Frank Glencairn hat geschrieben: ↑Fr 24 Feb, 2023 09:59
cantsin hat geschrieben: ↑Fr 24 Feb, 2023 09:48
BM bekommt langsam ein Problem mit der (stromfressenden, große und aufwändig gekühlte Gehäuse erfordernden) FPGA-Chiparchitektur und den veralteten Objektivmounts seiner Kameras.
Wo siehst du da ein Problem?
Ich sehe das Problem, dass ihren Kameras von unten von den System-Hybridkameras das Wasser abgegraben wird und von oben von preiswerteren Cine-Kameras wie der RED Komodo oder älteren Alexa-Modellen, die im Verleih oder selbst im Verkauf nicht mehr viel kosten, aber als 'no brainer' in filmindustriell etablierte RED-/Arri-Workflows passen.
Ggü. einer Kameras wie der Panasonic S5 IIx haben die BM Pockets als Vorteile eigentlich nur noch BRaw (ProRes haben auch die S5 IIx und immer mehr andere Hybridkameras) und das Touchscreen-/Menü-Nutzerinterface.
Als Nachteile aber: klobigeres, unergonomischeres und trotzdem weniger robustes Gehäuse ohne weather sealing, keine redundante Dual-Media-Aufzeichnung, deutlich schlechtere Akkulaufzeiten/höherer Stromverbrauch, kein eingebauter EVF, kein IBIS, kein Video-AF, kleinerer/schlechterer Sensor, kein moderner Objektivmount, bei der Pocket 6K weniger Objektiv-Adaptierungsmöglichkeiten (wegen des Auflagemaßes des EF-Mount), und natürlich keine echte Hybrid-/Fotofunktion. Im Fall von Panasonic zieht auch das Standard-Argument von Blackmagics besserem Color Management/Color Science-Workflow nicht, weil VLog da IMHO ebenbürtig ist.
Wenn man das mal mit der Situation von vor zehn Jahren vergleicht, als Blackmagic mit der BMCC 2.5K und der ersten Pocket gegen damals verbreitete Kameras wie die Canon 5D Mark III und Panasonic GH2 antrat und auf dem Markt der Budget-Bewegtbildkameras völlig neue Dimensionen erschloss (die Kameras sind ja heute noch exzellent...), ist der ehemalige technische Vorsprung von BM doch auf wenige Features zusammengeschrumpft [zumals sie bei den Pockets mittlerweile die gleichen Sony-Sensoren verbauen wie die MFT- und APS-C-Hybridkamerahersteller und sich das Raw- und 10bit-Log-Bild daher nicht mehr signifikant unterscheidet].
Die Slashcam-Redaktion hat ja schon vor vier Jahren
in diesem Artikel den Finger auf die Wunder gelegt, nämlich dass der technologische Vorsprung von Herstellern wie Blackmagic auf deren FPGA-Chiparchitektur beruhte (also, einfach gesagt: darauf, dass sie frei programmierbare Minicomputer à la Raspberry Pi als ihre Kamera-Controllerchips verwenden), während die japanischen Kamera-Massenhersteller allesamt ASICs verwenden [also viel einfachere, aber kleinere, stromsparendere, weniger kühlungsaufwändige und in der Massenherstellung billigere Chips mit fest ins Silizium gegossenen Funktionen] und diesen Vorsprung einholen können, sobald sie vergleichbare Funktionen wie z.B. ProRes-Aufnahme in ihre neueren ASIC-Generationen einbauen.
Es lohnt sich wirklich, diesen Artikel zu zitieren:
Hersteller wie RED, ARRI oder selbst Blackmagic verkaufen schlichtweg nicht so viele Kameras, dass sich hierfür ein spezielles ASIC-Design lohnen würde. Hier setzt man also teilweise notgedrungen auf FPGAs und versucht deren Vorzüge auch als Vorteile für den Kunden zu verkaufen: Also meistens lange Produktlebenszyklen mit nachträglichen Funktions Updates per Firmware. Dass die integrierten Funktionen dabei bei weitem nicht an die Komplexität einer modernen Systemkamera herankommen, wird dabei durch den sehr speziellen Anwenderkreis maskiert. Cinekameras "brauchen" standesgemäß keinen Autofokus und auch keine Automatik-Funktionen oder höchst komplexe, moderne Kompressionsalgorithmen. Die andere Wahrheit ist jedoch: Man könnte die Fülle an Funktionen, die eine moderne DSLR/DSLM bietet, gar nicht effizient in einem FPGA-Cine-Kamera-Design realisieren.
[...]
Sieht man in die Zukunft, so stecken die FPGA Designs für Cinema-Kameras in einer Sackgasse. So haben sie zwar den Vorteil, dass sie deutlich schnellere Design-Zyklen gegenüber ASICS ermöglichen. Allerdings ist der funktionale Nischen-Vorsprung einer ARRI/RED oder Blackmagic für Filmer in den letzten Jahren schon mächtig zusammengeschrumpft und lässt sich eigentlich fast nur noch auf die interne RAW-/und ProRES Aufzeichnung reduzieren.
Canon, Panasonic oder Sony müssen eigentlich nur den RAW-Hebel (oder den Schalter für ein anderes mild komprimierendes Verfahren) im ASIC umlegen, um die üblichen Cinekameras in fast allen anderen Bereichen zu übertrumpfen. Sei es beim Stromverbrauch, bei Automatiken wie der Objektverfolgung oder der automatischen Schärfeverlagerung. Oder beim kompakten Design und der Wetterfestigkeit.
Und genau an diesem Punkt sind wir ja jetzt angekommen, wobei die erste Kamera, die da wirklich alle Hebel umgelegt hat, die Nikon Z9 ist.
Bei mir persönlich hatte ja schon vor zwei Jahren die [ASIC-basierte, daher unglaublich kompakte, robuste und auf Normalakkus langlaufende] Sigma fp, trotz aller ihrer Kinderkrankheiten, den Vorzug ggü. der BM Pocket 4K, die ich hier im Forum verkauft habe....
Davon abgesehen, wird die Frage langsam, was Blackmagic in seinen Kameras - vor allem der Pocket-Liga - noch bieten bzw. welche Innovationen es noch bringen kann, oder ob die jetzige Hardwarestrategie von FPGA + preiswert einkaufbaren Sensoren in minimalistischen Kameras noch lange auf dem Markt funktioniert.