verstehe, dass die Gen Z vielleicht ein gewisses Underdog-Rebellentum (als hätten James Dean und Edgar Allan Poe ein Baby, Kubrick-Sprech) in Chalamet erkennt und auch gesagt habe, dass ich das im ersten Teil angemessen fand, brauchte nun dieses Hemd "die Stimme", um aufzutrumpfen. Auch hier vermute ich Absicht.
Jodorowski hat geschrieben:An Dune ging ich mit einem enormen Ehrgeiz heran. Ich wollte das Denken der Zuschauer verändern. Ich wollte einen Propheten erschaffen.
Dune scheint zu erzählen, wie Propheten erschaffen werden, nämlich durch manipulative, das Denken lenkende Erzählungen. Es ist ein dekonstruktivistischer Ansatz. Das hat Villeneuve begriffen. Und Jodorowsky (anscheinend) nicht.
Na und? Im Fernsehen wird ja auch alles wiederholt ...



Frank Glencairn
Beiträge: 23124

Re: DUNE !

Beitrag von Frank Glencairn »

Gerade gesehen:
Dune: Part 2 benefitted from artificial intelligence! Here's one example:

According to visual effects supervisor Paul Lambert:

“We have a multitude of different techniques we used in this film, one of those being that because we had a lot more Fremen characters, we have a lot of eyes to make into that beautiful blue, and for much more of the film than in the first one, over a thousand shots. We came up with a different technique, using what we’d learned before from the hundreds of blue eye shots in the first movie and creating a machine learning model, an algorithm trained from those ‘Dune’ shots to find human eyes in an image, which would then give us a matte for the different parts of the eye.

We then used this multi-part matte to tint the eyes blue. Some worked better than others, those others we did by hand. It actually went full circle sometimes, in that we had to take out some of the blue eyes that got generated in the non-Freman characters rather than add them, as the algorithm would just find eyes, whether they were Freman, Harkonnen or Sardaukar! But, it was a brand new technique, getting that done.”

For a quick refresher on machine learning and how it differs from other forms of AI:

"Artificial intelligence (AI) is an umbrella term for different strategies and techniques you can use to make machines more human-like. AI includes everything from smart assistants like Alexa to robotic vacuum cleaners and self-driving cars. Machine learning (ML) is one among many other branches of AI.

ML is the science of developing algorithms and statistical models that computer systems use to perform complex tasks without explicit instructions. The systems rely on patterns and inference instead. Computer systems use ML algorithms to process large quantities of historical data and identify data patterns. While machine learning is AI, not all AI activities are machine learning."
Sapere aude - de omnibus dubitandum



berlin123
Beiträge: 724

Re: DUNE !

Beitrag von berlin123 »

Frank Glencairn hat geschrieben: Mi 06 Mär, 2024 16:02 Gerade gesehen:
Dune: Part 2 benefitted from artificial intelligence! Here's one example:

According to visual effects supervisor Paul Lambert:

“We have a multitude of different techniques we used in this film, one of those being that because we had a lot more Fremen characters, we have a lot of eyes to make into that beautiful blue, and for much more of the film than in the first one, over a thousand shots. We came up with a different technique, using what we’d learned before from the hundreds of blue eye shots in the first movie and creating a machine learning model, an algorithm trained from those ‘Dune’ shots to find human eyes in an image, which would then give us a matte for the different parts of the eye.

We then used this multi-part matte to tint the eyes blue. Some worked better than others, those others we did by hand. It actually went full circle sometimes, in that we had to take out some of the blue eyes that got generated in the non-Freman characters rather than add them, as the algorithm would just find eyes, whether they were Freman, Harkonnen or Sardaukar! But, it was a brand new technique, getting that done.”
Hätte gedacht die nutzen Tools ,die das schon zuverlässiger können als wie beschrieben. Prompt: "finde alle Fremen und verpassen ihnen blaue Augen.". Ein Mensch kann einen Fremen an der Kleidung leicht von einem Sardaukar unterscheiden.

Aber es zeigt, was man künftig alles machen wird, wenn mans braucht. "Finde alle Schauspieler mit weisser Haut und gib ihnen eine schwarze". Oder vice versa.



TheBubble
Beiträge: 1910

Re: DUNE !

Beitrag von TheBubble »

Darth Schneider hat geschrieben: Di 27 Feb, 2024 22:34 Aber ich bin einer von denen der die Charaktere zu unterkühlt (oberflächlich) dargestellt fand.
Was mich dann nicht sooo in die Story reingezogenen hat.
Im Buch waren die Charaktere aber durchaus oft recht "cool". Es wird andauernd versucht, alle Regungen zu erfassen und durch die Aufnahme kleinster Details die Emotionen anderer Personen zu lesen und sie so zu manipulieren. Die Bene Gesserit haben das quasi perfektioniert.

Das im Buch auch meist die Gedanken der Charaktere und nicht nur ihre Worte und Taten wiedergegeben werden, macht eine Verfilmung auch nicht unbedingt leichter.



iasi
Beiträge: 24461

Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

Axel hat geschrieben: Mi 06 Mär, 2024 09:19

Dune scheint zu erzählen, wie Propheten erschaffen werden, nämlich durch manipulative, das Denken lenkende Erzählungen. Es ist ein dekonstruktivistischer Ansatz. Das hat Villeneuve begriffen. Und Jodorowsky (anscheinend) nicht.
Gezeigt hat er dies aber nicht.

*Spoiler*

Da hört man Pauls Mama also sagen, dass sie mit den einfacheren Fremen beginnen wird, und schon beten die Fremen ihren Sohnemann an. Gezeigt wird aber eben gerade nicht, wie dies geschieht.
Es wird zwar immer davon geredet, aber es fehlt die filmsprachliche Umsetzung. Man bekommt letztlich immer nur Gläubige gezeigt - und letztlich einen Propheten präsentiert, der nie wirklich hinterfragt wird.
Paul hat zwar ein schlechtes Gewissen, fügt sich dann aber in seine vorgegebene Rolle ein.
Filmisch stellt Villeneuve dies nie in Frage. Pauls Freundin ist da nur ein Feigenblatt.

Der Film tut doch alles, um den Propheten selbst zu erschaffen. Er wirkt wie ein Propagandamedium.
Villeneuves Film ist manipulativ.



DKPost
Beiträge: 838

Re: DUNE !

Beitrag von DKPost »

Axel hat geschrieben: Mi 06 Mär, 2024 09:19 Dune scheint zu erzählen, wie Propheten erschaffen werden, nämlich durch manipulative, das Denken lenkende Erzählungen. Es ist ein dekonstruktivistischer Ansatz. Das hat Villeneuve begriffen. Und Jodorowsky (anscheinend) nicht.
Dune erzählt in den Büchern vor allem auch, wie der (religliöse) Fanatismus ein Eigenleben entwickelt und nicht mehr zu stoppen ist, nicht einmal vom Propheten selbst. Quasi der Geist der aus der Flasche ist.



berlin123
Beiträge: 724

Re: DUNE !

Beitrag von berlin123 »

iasi hat geschrieben: Do 07 Mär, 2024 23:12
Der Film tut doch alles, um den Propheten selbst zu erschaffen. Er wirkt wie ein Propagandamedium.
Villeneuves Film ist manipulativ.
Propaganda wofür? Dass wir an den Dune Propheten glauben? Oder an Jesus, Mohammed, den Mahdi?

Der "Mahdi", der im Film genannt wird, ist interessanterweise der Name eines im schiitischen Islam erwarteten Propheten.



iasi
Beiträge: 24461

Re: DUNE !

Beitrag von iasi »

berlin123 hat geschrieben: Fr 08 Mär, 2024 11:17
iasi hat geschrieben: Do 07 Mär, 2024 23:12
Der Film tut doch alles, um den Propheten selbst zu erschaffen. Er wirkt wie ein Propagandamedium.
Villeneuves Film ist manipulativ.
Propaganda wofür? Dass wir an den Dune Propheten glauben? Oder an Jesus, Mohammed, den Mahdi?

Der "Mahdi", der im Film genannt wird, ist interessanterweise der Name eines im schiitischen Islam erwarteten Propheten.
Da ist der gute Paul - ein wahrer Held schon von Geburt an. Natürlich aufgewachsen in edlem Haus und daher von edelster Gesinnung. Das Fremen-Fußvolk, welches natürlich auch ihren Führern folgt, versteht recht bald, dass man Paul zu folgen hat.
Und da sind die bösen, psychotischen Prinzen aus dem bösen Hause. Die müssen einfach besiegt werden, denn nur dazu sind sie doch da.
Nicht zu vergessen der Imperator, dem auch alle folgen, weil er schließlich von gutem Blute ist, weshalb die Heirat seiner Tochter den nächsten Imperator bestimmt.

Der Film zeigt dann auch, dass Paul ein Wunderknabe ist, der Gift ebenso verträgt, wie Messerstiche. Er wird dem Zuschauer als Prophet präsentiert.

Dieses Worldbuilding ist Feudalherrschaft mit Raumschiffen und hat (wie so oft) nichts von einer weiterentwickelten Zivilisation.
Von einer Gesellschaft bekommt man sowieso nichts zu sehen - was erfährt man denn z.B. über die Harkonen?



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