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Deutschland, 2000, 72min., DV (und teilw. Beta SP; ausgespielt auf Digi-Beta; gefazt auf 35mm)

mi 14.2. 16.45h / delphi
do 15.2. 10h / cinemaxx3
do 15.2., 19.30 / cinestar8
fr. 16.2, 12.45 / arsenal1

Ein Regiedebüt stellt Karin Jurschicks Danach hätte es schön sein müssen dar. Mit der Videokamera untersucht die Filmemacherin das Verhältnis zu ihrem unbeugsamen Vater, entwickelt eine bestürzende Familiengeschichte, deren Tiefpunkt der Selbstmord der Mutter ist; eine auch visuell vielschichtige Analyse, die aus der Intimität zu Distanz und Erkenntnis führt. [aus dem forumprogramm]

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spacer e-mail-interview in englisch

1 Wie würden Sie die Ästhetik Ihres Films beschreiben?
Hoffentlich klar in ihrem Verhältnis zum Inhalt.
2 Warum entschieden Sie sich, diesen Film auf DV zu drehen?
Ich habe über 2 1/2 Jahre hinweg meinen Vater mit der Kamera beobachtet und begleitet. Im Schutz der Kamera und mit der Distanz, die sie ermöglichte, konnten wir nach langer Zeit miteinander sprechen.
Eine solch private Aufnahmesituation zu schaffen, war für mich nur mit einer Mini DV-Kamera möglich; einer Kamera, die ich selbst führen kann und die meine Reaktionen und Blicke wiedergibt. Mit einem Team, einem langen Aufbau, mit einer Apparatur, die den anderen 'umstellt', hätte dieser Film nicht entstehen können.
Außerdem gab es am Anfang gar keine Wahl. Ich habe einfach begonnen zu filmen, noch ohne Förderung. Alles andere als DV wäre unbezahlbar gewesen.
3 Was war besonders daran, auf DV zu drehen (verglichen z.B. mit 16 oder 35mm)? War es für Sie das erste Mal, oder kannten Sie das Format schon?
Es gab eine Situation, die ich als sehr besonders erlebt habe. Irgendwann habe ich die Kamera umgedreht, um meinem Vater, der neben mir stand, im LCD-Monitor zu zeigen, was darin zu sehen ist. Daraus haben sich spontan ein Gespräch und eine Szene entwickelt, die so nicht hätten geplant werden können. Die kleine DV ist handlich und leicht, das macht solche Dinge möglich.
Ansonsten ist dies ist mein erster langer Film, ich hatte die Arbeit mit DV allerdings schon gemeinsam mit einer Kollegin während einer TV-Reportage in Bosnien kennengelernt.
Auch da war der entscheidende Eindruck, daß man mit einer Mini DV-Kamera in eine Situation hineingehen und mit Menschen sprechen kann, ohne das Gefühl zu haben, sie mit der Kamera oder dem Aufbau zu 'erdrücken'. Man bleibt selbst sichtbarer hinter der Kamera, es läßt sich mit ihr spontaner reagieren, man ist von Licht- und Ortsbedingungen relativ unabhängig, und die Kamera läßt sich in schwierigen Situationen besser verbergen. Bei Interviews mit 'Offiziellen' ist uns zudem aufgefallen, daß sie uns mit einer Mini DV-Kamera nicht so ernst nehmen -- die Männer mit den großen Kameras wirken da doch wichtiger... Das kann ein Vorteil sein, denn Herablassung macht unvorsichtig.
Schwierig dagegen: der Ton, wenn man Interviews führen will (auch mit externen Mikros gab es immer Probleme), die eingeschränkten Möglichkeiten, mit dem Hintergrund zu arbeiten (dann bräuchte man eben doch wieder einen richtigen Lichtaufbau).
4 Welche Kamera und Schnittsoftware haben Sie verwendet?
Eine Sony VX 1000 und eine Panasonic-3Chip-Kamera mit LCD-Monitor, deren genaue Bezeichnung ich vergessen habe. Schnitt am AVID. Aber eine klares Konzept und vor allem eine gute Cutterin sind immer noch die entscheidende Software.
5 Welches Drehverhältnis hatte der Film?
Ich hatte am Ende ca. 50 Stunden Material (ohne das Archivmaterial), davon ist manches -- Photos und einige inszenierte Szenen -- mit Beta SP gedreht worden. Daraus ist ein 72minütiger Film geworden. Die Materialfülle ergab sich hier aus dem z.T. unplanbaren Arbeitsprozess, der sich u.a. mit dem Verhältnis zum 'Protagonisten' entwickelte. Viel Stoff, das empfinde ich als Problem, aber auch als Chance des billigeren DV-Materials. Man kann vieles erproben und erkunden, ohne auf jeden Meter Filmrolle achten zu müssen -- solange man dabei den Faden nicht verliert...
6 Hätten Sie im nacherein vielleicht doch lieber ein anderes Format gewählt?
Für diesen Film: nein
7 Da Sie schon auf DV drehen - würden Sie auch andere Distributionsmöglichkeiten als die heute etablierten in Betracht ziehen? Wenn ja, welche?
Ich habe den Film jetzt auf 35mm fazen lassen, damit er im Hauptprogramm des Internationalen Forums laufen kann, denn dort gibt es keine Video-Abspielmöglichkeit. Auch andere Festivals und viele Kinos bieten diese Möglichkeit nicht, schon gar nicht für Digi-Beta.
Es wäre sicher gut, zu überlegen, ob der Transfer-Weg von DV zu Film (mit seinen ganzen Tücken z.B. bei Farbabstimmung oder Format, wenn man ihn nicht von Anfang an eingeplant hat) sinnvoll ist, oder ob es nicht richtiger wäre, dem Umstand Rechnung zu tragen, daß aus inhaltlichen, ästhetischen oder finanziellen Gründen immer häufiger mit DV gearbeitet wird. Erst dann, wenn es mehr qualitativ gute Abspielmöglichkeiten gibt, läßt sich eine alternative Distribution aufbauen.
DV dabei gegen andere Formate behaupten zu wollen, finde ich allerdings nicht sinnvoll, ich habe zu lange, u.a. bei dem FrauenFilmFestival "Feminale", die Kämpfe um alternative Distributionswege für 16mm, aber auch für sperrigere 35mm Filme miterlebt, um da jetzt etwas auftrennen zu wollen. Am Ende einer technischen Entwicklung wird nicht das Format entscheidend sein, sondern die Marktgängigkeit (oder eben nicht) des 'Produkts'.
8 Ein gutes Wort (oder zwei) über DV:
Man kann es nutzen, ohne von Fördergeld abhängig zu sein. (At least to make a start). Mehr gute Worte siehe oben.
9 Ein schlechtes Wort (oder zwei) über DV:
Fällt mir sicher wieder ein, wenn ich auf der Berlinale den ersten schönen, auf 16mm oder 35mm gedrehten Film gesehen habe.


[Karin Jurschick, geb. 1959 in Essen. Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Mitbegründerin der Feminale. Seit 1995 Hörfunk- und Fernsehautorin. Danach hätte es schön sein müssen ist ihr erster langer Film.]


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