ennui hat geschrieben:@Gabriel
Ich würde mir auch mit meiner bescheidenen Lebenserfahrung als Mann nie anmaßen wollen, zu sagen "was Frauen wollen", schließlich ist das ein großes Rätsel, wie ja auch bei Männern. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass mir bereits einige sagten, dass sie vieles so gar nicht wollen, was da immer in ihrem Namen für sie gefordert wird von einer lautstark-elitären meist akademischen Minderheit, oder zumindest nicht auf diese Art. Das Dilemma teilt diese Minderheit aber zb. auch mit Kommunisten, die Arbeitern vor dem Fabriktor ihre kapitalistische Unterdrückung und Ausbeutung erklären wollen, und vergleichbaren Bestrebungen. Das stößt eben meist nicht auf große Resonanz. Womit ja aber noch nichts über die Stichhaltigkeit der jeweiligen Kritik ausgesagt ist. Man möchte vielleicht nur nicht von diesen Leuten mit diesem Absolutheitsanspruch vertreten und bevormundet werden. Sie sind sich ja auch als Feministinnen gar nicht untereinander einig, was sie denn nun fordern (Beispiel: Emma/Alice Schwarzer: "Prostitution schlecht", Feministische Grüne: "Sexarbeit gut", etc.) Und eben schon gar nicht "als Frauen" einig. Sie sagen aber trotzdem nicht "Wir Feministinnen fordern...", sondern sie sagen immer "Frauen müssen endlich..." uswusf. Stellen sich als Sprachrohre hin, ohne irgend eine Legitimation, für andere zu sprechen.
Natürlich gibt es immer eine lautstarke Minderheit in jeder Gruppe. Grundsätzlich halte ich für alles schlecht, was sagt, WIE jemand sein soll. Echter Feminismus und auch echte Gleichstellung kämpft eben dafür, dass jeder so sein kann, wie er oder sie oder es es will. Ein Mann der weint? Kein Problem. Eine Frau die stark ist? Auch kein Problem. Eine Frau die weint? Genauso kein Problem.
Jeder sollte so sein, wie er oder sie will ohne das andere Vorschreiben, wie das zu sein ist.
Und die Lebensmittelampel besagt ja auch "das hier ist gut/schlecht für dich, weil gesund/ungesund". Dafür gibts objektive ernährungswissenschaftliche Begründungen. Die ändern sich über die Jahre auch nur wenig. Die kann ich akzeptieren.
Die Lebensmittelampel ist genauso schwachsinnig und ungenau wie der Bechdel-Test ;).
Bei Kultur ist das nicht so leicht, weil Kultur ja oft widersprüchlich, paradox, komplex und wild ist und mit solchen schlichten Ratings nicht zu packen. Es sind eben Filme wie Martha denkbar, wo eine Frau 90 Minuten lang mies behandelt wird, nur mit/über Männern redet und die trotzdem weitaus feministischer sind als dieser Test. Welche Instanz soll da denn entscheiden, und nach welchen Regeln - hier sieht man einen Versuch, und er haut offensichtlich nicht so hin. WIe gesagt: Martha "schlecht", Pretty Woman "gut" - das ist ein Witz.
Und der Bechdel-Test hat auch nicht das Ziel, Martha als schlechten Film darzustellen.
Der Bechdel-Test tätigt nämlich keine Aussage über die Qualität.
Nur weil ein Film den Bechdel-Test besteht ist er nicht feministisch und nur weil er ihn nicht besteht, nicht.
Er ist ein Indikator, einer von mehreren Faktoren.
Was hier gemacht wird, ist den Bechdel-Test extrem zu verkürzen und zu sagen:
Wenn Bechdel-Test bestanden, dann sagen Feministen, toller Film und wenn nicht, schlechter Film.
Das ist schlicht und ergreifend falsch. Ihr verwendet den Bechdel-Test falsch und ihr unterstellt allen anderen, dass sie den Bechdel-Test falsch verwenden.
Über die Masse hinweg lässt sich mit dem Bechdel-Test nur quantitative Aussagen treffen. 'In der Mehrheit der Film spielen weibliche Rollen nur eine untergeordnete Rolle/eine wichtige Rolle'.
Über einzelne Filme hat der Bechdel-Test nur wenig aussakraft. Über die Masse der Filme schon.
Und dann kann man darüber diskutieren, ob das schlecht ist, gut ist, ob man da was machen muss oder nicht.
Aber allein schon den Test an sich abzulehnen ist, abzulehnen, ob irgendwas anderes gezählt wird.
Es erinnert eher daran, wie auch Rauchen in Filmen "tabu" wurde, weil irgendwelche Volkserzieher das so durchsetzten. Auf sowas kann ich aber gut verzichten. Und wie gesagt, es rennt 2013 offene Türen ein, wo sind denn heute noch die "Macho-Filme"? Vom Aussterben bedroht, höchstens noch ironisiert möglich. "Hollywood" war in den USA doch sowieso immer Synonym für "linksliberal", und spendet vor jeder Wahl eifrig den Demokraten. Die positiven starken Frauenfiguren gbt es doch da seit mehr als 20 Jahren schon. Das ist doch ein Kampf gegen Strohmänner, oder aber einer, der längst gewonnen ist. Kein besonders mutiger jedenfalls - heute. Film-Förderungen kriegt man so sicher auch imer leichter. Da muss man sich doch nicht als unterdrückte Minderheit aufführen.
Es gibt auch ein Riesensegment "Gay Cinema", wo es nur um Frauen (oder eben Männer) geht und heterosexuelle Beziehungen nur am Rande vorkommen. Es gibt eine Flut an "Tolle-Frau-schafft-alles"-Filmen, jeden Abend um 20:15 im deutschen TV. Von welchem Problem reden wir hier also nochmal? Frauen kommen in Filmen nicht genug vor und werden überwiegend "falsch" dargestellt? Seriously? Nicht in Deutschland und wohl auch nicht in Schweden.
Da ich kein Fernsehen hier schaue, kann ich darüber wenig Aussagen. Wenn ich aber an die letzten Kinofilme denke, die ich gesehen habe, keiner besteht den Bechdel-Test (einmal Endersgame und Gravity), was aber auch wieder an der Erzählstruktur liegt. In Gravity gibt es nur zwei Figuren. In Endersgame wird alles aus der Perspektive von Ende erzählt und kann somit keine Interaktionen nur zwischen zwei Frauen zeigen.
Der Bechdel-Test sagt also nicht, die Filme sind scheiße, denn dazu ist der Bechdel-Test nicht ausgelegt, sondern der Bechdel-Test lässt in den Fällen dann nur Fragen: Warum ist das so? Und dann gibt es dafür Erklärungen. Warum ist die Rollenverteilung in dem Film so? Moneyball, Martha, Gravity, Endersgame, das erklärt sich durch die Perspektive die eingesetzt wird, die Anzahl der Hauptdarsteller oder des Settings. Und alles im einzelnen ist nicht schlimm, weder gut noch schlecht. Die Frage lautet, warum passiert das aber in der Masse so? Warum gibt es in der Masse so wenige Filme, die den Bechdel-Test bestehen (oder doch, dazu muss man aber erlauben, dass der Bechdel-Test durchgeführt wird, etwas, was hier von einigen wehement abgelehnt wird).
Und ob Frauen im deutschen TV marginalisiert werden oder nicht, dafür ist dann eben der Beschdel-Test da. Damit kann man es mehr oder weniger gut überprüfen. Man kann ihn ja noch erweitern und verbessern (er hat eben als Witz angefangen, wie große wissenschaftliche Genauigkeit erwartet man da?).
Das Problem ist hier doch, dass ihr alle diesen Witz/Test zu ernst nehmt und als Vorstoß der feministischen Weltrevolution betrachtet, die alle Männer kastrieren will.
Zumindest hat man das Gefühl, wenn man einige Beiträge hier so liest.
Und ob man sich als unterdrückte Minderheit aufführt oder nicht, das sollte doch immer noch der Minderheit überlassen sein.
Noch immer verdienen Frauen in gleichen Berufen für die gleiche Arbeit weniger Geld, noch immer sind vor allem auch in Deutschland so gut wie nicht in den Chefetagen vertreten. Rein rechtlich gibt es eine Gleichstellung zwischen Mann und Frau, aber eine tatsächliche herrscht nicht.
Zu wenig männliche Kindergärtner, zu viel Zwang, dass der Mann doch mehr verdienen soll als die Frau (eine Falle, in die auch erfolgreiche Frauen tapsen, die dann keinen Mann finden, weil sie nur nach noch erfolgreicheren Partnern schauen).
Ist man Schwul, wird man immer noch schief in vielen Bereichen angeschaut, als Frau kann man in bestimmten Stadtteilen nachts nicht alleine rumlaufen, während ich als Mann keine Sorgen haben muss ect.pp.
Meistens ist es keine positive Diskriminierung, sondern ein Abbau von Privilegien einer Minderheit, die diese nicht gern sehen.
z.B. das Rauchverbot in öffentlichen Bereichen ist die einzig richtige Sache, weil Rauchen den anderen in der Umgebung schadet und man ein Anrecht darauf hat, dass einem nicht durch andere geschadet wird. Raucher finden das aber doof, weil sie auf einmal nicht mehr überall rauchen dürfen, wo sie es vorher taten. Sie sahen es als ihr Recht an, aber in wirklichkeit war es ein gewährtes Privileg. Sie durften um ihre Sucht zu befriedigen anderen Schaden. Das wurde geändert. Jetzt dürfen sie das nicht mehr.
Aber Zuhause oder in Bars wo kein Essen serviert wird (man kann über die einzelnen Eingreife streiten), dürfen sie rauchen und jeder kann sich freiwillig entscheiden, ob er sich dem Passivrauch dort aussetzt oder nicht.
Und jeder kann sich entscheiden, ob er in ein Kino geht, dass solche Label vergibst oder ob er da nicht reingeht. Und ich wette, die meisten werden ein Beschdel-Label genauso ignorieren, wie die Lebensmittelampel oder ein FSK Rating (wenn man denn über 18 ist, als Kind hat es mich angekotzt, dass ich in manche Filme nicht rein durfte ^^ das ist Zensur! ^^).
Aber eins muss ich noch loswerden, man sieht hier einen Unterschied. Du bist bereit, in der Sache zu diskutieren, ein paar andere hier nicht. Die haben Gender gelesen und sind sofort in eine Antihaltung verfallen und fabulieren vom Untergang des Abendlands, von Faschisten und Zensur, Gesinnungsdiktatur, Political Correctness und Co.
Sie sind so verfahren in ihrer Antihaltung, dass sie einen simplen Test, den einige auf die Filme die sie zeigen anwenden, für den Beginn des Unterganges halten.