PowerMac hat geschrieben:
Klar. Dir serviert man Rohmaterial, welches nicht so symbolisch ist wie jenes an der anderen Szene mit der Frau und du zerreisst es. Ich habe absichtlich ein unterbelichtetes Bild gewählt, welches irgendwo eine Person mit Landschaft zeigt. Ein Großteil eines jeden Filmes wird aus Bildern bestehen, welche nicht an sich eine Botschaft tragen, sondern in Wechselwirkung aus nicht abgewandelten Bildern im Schnitt durch Assoziation erst die Botschaft enthalten. Daher heißt es Film und nicht Malerei. Eisenstein und Mamet lassen grüßen.
Das hat mit Mamet nichts zu tun. Mamet sagt nur, dass ein Nagel ein Nagel ist und nicht die Bedeutung des Hauses wiedergeben kann. Das heisst aber nicht, dass der Nagel garnichts aussagen darf, er darf sich nur nicht anmaßen das Haus zu repräsentieren. Das ist ein Unterschied.
Davon ab, grundsätzlich gilt doch: Ein Bild das nichts aussagt, ist ein unnötiges Bild. Film erzählt man über Auslassung, nicht über Fülle. Wenn ein Bild nichts aussieht, ist es ein weiterer Grund es rauszulassen.
Ich weiss, du wolltest nur was gegradet sehen, aber Grading ist für mich ein künstlerischer Prozess mit Zielsetzung. Ich kann mit deinem Bild nichs anfangen und deswegen sehe ich es als sinnlos da nun irgendeine Farbe reinzuschrauben.
domain hat geschrieben:
Diese Empfehlung habe ich auch nicht verstanden. Die Begründung ist zwar klar, geht aber davon aus, dass ohnehin fast alles gravierend digital nachbearbeitet werden muss, wovon ich generell recht wenig halte.
Außerdem hat eine "Froschperspektive" immer eine wertende Aussage, der Betrachter nämlich hat eine unterwürfige und die dargestellte Person gleichzeitig eine heroische Position. Deshalb war es auch eine typische Kameraposition bei Leni Riefenstahls Propagandafilmen.
Es kommt noch hinzu, dass der Himmel in unseren Breiten recht häufig weiß ist und dann jedenfalls einer kräftigen Nachbearbeitung bedarf, die man in grauenhafter Weise ja manchmal bei Dokus findet.
Aus meiner Sicht kann man solche Aussagen daher keinesfalls verallgemeinern, aber ich nehme an, dass ich MB missverstanden habe.
Es wird IMMER nachgearbeitet, ob digital oder analog, das war schon IMMER so. Die Kunst ist, nicht das Werkzeug zu visualisieren sondern den gewünschten Effekt (=Mood/Look) zu erreichen. Dafür muss man manchmal mehr draufdrücken, manchmal weniger.
Ein Himmel der weiss ist, muss ja nicht weiss bleiben. Jedes noch so flächige weiss im Himmel hat einen Hauch von blau. Ich mache dir aus jedem weissen Himmel einen bewölkten mit Blau dazwischen, überhaupt kein Problem. Und im Zweifelsfalle tauscht man dem Himmel aus, ist ja sowieso schon fast Standard.
Was die Einstellung angeht: Schwenken ist was für Dokus oder POV beim Szenischen. War das hier ein POV? Schwenken von oben ist nicht filmisch sondern dokumentarisch, und da ich Doku nicht macht, gefällt mir das Bild vermutlich schon deshalb nicht.
Aber, PowerMac, red dich nicht raus, es gibt keinen Grund ein Bild unterzubelichten, so dreht man einfach nicht, das war nicht gut. Von der Kadrage mal abgesehen. Der Kameramann hat mit der Blende geschlafen ;)
MB
Ich will lieber mit Weisen irren, als mit Unwissenden recht zu behalten. (Cicero)